Die Traditionsfirma Meininghaus ehemalige Sterkrader Großbrauerei. Braustätte von Oberhausen-Sterkrade.

Die Brauerei von der Vestischen Straße gesehen.  Bild Oliver Meininghaus
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  • Die Brauerei von der Vestischen Straße gesehen. Bild Oliver Meininghaus
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Die Traditionsfirma Meininghaus ehemalige Sterkrader Großbrauerei. Braustätte von Oberhausen-Sterkrade.

  • Inhaber von 1876 bis 1955

1870/71 Brauerei gegründet von F.W.H. Biermann
1880 Brauerei Karl Ebert
1883 Bierbrauer Bauer
1885 Brauerei Friedrich Schultze
1888 Brauerei Wilhelm Uhrmeister
1900 Brauerei Uhrmeister & Walter
1900 Bürgerliches Brauhaus Adolph Böttcher
1901 Bürgerliches Brauhaus Böttcher & Schulte am Esch
1901 Schulten-Bräu Gebrüder Schulte am Esch
1907 Schulten-Bräu Paul Schulte am Esch
1908 Sterkrader Brauhaus GmbH
1937 Brauerei Meininghaus GmbH
1955 Aufgabe des Betriebes. Verkauf an die Aktien-Brauerei Carl Funke AG, Essen.

• Die Keimzelle der Brauerei Meininghaus (1870-79 ) Siehe Lagepläne.

Die Gründung der Brauerei Meininghaus fällt in die Zeit 1870/71.
in der Nähe der Eisenhütte lag in den 1870er ein Haus, welches die Bezeichnung "Section I Nr 53" führte. In diesem Hause wohnte Herr Friedrich Wilhelm Hubert Biermann, der den Beruf eines Bierbrauers ausübte. Mancherlei Anzeichen lassen darauf schließen, dass mit der damals in diesem Hause betriebenen Wirtschaft auch ein kleiner Braubetrieb verbunden war, denn auf Jahre hindurch wird der Beruf des Biermann immer in den Kirchenbücher mit Brauer oder Bierbrauer angegeben und im Jahre 1876 lesen wir sogar von ihm als Brauereibesitzer. Dieses Haus müssen wir als die eigentliche Urzelle der Großbrauerei Meininghaus betrachten, denn aus der Berufsbezeichnung des Biermann geht hervor, dass er nicht nur Wirt war und die Leute dieser Gegend durch Ausschank mit Bier versorgte, sondern zugleich auch Hersteller des von ihm ausgeschenkten Bieres war. Das hinter dem gelegenen Stallgebäude, das gleichzeitig mit dem Haus errichtet wurde, diente wohl für Brauzwecke.

• 1872 hat sich Biermann in seinem Berufe selbstständig gemacht

Nach seiner Verheiratung im Jahre 1872 hat sich Biermann in seinem Berufe selbstständig gemacht. Er wollte Sterkrade und nähere Umgebung mit Bier versorgen und wollte eine größere Brauerei schaffen. Sein Grundstück war zu klein er fand ein Grundstück mit guter Verkehrslage. Sterkrade-- Osterfeld und
Sterkrade -- Bottrop. Er hätte auch etwas Glück für eine Brauerei benötige man auch gute Wasserverhältnisse denkt bitte dran damals gab es noch keine Wasserleitung. Aus alten Unterlagen ergab sich das Brunnen mit guten Quellwasser in dieser Gegend vorhanden war.

  • 1875 Erweiterung

Im Jahre 1875 hat Biermann begonnenen seine Absicht in die Tat umzusetzen. Von dem Besitzer der Huiskens -Käthe ( siehe Foto ), dem Ökonomen Gerschermann aus Sterkrade, erwarb er für den Preis von 2400 Mark ein Grundstück.

