Die „geheimnisvolle“ Treppe, an der blauen Brücke Kanal Oberhausen, nahe dem Gasometer.

Die Treppe an der "blauen Brücke". Man muss schon etwas genauer hinschauen. Rechts am Geländer vorbeischauen, dort sind man die etwas freigemachten Stufen.November 2017.
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  • Die Treppe an der "blauen Brücke". Man muss schon etwas genauer hinschauen. Rechts am Geländer vorbeischauen, dort sind man die etwas freigemachten Stufen.November 2017.
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Lage und Ort der Treppe: Blaue Brücke

Blaue Brücke Kurz hinterm Gasometer kommt die besagte Brücke und sie fällt einen durch ihre Farbe direkt ins Auge. Die "gefundene" Treppe befindet sich rechts ca. 15 Meter hinten dem Treppengeländer. (Siehe Foto) Man muss schon sehr deutlich hingucken um diese zu erkennen. Diese Treppe, geht hoch zur blauen Brücke. Das Geländer der Treppe lag umgekippt im Gebüsch und die Stufen sind mit mehreren Zentimeter dicken Boden und Laub bedeckt. Ich glaub, im Sommer wenn alles blüht, wird man diese Treppe als solche nicht erkennen. Mir ist diese schon vor etlichen Jahren aufgefallen, habe es zu Kenntnis genommen und dann wieder vergessen.
Früher schon gesehen. Nicht beachtet. Suche nach Hinweisen.
Damals hatte man sich noch nicht für solche Sachen interessiert, da war es Astronomie. Wahrscheinlich, haben von euch diese Treppe, schon viele gesehen aber genau wie ich, wir wenig Beachtung geschenkt. Wir begannen die Treppe zu untersuchen, schauten nach Hinweisen, die auf das Alter schließen lassen würde. Einige Treppenstufe, wurden vom Dreck befreit und die Seitenränder etwas freigemacht. Nun sah man deutlich, dass dort eine komplette Treppe bis oben zur blauen Brücke hinaufführt. Im oberen Bereich war das Geländer noch hochgestellt, es hatte einen Grund, der Baum ist in dieses Geländer hereingewachsen. (Siehe Foto) Keine Hinweisschilder oder ähnliches waren zu erkennen oder zu finden am Geländer. Auch standen dort, keine alten Verbots-, oder Hinweisschilder, es werden bestimmt, einige unter den Erdboden liegen.

Treppe sehr alt. Absperrung und Brücke jüngeren Datums:

Der obere Teil, hat eine Absperrung zur Brücke,(diesen Weg, Brücke, früher Hüttenbahn, nutzt heute die ÖPNV) die passt aber nicht zum Alter der Treppe, auch die Brücke schien zu "jung" zu sein. Man ging später mit der Kenntnis etwas gefunden zu haben nach Hause, aber ohne irgendwelche Informationen zur Treppe. Wir fotografierten noch die Brückennummer (weiter unten mit Infos) und gingen.

Wir  suchten nach Hinweisen im Internet, alten Karten, Bildern usw..


Wir haben ja schon einige Erfahrungen gesammelt und haben uns natürlich, an den Rechner gesetzt und Tante Google gefragt was sie für uns hatte. So bekommt man ja oft, schon kleine oder große Hinweise, auf das was man sucht. Nach kurzer Zeit, hatten wir auch die Bestätigung, dass die blaue Brücke jünger ist, als die Treppe. Die Brücke ist von 1995 also nicht sehr alt. Nach der Treppe suchten wir vergeblich, es gab keinen Eintrag, nicht annähernd.
Was macht man also, alte Bilder durchforsten, eine zeitraubende Geschichte. Luftbilder auswerten und schauen, ob man ein wenig erkennen kann. Alte Stadtkarten anschauen. Wir schreiben es ein wenig detaillierter, um mal zu zeigen, wie lange es manchmal dauert, etwas heraus zubekommen, manchmal findet man auch nach tage- oder wochenlangen Suche nichts. Wir wissen seit längeren was manche Leute leisten, wenn sie einen kleinen historischen Artikel schreiben. Wir begannen uns Luftbilder anzuschauen und genau hinzugucken. Man sah einige Umrisse aber es hätte auch irgendwas sein können. Wenn ihr die Bilder anschaut, wisst ihr, was wir meinen.

Endlich ein Eintrag. Die Brücke musste wohl des Öfteren erneuert worden sein! Die Brücke ein Verbindungsweg nach Osterfeld. Scheuerstr.

