Eine kurze historische Geschichte über den ehemaligen Priestershof in Dümpten Oberhausen

Bild zeigt den Priestershof in den 1930er. Bild: National-Zeitung. Stadtarchiv Oberhausen
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  • Bild zeigt den Priestershof in den 1930er. Bild: National-Zeitung. Stadtarchiv Oberhausen
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Eine kurze historische Geschichte über den ehemaligen Priestershof in Dümpten Oberhausen

Bitte schaut euch die Karten dazu an, sie zeigen euch die genaue Lage des Hofes an.  

  • Das Wichtigste zuerst, wo lag dieser Hof.

Nach der Karte von 1823 lag der Priestershof zwischen der Nathland- und Mühlen-Straße, oberhalb des Lepkeshofes, am Mühlenbach. Heute würde er links neben der Traditionsgaststätte, Restauration Frintrop (Mühlen-Straße.) liegen. Link Restaurant Frintrop

Priesterhof.

Die Straße ist nach dem Hof benannt worden.
Entlang des Scheidbächleins Lepkes-Mühlenbach lagen einige Höfe. Rechts vom Priestershof liegt der noch existierende Lepkes-Hof (Link zum Lepkeshof).
Link Geschichte Lepkeshof
Links davon der Bleyskotten der bis in 1970er existierte.

  • Kurze Infos zum Hof detailliertere folgen weiter unten.

Schon in einem Verzeichnis über den Güterbesitz des Stifts Essen wird 1444 Alef Priester als Bewirtschafter des Gutes erwähnt. Der Broicher Junker Heinrich soll 1441 in der Nähe des Hofes eine Zollstätte errichtet haben. Er bestellte den aufsitzenden Bauern des Priestershofes zum Zolleinnehmer. Diese Zollstätte, auf Alt-Dümptener Gebiet, war ein wichtiger Punkt der alten Landstraße von Essen zum Rhein; sie kam vom ”Roten Haus” auf den Höhen von Bedingrade abwärts am Priestershof vorbei und lief weiter an der Grenze von Lippern-Lirich und Broich entlang. Über den Galgenberg führte sie weiter zum Landwehrdurchlaß Isern Bögel. Der Hof gehörte später der HOAG (1953 wurden die Felder mit Wohnhäusern überbaut).

An der Ecke Priestershof / Lepkesfeld steht noch heute ein alter Dreistädtegrenzstein Mülheim-Essen-Oberhausen.

  • Priestershof

Als Straßenbezeichnung ist der Name Priestershof vielen bekannt.

Leider wissen wir nur sehr wenig über diesen Hof, aber ich möchte gerne unsere Oberhausener Geschichte am Leben erhalten. In einigen Jahren weiß keiner mehr was darüber wenn wir nicht alles niederschreiben , egal wie viel Material man sammeln konnte. Vielleicht findet man beim Recherchieren nach anderen Geschichten noch was über den Priestershof , oder ihr habt noch etwas darüber. Dann bitte kontaktiert mich. Vielen Dank. 

Unmittelbar hinter dem Hof floss das Scheidbächlein (Lepkes-Mühlenbach), dass das nötige Wasser für Mensch und Tier lieferte.
Vor dem Hof zwischen Mühlen- und Frintroper Straße lagen lehmigsandige Flächen, die ursprünglich bis zum sumpfigen Vennepoth hin mit Wald bestanden waren. Die bruchigen, teils mit Erlenunterholz bestandenen Wiesengründe des Nattlandes dienten dem Weidegang. Vor großer Bedeutung für die Platzlage war auch der Schutz gegen die rauen Ostwinde, die die steile Talflanke des Labbergs zu bieten hatte und die Lage an dem alten Wegezug, der unmittelbar am Hof vorbeiführte.

