Die ehemalige Traditionsfirma Oberhausener Glasfabrik Funke & Becker. Produktion 1877 bis 1979.

Foto zeigt die Oberhausener Glasfabrik.Bild: http://www.glas-musterbuch.de
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Eine kleine Geschichte zur ehemaligen Glasfabrik.
Erbaut 1873-76. In Produktion gegangen 1877 und beendet 1979. Abgerissen 1981.

Die Glasfabrik lag an der Duisburgerstraße- Provinzialstraße. Einen direkten Zugang gab es zu dieser Zeit noch nicht, man musste über den Tannenweg zur Hütte.(Siehe Stadtkarte) Mit dem Bau der Fabrik wurde Ende des Jahres 1873 unter vielerlei Schwierigkeiten begonnen und Anfang des Jahres- 1876 unter der Firma,, Marienhütte-Rueben Funcke und Co. dem Betrieb übergeben. Inhaber waren Franz Rueben und C. W. Alfred Funcke.

Und bitte bedenkt, wir beschreiben die 1870er, damals gab es noch keine elektrischen Anlagen, geschweige Strom so wie wir es heute kennen. Zu Verfügung standen Petroleumlampen, Petroleumöfen. Zum Glück lag der Eingang zur Firma, an der jetzigen Duisburgerstr, dort waren schon einige Gaslaternen installiert überwiegend aber noch Petroleumlampe. Damals gab es auch noch keinen Anschluss, zum Bahnhof wie später. Die ganzen erstellten Artikel, wurden mühsam per Pferd, zum Bahnhof gebracht. Zu der Zeit waren noch viele Straßen nur mit Hochofenschlacke und Kies errichtet worden. Man kann sich vorstellen, wir es war, beim Regen. Die Firma, lag in der Lipperheide eine Heidelandschaft dort war es lange Zeit sehr feucht und man musste Pumpen benutzen um die Fabrik trocken zu halten, das änderte sich natürlich alles später. Etliche Sache könnte noch aufgeführt werden, will nur damit andeuten, mit was für Schwierigkeiten, sie damals  zu tun hatten.

Welche Gebäude hatte die Fabrik, welche Einrichtung besaß es…

Das Werk bestand aus einem Hüttengebäude (Schmelzofen mit 10 Häfen), einem Verwaltungsgebäude mittleren Umfangs, nebst einigen Lagerschuppen, einem Schleifereigebäude mit 8 Schleifplätzen und einem Maschinenhaus mit Kessel und 18pferdiger Dampfmaschine. Es wurden Flaschen aller Art, Flacons und billige Wirtschaftsartikel fabriziert.

Der Betrieb wurde aufgestockt…

Im Jahre 1880 wurde die Errichtung eines 2 Hüttengebäudes (Glasofen mit 12 Häfen) erforderlich. Die beiden Hütten wurden durch einen Zwischenbau verbunden. Diese Vergrößerung, hatte auch eine Erweiterung der Schleiferei um 5 Plätze zur Folge; ebenso musste die vorhandene 18pferdige Dampfmaschine gegen eine 30pferdige ausgetauscht werden.

Ein Mitinhaber trat aus…

Der Mitinhaber Franz Rueben trat 1885 aus der Firma aus. C. W. Alfred Funcke aber blieb unter der Firma Oberhausener Glasfabrik Rueben Funcke und Co. alleiniger Inhaber.

Die Jahre bis 1903.