Dann ein kleiner Durchbruch, auf einer Stadtkarte Osterfeld von 1926, sahen wir eine Brücke mit Treppe eingetragen. Auf der Scheuerstraße ging sie runter.
Wir wussten das früher die Hüttenbahn der GHH, HOAG, Thyssen hier lang fuhr, heute nutzt die ÖPNV diese. Jetzt kam die Idee auf, es kann ja sein, das es wie an der Henkelmann-Brücke war. In der Mitte die Werksbahn und außen die Werkarbeiter usw. Das macht Sinn. Das Gebiet hat sich sehr geändert und es ist schwierig es sofort zu erkennen. Die Brücke musste wohl des Öfteren erneuert worden sein. Die Gründe sind vielfältig, Emscher Begradigung, früher floss die Emscher mäandert durchs Oberhausener Gebiet. Sogar durch die GHH-Oberhausen, damals am Schloss Oberhausen vorbei, heute sieht man noch die Altarme der ehemaligen natürlichen Emscher, dann der Bau des Rhein-Herne-Kanal, danach folgte der zweite Weltkrieg hier haben, deutsche Pioniere ca. 95 % aller Brücken über die Emscher und Kanal gesprengt, zum Schluss kam noch die Autobahn, dadurch wurden etliche Häuser abgerissen und die Scheuer-Straße kleiner. Die letzte neue Brücke (Blaue Brücke, die heutige wurde 1995 errichtet.) Wow, was hat das Areal alles hinter sich. Das hätte uns gereicht, es war eine Brücke (die Hüttenbahn fuhr ab 1900er Richtung Osterfeld)die die Leute jahrzehntelang nach Osterfeld führte, ein Verbindungsweg von Grafenbusch Siedlung zur Scheuerstraße.

Nochmal zur Treppe. Treffen eines Zeitzeugen und neue Interessante Dinge rund um das Areal.


Wir gingen noch einige Male hin zur Treppe um etwas zu finden, oder eine Person die uns etwas darüber sagen könnte. Wir trafen einen älteren Herrn am Kanal als wir uns dort umschauten, er hatte unser Vorgehen beobachtet, als ich ihn sah, ging ich zum ihn rüber und erklärte ihn, was wir suchen. (Wir nennen keinen Namen, weil dieser Herr es nicht wollte, wir kennen auch nur den Vornamen) Nachdem man sich ein wenig oder in diesem Fall länger unterhalten hatten, konnte unsere Vermutung bestätigt werden. Er erzählte uns, dass er als Kind mit seinen Eltern die Brücke benutzte. Es war ein Verbindungsweg nach Osterfeld. Es war sehr lehrreich und interessant den Erzählungen zu zuhören. Eine Reise in die Vergangenheit, bis in den 1940er. Herrlich.

Ein einzelnes Haus in der Nähe. Staffeldstr gehörte früher zu Osterfeld. Heute existiert diese Straße nicht mehr.


In diesem Gespräch kam auch ein einzelnes Haus vor, das unweit der Treppe in Richtung Kaisergarten stand. Wir haben es bei unseren Recherchen auf Luftbilder gesehen. Wir dachten am Anfang, es könnte zur Beamtenkolonie Grafenbusch gehören, das war aber nicht so, es fiel schon auf den Luftbildern auf, das es nicht die gleiche Form hatte und zu weit von der Siedlung entfernt war.
Das Haus stand auf der Stafeld oder Staffeldstr oder so ähnlich, daran konnte er sich erinnern. Wow, dachten wir, wieder etwas Interessantes wieso vieles in dem Gespräch. Diesen Namen haben wir auf der Stadtkarte gesehen, wo die Brücke mit Treppe eingetragen war. Heute, gibt es sie nicht mehr. Es steht im Inhaltsverzeichnis der Karte, ist aber auf der Karte nicht eingetragen. Okay dachten wir, wir schauten, nach noch älteren Karten, wir wurden fündig 1904 Alt-Oberhausen und 1900 Osterfeld. Wir dachten ja, dass es zu Alt-Oberhausen gehörte, südlich des Kanals, denn die Karte war von 1926 und die Stadtbezirke waren noch nicht vereinigt zu Oberhausen, das passierte 1929.Alt-Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld. Ein Blick in die Karte von 1904 zeigte uns dass es noch auf Osterfelder Gebiet lag. Wahnsinn wie Komplex. Obwohl südlich des Kanals zur Osterfeld gehörend. Die Osterfelder Stadtkarte wies die Staffeldstr zu Osterfeld gehörend aus. Wir suchten im Buch 500 Kilometer Oberhausener Straßengeschichte von Alfred (Alfred Lindemann) nach Staffeldstr und haben diesen Eintrag bekommen. Staffeldstraße
Alt-Oberhausen - Osterfeld
Sie verlief aus der Grafenbuschwohnanlage zur Scheuer¬straße. Bedingt durch die Kanal- und Eisenbahnbauten wurde sie unterbrochen, die Reststücke wurden später eingezogen.

Endlich Bestätigungen. Eintragungen in Adressbücher, Karte und Kickenberg.

