Die Graf-Haeseler-Tage vom 8.-10. Juli 1911 ein historischer Rückblick.

Das Bild zeigt einen Tag aus den Graf-Haeseler-Tagen vom 9.10.1911. Hier besucht Graf v. Haeseler das Schauturnen das für ihn veranstaltet wurde, es fand statt  auf dem heutigen John-Lennon-Platz. Nähere Beschreibung des Bildes im Artikel. Bild: Reinhard Gebauer.
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  • Das Bild zeigt einen Tag aus den Graf-Haeseler-Tagen vom 9.10.1911. Hier besucht Graf v. Haeseler das Schauturnen das für ihn veranstaltet wurde, es fand statt auf dem heutigen John-Lennon-Platz. Nähere Beschreibung des Bildes im Artikel. Bild: Reinhard Gebauer.
  • hochgeladen von Martin Grundmann
  • Das Bild war als Foto-Rätsel in der WAZ am 31.08.2018 zu sehen.

Das Bild wirft immer wieder Fragen auf und deshalb sind wir hingegangen und haben einen Artikel dazu geschrieben. Dieses Bild war auch schon im WAZ Foto-Rätsel zusehen, wir hatten auch mitgemacht. WAZ ALTE BILDER NEU ENTDECKT “Das Turnfest an den Graf-Haeseler-Tagen in Oberhausen“ Barbara Hoynacki 31.08.2018.
Das Bild von Herrn Gebauer, ist ein sehr schönes Zeitdokument und verdient etwas näher zu beschrieben werden.

  • Was zeigt uns das herrliche Bild?

Ganz links im Bild sieht man den Berliner-Hof, Wilhemstraße 10 (vorher Sektion III 61). (Siehe Fotos) Schaut man etwas genauer hin, sieht man den Schriftzug Berliner Hof.
Die Turner befanden sich auf dem Graf-Haeseler-Platz (damals als das Foto entstand, hieß der Platz noch nicht so. Er wurde etwas später, zu Ehren Graf von Haeseler so benannt), dem heutigen John-Lennon-Platz. Rechts vom Berliner Hof, sieht man im Hintergrund die Bahngleishallen des alten Zentralbahnhofs (dritte Bahnhof 1888 – 1934), daneben der Blick geht zur heutigen Hansastraße, Altenbergerstr, sieht man die Hallen der ehemaligen Zinkhütte Altenberg, Vieille Montagne und heutigen Rheinisches Industriemuseum. Daneben der Schornstein gehört zur Firma Rhenania. Weiter rechts fast mittig am Schornstein erkennt man noch unsere alte Postburg mit ihrer Antenne auf dem Dach. (Telegrafenamt.) Ganz im Hintergrund Richtung heutiges Bero-Zentrum sieht man noch die Schornsteine und das Fördergerüst der Zeche Concordia.
Am Reck unter dem Turner steht Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler er hält eine Jacke in der Hand.

  • Das Bild entstand Sonntag den 9. Juli 1911.

Graf von Haeseler war vom 8 bis zum 10 Juli 1911 Gast in unserer Stadt.
Man nannte diese Zeit die Graf-Haeseler-Tage,
Das Turnen war ein Teil eines der Fest-Programme die zu Ehren von Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler stattfanden und das war festgelegt für Sonntag den 9. Juli 1911.

  • Erklärung zu den Straßen und Plätzen.

Anmerkung und davor waren die Straßen in Sektionen eingeteilt.
Bis 1917: hieß sie Wilhelmstraße (nach dem deutschen Kaiser Wilhelm I. (1797-1888)).
Von 1918 bis 1947: Hindenburgstraße (nach Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg 1847-1934)
Ab 1948: Ebertstraße.(Friedrich Ebert 1871-1925, Reichspräsident).
1911 bis 1991: Graf-Haeseler-Platz. Danach John-Lennon-Platz. Der Platz wurde einige Monate später nach dem das Bild entstand, in Graf-Haeseler-Platz benannt zu Ehren des Generalfeldmarschalls Graf v. Haeseler.

  • Berliner Hof Wilhelmstraße 10 (Siehe Karte, Ansichtskarten)

Herr Wilms und seine Familie waren schon lange ansässig in Lirich bevor er das Hotel erbaute. Damals hieß die Adresse noch Sektion III 61. Der Besitzer zur Zeit der Graf-Haeseler-Tage war Siebert Emil. Es war wie die Reichskrone, der legendäre Hof von Holland usw. erste Haus am Platze. Hier war auch die Gesellschaft Haideblümchen einige Zeit ansässig. 1943 wurde das Hotel durch Kriegseinwirkung zerstört.

