Der etwas andere Verein
TuS Preussen Vluyn 09

Offizielles Foto der Aufsteiger des TuS Preußen Vluyn von 1981
obere Reihe von links: Trainer Hansi Kelbch, Kapitän Manfred Wollenweber, Hardy Walter, Josef Schüpfer, Nico Lukasewycz, Armin Walleneit, Michael Sibilski, Günter Hackstein, Pressewart Jakob v. d. Koelen, 
untere Reihe von links: Bogdan Rybka, Tarras
Lukasewycz, Jan Makarewicz, Tzoutis Panagiotis, Hartmut Brinkmann, Vazlav Lallika, Michael Nuske.
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  • Offizielles Foto der Aufsteiger des TuS Preußen Vluyn von 1981
    obere Reihe von links: Trainer Hansi Kelbch, Kapitän Manfred Wollenweber, Hardy Walter, Josef Schüpfer, Nico Lukasewycz, Armin Walleneit, Michael Sibilski, Günter Hackstein, Pressewart Jakob v. d. Koelen,
    untere Reihe von links: Bogdan Rybka, Tarras
    Lukasewycz, Jan Makarewicz, Tzoutis Panagiotis, Hartmut Brinkmann, Vazlav Lallika, Michael Nuske.
  • Foto: Manfred Wollenweber
  • hochgeladen von Uwe Kluge

Beklagte ich mich im vergangenen Jahr schon über den seltsamen Umgang mit der Historie des ehemaligen Fußballvereins SV Neukirchen 21, so möchte ich nun auf die Geschichtsvergessenheit im Umgang mit der Geschichte des Lokalrivalen des ebenfalls ehemaligen TuS Preußen Vluyn 09 hinweisen.

Diese beiden Vereine wurden am 5. Februar 2018 zum FC Neukirchen-Vluyn 09/21 vereinigt. Die Gründe waren vielfältig, und sicherlich notwendig, um in heutiger Zeit als Verein bestehen zu können. Das Vereinsmotto lautet :
FC Neukirchen-Vluyn 09/21 e.V. Tradition mit Zukunft.

Worauf sich diese Tradition bezieht, lässt sich leider auf der aktuellen schicken Homepage des Vereins nicht nachvollziehen. Mit keinem Wort wird auf die Wurzeln, und die Historie hingewiesen, aus denen der FC entstanden ist, und das wo doch selbst in der Bundesliga in vielen Vereinen, größter Wert auf die Tradition gelegt wird.

Der Name „TuS Preußen Vluyn 09“ enstand im Jahre 1949, da schlossen sich der alte „Turnverein Jahn“ von 1909, und „Sportclub Preußen Vluyn“, der sich 1924 von diesem Turnverein löste, um als selbständiger Fußballclub seinen Spielbetrieb aufzunehmen, sich wieder zu einem Gesamtverein zusammen.
Der Fußballverein SV Neukirchen wurde 1921 gegründet. In diesen Vereinen liegen die Wurzeln des heutigen FCN 09/21.

So möchte ich meinen Teil dazu beitragen, dass die Erinnerungen an diese Wurzeln nicht ganz verloren gehen, und möchte den Fokus auf die Aufstiege von 1979 und 1981richten, und die Jahre, in denen ich Teil der Vluyner Landesliga-Mannschaft von 1981 bis 1984 sein durfte.
Es waren drei Jahre, die im Vergleich zu der über hundert jährigen Geschichte des Vereins nur einen Augenblick dauerten, und doch waren diese drei Jahre das letzte „Hoch“ im Vluyner Fußball!