Es stellte sich jedoch bald heraus, dass das erst erbaute Hüttengebäude zu klein war und dieses wurde  1889 niedergerissen und ein größeres gebaut.. (Glasschmelzofen mit 12 Häfen). Bald darauf erhielt die Fabrik den Anschluss an die Staatsbahn und eine dritte größere Hütte (Glasschmelzofen mit 14 Häfen) musste geschaffen werden.
Die maschinellen Anlagen wurden verbessert, neue Kühlbahnen und Temperöfen erbaut und 2 neue Dampfkesselanlagen mit 250 qm Heizfläche nach einem neuen Patent errichtet. Diese Kesselanlagen waren die ersten derartigen Kraftsammler in gleichartigen Betrieben des Festlandes. Bald machte sich auch eine wesentliche Vergrößerung der Schleiferei, sowie der übrigen Betriebe, wie Formenschlosserei, Schmiede, Schreinerei, Sortierraum und des Lagers notwendig.
Der Mittelbau, welcher als Lager für Schmelzmaterialien und Formen diente, brannte infolge einer Salpeterentzündung 1891 vollständig nieder, wurde aber sofort wieder neu aufgebaut.

Ein neuer Mitinhaber tritt ein. Carl Becker.

Im Januar 1893 trat Herr Carl Becker in das Werk ein, das nun Oberhausener Glasfabrik Funcke und Becker hieß.

Alfred Funcke verstarb 1904. Die Zeit ab 1904.

Nachdem im Herbst 1904 C. W. Alfred Funcke starb, ist heute Herr Carl Becker bei unveränderter Firma, alleiniger Inhaber des Werkes.
Die Fabrikanlage wird wesentlich vergrößert. Ende des vorigen Jahres ein größerer an den bisherigen Grundbesitz anstoßender Grunderwerb wurde getätigt, sodass der Gesamtgrundbesitz der Firma heute 30 Morgen beträgt.
Durch dieses Gelände wird jetzt eine mit Bäumen bepflanzte Straße angelegt, welche in der Verlängerung der Alleestraße, direkt auf den Fabrikeingang führen soll. Für dieses Fabrik-Gelände sind außer den Fabrikerweiterungen auch der Bau verschiedener Arbeiter- und Beamten Häuser vorgesehen.

Im Jahre 1904 wurde ein weiterer Dampfkessel von 110 qm Heizfläche aufgestellt, sowie eine neue 40pferdige Dampfmaschine . Im Jahre 1905 wurde zur Hafenfabrikation, ein großes Gebäude errichtet, nebst 2 Wohnhäusern für Beamte, da für das Jahr 1907 die Erbauung einer 4 Hütte mit 12 Häfen nebst Nebengebäuden wie Mühl und Temperöfen, Sortierraum und damit verbunden eine wesentliche Vergrößerung der Glasschleiferei beabsichtigt worden war. Eine dritte 40pferdige Dampfmaschine nebst vielen anderen Maschinen mussten beschafft werden, um der wesentlich vergrößerten Produktion zu entsprechen.

Die Vergrößerungsbauten begannen Anfang des Jahres 1907 und endeten Mai 1908.

Das Werk hat eigene elektrische Kraft- und Lichtanlage. Während die Firma anfangs nur rund  60 Arbeiter und Beamte beschäftigte, sind heute über 450 Arbeiter, Arbeiterinnen und Beamte tätig. Die Qualität der Artikel des Werkes hat sich im Laufe der Jahrzehnte wesentlich gehoben, indem Kristall Trink-Service von mittleren bis zu den feinsten Genres hergestellt werden, ferner Pressglas-Service in Kristallglas in reichster Schliffimitation.

Ein wichtiger Schritt im Jahre 1914. Vertrag mit Thyssen-Gas.

Im Jahre 1914 schloss Carl Becker einen Vertrag mit dem Thyssenschen Gas und Wasserwerken in Duisburg –Hamborn, durch den die Firma als erste Glashütte mit Hochofenbetrieb auf Ferngasversorgung umgestellt wurde. In den nachfolgenden Jahren gelang es die zahlreichen technischen Schwierigkeiten zu überwinden, welche die Verwendung,dieses bis dahin in der Glasindustrie unbekannten Brennstoffes, mit sich brachte.

1925 wird Carl Becker zum Ehrensenator ernannt.

Für diese technische Pionierarbeit wurde Carl Becker im Mai 1925 zum Ehrensenator der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg ernannt. Unter seiner Leitung, wurden schon früher, viele vorbildliche soziale Einrichtungen geschaffen, zu denen in erster Linie die vielen und modernen Werkswohnungen zu rechnen sind.

