Stadtgeschichte Firmen: Eröffnung des Kaufhof auf der Marktstraße

Der Tag der Eröffnung des Kaufhof in Oberhausen auf der Markt-Straße. 18. Oktober 1961. WAZ 1961.
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  • Der Tag der Eröffnung des Kaufhof in Oberhausen auf der Markt-Straße. 18. Oktober 1961. WAZ 1961.
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Stadtgeschichte Firmen: Eröffnung des Kaufhof Oberhausen 1961 auf der Markt-Straße.

  • Eröffnung Kaufhof Oberhausen im Oktober 1961.

Einen solchen Andrang wie bei dieser Eröffnung am 18. Oktober um 10 Uhr, hatte noch kein Oberhausener Kaufhaus erlebt. Schon etliche Stunden vorher standen Hunderte, ja sogar Tausende von Menschen vor den Eingangstüren und warteten darauf das der Kaufhof die Pforten öffnete.

  • Das  Tagesfeuerwerk startete.

Pünktlich um 9:45 Uhr ertönte ein weithin hörbarer Donnerschlag, der das fantastische Tagesfeuerwerk einleitete. Nur 15 Minuten später wurden die Eingänge regelrecht gestürmt. 
Eine riesige Menschenmenge umzingelte den Kaufhof. Die drei Eingänge waren regelrecht belagert. Die Bilder zeigen wie voll es war. Unglaublich. Trotz der enormen Menschenmenge gab es keine Verletzungen oder Vorkommnisse, das wurde ein Tag später berichtet.

Die Leute bewundern das Tagesfeuerwerk. Bild:  Ruhrwacht 1961 

Männeken-Schießen nannten es viele, die anderen Tagesfeuerwerk.

Auf den Dächern von Defaka, Magis und anderen Hochhäusern gruppierten sich die Angestellten. Auf den Veranden der Privatwohnungen war alles restlos belegt, aus fast jedem Fenster der Häuser rundum dem Kaufhof, schauten die Menschen auf das riesige Ereignis. Wohin man schaute, nur Menschen die in den Kaufhof wollten. Was muss das für ein Bild gewesen sein.

  • Die ersten Figuren erschienen über dem Kaufhof

Als erstes wurde eine Sonne aus Seidenpapier abgeschossen vom Dach des Kaufhofes, dann kamen Bergmann, Reiter, Schutzmann, Clown, Schornsteinfeger, Oberhausener Stadtflagge u.v.m. Hunderte von Kindern gingen den Figuren nach, sie schwebten fast 1000 Meter weiter südlich, langsam zu Boden.

  • Applaus, Staunen und dann wurde der Kaufhof eröffnet

Den meisten Applaus erntete eine Rakete die zunächst ein abstraktes Gebilde herausschleuderte und durch den Wind die Form eines Pferdes annahm, auf dem ein Reiter saß.
Die staunende Menge antwortete: " Ah. Oh wie schön." Die Zuschauer applaudierten. Der Abschluss des Tagesfeuerwerkes, eine Flagge mit der Aufschrift:" Und jetzt hinein."

Das Tagesfeuerwerk fing an 9:45 Uhr. Ein voller Erfolg. Bild: Ruhrwacht 1961

Es wurde ab 8 Uhr immer voller. 

Wenn eine Straßenbahn ankam auf der Friedrich-Karl- oder Havenstein-Straße, schlängelte sich
wieder eine riesige Menschenschlange, größernteils nur Frauen auf den Kaufhof
zu. Ohne all die Einsatzwagen von den Straßenbahn- Buslinien, hätte der Ansturm
aus den Außenbezirken, selbst aus Osterfeld, Sterkrade, Dümpten und
Obermeiderich nicht bewältigt werden können. Die Stadtwerke hatten vorgesorgt.
Trotzdem kam es vor (selten), dass Fahrgäste an den Haltestellen zurückgelassen
werden mussten.

