Was für ein Andrang. Die City musste zeitweise gesperrt werden.
Historischer Rückblick zur Eröffnung des Kaufhof Oberhausen am 18. Oktober 1961

Der Tag der Eröffnung des Kaufhof in Oberhausen auf der Markt-Straße. 18. Oktober 1961. Ein Andrang wie es zuvor bei der Eröffnung eines Kaufhauses noch nie gab. An allen drei Eingängen dasselbe Bild.
Bild Ruhrwacht: 1961
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  • Der Tag der Eröffnung des Kaufhof in Oberhausen auf der Markt-Straße. 18. Oktober 1961. Ein Andrang wie es zuvor bei der Eröffnung eines Kaufhauses noch nie gab. An allen drei Eingängen dasselbe Bild.
    Bild Ruhrwacht: 1961
  • hochgeladen von Martin Grundmann

Historischer Rückblick zur Eröffnung des Kaufhof Oberhausen 18. Oktober 1961

Am 16. Juni 2012 schloss der Kaufhof an der Marktstraße seine Pforten zum Bedauern vieler, vieler Kunden. Das ist und war ja nicht das Aus für Oberhausen. Mit der Galeria Kaufhof im Centro ist das Traditions-Unternehmen auch weiterhin in Oberhausen vertreten.

Der Anlass warum ich diesen Artikel schrieb, ist das viele Leute noch in Freude zurückblicken, wenn sie alte Fotos sehen vom Kaufhof, sie geraten ins Schwärmen. Sie erinnern sich gerne daran zurück  was es alles gab und wie schön es dort war. Ich wollte deshalb den Eröffnungstag nochmal ins Leben rufen.

  • Der Andrang war beängstigend am Kaufhof Oberhausen. 

Einen solchen Andrang wie bei dieser Eröffnung am 18. Oktober um 10 Uhr hatte noch kein Oberhausener Kaufhaus erlebt. Schon Stunden vorher drängten sich Hunderte vor den Eingangstüren.

  • Das wunderschöne Tagesfeuerwerk startete

Um 9:45 Uhr pünktlich ertönte ein weithin hörbarer Donnerschlag der ein fantastisches Tagesfeuerwerk einleitete. 15 Minuten später wurden die Eingänge regelrecht gestürmt.
Eine riesige Menschenmenge umzingelte den Kaufhof. Die drei Eingänge waren regelrecht belagert. Die Bilder zeigen wie voll es war. Unglaublich. Trotz der enormen Menschenmenge gab es keine Verletzungen oder Vorkommnisse, das wurde ein Tag später berichtet. 

  • Männeken-Schießen nannten es viele, die anderen Tagesfeuerwerk.

Auf den Dächern von Defaka, Magis und anderen Hochhäusern gruppierten sich die Angestellten. Auf den privaten Veranden der Privatwohnungen war alles belegt, und natürlich all die Menschen die aus den Fenster, alles mit beobachteten. Was für ein Bild musst es damals gewesen sein.

  • Die ersten Figuren erschienen über den Kaufhof

Als erstes wurde eine Sonne aus Seidenpapier abgeschossen vom Dach des Kaufhofes, dann kamen Bergmann, Reiter, Schutzmann, Clown, Schornsteinfeger, Oberhausener Stadtflagge u.v.m., Hunderte von Kindern gingen den Figuren nach sie schwebten ca. 1000 Meter weiter südlich langsam zu Boden.

  • Applaus, Staunen und dann wurde der Kaufhof eröffnet

Den meisten Applaus erntete eine Rakete die zunächst ein abstraktes Gebilde herausschleuderte und durch den Wind die Form eines Pferdes annahm, auf dem ein Reiter saß.
Die staunende Menge antwortete mit tausenden: " Ah. Oh wie schön." Die Menge applaudierte. Der Anschluss des Tagesfeuerwerkes eine Flagge mit der Aufschrift:" Und jetzt hinein." 

  • Die City musste zwischenzeitlich gesperrt werden

Es wurde ab 8 Uhr immer voller. Wenn eine Straßenbahn ankam Friedrich-Karl- oder Havenstein-Straße schlängelte sich wieder eine riesige Menschenschlange größernteils nur Frauen auf dem Kaufhof zu. Ohne Einsatzwagen auf den Straßenbahn- Buslinien hätte der Ansturm aus den Außenbezirken, selbst aus Osterfeld, Sterkrade, Dümpten, und Obermeiderich, nicht bewältigt werden können. Die Stadtwerke hatten vorgesorgt, trotzdem kam es vor (selten) dass Fahrgäste an den Haltestellen zurückgelassen werden mussten.