  • 1876

Der Kaufvertrag über den Ankauf dieses Grundstückes wurde am 9 Mai 1876 schriftlich abgeschlossen. Darin wird Biermann als Wirt aus Sterkrade genannt, woraus zu schließen ist, dass er die Brüggemannsche Wirtschaft gepachtet hatte. Wie aus dem Plan ersichtlich ist, hatte früher ein Gebäude zum Teil auf dem jetzt angekauften Grundstück gestanden, was aber schon vor der Vermessung niedergelegt wurde.
Bei der Auflassung des Grundstückes am 27. Mai 1876 wurde Biermann schon als Brauereibesitzer bezeichnet. Daraus lässt sich schließen, dass um diesen Zeitpunkt das Brauereigebäude schon errichtet war und dass der Betrieb um diese Zeit, also 1876 schon begonnen hatte. Hier muss noch erwähnt werden, dass Biermann wahrscheinlich nicht im Besitz eines Eigenkapitals werden war, um ein solches Unternehmen einzurichten. Da der Zimmermeister und Ziegeleibesitzer Karl Ebert aus Sterkrade mit einer Hypothek von 13000 Mark auf die Besitzung eingetragen wurde.

  • 1877 Zahlungsschwierigkeiten

Ende 1877 konnte Biermann seinen Verpflichtungen gegenüber seiner Lieferanten nicht mehr nachkommen.

  • 1880 erstand sie Ziegeleibesitzer Karl Ebert

Am 14. September 1880 erstand Ziegeleibesitzer Karl Ebert aus Sterkrade als Hauptgläubiger an der Zwangsversteigerung das Anwesen für das Meistgebot von 14000 Mark. Die kurze Beschreibung der Baulichkeiten umfasste:" Wohnhaus, Bierbrauerei, Stallanbau ".

  • 1883 Bierbrauer Bauer

1883 wohnte Bierbrauer Bauer in der Brauerei. Ebert hat wohl selbst nie, obgleich er in den Akten manchmal als Bierbrauereibesitzer bezeichnet wurde, den Betrieb der Brauerei für eigene Rechnung durchgesetzt. Bauer ist sicherlich von ihm als Pächter eingesetzt worden.

  • 1885 übernahm der Gastwirt Friedrich Schulze

Mit dem 1. Dezember 1885 übernahm der Gastwirt Friedrich Schulze aus Sterkrade von Ebert die Grundstücke mit Gebäuden und Inventar für den Preis von 12950 Mark.
Das Inventar :
126 Versandfässer
10 Lagerfässer von 7 bis 10 hecto mit Lager im Keller.
2 Gärbottiche , Druckpumpe , Lagerhölzer auf Hausteinen und 2 Stück Schrotleitern.
Sudraum:
Maischbottig aus Wichenholz, ein Wasserbottig, drei Handkübel, zwei Gießkannen, 2 Zinkeimer, Fasstrichter usw.
Schrotmühlenraum:
Dezimalwaage , 2 Schmierölkännchen, eine Malzschrotmühle und 5 Malzsäcke.
Im Darre Heizungsraum:
Koch und Pechofen mit Röhren, Wasserkessel, 2 Bergmannslampen, kleine Petroleumlampe, Tische und Stühle u.v.a.
Auf dem Malzboden:
Malzputzmühle, und 2 Kornschaufeln.
Auf dem Dachboden:
Kabelkunde mit Aufzugstau, Haselnussspäne, 2 Krüge mit schwefelsauren Kalkwasser, 10 Krüge, Pechfass , Talg und Schwefellappen

Auf der Brauerstube:
Heizofen mit Röhren, ein stehender Mantelstock, Bettlade mit Sprungfedern und Matratze, Tisch, Kommode, Konsoltischchen
Auf dem Hofe:
Eine 2 räderige Handbierkarre, ein Koksofen und ein Regenfass.

Unter der Leitung Schulzes wurde das Unternehmen über den roten Punkt hinausgebracht, ja bis zu einem gewissen Höhepunkt gesteigert. Das war aber nur dadurch möglich, dass er als Gastwirt wohl der stärkste Abnehmer seines Unternehmens war. Aber nur drei Jahre behielt er die Brauerei in seinem Besitz.