  • Die City musste zwischenzeitlich gesperrt werden

Eine Stunde war die City am 18. Oktober zwischen Hauptbahnhof und Nohl-straße für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Tausende von Menschen kamen um das Tagesfeuerwerk und die Eröffnung des Kaufhofes mitzuerleben. Sie blockierten die Straßen und Plätze und machten es den Fahrzeugen unmöglich durchzukommen. Im Großeinsatz riegelten die weißen Mäuse (Polizei) die Zufahrtsstraßen ab.

  • Den ganzen Tag ein nicht abreißender Besucherstrom. Die Eingänge mussten manchmal gesperrt werden.

Der immer stärker werdende Käuferstrom riss nicht ab. Nach kurzer Zeit schon waren alle Räume von einem wogenden Menschenmeer überflutet. Die Geschäftsleitung war gezwungen, die Eingänge für einige Zeit zu sperren.


So sah es bei der Eröffnung des Kaufhofes den ganzen Tag aus. Bild WAZ 1961
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  • Sie kamen von überall. Alle wollten bei der Eröffnung dabei sein.

[/b]Aus allen Himmelsrichtungen kamen die Leute, aus Groß-Oberhausen, aus vielen Nachbarstädten und sogar vom Niederrhein. Die Stufen und Rolltreppen, konnten all die Menschenmassen kaum noch aufnehmen. Trotzdem drängten immer wieder neue Kunden noch herein.
Straßenbahnen und Autobusse waren maßlos überfüllt und die Verspätungen nahmen zu.

Der Andrang Im Kaufhof. Bild NRZ 1961

  • Der Erfrischungsraum war wenige Minuten nach der Eröffnung bis auf den letzten Stuhl besetzt

Den größten Andrang hatte der Erfrischungsraum in der 1 Etage. Schon wenige Minuten nach der Eröffnung waren alle Sitzplätze besetzt. Es war kaum möglich einen Stuhl zu bekommen, es sei denn, man stellte sich hinter einen und wartete bis er frei wurde.

So sah es bei der Eröffnung des Kaufhofes den ganzen Tag aus. Bild Ruhrwacht 1961
Ein Riesen Angebot bot sich den Kunden. Technische, organisatorische Meisterleistungen wurden geboten. Nicht zu vergessen die enormen Leistungen der Angestellten, die alles gaben.

Es waren 80 Abteilungen vorhanden mit 40000 Artikeln
Am Eröffnungstag halfen 750 Verkaufskräfte
Von 17700 qm Nutzfläche waren 6400 qm reine Verkaufsfläche

  • Selbstbedienung.

In der Lebensmittelabteilung herrschte Selbstbedienung, natürlich ist die Ware sauber eingepackt gewesen. Auch in der Schnellimbissecke herrschte Selbstbedienung.

  • Das Haus hatte 21 Schaufenster, Beschriftungen, Beleuchtungen.

Über den Türen leuchtete von innen im Geschäft, der Name der Straße, zu der man wieder hinauswollte entweder Marktstraße oder Paul- Reusch-Straße.
Ununterbrochen leuchteten 8400 Leuchtstoffröhren und 1000 Glühlampen, ganz abgesehen von den Beleuchtungen in den Schaufenster. Der Kaufhof benötigte genauso viel Strom, wie ein Ort mit etwa 20000 Einwohnern.

  • Rolltreppen, Klimaanlagen, Abfallverbrennungsanlage alles Modernste Technik.

Es gab drei Rolltreppe, drei Aufzüge, drei Hauptportale mit versenkbaren Türen und Luftschleiern.
Alle Räume waren mit Teilklimaanlagen ausgestattet gewesen. Außenluft wurde durch einen Filter automatisch gereinigt und beliebig temperiert. Die verbrauchte Luft wurde durch Ventilatoren über ein Kanalsystem wieder nach draußen befördert. Der Kaufhof war zwar an das hiesige Fernheizwerk angeschlossen, erzeugt aber auch selbst Wärme (für Warmwasser) durch eine große Abfallverbrennungsanlage im Keller, hier wurden täglich Unmengen von Pappkartons, Papier usw. verbrannt.

