Das Kriegerdenkmal errichtet 1887 und 1958 beim Demontieren zerstört.
Das ehemalige Kriegerdenkmal in Oberhausen-Sterkrade am Kleinen Markt.

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Das ehemalige Kriegerdenkmal in Oberhausen-Sterkrade am Kleinen Markt.

Sterkrade. Kleiner Markt. 1910er. Bild: Walli Wölk

  • Kleine Anmerkung. Es stand ungefähr dort, wo sich heute das Kaufland befindet.

Um diesen Artikel zu schreiben, musste man weit, weit zurückgehen. Alt-Sterkrade, als es noch ein Dorf genannt wurde.
Ich habe ein Foto entdeckt, das datiert ist aus dem Jahre 1871, was ich erst später beweisen konnte. Ab hier fängt die Geschichte über das Kriegerdenkmal am Kleinen Markt an. Das Foto zeigt ein „Gebilde“ das lange Zeit ein kleines Rätsel war. In einer Ausgabe der Ruhrwacht, aus dem Jahre 1954 versuchte man es zu identifizieren. Ich habe keinen anderen Eintrag mehr gefunden in der Ruhrwacht, dass die Lösung zeigte. Ich rätselte auch einige Wochen, zeigte es anderen Personen, die schon Bilder über Alt-Sterkrade gesehen haben. Keiner hatte eine Idee. Ich konnte an alten Karten und einigen Worten aus dem Heimatbuch Seipp aus dem Jahre 1964 abschätzen was es war. In einer Ausgabe der NZ befand sich dann die Lösung, was meine Vermutung erhärtete und bestätigte. Der damalige Journalist entdeckte dieses Foto bei einer Familie in Krefeld. Die Familie war 1871, wo das Foto entstand, ansässig in Sterkrade.

  • Was zeigte dieses Foto aus dem Jahre 1871

Das Foto zeigt den Triumphbogen, den die Bürger den heimkehrenden Soldaten extra errichtet haben. An fast gleicher Stelle wurde 1887 das Kriegerdenkmal errichtet. Das lange Haus links war für Beamte der GHH. 1911 wurde es abgerissen und dort ein Verwaltungshaus der GHH errichtet, das heute noch steht und ein Teil des Technischen Rathauses ist. Rechts im Haus wohnte Herr Haniel, nach seinem Auszug 1880er, diente es kurze Zeit als Hotel und später war Herr Schäffer Besitzer des Hauses. Das Haus wurde in den 1950er abgerissen. Heute steht in diesem Areal, das Kaufland und andere Häuser, nur zur groben Orientierung.

  • Die Siegesfeier für die heimkehrenden Soldaten August 1871

Die große Siegesfeier fand statt am 13 August 1871. Auf dem Kleinen Markt wo später das Haus von Sonderfeld entstand, war der große Ehrenbogen.
Sämtliche Kriegervereine rundum Sterkrade feierten diesen Tag.
Das Festprogramm hatte folgende Punkte.

  • 12 August 1871. 1900 Uhr Ankündigung des Festes durch Kanonendonner
  • 13. August 1871: Sonntagmorgen 11 Uhr: Antreten der Krieger im Festlokal, Zug zum Marktplatz, Parade und Begrüßung der Soldaten durch den Bürgermeister Klinge.
  • 15:30 Uhr. Großes Konzert unter gefälliger Mitwirkung der beiden hiesigen Gesangvereine.
  • 19:30 Uhr Fackelzug, Illumination und Feuerwerk
  • 20:30 Uhr Großer Festball.

Auf der Pastorwiese hinter dem alten Kloster, wurde das große Feuerwerk veranstaltet.

  • Auftrag und Erstellung des Denkmals. Kray und Kröger

Im Mai dieses Jahres wurde der hiesige Steinbauermeister Herr Kray beauftragt das Krieger-Denkmal zu errichten. Den Entwurf dafür kam vom Bildhauer Herrn Kröger aus Essen. Das Denkmal zeigt einen Krieger mit hochgehobener Fahne. Die Enthüllung soll im September desselbigen Jahres stattfinden.

  • 1887 Standort und Gedenktafel

An dieser Stelle wo der Triumphbogen stand, errichtete man später das Kriegerdenkmal, das am 4. September 1887 eingeweiht wurde. An ihr war eine Gedenktafel angebracht, dort konnte man folgendes lesen:" Unseren in den glorreichen Feldzügen von 1864, 1866 und 1870/71 gefallenen Söhnen in dankbarer Erinnerung. Die Gemeinde Sterkrade!."
Es enthält die Namen der in den Kriegen 1866 und 1870-71 gefallenen Soldaten. 1866 fielen 4 Sterkrader und 1870-71 waren es 7 Soldaten.

  • Einweihung des Denkmals September 1887 durch von Haza und Bürgermeister von Trotha

Unter Beteiligung sämtlicher hiesigen Kriegervereine, erfolgte nachmittags die feierliche Enthüllung des Kriegerdenkmals. Der Vorsitzende des Komitees, Herr Karl von Haza, übergab das Denkmal, der durch Herrn Bürgermeister von Trotha vertretenden Gemeinde Sterkrade und der Herr Bürgermeister übernahm, nachdem er in herzlichen Worten bedankt, dasselbe worauf er das Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Durch Chorgesänge sämtlicher Chorvereine und der Schulen erhielt dieser Teil der Feier seinen Abschluss. Der zweite Teil der Feier erfolgte im Zimmermannschen Saale.