Eine Stunde war die City am 18. Oktober zwischen Hauptbahnhof und Nohl-Straße für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Tausende von Menschen kamen um das Tagesfeuerwerk und die Eröffnung des Kaufhofes mitzuerleben. Sie blockierten die Straßen und Plätze und machten es den Fahrzeugen unmöglich durchzukommen. Im Großeinsatz riegelten die weißen Mäuse (Polizei) die Zufahrtsstraßen ab. In den ersten Verkaufsräumen herrschte über den ganzen Tag ein beängstigendes Gedränge.

  • Den ganzen Tag ein nicht abreißender Besucherstrom. Die Eingänge mussten manchmal gesperrt werden.

Der immer stärker werdende Käuferstrom riss nicht ab. Nach kurzer Zeit schon waren alle Räume von einem wogende Menschenmeer überflutet. Die Geschäftsleitung war gezwungen die Eingänge für einige Zeit zu sperren.

  • Sie kamen von überall. Alle wollten bei der Eröffnung dabei sein.

Aus allen Himmelsrichtungen kamen die Leute, aus Groß-Oberhausen, aus Nachbarstädten und sogar vom Niederrhein. Ein Blick auf die Fotos zeigt euch wie es den ganzen war. Die Stufen und Rolltreppen konnte all die Menschenmassen kaum noch aufnehmen. Und es wollten zudem immer wieder neue Kunden
Straßenbahnen und Autobusse waren überfüllt und hatten Verspätungen.

  • Der Erfrischungsraum war wenige Minuten nach der Eröffnung bis auf den letzten Stuhl besetzt

Der größte Andrang hatte der Erfrischungsraum in der 1 Etage. Schon wenige Minuten nach der Eröffnung waren alle Sitzplätze besetzt. Es war kaum möglich einen Stuhl zu bekommen, es sei denn man stellte sich eine geraume Zeit hinter einem und wartete bis er frei wurde.
Am Abend ließ Kaufhof-Geschäftsführer Palm Revue passieren. Müde und zufrieden zog er Bilanz. Solch einen Andrang hatte keiner erwartet und das schöne war alles ohne Zwischenfälle. Geschäftlich ein Riesenerfolg.

  • Ein Riesen Angebot bot sich den Kunden. Technische, organisatorische Meisterleistungen wurden geboten. Nicht zu vergessen die enormen Leistungen der Angestellten, die alles gaben.

• 80 Abteilungen mit 40000 Artikeln
• Am Eröffnungstag 750 Verkaufskräfte
• " Kaufhof bietet tausendfach alles unter einem Dach".
• Von 17700 qm Nutzfläche sind 6400 qm reine Verkaufsfläche

  • Selbstbedienung:

In der Lebensmittelabteilung herrscht Selbstbedienung, natürlich ist die Ware sauber eingepackt, der Kunde kann die halbautomatische vor sich gehende Verpackung hinter einer großen Scheibe sogar beobachten. Auch in der Schnellimbissecke herrschte Selbstbedienung.

  • Das Haus hatte 21 Schaufenster, Beschriftungen, Beleuchtungen   

Über den Türen leuchtet innen, im Geschäft der Name der Straße, zu der man wieder                hinauswill, Marktstraße, Paul- Reusch-Straße.
Ununterbrochen leuchten 8400 Leuchtstoffröhren und eintausend Glühlampen, ganz abgesehen von der Beleuchtung der Schaufenster. Der Kaufhof benötigt genauso viel Strom wie ein Ort von etwa 20000 Einwohner 

  • Rolltreppen, Klimaanlagen, Abfallverbrennungsanlage alles Modernste Technik

Drei Rolltreppen und drei Aufzüge, drei Hauptportale mit versenkbaren Türen und Luftschleiern.

