1929 wurde das Glockenspiel eröffnet und 1989 demontiert.
Als das Glockenspiel der Fa. Balke die Marktstraße in Oberhausen verzauberte. Ein historischer Rückblick.

Das dritte Glockenspiel des Fachgeschäftes Georg Balke wurde am 8. Oktober 1966 in Betrieb genommen. Um 10 Uhr begann der Hüttenmann mit seiner Arbeit. NRZ 1966
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  • Das dritte Glockenspiel des Fachgeschäftes Georg Balke wurde am 8. Oktober 1966 in Betrieb genommen. Um 10 Uhr begann der Hüttenmann mit seiner Arbeit. NRZ 1966
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1929 wurde das Glockenspiel eröffnet und 1989 demontiert.

Als das Glockenspiel der Fa. Georg Balke die Marktstraße in Oberhausen verzauberte. Ein historischer Rückblick.

  • Das neue Geschäftshaus von Georg Balke 1929. In diesem Jahr wurde 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Gründung 1904.

Die moderne schlichte Architektur der Front aus kupferfarbenen Klinkern wirkt äußerst wohltuend auf den Beschauer. In der Mitte über dem erkerartigen Fenster des 1. Obergeschosses ist unter einen kupfernen Baldachin ein Glockenspiel mit 14 Glocken im Westminsterschlag und Lieder spielend harmonisch eingefügt. Das Erdgeschoss hat in praktischer Aufteilung 3 neue Läden erhalten. Herr Georg Balke verlegte seine damaligen beiden bekannten Geschäfte " Uhren- und Goldwaren " und "Radiogerät " in zwei dieser schmucken Läden. Das wohlgelungene Werk wurde von dem Oberhausener Architekt Herrn Feuge entworfen und die Arbeiten geleitet. Alle Arbeiten wurden von Oberhausener Firmen ausgeführt.

  • Am 5. Oktober 1929 wurde das neue Geschäft eröffnet und das Glockenspiel ertönte zum ersten Mal

Es ist kurz vor 16 Uhr, trotz des Regens standen vor dem Hause Balkes eine riesige Menge Leute und warteten, dass die Uhr 12 schlägt. Manche der Passanten warten schon über eine Stunde. 

  • Warum kamen all die Leute, ist das Glockenspiel etwas Neues?

Eigentlich nicht, die erste mechanische Musik geht bis in 7 Jahrhundert zurück. Die Heimat der Glockenspiele, im Jahre 1929 waren die Niederlande. In Flandern 15 Jahrhundert wurde das erste Glockenspiel gebaut. 1929 besaß Holland, 115 Glockenspiele von denen viele über hundert Jahre alt sind. Belgien 80 und Deutschland 8.

  • Die Spannung wuchs, eine riesengroße Menschenmenge wartete auf die ersten Töne.

Der Zeiger ist mittlerweile weiter gerückt, gleich wird es 16 Uhr sein, eine gewisse Spannung ist in der Luft und da ist die herbeigesehnte Zeit. Alle starren auf die 14 blitzblanken Bronzeglocken unter dem eisernen Tragegestell hängen. Und ehe man noch die Bewegung von Glockenhämmern wahrnimmt, klingt es melodiös, wie eben Bronzeglocken klingen und gar zweistimmig die Straßenzeile auf und ab: " Ping--, ping -- pingpingpingping -- ping --. Alles steht still und horcht den Klängen.
Von der Königstraße her flitzt im Laufschritt eine ganze Abteilung von Schulmädchen über die Elsässer- zur Marktstraße und stellt sich an der Ecke auf, um mit von der Partie zu sein.
Es ist nicht ganz leicht, die einzelnen Töne zu einem zusammenhängenden musikalischen Gebilde zu gruppieren. Die Glockenschläge sind kurz, wie die einer Turmuhr, die Töne klingen nicht nach wie die Gongschläge einer Standuhr. Wo die geschriebene Melodie zwei-, drei-, oder gar vierviertel Noten zeigen würde, schweigen die Glocken nach dem Anschlag, fast als ob hier eine Pause begänne, sodass es einige Mühe kostet, dahinter zu kommen, dass das Danklied wird: " Nun danket alle Gott“.
Es wurden zur Eröffnung noch zwei weitere Lieder gespielt „Am Brunnen vor dem Tore“. Guten Abend gute Nacht“.
Täglich wurden diese drei Lieder gespielt bis 1942. Die Spielzeit war 10 Uhr, 16:00 Uhr und 20:00 Uhr.
Nach der Präsentation zerstreute sich langsam die unzähligen Zuschauer, sehr viele Gesichter zeigten Freude, einige tuscheln noch über das Glockenspiel wie schön es war, andere gingen zur Familie Balke um zu gratulieren, denn so was in der Form, gab es vorher noch nicht in Oberhausen. In den nachfolgenden Jahrzehnten wurde es zur Attraktion auf der Marktstraße.
In den nachfolgenden Wochen, wurden die Zuschauer weniger, aber immer wieder trafen sich mehrere Leute, zu den genannten Uhrzeiten, um die wunderbaren Klänge des Glockenspiels zu hören. Der größte Auflauf, war immer die Zeit vor Weihnachten, wo Familie Balke nochmal zusätzliche Lieder spielte. Sie kamen von Nah und Fern.