  • 1888  Bierbrauer Wilhelm Uhrmeister

Am 25. Oktober 1888 verkaufte er die Brauerei an den Bierbrauer Wilhelm Uhrmeister aus Hochfeld. Und zu zwar zu einem Kaufpreis von 20250 Mark . Uhrmeister übernahm den Betrieb am 1 November 1888 für eigene Rechnung. Damit das Unternehmen in seinem Bestand gesichert war, verpflichtete sich Schulze während der nächsten 5 Jahre jährlich mindestens 500 Hektoliter Bier zu entnehmen und zwar zu ortsüblichen Tagespreisen. Weiterhin wurde in diesem Vertrag vereinbart, dass bei mir zehn bis zwölf Prozent Malzextrakt eingebrauten Bier der Preis von 14 Mark pro Hektoliter nicht überschritten werden darf.

• 1893

Bis zum Jahre 1893 hatten sich die Gebäude in ihrem Umfangsgrenzen noch nicht geändert. Jetzt unter der Leitung Uhrmeisters hielt die Aufwärtsentwicklung des Braubetriebes an. Im Jahre kaufte Uhrmeister von Gerschermann noch Grundstücke hinzu, welche an der Ecke Vestische und Braustraße lagen. Die Brauereigebäude werden erweitert.

  • 1895 Erweiterung

Bis zum Jahre 1895 kamen zwei Schuppen, ein Stall, ein Pferdestall und 1895 ein Eiskeller hinzu.

  • 1900 Uhrmeister & Braumeister Friedrich Christian Walter

Im Jahre 1900 hat unter erheblichen Kapitalaufwand ein großzügiger Um- und Ausbau stattgefunden. Das war dadurch möglich, dass Uhrmeister damals den Braumeister Friedrich Christian Walter aus Sterkrade als Gesellschafter zu gleichen Rechten aufnahm. In Verbindung mit ihm wurde die Brauerei jetzt unter dem Namen Uhrmeister und Walter in Sterkrade weitergeführt. Die offene Handelsgesellschaft begann am 1. April 1900. Es scheint so dass die von beiden Gesellschaftern erwarteten Hoffnungen nicht erfüllt wurden. Sie scheinen nicht gut miteinander ausgekommen zu sein. denn Uhrmeister verkaufte durch Vertrag vom 4. Oktober 1900 seinen Grundbesitz mit aufstehenden Gebäuden, insbesondere Brauerei, zwei Wohnhäuser und zwar die Bierbrauerei mit sämtlichen dazu gehörigen Pertinenzen und Utensilien, mit Maschinen, Fässer, Werkzeuge, Wagen, Pferde, und Geschirr, ....

  • 1900 Brauereidirektor Böttcher

an den Brauereidirektor Böttcher aus Styrum für den Preis von 175000 Mark. Die Teilhaberschaft Walters an dem Geschäftsbetriebe sollte durch den Verkauf unberührt bleiben, wurde aber durch Vereinbarung vom 10. Dezember 1900 aufgehoben, offenbar darum, weil auch Böttcher den Mitgesellschafter Walter nicht für tragbar hielt. Aus der Kaufpreisbemessung ist zu erkennen, dass unter der Leitung von Uhrmeister der Betrieb einen beachtlichen Aufschwung genommen hatte. Böttcher hatte Ende 1900 seinen Wohnsitz nach Sterkrade verlegt. Er betrieb die Brauerei zunächst unter der Firma Bürgerliches Brauhaus Sterkrade-Oberhausen Adolph Böttcher.

  • 1901 Brauer Paul Schulte trat ein

Bald nahm er den von Horsthausen bei Herne nach Sterkrade zu gezogenen Brauer Paul Schulte am Esch durch Vertag vom 1. Juni 1901 als Gesellschafter zu gleichen Rechten in sein Handelsgeschäft auf. Gleichzeitig wurde die Firma in Bürgerliches Brauhaus Sterkrade-Oberhausen Böttcher & Schulte am Esch geändert.