  • Eine noch wichtige Anmerkung zu diesem Areal.

In diesem Areal war früher der berüchtigte Concordia See, ein Grundwassersee Er war die Folge einer Bergsenkung, die durch die Zeche Concordia verursacht worden war. Der zeitweise 13 Hektar große See existierte von etwa 1870 bis 1880. Darüber haben wir auch einen Artikel verfasst, es stand auch im WAZ Foto-Rätsel. Hier hatten wir uns beteiligt und einen Artikel zu geschrieben.
ALTE BILDER NEU ENTDECKT „Kahnfahrer irrten im Dunkeln auf dem Concordia-See umher“. Barbara Hoynacki31.10.2018

Hier der Artikel Foto-Rätsel Concordia-See

Hier unser detaillierterer Artikel zum Concordia-See

  • Wer war Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler

Gottlieb Ferdinand Albert Alexis Graf von Haeseler (* 19. Januar 1836 in Potsdam; † 25. Oktober 1919 in Harnekop) war ein preußischer Generalfeldmarschall.
Er stammte aus der briefadeligen Magdeburger Familie von Haeseler und war der Sohn des preußischen Majors und Landrats Alexis Graf von Haeseler (1801–1889) und der Albertine von Schönermarck (1812–1867). Haeseler besuchte die Ritterakademie in Brandenburg, das Pädagogium in Halle an der Saale und schließlich das Kadettenkorps. Er trat 1853 als Sekondeleutnant in das Zieten-Husaren-Regiment der Preußischen Armee ein und wurde 1860 Adjutant des Prinzen Friedrich Karl Nikolaus von Preußen beim III. Armee-Korps. In dessen Stab nahm er an dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864, dem Deutschen Krieg 1866 sowie am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil. Zwischendurch wurde er zwischen 1866 und 1867 Eskadron Chef im 15. Husaren-Regiment und 1867 zum Major ernannt.
Nach dem Friedensschluss 1871 trat er als Oberquartiermeister in die Besatzungsarmee über und kommandierte zwischen 1873 und 1879 das 11. Ulanen-Regiment. Von 1879 an leitete er die Kriegsgeschichtliche Abteilung des Großen Generalstabes. 1880 wurde er Kommandeur der 12. Kavallerie-Brigade und 1881 zum Generalmajor befördert. Haeseler übernahm 1883 die 31. Kavallerie-Brigade und wurde 1886 zum Generalleutnant befördert. Zwischen 4. Dezember 1886 bis 14. Januar 1887 kommandierte er die 20. Division und zwischen 15. Januar 1887 bis 21. März 1889 die 6. Division.
Er wurde 1889 Oberquartiermeister im Generalstab, nach seiner Beförderung zum General der Kavallerie übernahm er von 24. März 1890 bis 17. Mai 1903 das neugebildete XVI. Armee-Korps in der Festung Metz. 1903 schied Haeseler als Generaloberst aus dem aktiven Dienst aus. Als Mitglied des Preußischen Herrenhauses (nach seinem Abschied 1903) setzte er sich besonders für den Ausbau der Berufsschulen ein. Im Januar 1905 wurde Haeseler zum Generalfeldmarschall ernannt.
Er unterstützte auch die Pfadfinderbewegung, da seiner Meinung nach zwischen Schulentlassung und Eintritt ins Heer eine zu große Lücke klaffte.

Im Ersten Weltkrieg erhielt er altersbedingt kein Kommando, begleitete aber als Beobachter das XVI. Armee-Korps, welches er bis 1903 befehligt hatte.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gottlieb_von_Haeseler_(Generalfeldmarschall)
Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus seinem Leben.

  • Veranstalter der Graf-von-Haeseler-Tage

Veranstalter: Korps-Apell ehemaliger Angehöriger des 16. Armee-Korps
verbunden mit Fahnenweihe und V Stiftung-Fest des Kriegervereins ehem.
Angeh. der 16 Armeekorps (Graf Haeseler) zu Oberhausen. Am 8.9.10 Juli
1911 in Gegenwart Seiner Exzellenz Generalfeldmarschall Graf v.
Haeseler (Protektor des Vereins) ferner des Vorsitzenden Seiner
Exzellenz Generaloberst von Lindequist und des kommandierenden
Generals des 16. Armeekorps Seiner Exzellenz von Prittwitz und Gaffron.