  • Das Aus des ersten Glockenspiels 1942. Es wurde eingeschmolzen für Kriegszwecke.
  • Bereits 1950 kam das Neue, zweite Glockenspiel.

1950 bekam die Westfalener Firma Petit & Gebr. Edelbrock eine Tradition Glockengießerfirma in Gescher den Auftrag neue Bronzeglocken anzufertigen. 14 Stück an der Zahl. Als die Glocken erstellt worden waren und in Oberhausen eintrafen, wurden sie von den Spezialisten der Firma Philipp Hörz GmbH Turmuhrenfabrik, auch eine Traditionsfirma aus Ulm aufgehängt und eingestimmt.

Die Anbringung bis zur vollständigen Installation dauerte ungefähr 3 ½ Wochen.
Oft blieben Zuschauer erstaunt von dem Hause des Glockenspiels stehen und bewunderten den Aufbau. Und immer wieder dieselben Fragen der neugierigen Menschen an die Fachleute die die Glocken anbrachten. „Wann ist es soweit“.

  • Es war so weit, das zweite Glockenspiel wurde eröffnet am 30. September 1950

Die Eröffnung, wurde durch die Oberhausener Zeitungen verkündet. Sie fand statt am 30. September 1950 um 16:00 Uhr. Obwohl noch so viel zu tun war in Oberhausen, die Kriegsenttrümmerung und Aufbau es war noch in vollen Zügen, trotz all den Umständen kamen genau wie 1929, eine riesige Menschenmenge zur Eröffnung um 16:00 Uhr. Einige von ihnen, waren schon 1929 dabei.

  • Folgende Lieder wurden gespielt.

11 Uhr: "Nun danket alle Gott“,
17 Uhr: "Am Brunnen vor dem Tore".
20 Uhr: "Gute Abend gute Nacht“.
Der Entwurf für den äußeren Rahmen des Glockenspiels stammt vom Oberhausener Architekten Heinrich Feuge. Herr Feuge hatte das Haus entworfen und die damalige Aufhängung des ersten Glockenspiels.

  • Oktober 1966 das dritte neue und erweiterte Glockenspiel wird eröffnet. 

Das erweiterte und neue Glockenspiel auch mit neuen Liedern des Fachgeschäftes Georg Balke wurde am 8. Oktober 1966 in Betrieb genommen. Es besteht aus 16 Glocken die in Holland gegossen worden sind. Das Gesamtgewicht betrug 330 kg.