  • Geschichte des Priestershofes

Über seine Besitzer und Pächter, sind wir einigermaßen unterrichtet durch Aufzeichnungen in den Archiven.
Er gehörte zu dem gewaltigen Güterbesitz des Essener Kanonissenstiftes, den dieses im Lauf der Zeit teils durch Schenkung, teils durch Kauf angesammelt hatte. Einzelne solcher Höfe und Besitzungen waren unter der Führung eines Haupt- und Unterhofes zu einem Hofesverbande zusammengefasst, an dessen Spitze der Schulte des Oberhofes stand.
Priestershof ein Hove
Der Priestershof war seit Alter Zeit ein Hove, ein Unterhof des Essener Oberhofey Rünning, bei Kray gelegen. Der Name bedeutet: Nonnengut, denn er diente nebst anderen Höfen der Pröpstin, der Vorsteherin des Damenkonvents und der Verwalterin seines Vermögens, zum Unterhalt ihres Hofhalters, den sie neben der Äbtissin führte.

  • Ältere Benennung des Priestershofes

Die ursprüngliche Bezeichnung des Priestershofes in den ältesten Verzeichnissen des Oberhofes Rünning lautet: " Die Hove in dem Lappenberge ". Die Namensgebung verrät, dass sie in ältere Zeiten zurückführt als noch seine festen Familiennamen bestanden. Später heißt es dann: " Die Hove in dem Lappenberge heißt jetzt die Bleys- und Priesterhove am Lappenberg".

  • Warum jetzt Doppelname?

Die neue Doppelbezeichnung zeigt von einem allgemeinen geübten Siedlungsvorgang. Bei zunehmender Bevölkerungszahl war man bestrebt, nicht nur den Hofeserben, sondern auch den anderen Söhnen eine Bauernstelle und damit Heiratsmöglichkeit zu verschaffen. Man teilte die Höfe, wenn es anhängig war. Oester jedoch gestattete man mit Einverständnis der Pröpstin einem der Söhne, sich am Rande des Hofeslandes eine Kotten anzulegen und sich das zur Erhaltung einer Familie nötige Ackerland durch Rodung eines Waldstückes und die nötigen Viehweiden durch Trockenlegung und Besserung von Bruchland zu verschaffen.

  • Absplitterung

So war der Bleyskotten als eine Art Abspitz vom Priestershof auf einem freien Platz im Bruchgebiet des Nattlandes entstanden. Ein Plei oder Blei bezeichnet noch linksrheinisch und holländisch einen freien, also waldlosen Platz.

In einem Zehntregister der Borbecker Kirche von 1400 wird der Name Ble-y noch nicht genannt, es steht dort noch der alte Name " labberch".

  • Der Name Priestershof kam von…

Der Name Priestershof mutet uns etwas eigenartig an. Er ist kein leicht zu erklärender Örtlichkeitsname wie " Nattland“, " Lepgen“, " Bley" und " Hettberg“. Anhaltspunkte für seine Deutung geben uns die Pachtregister der Borbecker Kirche. Diese hatte durch Schenkung und Kauf ansehnliche Ländereien in ihren Besitz gebracht, die gegen bestimmte Pachten von Getreide, Geld, Wachs oder Vieh von einzelnen Bauern bewirtschaftet wurden. In den ältesten Kirchenregistern von 1444 wird ein " Alef Prester" genannt, der für die Bewirtschaftung von Kirchenländereien 4 Malter Getreide an die Kirche zu liefern hatte. Da die Inhaber des Priestershofes die einzigen in der näheren Umgebung waren , die Borbecker Kirchenland unterm Pflug hatten , von denen also der Priester zu Borbeck Abgaben bezog, bezeichnete man diesen Hof als Priestershof. Von der Hofesbenennung übertrug sich dann der Name Priester als Familienname auf die Inhaber der Hofstelle.

  • Alte Bücher geben Auskunft über dem Hof

Nach den Bestimmungen des Essener Hofrechts war der Priestershof als Unterhof von Rünning ein sogenanntes Leibgewinns- oder Behandigungsgut.
Beim Tode eines Aufsitzers hatte der Erbe, der älteste Sohn, oder beim Fehlen eines männlichen Erben die älteste Tochter binnen sechs Wochen eine Hand an dem Gute zu gewinnen. Da die Essener Höfe zu zwei Händen verliehen wurden, musste eine zweite Hand angegeben werden. Dies war in den meisten Fällen die Ehefrau und bei einer Hofeserbin der einheiratende Ehemann, der den Namen des Hofes annahm. Manchmal gewannen auch zwei Söhne die Behandigung.

