Eine 23 Meter hohe Antenne auf dem Dach des Hotels „Zur Post“ ermöglichte diese Sensation.
Erste Fernseh-Premiere 1952 in Oberhausen-Sterkrade und zugleich im Ruhrgebiet durch die Firma Baldow.

Eröffnung im Stadmittehaus neben Lantermann 1964.

Bild: General-Anzeiger 1964
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  • Eröffnung im Stadmittehaus neben Lantermann 1964.

    Bild: General-Anzeiger 1964
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  • Baldow ein Name, der bis heute in Sterkrade einen guten Klang hat.

Kurze Geschichte über die ehemalige in Oberhausen-Sterkrade ansässig gewesene und sehr beliebte Firma Radio Baldow GmbH & Co KG

  • Gründung der Firma Baldow 1949

Als Hermann Baldow spät aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte, stand er praktisch vor dem Nichts. Er wagte sich selbstständig zu machen. Der Start war mehr als bescheiden. Er selbst hatte schon genug Kenntnisse gesammelt im Rundfunkwesen, er war kein Neuling mehr. In einem Fachgeschäft in dem er 18 Jahre tätig war, erwarb er sich neben kaufmännischen Kenntnissen auch die technische Fertigkeit. Zusammen mit einem alten Radio-Fachmann, der seine Berufsberechtigung mitbrachte, machte er sich an die Arbeit. Das Geschäftsrisiko trug Baldow alleine.

  • Die Anfänge auf der Bahnhofstraße 16

Die Inhaberin eines Zigarrengeschäftes an der unteren Bahnhofstraße überließ ihm eine Ecke in ihrem Schaufenster, in der er einige Rundfunkgeräte, vornehmlich gebrauchte und reparierte, unterbringen konnte. Später als im Pavillon Bahnhofstraße 18 eine Ecke frei wurde, zog er dort hin. Die Zeitumstände waren günstig. Er konnte mit einem größeren Warenangebot aufwarten und forcierte seinen Reparaturbetrieb. Langsam aber sicher durch seinen Ehrgeiz und Können wurde der Kundenkreis immer größer.

  • Eine kleine historische Sensation in Oberhausen-Sterkrade. Die Fernseh-Premiere in Oberhausen-Sterkrade besser gesagt im Ruhrgebiet. Wer, wann und wo?

Wir schreiben das Jahr 1952 und befinden uns in einer Dachkammer auf der Bahnhofstraße im Hotel „Zur Post“. Die Gebrüder Baldow fingen Bilder des holländischen Fernsehsenders Lopec ein.
Die Bilder kamen vom 150 km entfernten holländischen Fernsehsender Lopec. Die Oberhausener Presse war zugegen und konnte sich am 8. Februar 1952 von dem Wunder selber überzeugen. In einer Dachkammer stand der 1500 DM kostende Apparat und über seinen Bildschirm zogen Ereignisse aus dem Leben des verstorbenen Königs. Auf Autos reagierte der Fernsehempfänger sauer. Deren Zündkerzen schossen regelrecht einige Bildzellen heraus. Dann aber waren die Bilder wieder gestochen scharf und der Ton ebenfalls.

  • Eine 23 Meter Antenne und das Wissen von Baldow ließen die Bilder erscheinen.

Dieser erste Fernsehempfang im Ruhrgebiet war nur dadurch möglich, dass auf einem hohen Dach ein besonders längerer Antennenmast errichtet wurde. Dreiundzwanzig Meter ragte er über die Wirtschaft Zur Post hinaus. An der Spitze des Mastes befand sich eine Dipolantenne. Nach den Erfahrungen des Rundfunkfachmannes, die dieser in Eindhoven gesammelt hatte, befestigte man an der Spitze des Mastes eine ellipsenförmige Antenne im Gegensatz zu den international gebräuchlichen H-Antennen. Es kam darauf an, die Antenne nach einer bestimmten Formel genau auf die Frequenz des niederländischen Fernsehsenders Lopec abzustimmen. Außerdem ist die Antenne drehbar, um den Peilstrahl aus Holland genau zu fangen.

  • Nach einigen Versuchen dann die ersten Bilder auf Kanal vier

Der Empfang des 150 km entfernten Lopec in Holland erfolgte über ein Philipsgerät, das mit 10 Frequenzkanälen ausgerüstet ist. Man kann also damit Programme von 10 verschiedener Wellenlänge operierenden Stationen empfangen. Den Holländer bekam der Radiofachmann über den Kanal vier auf 64,5 Megahertz.
Zügig lief das Programm ab. Gleich nach dem Testbild, das der Sender strahlte, damit der Empfänger sich genau auf die Wellenlänge einstrahlen kann, kam die Ansagerin. Das Schneetreiben, das auf dem Bildschirm, der mit Zeilenzahl von 625 arbeitet, erschien, wurde durch atmosphärische Störungen verursacht. Diese haben umso größere Angriffsfläche, je weiter der auf 50 km geeichte Empfänger von dem Sender entfernt ist.

  • Baldow wurde dadurch sehr bekannt, bundesweit. Erfolg und neues Lokal.