Ein schwerer Schlag für die Firma. Carl Becker verstarb im Jahre 1936.

Als Senator Carl Becker im März 1936 nach fast 42-jähriger Tätigkeit in der Oberhausener Glasfabrik die Augen schloss, hatte er die Firma von einem kleinen unbedeutenden Werk zu einer der der angesehensten Glashütte Deutschlands entwickelt, die überdies durch ihren Export Weltgeltung erlangt hatte.

Der Nachfolger, sein Sohn.

Als Nachfolger hatte der Verstorbene seinen ältesten Sohn Dipl.-Ing Carl August Becker bestimmt, der Anfang 1930 in den väterlichen Betrieb eingetreten war.

Einige Worte zu Herrn Carl Becker.

Am 11. März 1936 verstarb Carl Becker, kaum einer konnte es glauben. Was war geschehen. Bei einer Dienstreise nach Berlin klagte er über Unwohlsein, sie war so stark, das der rüstige und starke Mann der nie sonst im Krankenbett lag, sich diesmal legen musste. In Oberhausen eingetroffen, hütete er weiter das Haus, gab aber notwendigen Anordnungen und hatte seine täglichen Besprechungen. In den letzten Tagen verschlimmerte sich sein Zustand sehr am 11. März um 11:45 Uhr schlief er ein. Er wurde 64 Jahre.
Mit dem gewaltigen Aufstieg der Oberhausener Glasfabrik, deren Erzeugnisse längst Weltgeltung haben. 1894 trat der jetzt Verschiedene als Volontär ein, lediglich um die Zeit auszufüllen, die zwischen militärischen Übung lag. Nachdem er sich in den Abteilungen eingearbeitet hatte, entschloss er sich 1896 zum endgültigen Eintritt in das Unternehmen an dessen Entschuldung und Aufbau er sofort begann.
110 Personen betrug damals die Belegschaft.Heute steht eine Gefolgschaft von 700 Personen an seiner Bahre. Es würde zu weit führen , wollte man auf all die Etappen eingehen, die für Beckers weitsichtigen Geist sprachen, wie z.B. die Einführung der Gasheizung für die Schmelzöfen u.a.m. Beckers Schaffenskraft blieb nicht lange verborgen, und es dauerte nicht lange, da war der Name Becker in allen Verhandlungen zu hören, die zuerst deutsche später aber Internationale Bedeutung auf dem Gebiete der Glasfabrikation hatten. U.a. wurde er zum Ehrensenator der Technischen Hochschule Berlin ernannt. Von besonderer Bedeutung ist das Wirken Carl Beckers für die bauliche Entwicklung des Obershauseners Westens.
Er begann im Frühjahr 1914 mit einer Arbeitersiedlung, nämlich sieben Häusern an der Schmelzstraße, denen nach dem Kriege, als die Wohnungsnot besonders empfindlich wurde, ein Wohnblock mit 28 Wohnungen und ein Beamtenhaus mit deren 8 folgen. Als der Krieg kam, zog Becker als Hauptmann ins Feld nicht ohne vorher verfügt zu haben, dass sämtliche Familien, deren Ernährer einrücken mussten, mietfrei wohnten, zugleich eine monatliche Unterstützung von 18 Mark bekamen, obwohl die Lage für das Werk denkbar ungünstig war. Während des Krieges wurden mehrere Häuser angekauft, um Werksangehörigen Wohnungen zu verschaffen. Nach dem Kriege wurden für die Belegschaft allerhand Annehmlichkeiten geschaffen, so eine Doppelbahn und ein großer Sportplatz, beide neben dem Werk gelegen. Es entstanden gleichzeitig ein Parkanlage und ein Kinderspielplatz. Becker tat auch sonst manches Besondere wie Bereitstellung von Erholungsmöglichkeiten, ein Sondergeschenk für jeden Jungen, der in einer Werksangehörigen-Familie ankam, Milchzulagen für Wöchnerinnen usw. Schon seit vierzig Jahren werden Hüttenfeste unternommen. Leigenheim, Werksbibliothek waren weitere Schöpfungen Beckers. In der Geschichte des Oberhausener Kyffhäuserbundes nimmt der Name Carl Beckers einen Ehrenplatz ein. 37 Jahre stand er als Vorsitzender vor, zunächst die alten Soldaten sammeln und dann zusammenhaltend. Er wurde während der Ruhrbesetzung ins Gefängnis gebracht. Auch als Ehrenvorsitzender ließ Carl Becker den Oberhausener Soldaten seine volle Unterstützung angedeihen, vor allen den Veteranen aus den Kriegen des 19 Jahrhunderts. Es waren nur noch wenige mit denen er und seine Gattin 1935 Weihnachten feierten.

