Der Griff zur Flasche

Die Selbsthilfegruppe aus Neukirchen-Vluyn will vor allem betroffenen Frauen helfen. Foto: Heike Cervellera
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  • hochgeladen von Susanne Schmengler
Wo: St. Antonius, Neukirchen auf Karte anzeigen

Er ist nicht nur die Volksdroge, sondern auch die Familienkrankheit Nr. 1: Alkohol. Besonders für Frauen ist die Abhängigkeit von Schnaps & Co. ein großes Problem.
Frauen sind zwar prozentual seltener als Männer alkoholabhängig, als Partnerin oder Angehörige stecken sie aber oft mitten in der Problematik drin. Alkoholabhängigkeit betrifft immer die ganze Familie. Darum sind besonders die Frauen die Leidtragenden , wenn die Krankheit Ehen und Familien auseinanderbringt.
Margret Oppitz aus Kamp-Lintfort ist seit vielen Jahren ehrenamtlich beim Kreuzbund tätig, der generell Suchtkranken aller Art hilft. Irgendwann erkannte sie die Notwendigkeit, eine Selbsthilfegruppe nur für Frauen zu gründen: „Weil Frauen anders über Alkohol sprechen als Männer. Gerade, wenn es auch um Themen wie Gewalt oder Trennung geht, scheuen sie sich, diese Themen in Gegenwart von Männern anzusprechen.“ Und: „Männern fällt es schwerer, über Probleme zu reden.“
Eine Verbündete fand Margret Oppitz in Maria Pasch von der katholischen Kirchengemeinde St. Antonius am Vluyner Nordring. Vor dreieinhalb Jahren gründeten die beiden eine Selbsthilfegruppe nur für Frauen. Nach einigen Startschwierigkeiten fanden sich immer mehr Frauen zusammen, Betroffene und Angehörige.
Vor einigen Monaten starteten sie dann den Versuch, zusätzlich eine gemischte Gruppe anzubieten: „Allerdings kamen hier nur Männer“, sagt Maria Pasch. Als in beiden Gruppen der regelmäßige Betrieb nachließ, schloss man sich wieder zusammen. Nur einmal im Monat tagen sie getrennt.
Zurzeit trifft sich die Gruppe immer montags um 20 Uhr in den Räumen von St. Antonius, am ersten Montag im Monat um 18 Uhr die gemischte Gruppe und um 20 Uhr die Frauengruppe. „Es kann jeder kommen und auch wieder gehen“, erklärt Maria Pasch. „Wir hören erstmal einfach zu.“
Der Auslöser, warum die Betroffenen zu ihnen kommen, sind ganz unterschiedlich. „Jeder erzählt von sich. Meist stehen die Leute vor einem Wust von Problemen. Dann ist das erste Ziel, zuzuhören, die betroffene Person zu stärken und zu stabilisieren“, sagt Margret Oppitz. „Angehörige können den Partnern meistens nicht helfen.“
Acht bis neun Leute kommen derzeit regelmäßig, mehr Zulauf ist sehr erwünscht. Zwei bis drei Fälle waren bislang darunter, die auch den beiden „Profis“ menschlich sehr nahe gingen. Margret Oppitz: „Aber es ist auch toll zu sehen, wie diese Frauen wieder stark werden und am Ende sagen: Ja, ich bin wieder da.“

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