  • Erinnerungen wurden wach von 1929 und 1950

Das neue Glockenspiel hatte gleich bei der Eröffnung zahlreiche Zuschauer, sie waren fasziniert von einem schönen vollen, hellen Klang. Die stattliche Zuschauermenge erinnert an die Eröffnungen von 1929 und 1950. Pünktlich um 10 Uhr löste sich auf der rechten Seite angebrachte kleine Figur des Hüttenmannes, aus seiner Ruhestellung und schlug eine der Glocken viermal an. Dann folgte ihm der Bergmann auf der anderen Seite und verkündete mit seinen Schlägen die volle Stundenzahl.
Danach ließ Rolf Balke die gesamte Rolle des Glockenspiels ablaufen. Eine Reihe Lieder erklang: „Lobet dem Herrn“. „Wer recht in Freuden wandern will“. „Das Bergmannslied“. „Mein Vater war ein Wandersmann“. „Ade zur guten Nacht“. Auch um 11 Uhr hatte sich eine große Menschenmenge vor dem Oberhausener Glockenspiel eingefunden. Um 12 Uhr wieder.
Die Lieder des Bronzeglockenspiels spielten um 10, 12, 16, 17, und 20 Uhr automatisch und brachten jeweils ein Lied.
Auch die Weltzeituhr fand viele aufmerksame Betrachter.
Firmenchef Heinz Balke ließ verlaufen das im November folgende Lieder auf dem Programm standen:
Wach auf, mein Herz, Auf zum fröhlichen Jagen. Das Bergmannslied. Wenn alle Brünnlein fließen. Guten Abend, gute Nacht. Zunächst Advents-, später Weihnachtslieder werden im Dezember erklingen. 1967 werden zwei Menuette von Bach, altdeutsche Tanzweisen von Schein und Böhm. Glockenspiel aus der Zauberflöte. Duett Rondino von Mozart.
Die Familie hatte in den späteren Jahren, immer wieder ihre Lieder erweitert. Um die Weihnachtszeit war es wie Jahrzehnte zuvor, es kam immer wieder zu Aufläufen der Zuhörer von dem Geschäft.

  • Anfang 1989 wurde das Glockenspiels abmontiert.

Die letzte Sichtung des Glockenspiels erfolgte Anfang 1989, wo sie abmontiert wurden. Der weitere Verlauf des Glockenspiels konnte nicht ermittelt werden

  • Gründung der Firma Balke. 1904.

Am 2. November 1904 gründete der Uhrmachermeister Georg Balke sein Uhrenfachgeschäft in der Marktstr. Er führte das Geschäft bis ins Jahr 1932 und dann übergab er es seinen Sohn Heinz Balke und dessen Frau Käthe.1940 musste Heinz Balke in den Krieg, seine Frau Käthe führte das Geschäft mit viel Umsicht weiter. Nach dem Krieg fing man sofort mit dem Wiederaufbau an und schon zwei Jahre später konnte das Geschäft erweitert werden.
1957 trat mit Sohn Rudolf die dritte Generation ins Geschäft ein. Nach dem Abitur hatte Rudolf Balke die staatliche Uhrmacherschule in Hamburg mit Abschluss als Uhrmachergehilfe besucht. Er nahm an Fachlehrgängen in Idar-Oberstein und Königstein über Edelsteinkunde, Mineralogie und Brillant-Gradierung Teil und bestand 1958 vor der IHK seine Prüfung als Kaufmann.

  • Der Tod von Frau Käthe Balke im Jahre 1975 traf die Familie Balke sehr.

Eine große Lücke riss der Tod von Frau Käthe Balke, die die gute Seele des Geschäfts gewesen war.

  • Frau Marlies Balke übernahm

Frau Marlies Balke übernahm die Aufgaben des gesamten Wareneinkaufes, die Dekoration und Werbung. Mit gleicher Hingabe wurde es weitergeführt.

  • 1979 das Jubiläum. 75 Jahre Balke

1979 war ein besonderes Jahr für die Familie Balke, es war das 75-jährige Jubiläum. Wie auch die ganzen Jahrzehnte zuvor, ließ die Familie sich etwas für Ihre Kunden einfallen, sie sollten teilhaben an ihrem Erfolg. Das über Oberhausen bekannte Familiengeschäft präsentierte sich mit herrlichen, großzügigen dekorierten Schaufenstern, mit Neugestaltung der Verkaufsräume und einer perfekten Werkstatt. Das Dugena-Fachgeschäft Balke bot modernste Uhrentechnik in einer großzügigen Auswahl, dazu Gold-und Silberschmuck, Trauringe, Perlen und Juwelen. Auch war vorhanden eine Großuhren-und Silberwarenabteilung mit Geschenkboutique. Zu diesem Anlass des 75jährigen Jubiläums wurde der Kundschaft in der Zeit von 2. 11.-15. 11. 1979 ein Jubiläums-Nachlass auf besonders gekennzeichneten Artikel gewährt. Ein Jubiläums-Quiz mit wertvollen Preisen fand auch statt.