Der letzte Weg des Herrn Carl Beckers.

Herr Becker hatte großes Ansehen in Oberhausen und weit über deutschen Grenzen hinweg. Seine Beerdigung war von großem Ausmaß. Herr Becker wurde aufgebahrt, auf einen Katafalk in der Paulus-Kirche. Duisburgerstr. Viele Menschen kamen zu seinen Begräbnis, Familie, Freunde, Werksangehörige, und natürlich alles was Rang und Namen kamen zu seinen letzten Weg, Oberbürgermeister Havenstein, Sanitätsrat Dr. Schulze-Berger, der Dichter Walter Blöm, unter den Ehrengästen, Oberstleutnant Freiherr von der Henden-Rinsch, Exzellenz Koch, Vertreter der deutschen Glasindustrie, Vertreter des Forschungsinstitut Berlin u.v.a. Natürlich waren viele Kyffhäuser Kameraden dabei, geleiten ihren Kameraden auf seinen letzten Weg auch unzählige Oberhausener Bürger waren gekommen

75 Jahre Oberhausener Glasfabrik das wurde gefeiert.

Im Jahre 1952 feierte man 75 Jahre Oberhausener Glasfabrik im Kurhaus Raffelberg. Aus kleinsten Anfängen heraus hat sich im Laufe dieser Zeitspanne ein Werk von Weltruf entwickelt. Der heute rund 450 Leute beschäftigt hat.700 Menschen nahmen an der Festlichkeit teil. Der Mülheimer Konzertorchester unter Kapellmeister W. Hammer leitete die Feier mit der Ouvertüre „Leichte Kavallerie „ und den dem Strauß’schen Walzer „Geschichten aus dem Wiener Wald“, stimmungsvoll ein. Ein Prolog, vorgetragen von Kurt Janssen (Köln) einem Vetter des Betriebsinhabers, streifte die Geschichte des Unternehmens, auf die die dann Dipl.-Ing. Carl August Becker selbst ausführlich einging.
Schon 1911 hatte das Werk nach Überwindung vieler Schwierigkeiten 400 Belegschaftsmitglieder Der Export umfasste Dänemark, Holland und die Schweiz und wurde später auf den Balkan und schließlich bis nach Südafrika und Südamerika ausgedehnt. Der zweite Weltkrieg unterbrach die günstige Entwicklung nur dadurch, dass man belgische Glasmacher heranzog konnte der Betrieb aufrecht gehalten werden Durch Kriegseinwirkungen erlitt das Werk schwere Einbußen. Mit ungehemmter Schaffenskraft ging man an den Wiederaufbau der Betriebseinrichtungen und an die Instandsetzung der Werkswohnungen heran. Im zweiten Weltkrieg wurde das Werk, durch Luftangriffe sehr schwer beschädigt. es wies die größten Schäden aller Hohlglashütten auf in Deutschland. Es gelang in den vergangenen Jahren, besonders nach der Währungsreform, einen großen Teil dieser Schäden zu beseitigendes Werk beschäftigt im Jahre 1950er 500 Belegschaftsmitglieder darunter 190 Frauen.
Wie schon kurz erwähnt, verfügt die Firma über eine so große Anzahl von erstklassigen Werkswohnungen, wie sie kein vergleichbarer Betrieb in Oberhausen aufzuweisen hat, Eine eigene Betriebskrankenkasse steht allen Werksangehörigen und deren Familienmitgliedern zur Verfügung. Vorbildliche Aufenthalts-, Wasch und Brauseräume sind vorhanden. Langjährig tätig gewesene Arbeiter und Angestellte der Firma erhalten vom Werk eine zusätzliche monatliche Pension. Eine eigene Werksbücherei bietet Unterhaltung für den Feierabend, ebenso der Tischtennisklub und die Werkskapelle die mit Unterstützung der Firma eingerichtet wurden. Weiter besteht eine eigene Werksunterstützungkasse, aus der in Not geratene Belegschaftsmitglieder Beihilfen erhalten. Werksangehörige die sich für den Gartenbau interessieren bekommen von der Firma kostenlos Gartenland zugeteilt.

