Anna lehrt Maria das Lesen
Neue Einraum-Ausstellung in der Ludwig Galerie

Das Herzstück der Ausstellung: Die Steinskulptur aus Nordfrankreich, Unterweisung Mariens, um 1450 © Senger, Bamberg.     Foto: Ludwig Galerie
  • Das Herzstück der Ausstellung: Die Steinskulptur aus Nordfrankreich, Unterweisung Mariens, um 1450 © Senger, Bamberg. Foto: Ludwig Galerie
  • hochgeladen von Jörg Vorholt

"Anna lehrt Maria das Lesen - zum Annenkult um 1500" heißt die neue Einraum-Ausstellung, die ab dem 10. Februar bis einschließlich 12. Mai in der Ludwig Galerie zu sehen ist. Und wieder wird mit dieser Ausstellung ein Thema behandelt, das in der Kunsthistorie weitgehend unbekannt ist.

Die Ludwig Galerie ist dafür bekannt, dass immer wieder gerade in den Einraum-Ausstellungen Felder aus der Kunstgeschichte aufgegriffen werden, die zum Teil noch unerforscht sind. Nach den "Leuchterweibchen", dem "Tödlein" und der Ausstellung "Ars bene moriendi" steht jetzt der so genannte "Annenkult" im Mittelpunkt, der im späten Mittelalter, im 15. Jahrhundert, geprägt worden ist, zu dem aber aus kunsthistorischer Sicht wenig bis gar nichts zu finden ist. Lediglich zwei Essays aus dem Jahr 1993 aus England und den USA befassen sich damit.
Dr. Dagmar Preising vom Suermont-Ludwig-Museum in Aachen, gleichzeitig Kooperationspartner der Ausstellung, hat sich intensiv mit dem "Annenkult" und der Unterweisung Marias durch ihre Mutter Anna im Lesen beschäftigt und jetzt dazu ein Standardwerk geschaffen.
"Anna", so die Expertin, "ist schon im Mittelalter kritisch gesehen worden. Sie ist keine biblische Heilige, sie wird nur in den apokryphen Schriften erwähnt, denn sie war dreimal verheiratet." Dennoch sei der Annenkult im späten Mittelalter weit verbreitet gewesen, was zum einen mit der Aufnahme Annas in die "Legenda Aurea", einer Schriftsammlung aus dem 13. Jahrhundert, die Lebensgeschichten Heiliger und Heiligenlegenden enthielt, verbunden war, zum anderen Humanisten zu verdanken war, die sich für Anna eingesetzt haben.
Im Mittelpunkt der Einraum-Ausstellung steht die Steinskulptur aus dem 15. Jahrhundert (Foto), die in Nordfrankreich gefunden worden ist. Sie zeigt, dass Anna und Maria zunächst aus gutem Hause stammen mussten. Moderne Kleidung, die Frisur des Kindes, und nicht zuletzt der Lesezeiger, den Maria auf die Zeile hält, zeugen davon. Diese Skulptur stammt aus der Sammlung Peter und Irene Ludwig und ist eine Leihgabe des Aachener Museums. Dieser Skulptur nachgeordnet sind in der Ausstellung mehrere holzgeschnitzte Skulpturen der "Anna selbdritt", die in der christlichen Darstellung des späten Mittelalters, hauptsächlich in den Niederlanden und Deutschland, Anna gleichzeitig mit der lesenden Maria und dem Jesuskind als Dreiergruppe zeigt.
Empfangen werden die Besucher mit verschiedenen Holzschnitten Albrecht Dürers aus dem Zyklus "Das Marienleben", alle entstanden zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Und auch Leihgaben aus verschiedenen Pfarreien, St. Petri, Hüsten und der Pfarrei St. Marien, Vettweiß geben Einblicke in den "Annenkult", der schließlich mit Werken aus dem 19. Jahrhundert endet. 

Die Ausstellung wird am 10. Februar um 11 Uhr eröffnet. Zu sehen sind die Exponate bis einschließlich 12. Mai.
Geöffnet ist die Ludwig Galerie an der Konrad-Adenauer-Allee 46 dienstags bis sonntags immer in der Zeit von 11 bis 18 Uhr. Montags ist die Ausstellung geschlossen. 

Von Karin Dubbert

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