  • Jahrzehntelang große und kleine Feiern am Kriegerehrenmal
  • Verlauf nach dem zweiten Weltkrieg. Das Denkmal wird ein Hindernis

Das Denkmal muss unbedingt den jetzigen Standort verlassen. Das Ganze war eigentlich schon beschlossene Sache von Anfang an, der Sterkrader Bezirksausschuss befasste sich schon mehrere Male damit. Die Stimmen wurden immer lauter. Das Denkmal entspräche nicht mehr den Zeitgeschmack, er weist Schäden auf, das sein Ansehen stark beeinträchtigt und das wichtigste Kriterium, er steht der Verkehrsentwicklung im Weg und müsse schnell entfernt werden. Man war sich einig geworden, er sollte demontiert werden und auf dem Zillianplatz seinen neuen Standort finden. Es wurde auch darauf hingewiesen, dass das Denkmal schon erhebliche Schäden aufweist. Der Zahn der Zeit nagte sehr an der Sandstein-Statue.

  • Am 30. Januar 1957 war es dann soweit.

An diesen Morgen waren die Gutehoffnungshütte Mitarbeiter schon lange bereit um den Krieger zu demontieren und ihn am Zillianplatz wiederaufzubauen. Ganz früh morgens traf die Sterkrader Baufirma Karl Förster die notwendigen Sicherungsmaßnahmen und bereitete die Demontage vor. In der Zwischenzeit kam der schwere Kranwagen der GHH, dem Krieger wurde ein starkes Hanfseil um den Leib gelegt, und schon beim ersten Anziehen des Kranes löste sich die Figur vom Sockel, es bröckelte schon sehr und man sah der Statue das Alter an. Trotz aller Sorgfalt keine unnötigen Beschädigungen herbei zu führen, kam es wie einige es schon voraussagten, er würde es nicht heil überstehen. Es brachen trotz aller Vorsicht größere Brocken ab, von dem steinernen Krieger. Durch die Zuschauer die es mitverfolgten, ging ein Rauen. Es waren die Fürsprecher zum Erhalt und Umstellung des Denkmals. Ihre Meinung war, dass es die einzige Erinnerung an der „alten Zeiten“ wäre und erhalten bleiben muss. Aber vor Ort konnte jeder sich überzeugen das eine Restauration nicht mehr möglich war. Die Statue und ihre zerbröckelten Bestandteile wurden zum Städtischen Bauhof an der Friedrichstr gebracht. Hier verliert sich auch jede Spur von den Resten, Sockel oder Statue.
Danach wurde der Sockel abgetragen, es war schon mittlerweile Mittag, man begann schon mit den Planierungsarbeiten, da entdeckte man im Grundstein eine verrostete Blechhülse, darin befand sich eine Urkunde und Geldstücke. Die Kunde über diesen Fund machte schnell die Runde. Die Nachricht im Rathaus angekommen machte sich auch schleunigst Oberinspektor Bellinger vom Kulturamt auf dem Weg, um den stadtgeschichtlichen wertvollen Fund sicher zu stellen.
Das Dokument war schon sehr von Fäulnis zerfressen und man konnte nicht mehr alles lesen was dort geschrieben stand. Lesbar war noch folgendes 22. Tag des Monats März des Jahres 1887 und der damit verbundene Geburtstag des Kaisers Wilhelm I. Folgende Münzen wurden darin gefunden

  • Ein silberner Siegestaler aus dem Jahre 1871,
  • ein Zwei-Mark-Stück,
  • ein Ein-Mark-Stück,
  • ein silbernes 50-Pfennig-Stück,
  • ein silbernes 20-Pfennigstück,
  • ein 10-Pfennig-Stück,
  • ein 5-Pfennig-Stück,
  • ein 2-Pfennig-Stück
  • und ein 1-Pfennig-Stück,
  • zusammen 6,88 Mark

Einige Zeit später wurden, dann auch die letzten Reste des Kriegerdenkmals, auf den LKW geladen und zum Betriebshof gebracht.
Tage später nachdem man die Fläche begradigt hatte, erinnerte nichts mehr an das Denkmal. So schnell wie es demontiert wurde, so schnell ist es auch aus den Köpfen der Bürger verschwunden.
Deshalb möchten ich auch, über kleine und große Dinge aus unserer historischen Stadt Oberhausen berichten. Für uns ist es schon schwer zu verstehen und die Bilder zu deuten. In einigen Jahren, wenn man es nicht niederschreibt wird keiner man darüber etwas wissen. Das wäre meiner Ansicht nach, zu schade. Aus der Geschichte können wir sehr viel lernen, leider beherzigen wir es nicht so oft.

Quellen:
Autor: Historisches Oberhausen: Martin Grundmann

Ruhrwacht 1954,56, 58
Generalanzeiger 1922, 27
Rhein und Ruhrzeitung 1871 und 1887

Vielen Dank wieder mal an Walli Wölk , Barbara Hüsken und Alfred Lindemann für die herrlichen Bilder und Ansichtskarten.

Ich danke dem Team des Stadtarchivs Oberhausen für die große Unterstützung
Einen besonderen Dank an Herrn Uecker Mitarbeiter des Stadtarchivs Oberhausen.

Autor:

Martin Grundmann aus Oberhausen

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