In vierter Generation im Werk Schon diese kurze Übersicht der Sozialeinrichtung die keinen Anspruch auf vollständig erhebt, zeigt wie sehr die Werksleitung der Oberhausener Glasfabrik für die sozialen Belange ihrer Werksangehörigen eintritt. Die Verbundenheit zwischen Werksleitung und der Belegschaft zeigt sich auch darin, dass viele Familien schon in der zweiten, der dritten und sogar in der vierten Generation auf dem Werk arbeiten. Zahlreiche Werksangehörige konnten in den vergangenen Jahren auf eine 25-,40- und selbst 50 jährige Tätigkeit bei der Oberhausener Glasfabrik zurückblicken.
Umfasste Dänemark, Holland und die Schweiz und wurde später auf den Balkan und schließlich bis nach Südafrika und Südamerika ausgedehnt. 
Der ehemalige Kelchmacher Fritz Peters, der 58 Jahre in der Glasfabrik tätig war, wurde besonders geehrt. Der ebenfalls anwesende Direktor i. R. Richtsteig hat 54 Jahre und der frühere Obermeister Ernst Schlösser 50 Jahre im Betrieb gearbeitet. Ihnen und allen anderen Arbeitsjubilaren galt der herzliche Dank des Betriebsinhabers und Betriebsratsvorsitzender W. Kessmeyer wies auf die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Werksleitung und Arbeitnehmer hin und dem Betriebsinhaber im Namen der Belegschaft ein Geschenk. Das Programm wurde durch solistische Darbietung von Kräften des Oberhausener Stadttheaters, u.a. Anneliese Hense, Teddy Weinberger, Sven Janssen und Helga Maria Schmitter ausgezeichnet umrahmt. Ein Ballett von Frau Becker zusammengestellt und einstudiert, zeigte die „Glasmacher bei der Arbeit“, das von Kurt Janssen verfasst und in Noten gesetzt, zum ersten Mal erklang. Und das war die Überleitung zu froher Geselligkeit und Tanz bis zum Morgengrauen,,,,

Oberhausener Glasfabrik in den 60er.

Die Oberhausener Glasfabrik hatte zu dieser Zeit 600 Arbeitskräfte, davon etwa 150 weibliche. An der Ecke der Duisburger Straße, Glasstr liegt die Oberhausener Glasfabrik Funcke & Becker. Eine kurze Straße, die Glasstraße genannt, führt von der Duisburger Straße zum Eingang des Werkes. Es wurden wie jeher viele Artikel angefertigt: Weingläser, Biergläser, Bowlen, Krüge, Vasen, Kompott- und Salatschalen, Glasteller, Zitronenpressen, Aschenbecher und schließlich Parfümflaschen und Medizingläser in den verschiedensten Größen und Ausführungen.

Was befand sich alles auf diesem Fabrikgelände.

Das Gemengehaus.

