Ausstellung "Stadtsichten" – Pressetext –

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Die Ausstellung „Stadtsichten“ wurde letzten Sonntag mit interessantem Programm im Gdanska neu eröffnet.

Die Vernissage der freien Künstlergruppe OBtisch konnte im Kulturlokal Gdanska mit zwei interessanten Auftritten aufwarten:

Claudia Wädlich hielt die Einführungsrede zum Thema, holte historisch aus, ging auf verschiedene Aspekte des veränderten öffentlichen urbanen Raumes ein. Die vorgestellten Werke der einzelnen Künstler, ihre Techniken und Inhalte, stellte sie vor und interpretierte sie gekonnt.

Der Multikünstler Rudi Behnke las im Anschluss Texte aus Brechts "Ansichten über die Städte". Beide erhielten viel Applaus.

Die Bilderschau verteilt sich über zwei Räumlichkeiten des Gdanska und kann während der Öffnungszeiten in Augenschein genommen werden. Bis zum 23. September 2012 können die Fotografien, Objekte und Gemälde auch vor Ort erworben werden.

Interessierte wenden sich bitte an den Organisator Jochen Müller, der im Gdanska anzutreffen ist. Ansonsten ist er unter 0177 54 09 813 zu erreichen. Email : jochen.mueller-ob@t-online.de

Mit freundlicher Genehmigung ein Auszug aus Claudia Wädlichs Laudatio

Die Künstler und ihre Arbeiten:

Frank Gebauer hat mit seiner Fotografie den Trauerraum der Loveparade, den Tunnel, an dem die freizeitliche Großveranstaltung ihren tragischen Höhepunkt und ihren Endpunkt setzte, ins Licht gerückt. Die Bedrückung durch den Tunnelblick lässt den Betrachter im Allgemeinen etwas von der Problematik der Übervölkerung und den damit einhergehenden neuen Problemen ausufernder Massenveranstaltungen erahnen.

Seine persönliche Darstellung als Jesus mit der Dornenkrone, Opfer einer römischen Gesetzeskultur, die in Städten wie Jerusalem angewandt wurden auf die Stätte seiner Hinrichtung, Golgatha blickt. Entrückt, dem himmlischen Jenseits nahe, was die Technik des verschwommenen Vordergrundes unterstreicht. Auf dem Lande predigend, ereilte Jesus kein Todesurteil. Es ist das Ergebnis einer Stadtkultur.

Pommes Mayo ist der Titel vom Christopher Street Day, das zwei Männer, als Bräute gekleidet, Pommes essend darstellt.

Sein Foto vom Gasometer ist in ein geheimnisvolles Licht getaucht. Das Bild seiner Mutter, die in die deutsche Fahne gehüllt ist und vor einem Fabrikfoto sitzt, wirkt verfremdend. Sie erinnert eher an eine Nonne aus dem orthodoxen Bereich und der Hintergrund bleibt rätselhaft.

Hildegard Hugo arbeitet in ihren nächtlichen Stadtsichten mit wellenartigen Lichtbändern, die verfremden und der Technik des Verschwimmens. Die Einsamkeit der Großstädte ist vielfach Thema. Ein Mann zieht illuminierende Paravents vor eine menschenleere Bushaltestelle, während der Hintergrund im Dunkeln verhaftet.

Ein Pärchen sitzt der Kamera abgewandt in ihrer Insel des Glücks vor dem Panorama des Eiffelturms im Hintergrund.

Reinhard Grüneberg zeigt mit seiner Bildtechnik einen Stadtbrunnen in Duisburg auf, in dessen Spritzwasser zwei Kinder spielen. Das positive helle Licht zeigt das Glück dieser Freizeitkultur anhand der Kleinsten in dieser Gesellschaft.

Eine Kneipe in Holland, vor der zwei Jugendliche stehen, ist in ihrer sparsamen Symbolik durch ein Hollandrad angedeutet, das an weißen Pfeilern lehnt. Der Junge raucht und hält ein Bier in seiner Hand. Sie zeigt ihren Rücken. Der Bildaufbau erzählt eine Geschichte von größter Sachlichkeit. Emotionen sind bei den beiden nicht zu spüren.

Brigitte Auler stellt 3 Hochzeitsbilder der Tochter des Hausherrn des Gdanska aus. Bilder der Innigkeit, der Lebensfreude. Die Szene beim Betreten der Kirche zeigt den Rücken des Vaters und der Tochter. Wie in einem Gemälde rahmen die Priester im Hintergrund das Bild. Schwarzweiße Sepia bringt eine Milde rein.

Ihre beiden technischen Bilder geben die architektonische Entwicklung der Stadtsparkasse kund. Die Baugerüste im Inneren erzeugen die Illusion eines konstruktivistischen Gebäudes, also einer neuen Architekturform. Andererseits wirken sie wie ein Zugang von etwas Neuem, was nicht sichtbar ist.

Gisela Kirsch-Thürmer erinnert mit ihrem geometrisch aufgebauten Gemälde an die zwanziger Jahre des Kubismus. Die Zeitprozesse markiert sie mit verschiedenen Uhren. Augen auf den Dächern mahnen den sich herausbildenden Überwachungsstaat an. Ihre Töne mauve, taupe, grau sind dem Bereich der Zwischentöne entnommen und deuten den Übergang in eine Entwicklung an.

Katja Fliss zeigt ihre frühen naturalistischen Arbeiten. Als Aquatinta und Radierung unterstreicht sie den städtebaulichen Wandel durch eine Siedlung, die sich im Laufe der Zeit von kleinen Häusern zu Hochhäusern entwickelt. Dabei handelt es sich um die Mathildestrasse in Sterkrade, auf der sie einmal wohnte. Die Bilder zeigen Nachbarschaften. Bei Nacht gemalt, drücken sie negative Emotionen aus.

Jörg-Dieter Jüttner stellt 5 Radierungen vor. Ein Kiosk, eine Bude und ähnliche städtische Orte, wie sie für das Ruhrgebiet typisch sind. Als zugezogener Osterfelder hat er seine Art von Stadtsicht dokumentiert.

Edith Kreth-Finkeissen, eine städtische Künstlerin, verblüfft, weil sie ein Objekt zeigt, das etwas zutiefst Ländliches zeigt: Einen Verschlag, an dem ein weiß-blaues Küchentuch hängt. Unten sind Schafsköpfe angedeutet. Auf dem Holz steht ein Spruch des griechischen Philosophen Lakis Apostolos, der mehr Rationalität statt Emotionalität fordert. Seine Denkweise entspricht einem von der Stadt geprägten Kulturmenschen.

Aurelia M. Reuter zeigt Bauklötze, Stadtsichten von Kindern, die ihre eigene Architektur bilden. Das Ganze ist in die Geschichte "Über den Dächern von Klötzenhausen" eingebunden, die Petra Reichrath beigesteuert hat.

Autor:

Halina Monika Sega aus Gladbeck

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