Baldow wurde dadurch weit über die Grenzen Sterkrades hinaus bekannt und das Geschäft blühte. Bruder Karl-Heinz wurde durch sein technisches Können in der Firma unentbehrlich und Schwester Erika leitete in Oberhausen die Filiale. 1959 wurde noch ein Geschäft in Sterkrade und um ein weiteres Lokal erweitert. Damit konnten dann die Abteilungen Fernsehen, Radio, Musikschränke und Schallplatten, gesondert eingerichtet werden.

  • 1954 Eröffnung der Fernsehstraße ein riesen Erfolg. 
  • 1964 die schon lange erwartete Eröffnung im Stadtmittehaus.

Für die schon lange angestrebte Ausweitung und Verlagerung des Geschäftes bot sich die Gelegenheit, als die Firma Woolworth in ihren Neubau übersiedelte. Die Front lockerte Baldow durch eine große Glaspassage auf. Im Inneren ist alles nach Fachabteilungen aufgegliedert.

  • Jahrelanger Erfolg. Niederlassungen in Gelsenkirchen. Dann das Aus in Sterkrade 1997

Jahrzehnte lang genoss Baldow ein hohes Ansehen in Sterkrade. Die Kundenzufriedenheit war überdurchschnittlich. Man mochte die Beratung und den Service der Firma Baldow sehr. Sie waren stets bemüht immer die neusten Attraktionen im Elektronikbereich zu präsentieren. Dann im Jahre 1997 am 17. Februar schlossen sich die Türen der Firma Baldow für immer in Oberhausen-Sterkrade.

  • Genau wie Herr Assmacher dachten wohl viele Menschen in Sterkrade und darüber hinaus.

Das geht mir ganz schön unter die Haut: Ich missbillige diese Situation außerordentlich und empfinde tiefstes Bedauern für die betroffene Familie. „Sichtlich geschockt kommentierte Manfred Assmacher, Vorsitzender der Sterkrader Interessengemeinschaft (StIG) die Meldung in der Tageszeitung. Die Radio Baldow GmbH & Co. KG hat am 20. Februar 1997 Antrag auf Eröffnung des Konkursverfahrens gestellt. Das Geschäft Baldow war schon ab 17. Februar geschlossen worden.
Genau wie Herr Assmacher waren viele Kunden geschockt und traurig darüber. Sie wurden dort immer gut beraten und die Produkte der Firma Baldo waren immer gut und günstig. In den ganzen Jahrzehnten ihres Bestehens boten sie ihren Kunden immer eine reiche Vielzahl an Produkten. Viele werden sich noch an die riesige Fernsehstraße erinnern.

  • Die Gründe des Aus für Baldow

Die erfolgte Verkehrsberuhigung der Sterkrader Innenstadt und die ständigen Verzögerungen, was die Fertigstellung des Verkehrsrings betrifft, dem Unternehmer Baldow schweren Schaden zugefügt. Dafür trage die Stadt nicht die alleinige Schuld. Die Sterkrader Händler könnten ihrer Versorgungspflicht solange nicht nachkommen, wie die GHH um den Verkauf eines Grundstückes pokere., ohne dass der Verkehrsring nicht zu schließen sei.
Gerade die in der Fußgängerzone ansässige Firma Baldow, die Geräte mangels Abholmöglichkeit trotz hoher Kosten an Kunden hätte anliefern müssen, habe guten Glaubens auf die Fertigstellung des Verkehrsrings gesetzt.
Erschwerend hinzugekommen sei die Tatsache, dass es sich bei der Unterhaltungs-Elektronik um eine gebeutelte Branche mit kaputten Preisen handle. Viele Kunden hätten zwar die personalintensive Beratung geschätzt, mit kostenlos erworbenem Wissen dann aber anderswo gekauft.
Das Aus von Baldow treffe den Sterkrader Branchenmix empfindlich und reiße eine klaffende Lücke.
Von dem Konkurs des Sterkrader Baldow-Hauses übrigens nicht betroffen die Firmengruppe Baldow in Gelsenkirchen. Die dortigen drei Häuser sind nicht betroffen.

  • Das Aus in Gelsenkirchen für die Familie Baldow im Jahre 2017.

Wir sagen Danke!" Stand in weißen Buchstaben über dem Ausgangsbereich des Elektrofachmarkts Radiomarkt an der Willy-Brandt-Allee 66. Nach 35 Jahren schließt der Familienbetrieb.
„Der Verbraucher hat sich entschieden. Den Radiomarkt vor Ort braucht er nicht mehr. Es wird fast nur noch übers Netz bestellt.

Quellen:
Vielen Dank wieder einmal an Herr Uecker vom Stadtarchiv Oberhausen für seine Mithilfe.
Danke an Alfred /Lindemann) unseren Sterkrader Historiker für das Bild:

NRZ, WAZ 1997
WAZ 1964, General-Anzeiger, Ruhrwacht
WAZ, NRZ, General-Anzeiger, Ruhrwacht Ausgaben aus den 1950er.

Autor:

Martin Grundmann aus Oberhausen

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