  • 1901 Schulten-Bräu Gebrüder Schulte am Esch zu Sterkrade

Der Grundbesitz des Böttchers ging auf die Firma über. Am 29. September 1901 war Böttcher aber schon aus der Gesellschaft aus und übertrug seinen Anteil dem Mitgesellschafter Paul Schulte am Esch durch Vertrag von gleichen Tage. Damit war Paul Schulte am Esch allein Eigentümer der Besitzung geworden. Wiedermal wurde die Firma geändert Schulten-Bräu Gebrüder Schulte am Esch zu Sterkrade denn als Gesellschafter war der Bruder Max Schulte am Esch als Kaufmann in die Firma eingetreten. Zur Abänderung des Grundbesitzes kaufte Paul Schulte am Esch von seinem Nachbarn Joseph Westemeier noch Grundstücke hinzu. Max Schulte am Esch starb am 16. Februar, wodurch sein Bruder alleiniger Inhaber wurde. 

  • Wo stand die Brauerei (Siehe Foto Stadtkarte 1918)

Das Sterkrader Brauhaus stand in Sterkrade an der Vestischen Straße 240. Gegründet wurde die Brauerei 1870-71 von Friedrich Wilhelm Biermann, der in der Nähe eine Gastwirtschaft betrieb und dort vermutlich auch schon gebraut hat. Um die Jahrhundertwende hieß es jedoch noch nicht Vestische Straße. Im Adressbuch von 1902 (Foto) hieß es Section VII 37a, danach Osterfelder Straße 9 und dann Vestische Straße 240.

  • 1908 Sterkrader Brauhaus G. m. b. H

Der Kaufmann Edgar Meininghaus aus Dortmund hat sich am 13. Februar 1908 mit dem derzeitigen Inhaber der Brauerei, Paul Schulte am Esch, zu einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung unter der Firma, Sterkrader Brauhaus G. m. b. H vereinigt. Edgar Meininghaus aus Dortmund besaß bereits Erfahrung im Biergeschäft, denn in Dortmund gehörte der Familie die Klosterbrauerei Gebr. E. & A. Meininghaus.
Sterkrade war zu dieser Zeit noch Bürgermeisterei. Stadtrechte erhielt Sterkrade erst 1913. Edgar Meininghaus wurde zum alleinigen Geschäftsführer bestellt, der somit die Verantwortung für den gesamten Brauereibetrieb übernahm. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Unternehmen sehr schnell.

  • 1910 trat Paul Schulte am Esch aus dieser GmbH aus

Kurze Zeit später im Jahre 1910 trat Paul Schulte am Esch aus dieser GmbH aus, und die gesamten Anteile des Unternehmens wurden von der Familie Meininghaus übernommen, wobei zu erwähnen ist, dass Edgar Meininghaus auch seine Frau Clara Meininghaus mit 1000 Reichsmark beteiligte. Er selber hielt bis zur Erhöhung des Stammkapitals zunächst 184.000 Reichsmark, später 284.000 Reichsmark.
Herr Edgar Meininghaus war von nun an unabhängig.

  • Herr Meininghaus schaffte es in kurzer Zeit durch sein Geschick und Können das Absatzgebiet stark zu vergrößern