Das Gemengehaus, in dem die Rohstoffe zur Glasherstellung lagern, wie Sand, Soda, Pottasche, Kalkspat, Salpeter und andere. Zerbrochene und missratene Gläser, die als Ausschuss Gläser bezeichnet werden, sind zu großen Scherbenhaufen gestapelt und werden wieder eingeschmolzen. Eine automatische Waage und ein großer Mischer im Gemengehaus, dienen zur Herstellung des genau abgewogenen Glasgemenges.
Dieses Gemenge wird in den Schmelzöfen bei hohen Temperaturen von 1400 bis 15000 Celsius zu Glas geschmolzen und dann verarbeitet. 

Die Hohlglas Fabrikhalle.

In der Mitte befindet sich der Glasofen, hier Hafenofen genannt, der 10 Schmelztiegel enthält. Diese Schmelztiegel sind große Tonkübel, die als Häfen bezeichnet werden, in denen man das Glas schmilzt. Viele Glasmacher verarbeiteten an diesem Ofen die glühende Glasmasse. Der Schmelzer hat in der Nacht die Häfen mit dem Glasgemenge gefüllt und bei hohen Temperaturen mit Ferngas zu Glas geschmolzen.
So können die Glasmacher am Morgen gleich beginnen. Hochwertige Gläser wie Weingläser, Bierbecher, Bowlen und Krüge werden geblasen. Mit einem langen Rohr, der Glasmacherpfeife entnimmt ein Arbeiter dem Ofen das flüssige Glas. Unter ständigem Drehen bläst er hinein, das Glas in der Form haltend. Stiele und Fußplatten werden später angesetzt. Wir sehen auch Gläser, bei denen der Stiel mit eingeblasen und nur die Fußplatte angesetzt wird.
Zwei der 10 Schmelztiegel enthalten farbiges Glas, so dass auch Weingläser mit farbigen, z. B. grünen oder gelben Stielen und Fußplatten hergestellt werden können. Nach der Anfertigung kommen die noch heißen Gläser in den Kühlofen, in dem sie langsam abgekühlt werden, denn ohne Kühlung Würde das Glas in 1000 Stücke zerspringen.


Die Fabrikhalle, wo Maschinenglas hergestellt wird.


Diese Gläser werden nämlich nicht mit dem Mund, sondern mit der Maschine, und zwar halbautomatisch oder vollautomatisch, geblasen. Bei kleinen Aufträgen von einigen 1000 Stück kommt halbautomatische Anfertigung zur Anwendung. Hierbei entnimmt der Glasanfänger mit einem Eisenstab das flüssige Glas dem Schmelzofen und füllt es in die Vorform des Halbautomaten, wo ein zweiter Glasmacher die nötige Menge mit einer eisernen Schere abschneidet, es mit Saugluft in die Form saugt und dann mit einer Formenzange, in eine zweite Form, die Fertigform schiebt, wonach es von einem Gehilfen mit Druckluft fertig geblasen wird. Durch Öffnen der Formenzange wird das fertige Glas frei und kann in den Kühlofen getragen werden. Wir sehen, wie auf diese Weise Parfümflaschen in den verschiedensten Sorten und Größen hergestellt werden.
Neben den Halbautomaten arbeitet ein großer Vollautomat, eine Maschine, die die eben geschilderten Arbeitsvorgänge automatisch ausführt. Es handelt sich um eine karussellartige Maschine, die das Glas von selbst ansaugt, fertig- bläst und wieder abgibt. Diese  Maschine schafft  bis zu 45 000 Gläser in 24 Stunden.
Der Schmelzofen ist hier kein Hafenofen mehr, sondern eine sogenannte Wannenanlage. Einen solchen Ofen können wir vergleichen mit einer Badewanne, bei der das Wasser am Kopfende einläuft und am Abfluss wieder abläuft. Ähnlich wird das Glasgemenge in diesem Schmelzofen am oberen Ende eingeführt, geschmolzen und am anderen Ende verarbeitet. Ein solcher Ofen steht Tag und Nacht unter Feuerung und arbeitet 24 Stunden ununterbrochen durch.