Alle Räume sind mit Teilklimaanlagen ausgestattet, die hereingesaugte Luft Außenluft wird durch Filter automatisch gereinigt und beliebig temperiert. Die verbrauchte Luft wird durch Ventilatoren über ein Kanalsystem wieder nach draußen befördert. Der Kaufhof ist zwar an das hiesige Fernheizwerk angeschlossen, erzeugt aber auch selbst Wärme (für Warmwasser) durch eine große Abfallverbrennungsanlage im Keller, in der tägliche Unmengen von Pappkartons, Papier usw. verbrannt werden.

  • An alles wurde gedacht. Eigene Wasserversorgung, Stromversorgung

Automatischer Feuerschutz
Natürlich verfügte das Haus auch über eine eigene Feuerlöschanlage, eine sogenannte Sprinkleranlage. An den Decken aller Räume sind „Brausen" insgesamt 1000 angebracht, die Falls einmal ein Feuer ausbricht und 72 Grad Hitze erreicht sind - automatisch so viel Wasser versprühen je 70 Liter in der Minute herabrauschen lassen, dass man damit das ganze Haus überfluten könnte. Auch gegen einen eventuellen Ausfall des städtischen Wasser- oder Stromnetzes ist durch einen eigenen, 30 cbm Wasser fassenden Druckbehälter bzw. durch ein Notstromaggregat vorgesorgt. Übrigens wird, sobald eine Wasserlöschbrause in Tätigkeit tritt, die Feuerwehr automatisch alarmiert. Jeder Brand wird akustisch und optisch sofort signalisiert.

  • In Köln erdacht von Prof. Dr. Wunderlich

Der Entwurf zu diesem Riesengebäude - der Kaufhof besitzt in Bundesdeutschland jetzt 41 Filialen in 38 Städten --stammt von Prof. Dr. Wunderlich, dem Leiter der Kaufhof-Bauabteilung in Köln. Um die hiesige Ausführung, an der über 70 Firmen beteiligt waren kümmerte sich der Kaufhof-Architekt Vierguts, Köln.

  • Vorbereitung zum Bau des Kaufhofes. Starttermin 1960

Der eigentliche Starttermin sollte der 1 . Februar 1960 gewesen sein, dieser wurde überraschender Weise verschoben. Im November 1960 startete der Neubau des Kaufhofes mit dem Abbruch der ehemaligen Traditionsgaststätte Müller an der Ecke Paul-Reusch- und Helmholtz-Straße. Bis zum Jahresende waren die Häuser abgebrochen Paul-Reusch-Straße mit Volksbank. Der Abbruch an der Markt-Straße startete im Januar 1961. Viel Zeit nahmen die Ausschachtungen und die Fundamentierung in Anspruch. Auch diese schwere Arbeit wurde meisterhaft gelöst. Im Mai 1961 konnte man das Stahlgerüst montieren. Alle Termine liefen fristgerecht und mit einem furiosen Endspurt hatte man sein Ziel erreicht. 18. Oktober 1961. Schaut bitte die Bilder an dort sehr was alles getan und geleistet wurde.

  • Vergleich alter und neuer Kaufhof

Der alte Kaufhof hatte bei seiner Eröffnung im Jahre 1928 rund 3400 qm Verkaufsfläche auf 1800 qm. Dagegen im neuen Kaufhof 18000 qm Gesamtnutzfläche bei 6400 qm Verkaufsfläche.
Während der alte Kaufhof zuletzt 180 Personen beschäftigte, sind es im neuen Hause rund 600, am heutigen Eröffnungstag sogar 750.
Der neue Parkplatz an der Helmholtz-Straße war voll ausgelastet. Ein Parkhochhaus für die Kundschaft wurde 1965 eingeweiht.

  • Kaufhof inoffizielle Eröffnung 17. Oktober 1961

Vor vielen eingeladenen Gäste sprach Kaufhof-Geschäftsführer Palm folgende Worte: " Dieses Haus ist der Großstadt würdig, sie sollte stolz darauf sein können.
Was sehr lange währt, wird noch besser als das Gute und ich glaube aus Ihren Mienen schließen zu können, dass wir uns bezüglich des neuen Hauses darin einig sind“.
Herr Palm dankte allen, die sich um das Gelingen des großen Werkes bemüht und verdient gemacht haben. Mit einem herzlichen Dankeschön an die alten Kunden des Kaufhofes die ihm in den beengten Räumen die Treue gehalten hatten. Der Kaufhof Weile gemeinsam mit den ansässigen Einzelhandel den Dienst am Kunden mit allen Kräften pflegen, in fairer , anständiger Art.