Gesellschafterabsprachen entfielen und er war voller Tatendrang. Dabei halfen ihm sein Können und Erfahrung in dieser Branche. Er war dabei stets bestrebt, das kleine Familienunternehmen zu vergrößern und sein Absatzgebiet zu erweitern. Herr Meininghaus hatte ein sehr großes Geschick, sein Bier den Wirten anzupreisen. So vergrößerte er nach und nach seinen Aktionsradius. Außerhalb Sterkrades waren es neben Dinslaken vor allem Kirchhellen und Hünxe. Kurz darauf kam Hamborn dazu.
Zu dieser Zeit wurden die Fässer noch mit Ochsen und Pferde transportiert (siehe Fotos).
Man kann sich bei der Betrachtung der Bilder lebhaft vorstellen, wie schwierig es für die vier kräftigen Ochsen und eine Kutsche mit 1000 Liter Bier auf der Ladefläche war, die Dorstener Straße hochzukommen.
Fahrten nach Kirchhellen und anderen Städten waren sicherlich ein ähnlich schweres und zeitintensives Unterfangen. Auf den Fotos sieht man einige Fässer. Diese haben eine Höhe von fast 2 m. Man mag sich kaum vorstellen, wie das Abladen bei den jeweiligen Gaststätten von statten ging. Doch nun zurück zur Entwicklung des Unternehmens.

  • Wieder eine Vergrößerung des Absatzgebietes.....

Das Absatzgebiet wurde nunmehr um den Bereich Walsum, Oberhausen, Mülheim und Ruhrort erweitert. Später gehörten die letzteren zu seinen stärksten Abnehmern. Der geneigte Leser möge hierbei berücksichtigen, dass bis 1929 unsere Städte Alt-Oberhausen, Sterkrade und Osterfeld noch nicht zu Oberhausen vereinigt waren. Die Qualität des Bieres und das Geschick von Herrn Meininghaus trug dazu bei, dass sein Bier sogar in weiteren Gebieten Gladbeck, Buer und Recklinghausen geschätzt wurden. All die ganzen Gebietszunahmen hatten die Folgen das die baulichen Gegebenheiten der Brauerei Meininghaus zu klein wurden.

  • Ein Sudhaus wurde errichtet, Keller und Lagerräume stark erweitert.

Bis Dato hatten die betriebstechnischen Einrichtungen vollauf genügt, doch es ist klar, dass bei dem gesteigerten Absatz die nunmehr an den Betrieb gestellten Anforderungen nicht mehr erfüllt werden konnten. Es wurde ein Sudhaus (das Herz einer Bierbrauerei, hier wird die Würze produziert) errichtet und die Keller und Lagerräume wurden erweitert, denn man wollte jetzt auf Vorrat herstellen um den jetzigen großen Kundenkreis bedienen zu können. Es wurden „Biertanks“ errichtet, um das Bier besser lagern zu können. Zwischenzeitlich wuchs auch die Einwohnerzahl der Stadt Sterkrade dank der Großindustrie rasant an und mit ihr der Absatzmarkt vor Ort.

  • Die Flaschenabteilung musste den Verhältnissen angepasst werden.

Die bisher in kleinem Umfang arbeitende Flaschenbierabteilung wurde jetzt im größeren Stille eingerichtet. Herr Meininghaus ahnte, dass sich der Flaschenbierverkauf gewaltig erhöhen würde, und er behielt recht, denn Abnahme des in Flaschen abgefüllten Bieres steigerte sich gewaltig.

  • Durch den immensen Verkauf des Flaschenbieres musste auch der Fuhrpark erweitert werden

Damit in engster Verbindung stand die nunmehr notwendige Vergrößerung des gesamten Fuhrparkes. Mit dem Aufkommen des Automobils als Transportmittel, konnte die Brauerei ihre Erzeugnisse in viel weitere Gebiete verbringen und das in kürzester Zeit. Durch diese sehr kluge Umstellung war nochmals eine Erweiterung des Absatzgebietes auf die Gebiete Katernberg, Herne und noch weiter entferntere Städte wie Köln zu erreichen.
Überall wurden neue Verkaufsplätze geschaffen, ja sogar mit eigenen Vertretungen bestellt, um so das Geschäft intensiver gestalten zu können. Durch das rapide Anwachsen des gesamten Unternehmens war von nun an eine ständige Erneuerung des Betriebs notwendig.
Im Zuge der Kommunalen Neugliederung im Ruhrgebiet wurden am 29. Juli 1929 die Stadtkreise Oberhausen an der Ruhr, Osterfeld und Sterkrade zum neuen Stadtkreis Oberhausen (Rheinland) mit Korrekturen an den Grenzen zu den Nachbarstädten Duisburg und Mülheim an der Ruhr vereinigt. Seit dem Zusammenschluss trägt die Stadt den Namenszusatz (Rheinland) oder (Rhld.). Jetzt war Oberhausen eine Großstadt mit über 190.000 Einwohnern. Und das Sterkrader Brauhaus war die einzige Brauerei in Oberhausen. 