Manfred Wollenweber, Spieler und langjähriger Mannschaftskapitän dieser Mannschaft, hält die Erinnerung an diese Zeit hoch. So lud er schon 1991, 2001, 2011, 2016,und 2019, jeweils die Spieler der Mannschaften der Aufstiege von 1979 und 1981 ein.
Beim nun jetzt schon sechsten Treffen am 10.09.2021, erweiterte er den „Kader“ der Spieler um jene, die in der ersten Landesliga Saison von 1981/82 zur Verstärkung der Mannschaft geholt wurden.
Und so kam es wie es immer kommt, wenn sich alte Recken treffen, und von den „guten“ alten Zeiten schwärmen. In der Rückbetrachtung gibt es nie schlechte Erinnerungen, immer nur Gute! Es gab viel zu erzählen, denn die Fußballvereine im Altkreis Moers, hatten von 1960 bis Mitte der 80er Jahre ihre größte Zeit.
In den Städten des damaligen Fußballkreises 7, dazu gehörten Moers und Kamp-Lintfort, die damaligen Kreisfreien Städte Homberg und Rheinhausen, und Neukirchen-Vluyn, gab es jeweils mehrere Vereine.
Doch es gab auch immer einen Platzhirschen, der den Fußball im Ort beherrschte! Der Meerbecker SV, der TuS/SV Lintfort, der Homberger Spielverein, der OSC Rheinhausen, und der SV Neukirchen. Sie dominierten das Geschehen jeweils in ihren Städten. Da gab es dann dort auch die „kleinen“ Vereine, die stets versuchten die damaligen „Großen“ zu ärgern, und ihnen ein Bein zu stellen. Die seltenen Siege der „Kleinen“ im Stadtpokal, im DFB Pokal, oder in Freundschaftsspielen, wurden dann jeweils groß gefeiert!
In Neukirchen-Vluyn gab es zeitweise zwei Landesligisten, den SV Neukirchen und die Preußen aus Vluyn. Deren damalige intensiven Derbys, sind mit den heutigen Spielen zwischen Schalke gegen Dortmund zu vergleichen!
Die Rivalität zwischen diesen beiden Vereinen war damals so groß, dass bei der deftigen 6:1 Schlappe der Preußen in der Saison 1971/72 im Neukirchener Stadion Klingerhuf, ob der Häme der SVN Fans, sich die Emotionen und das Zweikampfverhalten der Spieler auf die Zuschauerränge übertrugen, und dabei weit über das sportliche Maß hinausgingen!
Der TuS  stand lange im Schatten des „großen“ SV Neukirchen, und stiegen die Manschaft dann endlich in die Fußball-Landesliga auf, spielten die „Blau-Gelben“ eine Liga höher, oder waren nicht zu bezwingen. Dabei lässt sich der sportliche Erfolg der „Preußen“ durchaus sehen. Dreimal stiegen sie in Landesliga auf, eine Klasse die bis zur Einführung der Oberliga 1978, immerhin die vierthöchste Klasse darstellte. Der erste Aufstieg gelang 1964, und endete leider schon nach nur einer Saison. Die zweite Zugehörigkeit zur Landesliga dauerte da schon bedeutend länger. Dieser Aufstieg gelang 1967, und der Verbleib in der Landesliga endete erst mit dem Abstieg 1972. In dieser Zeit fand das erwähnte Treffen der beiden Mannschaften statt. Der sportliche Niedergang endete dann erst im Jahr 1975 mit dem Absturz bis in die Kreisliga A.
Was dann erfolgte sucht heute noch seinesgleichen. Eine Mannschaft mit fast ausschließlich „Vluyner Jungs“ unter dem Trainer Willi Thomczyk, schaffte in der Saison 1978/79 den Aufstieg in die Bezirksklasse. In der darauffolgenden Saison musste die Mannschaft sich in der neuen „Umgebung“ erst einmal zurechtfinden. Am 9. Spieltag befand man sich sogar zeitweise mit nur 3:15 Punkten am Tabellenende! Doch die Mannschaft fand sich, und hatte am Schluss mit 33 Punkten, mit dem Abstieg nichts mehr zu tun.