  • Programm der Graf-Haeseler-Tage von 8. Bis 10. Juli 1911
  • Samstag den 8. Juli 1911

Von 10 Uhr ab: Empfang der auswärtigen Ehrengäste und Kameraden am Bahnhof
16:30 Uhr: Empfang Sr. Exzellenz Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler am Bahnhof durch den Verein Graf Haeseler, das gesamte Offizier-Korps, die Spitzen der Behörden und den Kreis-Krieger-Verband-Oberhausen sowie die bereits erschienen Gäste.
1830 bis 19:30: Militär Konzert auf dem Altmarkt
20:00 Uhr: Antreten (in den einzelnen Stadteilen zum Zapfenstreich) der Militär-Vereine und der bereits erschienen Kameraden
21: 00 Uhr: Aufstellung am Kriegerdenkmal (Siegessäule) Ansprachen—Niederlegung von Kränzen – Zapfenstreich – Gebet
++++++++++++++++++++++++++Hierauf: ++++++++++++++++++++
                                                     ---Kommers----
                           In den Hauptfestzelt auf dem Industriegelände.
                              ---- In den Nebenzelte Reihentanz. -----

  • Sonntag, den 9. Juli

6: 00 Wecken ausgeführt von den Spielleuten des festgebenden Vereins u. der Kreis-Krieger-Verbandes-Kapelle,
Von 8:00 Uhr ab: Empfang der auswärtigen Kameraden am Bahnhof und Begleitung zu den Standlokalen
11:00 Uhr Aufführung von turnerischen Übungen auf dem Turn- Spielplatze hinter der Badeanstalt am Neumarkt. Ausgeführt von den Mitgliedern des Turn-Verbandes Oberhausens „ Deutsche-Turnerschaft“
Ordnung für die Turnvorführungen:
1. Freiübungen der Knaben und Jünglinge
2. 2. Freiübungen der Männer
3. 3. Geregeltes Kürturnen am Barren, Reck- und Pferd. Sowie Turnen an allen Geräten und Spielen.
4. 4. Keulenschwingen der Verbandsturnerschaft.
5. 5. Pyramide.
11:30 Uhr Fahnenweihe auf dem Altmarkt durch Se. Exzellenz Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler unter Mitwirkung des Gesangvereines „Viktoria“-Oberhausen.
14:30 Uhr: Antreten der erschienenen Korps- und Regiments-Vereine, sowie der militärischen Vereine der Stadt Oberhausen und Mülheim Ruhr zur großen Parade auf dem Gelände zwischen Grenz-, Moltke-, Lothringer- und Stöckmannstraße.
15:15 Uhr: Parade von Sr. Exzellenz Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler und Vorbeimarsch.
  -------------Hierauf Festzug----------------------
Durch die Grenz-, Frieden-, Markt-, Nohl-, Schwartz-, Mülheimer-, Hoffnungs-, Else-, Hermann-, Grillo-, Wilhelm-, Industrie-, Gerber-, Ellenbogen-, Friedrich-Karl-, Königstraße zu den Festzelten. In den Festzelten Konzerte, Ansprachen und
  ------------großer Festball------------
Bei Eintritt der Dunkelheit großes Brillant-Feuerwerk.

  • Montag, den 10. Juli

Vormittags: Verabschiedung Sr. Exzellenz Generalfeldmarschall Graf v. Haeseler am Bahnhof.

Von 11: 00 Uhr ab. Frühschoppen-Konzert
Von 16:30 Uhr ab: Schluss-Ball mit Überraschungen im Festzelt.

Die Musik wird ausgeführt von der gesamten Kapelle des Königs-Inf.-Reg. Nr. 145 aus Metz, der Kreis-Krieger-Verbands-Kapelle und der Kapelle der Gutehoffnungshütte Oberhausen. Extrazüge von und nach allen Richtungen werden von der der Königl.-Eisenbahn-Direktion in genügender Anzahl eingelegt.

Eintritts-Preise.
Dauerkarte, für alle Veranstaltungen 2,----Mk.
Samstag, Kommers (nur für Herren ) 0,50 Mk.
Sonntag, (eine Dame frei) 1,--Mk.
Montag, (eine Dame frei) 1,50 Mk.


  • Das Schauturnen zu sehen auf dem Bild.

Initiiert von dem Verbandes Oberhausener Turnvereine (Deutsche Turnerschaft)
zusammengeschlossenen Vereinen. Oberhausener Turnverein, Oberhausener
Turnerbund, Alstadener und Liricher Turnverein.