Herr Meininghaus ließ 1929 den nicht mehr modernen Riemenantrieb in seinem Unternehmen vollständig durch die Dampfmaschine ersetzen, eine wirkungsvolle und enorme Hilfe. Zudem wurde der ganze Betrieb elektrifiziert, das heißt der Betrieb wurde auf elektrischem Strom umgestellt. Das war eine mächtige Erneuerung, die dem Unternehmen sehr zugute kam. Doch durch all die Erneuerungen, Anschaffungen und Umstellungen war vieles zu klein geworden. Es musste eine neue Verladerampe errichtet werden. Ebenso war die Fuhrparkhalle den vermehrten Ansprüchen nicht gewachsen, so dass man sich entschloss, eine vollständig neue Halle zum Unterstellen des gesamten Fuhrparks zu bauen. Ein wenig später musste auch die die Flaschenabfüllanlage modernisiert werden. Die alte Anlage schaffte es nicht mehr, ihre Kapazitätsgrenze war erreicht. In Spitzenzeiten wurden 40.000 Hektoliter Bier Pils, Export und Karamell hergestellt. 

  • Krisen die Laufe der Geschichte der Brauerei gemeistert werden mussten

Neben all den erläuterten technischen Fortschritten und der klugen geschäftspolitischen Ausrichtung der Brauerei gab es aber ebenfalls etliche schwere Krisen zu überwinden. Die erste sehr schwere Hürde war der erste Weltkrieg 1914-1918. Die Auswirkungen des Krieges trafen die Brauerei schwer. Rohstoffmangel trat ein, Personal wurde zum Heeresdienst einberufen, Pferde und die ersten vorhandenen Autos mussten der Heeresverwaltung zur Verfügung gestellt werden. Mit dem Fehlen der notwendigen Rohstoffe trat mit der Zeit eine erhebliche Verschlechterung des Bieres ein, wodurch der Absatz bedeutend zurückging. Nach dem Krieg musste sich die Brauerei zunächst konsolidieren und das eigene Überleben sichern. Zu allem kam dann noch, dass gerade in dieser Zeit Großbrauereien viele kleine und mittlere Brauereien aufkauften, um den Markt zu bereinigen. Herr Meininghaus wollte nicht aufgeben und machte weiter. Trotz der Ruhrbesetzung die von 1923 – 1925 dauerte, konnte er sich endlich um den Weiterbau seines Betriebes kümmern. Vor ihm lagen nunmehr nach Erstellung einer Goldmarkbilanz und die goldenen Zwanziger, bevor Ende der 1920er die Weltwirtschaftskrise begann.

Die wirtschaftliche Erholung in den 20ger Jahren hatte auch zur Folge, dass die Leute mehr Bier tranken und dadurch den Absatz in die Höhe trieben. Die Brauerei steckte das erwirtschaftete Geld zudem immer wieder in die Modernisierung, ein kluger Schachzug von Herrn Meininghaus, denn trotz all der Krisen schaffte es der kleine Braumeister immer wieder, die Brauerei zu stabilisieren und seine Absatzgebiete zu erweitern.

  • Firmierung zur Brauerei Meininghaus GmbH 1937

1937 stiegen die Söhne Erich und Wilhelm Meininghaus in das Geschäft ein, die Brauerei firmierte jetzt als Brauerei Meininghaus GmbH.