Erst am letzten Spieltag der Saison 1980/81, stand der Aufsteiger fest.
Mit dem viel umjubelten 0:0 beim direkten Konkurrenten und Tabellenzweiten TuS Gellep, gelang den Vluynern der dritte Aufstieg in die Landesliga.
Es war der letzte Höhepunkt in der Vereinsgeschichte des TuS Preußen Vluyn 09. Verantwortlich dafür war Hansi Kelbch, er war an allen drei Vluyner Landesliga Aufstiegen beteiligt! An den ersten beiden als Spieler, und dem Dritten und Letzten, als verantwortlicher Trainer. Als Fußballer wurde er nur noch von der „Vereinslegende“ Günter Hackstein übertroffen, dieser war an allen drei Aufstiegen als Spieler beteiligt, und hatte sich am Ende seiner langen Karriere wegen seines Alters den Spitznamen „Methusalem“ verdiente!
In dieser Liga konnte das „Vluyner Modell“ nun zwei Spielzeiten lang mithalten, stieß damit dann leider, in der dritten und letzten Landesliga Saison an seine Grenzen.
Das Modell war, fast alle Spieler aus der eigenen Jugend in die „Erste“ zu integrieren, keine Handgelder oder Ablösesummen zu zahlen, doch denen aus anderen Vereinen, bei der Beschaffung eines Arbeitsplatzes, oder bei der Suche nach einer Wohnung behilflich zu sein. Dies alles ohne Mäzen, finanziell auf die Zuschauereinnahmen angewiesen, und letztlich nur für ein Essen nach dem Spiel, suchte in der Liga seines gleichen! Wurden doch Zeitgleich in Lintfort, Kleve, Goch, Geldern, Homberg, oder Xanten, Handgelder für einen Wechsel in Höhe von mehreren Tausend DM, oder Ablösesummen in gleicher Höhe klaglos gezahlt. In den Zeiten der zwei Punkte Regelung, erhielten die Spieler dieser Vereine, für nur einen erreichten Punkt, gerne schon einmal eine Prämie von bis zu 50 DM!

In diesen drei Jahren gab es jedoch so manchen Sieg und so manche Überraschung zu feiern. So sorgten die Spieler um den Trainer Rainer Nowak, im ersten Jahr für eine leider nur kurzweilige Sensation. Stand man doch nach dem vierten Spiel mit 7:1 Punkten und 12:3 Toren auf dem 1.Tabellenplatz! In der Folgezeit ging es allerdings nur noch darum, den Klassenerhalt zu sichern, und beendete die Saison auf dem sicheren 10. Tabellenplatz. Während dieser Saison gab es ein weiteres Beispiel für das kameradschaftliche Verhalten bei den Preußen. Als der wichtige Abwehrspieler Hartmut Brinkmann für lange Zeit ausfiel, sprang der bereits erwähnte Günter Hackstein, der sich in die 2. Mannschaft zurückgezogen hatte, ohne zu zögern für ihn ein. Sportlich immer noch auf der Höhe, half er für 12 Spiele aus, und war ein wichtiger Teil der Abwehr!
Kurz vor dem Start in die neue Saison erfolgte noch ein weiterer Höhepunkt in der Vereinsgeschichte. Bei einem Turnier des SV Neukirchen, mit damals namhaften Teilnehmern wie dem GSV Moers, MSV Moers, DJK Lintfort, FSV Kapellen, SuS Rayen und dem FC Moers, schossen die Preußen im Endspiel am 1. August 1982, den ewigen Rivalen mit 4:0 aus dessen eigenen Stadion.

Eine schöne späte Genugtuung, die dem neuen Trainer Horst Frank, er folgte auf den zum GSV Moers gewechselten Rainer Nowak, in der Spielzeit 1982/83 allerdings keinen, der ab jetzt so dringend benötigten Punkte einbrachte. Die zweite Saison ist für Aufsteiger immer die schwerste, und so kam es, dass der Klassenerhalt erst im zweitletzten Spiel gesichert wurde. Beim Spitzenreiter und Top Aufstiegsaspiranten SV Schwafheim, erzielte Jürgen Bardtke, in einem dramatischen Spiel erst in der 87. Minute den Ausgleich zum 1:1, und sicherte den Vluynern damit den Verbleib in der Liga.