Die Schleiferei:

Hier werden die besseren Gläser, z. B. ›Weingläser, mit Schliffen versehen. Hier werden täglich 1000 bis 2000 Gläser durch die verschiedenartigsten Schliffe veredelt. Zum Schluss werden die Gläser in Pappkartons zu 6 oder 12 Stück verpackt und in der Packkammer zu den einzelnen Aufträgen zusammengestellt und dann in Kisten versandt. Viele Gläser werden auch direkt von den Abnehmern durch Lastautos abgeholt. Als Brennstoff verwendet die Oberhausener Glasfabrik ausschließlich Ferngas, das bei den Thyssenschen Gas- und Wasserwerken aus Kohle hergestellt wird.  In der Glasfabrik werden täglich über 50000 cbm Gas verbraucht, im Ganzen so viel wie eine Stadt von 80 000 Einwohnern.

Die Oberhausener Glasfabrik Funke & Becker stellt die Produktion am 31.Mai 1979 ein.

1981 wurde die Fabrik abgerissen.

Großkunden der Glasfabrik

4711 Kölnisch Wasser (Flaschen und Flakons), Uralt Lavendel (Flaschen und Flakons, After Shave (Flaschen und Flakons), Johann Maria (Flakons), Löwensenf Düsseldorf (Senfgläser), Firma Soennecken Tintenfässer), Bayern Leverkusen (Flaschen), Klosterfrau Mellisengeist (Flaschen), Kölner Karneval Zug (Flaschen klein, Willy Millowitsch vom Karnevalswagen geworfen)

Die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der OG betrug

1877 Frühjahr Produktionsaufnahme mit 60 Personen
1877 80 Personen, Arbeiter und einige Beamte
1880 111 Personen, einschließlich „Fabrikbeamte“ und jugendliche Arbeiter
1892 173
1899 265
1904 300 Personen darunter 15 Fabrikbeamte
1911 400
1912 450
1921 310
1922 333
1924 488
1927 700
1936 630
1938 700
1943 440 Personen davon 150 Frauen
1945 195
1946 230
1947 260
1949 340
1954 480 Personen davon 140 Frauen
1964 600 Personen, davon 150 Frauen
24. Mai 1979 die Schließung der Oberhausener Glasfabrik 195 Personen.

Quelle. Praktikus 1952, Waz 1979, 1981. Ruhrwacht verschiedene Ausgaben 1936, 1952,1953,1958. General-Anzeiger 1912,1915,1917,1936,1938. Oberhausener Zeitung 1919,1922,1925,1928.Rhein und Ruhrzeitung 1935,1936.
Heimatbuch Seipp 1964, 

Vielen, vielen Dank an das Sammlerehepaar Tyrna aus Duisburg. Sie gaben mir, viele schöne Fotos, von Ihren „Schätzen“.

Herzlichen Dank an http://www.glas-musterbuch.de . Sie stellten mir die Musterbücher und Bilder zu Verfügung.
Auf dieser Seite findet man, noch viele weitere Musterbilder, über die damalige Oberhausener Glasfabrik, sowie andere Glasfabriken.

Ausstellung Bero-Center 

https://www.facebook.com/BERO.DasOriginal/posts/1354559221263568

https://de.wikipedia.org/wiki/Hafenofen

Hier einige Links zu interessanten Berichten.

https://www.waz.de/staedte/oberhausen/vom-senfglas-zum-kristallschliff-im-bero-zentrum-id209598607.html

https://www.waz.de/staedte/oberhausen/vom-senfglas-zum-kristallschliff-im-bero-zentrum-id209598607.html

https://www.waz.de/staedte/oberhausen/lange-schichten-am-schmelzofen-der-oberhausener-glasfabrik-id209802333.html

https://www.waz.de/staedte/oberhausen/einstige-glasfabrik-profitierte-von-vielen-standortvorteilen-id209741015.html

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