Das war uns zu wenig also begaben wir uns ins Stadtarchiv. Herr Uecker der sehr viel weiß und immer was findet half uns dabei. Gottseidank. Staffeldstr war nicht bekannt Er ging auf die Suche und gab mir einige Gemeinde-Akten aus dem Jahre 1891 von Osterfeld. Hier wurde tatsächlich unser Haus aufgeführt. Staffeldstr 21. Der Eintrag war ein wenig lustig. Derjenige der den Eintrag machte, fragte erst, ist das, dass einzige Haus auf der genannten Straße? Gemeint war die Staffeldstr., hier wurde sie als 53 ausgewiesen, und später mit 21 bestätigt. Man musste es damals wohl selber überprüfen. Somit war bestätigt, dass das Haus, dort mindestens seit 1891 stand. Wir freuten uns riesig. Herr Uecker gab mir nachher noch einige Akten. Ich machte, aber nach einer längeren Zeit Schluss. Es war sehr anstrengend, sich durch die handgeschriebenen Unterlagen durchzulesen. Ich beherrsche ein wenig Kurrentschrift, leider noch nicht so gut. Ihr müsst euch eine Arztunterschrift vorstellen, manchmal schon krass und dann noch Kurrent. Herzlichen Glückwunsch. Jetzt wollten wir schauen ob wir Fotos finden, die das Haus zeigen, in besserer Auflösung als die Luftbilder. Wir fanden einige Postkarten, ohne Beschriftung und ein Bildband, der das besagte Haus zeigt. Ein wunderbarer Bildband (Oberhausen Bildband einer veränderten Großstadt aus der Zeit um die Jahrhundertwende Igor Adolph) Herr Adolph betitelte das Haus zum Schulte-Lippern Gehöft gehörend. Das war wahrscheinlich ein Versehen. Bei unseren Recherchen, mit alten Stadtkarten stießen wie auf besagten Namen, es lag aber an der Essenerstr. Wir fanden auch zum Glück auch einen Eintrag Staffeld in Karte von 1823. (Siehe Foto). Wir suchten halt weiter, nach weiteren Bilder mit Beschriftung. Im Kickenberg fanden nun auch endlich eine Bestätigung unserer Vermutung, wo sonst auch. Sie nahmen das Bild, was wir auch hatten und nannten es, wie wir Staffeldstraße, das einzige Haus und Straße südlich. Herrlich eine Bestätigung.

Zitat aus Kickenberg. Nr 19. Alte Straßennamen.
Staffeldstraße (Osterfeld-Süd) Ursprünglich ein Verbindungsweg zwischen
der heutigen Wohnsiedlung Grafenbusch und der Scheuerstraße. Durch
die Regulierung der Emscher und den Bau des Rhein-Herne-Kanals (1906 bis
1914) unterbrochen, wurde sie zur einzigen Straße auf Osterfelder Gebiet
südlich des Kanals. Diese Verbindung wurde nicht aufgegeben und führte
zunächst durch die Eisenbahnunterführung links am Kanal entlang. Nach dem
Bau des Gasometers (1929) auch rechtsherum bis zur Eisenbahnbrücke der
ehemaligen Hüttenbahn (heute ÖPNV-Trasse). Dort ermöglichte ein Weg und
später eine gemauerte Treppe, die heute noch erkennbar ist, zur Brücke hoch die
Überquerung bis zur Scheuerstraße. Anfang der 1950er Jahre ist die Verbindung
weggefallen.

Wir schauten dann auch in Adressbücher und wurden auch fündig. Staffeldstr 21, 1912, 1938, 1955 und 1959-60 danach gab es keinen Eintrag. Aus dem Luftbild von 1963 war das Haus nicht mehr zu sehen. Wir schauten noch in die WAZ aus den 1960er und dachten man hat etwas über den Abriss des Hauses Staffeldstr geschrieben. Im Moment kann man nur die Jahrgänge der WAZ von 1949 bis heute aus konservatorischen Gründen einsehen. Ich werde später mal in den General-Anzeiger oder Ruhrwacht und anderen schauen ob man etwas in Erfahrung bringen kann.
Es war sehr interessant zu sehen, was sich aus einer Sichtung einer Treppe entwickeln kann. All die Recherchen, haben uns wieder etwas näher gebracht, an die historische Geschichte Oberhausens.

Quelle:
Postkarten wie so oft von Walli Wölk. Wiedermal herzlichen Dank an Walli..

Besonderen Dank auch wieder an Herrn Uecker,
Stadtarchiv-Oberhausen, ohne ihn wären wir aufgeschmissen.

Kickenberg Nr. 19. Alte Straßennamen. Danke für den Bericht.

500 Kilometer Oberhausener Straßengeschichte (Alfred Lindemann).
Danke sehr Alfred.

Stadtkarte 1926, 1900, 1904, 1823 Stadt Oberhausen.

Acta 1891 Osterfeld. Stadtarchiv Oberhausen.

Luftbilder Regionalverband Ruhr, CC BY-NC-SA 4.0; 1926, 1934, 1952, 1963, 1969

Oberhausen Bildband einer veränderten Großstadt aus der Zeit um die Jahrhundertwende: Igor Adolph

Passant der nicht genannt werden möchte.

Blaue Brücke:
https://structurae.de/bauwerke/blaue-bruecke-1995

HOAG-Trasse:
https://de.wikipedia.org/wiki/HOAG-Trasse

Etwas über die GHH.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gutehoffnungsh%C3%BCtte

Kickenberg Nr. 19 Alte Straßennamen Teil 2.
http://www.osterfeld-westfalen.de/download/Kickenberg19.pdf

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