Die Dritte und letzte Landesliga Saison stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Durch private, berufliche, und persönliche Entscheidungen verlor der Verein fast die gesamte Abwehr, das Prunkstück der Preussen!
Mit Armin Walleneit dem erfahrene Libero, mit Hardy Walther dem Torgaranten, Taras Lukasewicz dem beinharten Verteidiger beendeten drei eminent wichtige Spieler ihre Laufbahn. Willi Beuth der wieselflinke Stürmer zog sich in die Reserve zurück, und Nico Lukasewicz wechselte zum Liga Rivalen GSV Moers. Alles Vluyner Ur-Gesteine, die großen Anteil an den Aufstiegen des Vereins hatten. Darüber hinaus musste der junge talentierte Abwehrspieler Uwe Tschuschke zur Bundeswehr seinen Wehrdienst leisten. Einen letzten Schlag musste die Mannschaft noch kurz vor Beginn der Saison hinnehmen, als der Vorstopper und Mannschaftskapitän Manfred Wollenweber, mit einer schweren Verletzung die komplette Hinrunde ausfiel. Damit endete im Grunde leider auch das Vluyner Model.

War das schon schwer genug zu verkraften, gab es darüber hinaus noch ständigen Ärger mit der Stadt und deren Verwaltung. So wurde der Rasenplatz (städtischer Besitz), des öfteren für den Spielbetrieb als -Unbespielbar- gesperrt. So fanden wichtige Spiele auf dem Aschenplatz statt. Eigentlich nur der Trainingsplatz, ohne Zuschauerränge und Stankett, und zudem so schmal, das mancher Gegner nur unter Protest antrat. Darüber hinaus gab es Busgeld-Bescheide, wegen eines nicht genehmigten Imbisswagens, und wegen Spielens an einem Feiertag (Allerheiligen). Die Vereinsdisco für Jugendliche musste geschlossen werden, und Gelder für bauliche Unterhaltungsmaßnahmen des Vluyner Clubhauses in Höhe von 30.000 DM wurden völlig gestrichen. Einer der Verantwortlichen im städtischen Amt, war damals ein Herr Helmut Edelhoff, seines Zeichens 1. Vorsitzender des SV Neukirchen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt!

Den erwähnten Aderlass konnte Trainer Horst Fank und die Mannschaft, die mit vielen jungen Spieler aus umliegenden Vereinen ergänzt wurde, leider nicht kompensieren. Auch als es mit seinem Rücktritt 8 Spiele vor Saisonende, noch einen Wechsel zu seinem Vor-Vorgänger, dem Aufstiegstrainer Hansi Kelbsch kam, war das Ende unvermeidbar. Mit 14:46 Punkten, und 31:68 Toren stieg die Mannschaft als Tabellenletzter ab.
Es folgten Jahre mit wechselnden „Erfolgen“, mit Auf-und Abstiegen aus der Bezirksliga, aber für die Landesliga reichte es nicht mehr, bis zu dem beschriebenen Ende/Anfang von 2018.

Als einen Treppenwitz der Geschichte, könnte man es fast bezeichnen, dass nach all diesen Animositäten über die Jahrzehnte hinweg, diese zwei Neukirchener Lokalrivalen, seit dem 5. Februar 2018 als ein Fußballverein gemeinsame Sachen machen.

Aber genau deshalb wünschen wir dem neuen Verein FC Neukirchen-Vluyn 09/21 e.V. mit seinen derzeit 6 Senioren-, und 16 Jugendmannschaften alles Gute und sportlichen Erfolg.

Quelle        Festzeitschrift TuS Preußen Vluyn 1909-2009, verantwortlich
Gudrun Schröder, Jürgen Meier, Richard Stanczyk, Dirk Albrecht,
und Günter Patzke
Mein besonderer Dank geht an
Manfred Wollenwebers  1979-2019: 40 Jahre Bezirksligaaufstieg
Maria und Günter Hackstein
Panagiotis Tzoutis für die Mitarbeit an „das gemeinsame Erinnern“,
und Rainer Kluge

Autor:

Uwe Kluge aus Kamp-Lintfort

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