  • Das Gewinngeld gibt Einblicke (Rthlr = Reichstaler)

Der Priestershof war immer zu freien und unhuldigen Händen ausgetan. Für die Gewinnung des Gutes musste das Gewinngeld bezahlt werden, das aus dem jährlichen Reinertrag nach Abzug der Kosten und Lasten errechnet wurde. Es schwankte im Laufe der Zeit. So betrug es beispielsweise 1633: Rthlr, 1656: 30 Rthlr, 1700: 50 Rthlr, 1774: 35 Rthlr. Beim Tode wurde außerdem von
dem frei Behändigen 1 Mark Essendisch als " Sterbefall" erhoben, umgerechnet zu 1 Rthlr. 15 stbr. An weiteren Abgaben waren noch am Trinitatistage 3 Albus zu entrichten. Anfang des 19. Jahrhunderts zu 8 Pfg. berechnet.
Dann kam der Schirmvogt des Stiftes, die Grafen von der Mark, später die Kurfürsten von Brandenburg, die Herren- oder Vogtbede von 18 Albus oder 6 Schillingen. Ferner hatten die Besitzer des Priestershofes noch den Zehnten zu leisten und zwar von den Ländereien in der Bauernschaft Dümpten an das Kloster Saarn 1/2 Malter Roggen, 1/2 Malter Buchweizen, und ein Malter Hafer. Auf den Grundstücken in Frintrop ruhte der Knippenburger Zehnte, der in Geld umgerechnet 1 Rthlr. 18 Silbergroschen 3 Pfg. Betrug. Die Abgaben zeigen, dass die Gesamtbelastung des Hofes ziemlich hoch war und dass seine Besitzer bei Missernten und in Kriegszeiten mit ihren Einquartierungen, Plünderungen und Brandschäden in Not und Schulden geraten mussten.

  • Der erste Leibgewinner des Priestershofes

Der erste bekannte Leibgewinner des Priestershofes war Dietrich, Rotgers Sohn, von der Lappenberg der 1360 genannt wird. Die Urkunde besagt, dass die Pröpstin bei seinem unverehelichten Absterben 2 Mark Dortmundisch habe, im Fall, das r ein Weib nehme, sollte sie sich halten an seinem Leib und Gut, gleich wie bei andern Hofsleuten. Wir hören dann in den abteilichen Gewinnbüchern nichts vom Priestershof bis 1656. Da gewinnen die Gebrüder Philipp und Caspar von Lipperheide je eine freie und unhuldige Hand an dem Hofe. Sie entstammen dem Essener Dienstmannengeschlecht von dem Rittersitz Bermen, der einst am Lippeheidebaum lag.

  • Nach 1656 keine Erbhofbauern mehr

Die Priester sind nun nicht mehr Erbhofbauern, sondern abhängige Pächter geworden. Sie hatten nun alle Jahre auf Martini Episkope an reinem, marktgängigen Pachtkorn zwei Malter Roggen, zwei Malter Gerste zu liefern, dann noch ein Schuldschwein , sechs Hühner, 16 Lot Muskatblumen, vier Pfund Zucker und die zum Haus Bermen von altersher gewohntlichen Dienste mit der Hand und mit Pferden unweigerlich zu leisten. Offensichtlich waren sie den von Lipperheiden gegenüber verschuldet, hatten ihnen ihre Ländereien verpfändet und waren wohl nicht mehr in der Lage, ihren Verbindlichkeiten nachzukommen, so dass die Herren von Bermen in den Besitz des Hofes setzten. Von nun an besaßen die Herren von Lipperheide zu Bermen und ihre Nachfolger auf Haus Bermen, die Herren von Boenen von der Burg Oberhaus, durch zwei Jahrhunderte hindurch die Behandigung des Priestershofes.