Die Feier fand in der mit roten Nelken ausgeschmückten Herrenkonfektionsabteilung vor zahlreichen, zur inoffiziellen Eröffnung des neuen, festlich beleuchteten und fahnengeschmückten Kaufhofes eingeladenen Ehrengäste aus allen Sparten unserer Gemeinde, an ihrer Spitze Oberstadtdirektor Dr. Petersen , mit ihm Stadtdirektor Kuhnert und Stadtbaurat Paulat. Frau Oberbürgermeisterin Albertz war durch die gestrige Eröffnung des Bundestages verhindert. Auch 4 Vorstandsmitglied der Kaufhof AG waren nach Oberhausen gekommen.
Herr Palm führte die Gäste durch das neue Kaufhof und später wurde natürlich noch ein Umtrunk gehalten.

  • Kurze Beschreibung zu Areal auf dem der ehemalige Kaufhof steht. (Siehe Collage und Luftbilder)

An der Ecke Markt- Paul-Reusch-Straße war das Uhren- und Goldwarengeschäft Lenard. Es wurde April 1943 nach einem Bombenangriff zerstört. 1953 errichtete dann die Firm Stephani & Gutschow einen einstöckigen Neubau, den später Kaiser & Ganz übernommen hatte. Dann interessierte sich die Kaufhof AG für das Gelände, weit in die Marktstraße hinein bis zur Helmholtz-Straße. Viele Häuser, auch ein gerade errichtetes Haus, das Rütersche an der Marktstraße, musste abgerissen werden. Die Volksbank entstand an anderer Stelle schöner und größer. Das alles ging natürlich nicht einfach vonstatten. Verhandlungen wurden geführt mit dem Besitzer der jeweiligen Geschäfte und Häuser, Mietsverträge mussten eingehalten werden usw. das dauerte Jahre.

  • Kurze Geschichte zu dem ersten Kaufhof und den Gründer Herrn Tietz. Weiterführende Links zum Kaufhof in den Quellangaben.

Der alte Kaufhof wurde am 3. Oktober 1928 eröffnet. An diesem Tage öffnete der erste Oberhausener Kaufhof im Ruhrwachthaus heute Bert-Brecht-Haus zwischen Langemarck Straße (damals Breite Straße) und Paul- Reusch-Straße (damals Industrie Straße) seine Windfangtüren dem ebenso wie damals in Scharren heranströmenden Publikum. Auch architektonisch war der Bau damals eine Attraktion ersten Ranges. Über den scharfkantigen Rücken seiner zur Helmholtz-Straße (damals Königstraße) gerichteten Nase trug er in doppelter Ausfertigung den Namen Tietz. Denn der Erbauer war der jüdische Kaufmann Leonhard Tietz, der im Jahre 1879 in Stralsund mit der Errichtung seines ersten großen Geschäftshauses eine sich immer weiter ausdehnende Kaufhaus-Dynastie etabliert hatte. Im Zuge der Arisierung wurde 1933 aus Tietz die Westdeutsche Kaufhof AG, da die Kaufhof AG inzwischen in Deutschland Filialen eröffnet hatten. Bis 1961 war dort der Kaufhof ansässig.

Quellangaben.
Herzlichen Dank an Herrn Uecker Mitarbeiter des Stadtarchivs für die Mithilfe bei der Suche.
Danke schön an Walli Wölk und Ferdinand Tegeler für die Bilder.
WAZ aus den Jahren 1959-60
NRZ aus den Jahren 1959-60
Ruhrwacht aus den Jahren 1959-60
General-Anzeiger aus den Jahren 1959-60
General-Anzeiger 1928
Geschichte:
https://unternehmen.galeria-kaufhof.de/ueber-uns/historie/
https://de.wikipedia.org/wiki/Galeria_Kaufhof
Das Aus für den Standort Markt-Straße in Oberhausen
https://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/kaufhof-aus-in-oberhausen-wie-ist-die-innenstadt-zu-retten-id4764604.html
http://www.oberhausencity.de/index.php?id=news_detail&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=2013&cHash=74d4aac3e1

Autor:

Martin Grundmann aus Oberhausen

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