  • Das Aus der Firma Balke.

Ende der 80er Jahre gab Familie Balke das sehr bekannte und geschätzte Juweliergeschäft auf. Ein anderes Juweliergeschäft namens Brand eine andere Traditionsfirma auch auf der Marktstr ansässig, übernahm das Geschäft. Das Juweliergeschäft Brand verkaufte das Geschäft an eine Immobilienfirma und zog aus. Die Immobilienfirma baute die Geschäftsräume aus und modernisierte ihr Objekt. Das erweiterte und modernisierte Geschäft wurde nach Umbau an ein anderes Juweliergeschäft Wehmeyer vermietet.

  • Die Fragen die viele beschäftigt.“ Wo ist das Glockenspiel?“
  • Einigen Gerüchten bin ich nachgegangen.

Ich habe mit der noch heute existierenden Immobilienfirma gesprochen und nach dem Verbleib des Glockenspiels erkundigt. Ich erklärte dem Mitarbeiter was ich suche und dass es schon 30 Jahre her ist und ob er eventuell etwas darüber wüsste. Er selber wusste es nicht und wollte mir aber helfen, es herauszufinden. Er setzte alle Hebel in Bewegung und kontaktierte auch pensionierte Mitarbeiter, ob sie Kenntnis hatten, über den Verbleib des Glockenspiels. Einige Zeit meldeten sich der freundliche Mitarbeiter bei mir. Leider konnte keiner sagen was mit dem Glockenspiel passiert ist. Das hatte ich mir schon irgendwie gedacht. 30 Jahre ist eine lange Zeit. Es ist schade, aber so ist nun mal das Leben. Herzlichen Dank an den netten Mitarbeiter der Immobilienfirma.

  • Gerüchten nachgegangen: Glockenspiel hinter neuer Verkleidung. Hingen bei ehemaligen Kaufhof Horten Duisburg an der Außenwand.

Bei meinem Anruf habe ich auch direkt nachgefragt ob das Glockenspiel hinter der neuen Verkleidung sein kann. Das vermuteten einige, dass sie dahinter sei. Der Mitarbeiter der Immobilienfirma antwortete:“ Das kann auf keinen Fall sein“.
Ich ging auch dem Gerücht nach, dass das Glockenspiel beim ehemaligen Horten Kaufhaus heute Kaufhof Galeria an der Außenmauer hing. Leider existiert die Aufhängung mit den Glocken nicht mehr, sie ist beim Abbau des "Kettenhemdes" so nannte man die Außenverkleidung weggekommen.
Ich hatte noch mit einigen Mitarbeitern der Kaufhof Galeria gesprochen, aber keiner konnte Auskunft geben, vorher sie stammte oder zu deren Verbleib.
Von beiden Vermutungen, war ich nie ein Freund. Wenn man die Glocken von Horten, mit den Glocken Balkes vergleicht, kann man schon in wenigen Minuten feststellen, dass auch nichts passt. Weder die Größe noch die Anzahl der Glocken.
Vielleicht kann ja einer der Leserinnen oder Leser Auskunft geben über den Verbleib des ehemaligen Glockenspiels der Familie Balke.

  • Wo sind auch die Figuren geblieben. Hüttenmann und Bergarbeiter?

Ich halte trotzdem Augen und Ohren auf, zu dem Verbleib des Glockenspiels mit Figuren. Vielleicht habe ich ja Glück, beim Recherchieren im Stadtarchiv, das es in einer Zeitung niedergeschrieben worden war, wo das Glockenspiel hinkam.

Quellen:
Autor: Historisches Oberhausen. Martin Grundmann.
Ich danke dem Team des Stadtarchivs Oberhausen für die große Unterstützung
Einen besonderen Dank an Herrn Uecker Mitarbeiter des Stadtarchivs Oberhausen.

Zeitungen Oberhausener Zeitung 1926, 1928, 1929
General-Anzeiger 1929, 1933, 1950. 1966
WAZ 1950, 1955, 1966, 1979
NRZ 1950, 1955, 1966, 1979
Ruhrwacht 1929, 1935, 1950, 1953
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Autor:

Martin Grundmann aus Oberhausen

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