  • Die Zeit bis 1799

Bis in die 70er Jahre des 18. Jahrhunderts blieben die gekennzeichneten Besitzverhältnisse des Hofes erhalten. Da verkaufte Ludolf Friedrich Adolf von Boenen vom Oberhaus neben vielen anderen Gütern auch die beiden Güter am Lappenberg. 1773 erwarb die Essener Äbtissin Franziska Christine den Bleyskotten für das von ihr gegründete Steeler Waisenhaus gegen eine Kaufsumme von 400 Rthlr. Im folgenden Jahr am 15. April, erschienen der Bauer Jogann Priester und seine Ehefrau Anne Hellberg, die aus dem Haus am Herberg stammte, bei der Behandigung an dem Hof, die ihnen gegen ein Gewinngeld von 35 Rthlr. gewährt wurde. So war die Familie nach über 200 Jahren wieder in den Besitz des Hofes gelangt

  • Die Zeit nach 1800.

Die ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts brachten mit ihren politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen auch einschneidende Veränderungen für den Priestershof. Die Besitzungen des Essener Stiftes fielen an den preußischen Staat. Die Naturalabgaben wurden in Geldrenten umgewandelt und endlich abgelöst. Nach dem Ablösungsvertrag zwischen der kgl. Regierung zu Düsseldorf und dem Ackersmann, Peter Buschmann genannt Priester, vom 27. Mai 1829, war das Lösekapital nach umständlichen Berechnungen auf 60 Rthlr. 12 Silbergroschen, 6 Pfg. festgesetzt, das in zwei Fristen am 11. November und am 11. November 1830 zu entrichten war. Damit waren die Besitzer freie Eigentümer geworden.
Eine Änderung hatte sich zur selben Zeit auch in persönlicher Hinsicht vollzogen. Peter Buschmann von einem alten Hof in Beeck hatte 1806 die Erbin des Hofes, Getrud Priester, geheiratet, so dass nach den damaligen Bestimmungen der alte Name Priester nur noch als Zusatz zudem Namen Buschmann gebraucht werden dürfte.

  • Das Aus des Hofes. Bebauung der Felder und Abriss des Hofes.

Durch den Einzug der Industrie im 19. Jahrhundert und die steigende Bevölkerungszahl fielen die Hofesländereien der Bebauung zum Opfer und setzten dem bäuerlichen Wesen des alten Hofes ein Ende. Die landwirtschaftlichen Nebengebäude verfielen dem Abbruch und das alte Bauernhaus wurde zu einem reinen Wohnhaus Der Priestershof gehörte in der Neuzeit zur HOAG, die Felder wurden 1953 überbaut. Heute erinnert nur die Straße an den Priestershof.

  • Abschließendes Wort

Natürlich hat der Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit, es werden bei unseren späteren Recherchen immer wieder einige Sätze geben über den Lepkes-Hof. Es gibt keine Inhaltsangaben in alten Zeitungen und Bücher im Stadtarchiv daher ist eine Suche zu einem Thema oft ein Glücksspiel. Wir sind auch keine Profi wir sind Hobby-Historiker die die Heimatgeschichte sehr am Herzen liegt.

  • Falls ihr Bild oder Infos hat …….

Falls ihr noch einige Angaben oder Bilder würden wir uns freuen wenn ihr uns sie zusendet. Dann würden wir gerne den Artikel erweitern.

Vielen Dank das ihr euch die Zeit genommen habt den Artikel durchzulesen.

  • Quellen.

Wilhelm Wolf Verschiedene Ausgaben General-Anzeiger 1930er
National-Zeitung 1936, 1938, 1940
Ruhrwacht 1929, 1930
Heimatbuch Seipp 1962
Erklärung einiger Wörter im Text:

Zehnt
https://de.wikipedia.org/wiki/Zehnt
https://de.wikipedia.org/wiki/Propst

Abk. Rthlr
https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstaler

Albus
https://de.wikipedia.org/wiki/Albus_(M%C3%BCnze)

Der Lepkeshof in Oberhausen

http://www.lepkeshof.de/

https://www.facebook.com/lepkeshof

Gaststätte, Restauration Frinrop in Oberhausen

https://www.restaurant-frintrop.de/

Autor:

Martin Grundmann aus Oberhausen

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