Potpourri der bildenden Kunst zur Narretei

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"NarrenArt" - die erste Ausstellung der neugegründeten Künstlergemeinschaft Obtisch - ein überwältigender Start in dem Kulturtreff am Altmarkt, dem polnischen Restaurant Gdanska im Herzen Oberhausens, überzeugte das zahlreich erschienene Publikum.

Ceslaw und Maria Golebiewski fügen ihrer ersten Adresse in Sachen Jazz- , Blues-, Theateraufführungen und Literaturabende mit prominenten und regionalen Größen ein weiteres highlight hinzu.

In diesem Jahr beginnen erstmals die Ausstellungen von Obtisch, dem nicht nur ehemalige Künstler der Galerie Kir angehören. Interessierten neuen Malern, Musikern, Fotografen und Literaten soll die Künstlergruppe ebenso offenstehen. Viermal im Jahr wird Obtisch das Lokal mit seinem einzigartigem Ambiente durch Hängung seiner Bilder bereichern, die sich einem bestimmten Thema zur jeweiligen Ausstellung widmen.

"NarrenArt" wurde von den Inhabern eröffnet. Maria mit Zylinder erinnerte mit Wehmut an die zehn Jahre Galerie Kir und freute sich, dass das Konzept, zusammen mit den bildenden Künstlern, künftigen Gästen neben der bereits vorhandenden Kulturpalette und dem kulinarischen Angebot eine Galerieschau zu ermöglichen, einen solchen Besucherstrom angezogen hatte.
In gemütlicher Atmosphäre zu essen, zu trinken und dabei bildende Kunst betrachten zu können ohne Hemmschwelle, die manche bisher vielleicht von einem Galeriebesuch abgehalten haben. Und den Künstlern zu ermöglichen, sich einem großen kulturintessiertem Publikum unmittelbar zu stellen und damit "Kunst" in der Begegnung entstehen zu lassen.
Die Strategie scheint aufzugehen, das Gdanska war für einige Stunden der kulturelle Mittelpunkt unserer Stadt.

Johannes Feldmann stieg mit seinen tiefgründigen Musikstücken auf seiner Gitarre und seinem Bandoneon aus der Welt des Tangos in das Thema der NarrenArt ein.

Winfried Baar, Gründungsmitglied von Obtisch hielt eine aufschlussreiche Rede, in der er den Begriff "obtisch" semantisch verdeutlichte. Die bewußte Falschschreibung soll verschiedenen Bedeutungen Raum geben, neben dem Ob, das für Oberhausen, dem Stammtisch, der zum Austausch der Individuen steht, die das Künstlertum ausmachen.
Winfried Baar bedankte sich bei Jochen Müller, der "Obtisch" ins Rollen gebracht hat und mit viel Engagement organisiert. Michael Joepen für die Gestaltung der website und der regionalen Presse für ihre Unterstützung.
Den Künstlerinnen und Künstlern der Region dankte er ausdrücklich, dass sie nicht nachlassen, aus ihrem kreativen subjektiven Blick die Welt, in der wir leben, vorzuführen. Jeder auf seine Art "verklärend idealisierend, dokumentierend intellektuell oder geheimnisvoll verrätselnd" .
Auf den Anspruch der Kunst, multikulturell und multilingual zu sein, was den Zugang zu ihren Werken im Gegensatz zum Fernsehen nicht immer leicht gestalte, antwortete er mit einem Zitat Picassos über die englische Sprache, die nicht als Unsinn abzulehnen sei, nur weil man sie nicht verstehe.

Nach einem kurzen Diskurs über die anwesenden Künstler der Postmoderne, die sich den Ausdrucksformen und der Sprachenvielfalt des 20. Jahrhunderts bedienen, um in diesem Fundus eigenes inhaltliches zum Ausdruck bringen zu können, ging er auf die Malerei, Fotografie und Plastik ein, die unter dem Aspekt "NarrenArt" ausgestellt sind.

16 Künstlerinnen und Künstler zeigen in den Räumlichkeiten des Gdanska auf sehr unterschiedliche Weise ihre Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Narren und der Narretei. Die es schon im alten Griechenland gab und in der Ausstellung die ganze Bandbreite vom brasilianischen über den venezianischen zum hiesigen Karneval, den Fasching, die Fastnacht oder die Welt als Bühne der Narretei zeigt.

Stellvertretend sei Edith Kreth - Finkeissen mit ihren surrealen Collagen angeführt, in denen der Begriff Narretei bedrohliches, verrätseltes, im Sinne eines Narren " shooting at the world " darstellt, wie Winfried Baar ausführte.

Hilde Arlt Kowski verbindet Malerei und Aktion desjenigen, der sich hinter das Bild stellt und damit aktiv zum Narr wird, zu einem veränderlichen Kunstwerk, das nachdenklich über den eigenen Anteil der Narretei in dieser Welt stimmt.

Klaus Schulz hat mit seiner Holzskulptur über den Teufel, wie man ihn als Maske aus der badischen oder fränkischen Fassnacht kennt, in seiner Bedeutung gespielt. Sie erinnert sowohl an die Komik, mit der hier der Teufel auf den Arm genommen wird, als auch an vorderasiatische Götterköpfe, die erst das Christentum verteufelte.

Illusionserzeugung durch Unschärfe spielt eine große Rolle in den Fotoarbeiten von Hildegard Hugo und Reinhard Grüneberg.
Bei Hildegard Hugo geht diese soweit, dass ein surrealer völlig neuer Eindruck entsteht, das Bild somit einen neuen Inhalt, einen doppelten Boden wie in der Lyrik erhält. Und kunstgrenzenüberschreitend auf den Betrachter sehr malerisch wirkt.

Gisela Kirsch - Thürmer greift in ihrer mehrschichtigen Zeichnungscollage die Stilepoche der überzeichneten Frauen der zwanziger Jahre zu einem Diskurs über die Gegenwart auf. Verschiedene Textzitate und klare Symbole verdichten sich zu einem rätselhaften Ganzen. Das Überspitzte einer Lady Gaga gab hier den inspirierenden Anstoss für NarrenArt.

Die Welten der Dorothea Weissbach kommen in ihrer Kombination und Gegenüberstellung von Narretei und Bedrohung hintergründig und mysteriös daher. In ihren rätselhaften Bildsymbolen des venezianischen Maskenkarneval bis zur Christusstatue in Rio, den das girl von Ipanema anmacht.

Wer weitere hochinteressante Künstler und ihre Beiträge zur Vielfalt der "NarrenArt" betrachten möchte, der sei auf einen Besuch des Künstlerlokals Gdanska in der Innenstadt verwiesen.

Die großartige Bilderschau ist noch bis zur finissage am 11.03. um 18:00 Uhr bei einem Glas Wein, einem Gericht oder einem Blueskonzert zu betrachten.
Die Oberhausener Lyrikerin Claudia Wädlich wird mit dem Klangmaler Jörg Hüttemann (jayAge), bekannt aus Gitarissimo, die erste Ausstellung von Obtisch mit ihrem literarischen Kunstbeitrag zur NarrenArt zu Ende führen.

Text: C.W.
Fotos: Frank Gebauer

www.obtisch.de/
www.gdanska.de/

Autor:

Frank Gebauer aus Oberhausen

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