  • Wo fand es statt, damalige Bezeichnung des heutigen John-Lennon-Platz

Das Turnen fand auf den Concordia Bergbau-Aktien-Gesellschaft der
Stadt Oberhausen, bzw. dem Nationalen Ausschuss für Jugendpflege zur
Verfügung gestellten, wunderbar schön hergerichteten neuen Spielplatz
hinter der Badeanstalt statt. Als dass Schauturnen stattfand hieß
dieser Platz noch nicht Graf-Haeseler-Platz.

  • Erstmalig benutzt. Dezember 1911 erst Graf-Haeseler-Platz

Der Platz wurde erstmalig für dieses Schauturnen benutzt und

eingeweiht. Es wurde vorgeschlagen diesen Platz in Graf-Haeseler Platz
zu taufen. Im Dezember 1911 wurde dann dieser Wunsch Wirklichkeit.

  • Das Turn-Programm

Die Turnfolge bestand aus Freiübungen der Knaben, Freiübungen der Männer und Jünglinge, Geräteturnen mit Turnspielen, Keulenschwingen der Verbands-Vorturnerschaft und aus Pyramiden. Insgesamt wurden bei den Vorführungen etwa 280 Turner, je zur Hälfte Knaben und Männer, in

turnerischer Arbeit stehen. Die Knaben haben neuzeitliche Freiübungen vorgeführt, bei welchen besonderer Wert auf Gewandtheit und schnelle Entschluss Fähigkeit gelegt wurde.
Die Freiübungen der Männer brachten hingegen mehr körperliche Kraft
und Anmut zum Ausdruck. Das Geräteturnen mit Turnspielen, ausgeführt
von mehr wie 20 Riegen an den verschiedenartigen Turngeräten und von
mehreren Spielabteilungen soll ein allgemeines Bild turnerischer und
turnkünstlerischer Bestätigung geben und zeigen, dass unser deutsches
Turnen einen außerordentlich großen Kreis von Körperpflegeformen
einschließt.
Die besten Turner des Verbandes -- die Mitglieder der
Verbandsvorturnerschaft -- werden in einem Keulenschwingen die
künstlerische Seite des Turnens noch besonders zur Darstellung
bringen.
Zum Schluss der Vorführungen hat die gesamte muntere Schar eine
sogenannte Pyramide -- diesmal eine kunstvolle Verbindung von Geräten
und frei-Pyramidengruppen aufgebaut, die sich in der Höhe zu etwa 9
Meter und in der Breite nahezu 40 Meter entwickeln hatte. Es wurde
viele Wochen geprobt für diese Veranstaltung.
Graf Haeseler ließ sich mit der Pyramide fotografieren. Nach dieser
sehr gelungenen Veranstaltung richtet Feldmarschall Haeseler
Dankesworte an die Turner aus. Er war sehr angetan von all den Turnern.

  • Huldigung die erwähnt werden sollte

Wir meinen diese Huldigung sollte auch noch erwähnt werden. Der Graf

Haeseler Eilbotenlauf von Wesel nach Oberhausen 30000 Meter Entfernung
-- und überbrachte seiner Exzellenz einen Eichenzweig von Grabe der
Elf Schillschen Offiziere mit Widmung. Am Schill-Offiziers-Denkmal
fand am 9 Juli 1911 kurz nach Mittag eine kleine patriotische
Festfeier statt. Bei dieser Feier wurde für seine Exzellenz Haeseler
bestimmter Eichenzweig gepflückt mit der Widmung in Huldigungsgedicht,
in eine Rolle gepackt. Alle 100 Meter wurde es an den nächsten
Turnerläufer weitergegeben. Um 14:00 Uhr bekam seine Exzellenz zum
Mittagsmahle im Hause der Gesellschaft Haideblümchen diese Rolle.

  • Unterkunft bei Paul Reusch (Siehe Karte, Luftbild)

Graf von Haeseler war in den drei Tagen Gast beim Kommerzienrat Paul Reusch.

Villa Reusch war auf der Lipperfeldstraße 3 nicht wie manchmal angeben
Lipperheidstraße 3 oder in der Grafenbusch-Siedlung. Die Villa wurde
dort nie errichtet für Herrn Reusch.
Lipperfeldstraße
Ehemaliges Gelände TN-HOAG
Es handelt sich hier um einen Überrest des Weges, der ursprünglich
über das Feld des Lipperhofes zur Lipperheidstraße geführt hat. Sie
wurde am 13.3.1974 als öffentliche Straße eingezogen

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