  • Die schwere Zeit nach dem 2 Weltkrieg bis zum Tod Erich Meininghaus 1954

Nach dem Krieg zählte sie ca. 30 Mitarbeiter. Die Brauerei braute in der Nachkriegszeit unter anderem im Auftrag der Besatzungsmächte. 1948 wurde im Rahmen der Währungsreform eine Eröffnungsbilanz erstellt. Auch feierte die Brauerei Meininghaus das 40jährige Bestehen der Braustätte mit einem großen Fest und einer eigens für den Anlass erstellten Bierzeitung, die heute noch vorhanden ist.
Doch die Geschäfte liefen insgesamt etwas schlechter, denn mittlerweile war es üblich geworden, dass die Wirte bei den Lieferverträgen auch eine Finanzierung der Innenausstattung durch und über die Brauereien wünschten. Dies konnte eine kleine Brauerei wie die Meininghaus Brauerei nicht umsetzen.
1954 verstarb Erich Meininghaus, die Brauerei wurde an die Aktien-Brauerei Carl Funke AG, Essen verkauft und im Jahr 1955 endgültig geschlossen. Bis zum Abriss der Gebäude siedelte dann das Unternehmen Küpper mit einer Pilzzucht auf dem Gelände an. Die Brauerei wurde leider komplett abgerissen.

  • Geschichtliches wie es zur der Zeit war

Als Herr Biermann die Brauerei erbaute, war Sterkrade noch ein Dorf und gehörte zum Kreis Mülheim an der Ruhr. Hier wohnten 5626 Einwohner in 737 Wohnhäusern. Es gab zudem schon zwei große Betriebe der GHH und ca. 56 km Straße. Davon waren ca. 4 km mit Steinschlag bedeckt. Der Rest des Straßennetzes war mit Asche und Schlacke bedeckt. Einen Großteil des Materials steuerten die GHH bei, zumal es noch keine klassischen Straßenpflasterungen gab. Die Straße an der Brauerei hatte zudem 1876 noch kein elektrisches Licht. Dieser technische Fortschritt sollte erst viel später kommen. Nach und nach folgten Petroleumlampen und ab 1898 wurden die Straßenlampen mit Gas betrieben.

  • Familie Meininghaus braut in Oberhausen wieder lokales Bier

https://www.waz.de/staedte/oberhausen/familie-meininghaus-braut-in-oberhausen-wieder-lokales-bier-id214076637.html

  • Oberhausener Traditionsfamilie Meininghaus braut sogar Pils

https://www.waz.de/staedte/oberhausen/oberhausener-traditionsfamilie-meininghaus-braut-sogar-pils-id216953315.html?fbclid=IwAR19EyJy9nkScb1CVZcf7NXmFW0nNmaTlboySLT4hYR0br9IBHErNRxYg-4

  • Familie Meininghaus auf Facebook

https://www.facebook.com/MeininghausBrauwerk/

  • Familie Meininghaus im Internet

https://www.meininghaus-brauwerk.de/

Viele Bilder stellte mir Herr Oliver Meininghaus zu Verfügung. Er ist der Enkel von Erich Meininghaus. Vielen herzlichen Dank an dieser Stelle.

Danke auch an Alfred Lindemann für das Foto.

Quellen:
Ausgaben der Rhein und Ruhrzeitung 1870-76, 1880, 1890-95,
Ausgaben Generalanzeiger 1910, 1911 1920, 1939, 1955
Ausgaben Ruhrwacht 1950er, 1932,
Ausgaben National-Zeitung 1935, 1939
Ausgaben Neue Tag 1936, 1938
Seipp Heimatbuch 1964 und 1927,

Alfred Lindemann.

https://de.wikipedia.org/wiki/Weltwirtschaftskrise, Heimatkalender Oberhausen 1940, http://aktiongutesbier.de, http://www.klausehm.de/Page4828.html, https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland#Weimarer_Republik_.281919.E2.80.931933.29

Autor:

Martin Grundmann aus Oberhausen

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