  • An alles wurde gedacht. 

Eigene Wasserversorgung, Stromversorgung. Automatischer Feuerschutz
Natürlich verfügte das Haus auch über eine eigene Feuerlöschanlage und sogenannte Sprinkleranlage. An den Decken aller Räume sind „Brausen" angebracht insgesamt 1000 Stück. Falls einmal ein Feuer ausgebrochen wäre und 72 Grad Hitze erreicht worden wären, wäre automatisch viel Wasser versprüht worden. 70 Liter in der Minute wären herabgerauscht.
Falls das städtische Wasser- oder Stromnetz ausgefallen wäre, ein eigener 30 cbm Wasser fassender Druckbehälter bzw. Notstromaggregat hätte den Kaufhof versorgt. Sobald eine Wasserlöschbrause in Tätigkeit trat, wäre die Feuerwehr automatisch alarmiert worden. Jeder Brand wäre akustisch und optisch sofort signalisiert worden.

  • In Köln erdacht von Prof. Dr. Wunderlich

Der Entwurf zu diesem Riesengebäude stammte von Prof. Dr. Wunderlich, dem damaligen Leiter der Kaufhof-Bauabteilung in Köln. Um die Ausführung vor Ort, an der über 70 Firmen beteiligt waren, kümmerte sich der Kaufhof-Architekt Vierguts, aus Köln. Der Kaufhof besaß damals in Bundesdeutschland 41 Filialen in 38 Städten

  • Vorbereitungen zum Bau des Kaufhofes. Starttermin war 1960

Der eigentliche Starttermin sollte der 1. Februar 1960 sein, dieser wurde überraschender Weise verschoben. Im November 1960 startete der Neubau des Kaufhofes mit dem Abbruch der ehemaligen Traditionsgaststätte Müller, an der Ecke Paul-Reusch- und Helmholtz-Straße. Bis zum Jahresende waren die Häuser Paul-Reusch-Straße bis Marktstraße abgerissen. Der Abbruch an der Markt-Straße startete im Januar 1961. Viel Zeit nahmen die Ausschachtungen und die Fundamentierung in Anspruch. Diese besonders schwere Arbeit wurde meisterhaft gelöst. Im Mai 1961 konnte man schon das Stahlgerüst montieren. Alle Termine liefen fristgerecht und mit einem furiosen Endspurt hatte man sein Ziel erreicht. 18. Oktober 1961.

  • Vergleich alter und neuer Kaufhof

Der alte Kaufhof hatte bei seiner Eröffnung im Jahre 1928 rund 3400 qm Verkaufsfläche auf 1800 qm. Dagegen im neuen Kaufhof 18000 qm Gesamtnutzfläche bei 6400 qm Verkaufsfläche.
Während der alte Kaufhof zuletzt 180 Personen beschäftigte, sind es im neuen Hause rund 600, am Eröffnungstag sogar 750.
Der neue Parkplatz an der Helmholtz-Straße war voll ausgelastet. Ein Parkhochhaus für die Kundschaft wurde 1965 eingeweiht.

  • Kaufhof inoffizielle Eröffnung 17. Oktober 1961

Vor vielen eingeladenen Gäste sprach Kaufhof-Geschäftsführer Palm folgende Worte: " Dieses Haus ist der Großstadt würdig, sie sollte stolz darauf sein können.
Was sehr lange währt, wird noch besser als das Gute und ich glaube aus Ihren Mienen schließen zu können, dass wir uns bezüglich des neuen Hauses darin einig sind“.
Herr Palm dankte allen, die sich um das Gelingen des großen Werkes bemüht und verdient gemacht haben. Mit einem herzlichen Dankeschön an die alten Kunden des Kaufhofes die ihm in den beengten Räumen die Treue gehalten hatten.
Die Feier fand in der mit roten Nelken ausgeschmückten Herrenkonfektionsabteilung statt. Es kamen zahlreiche, zur inoffiziellen Eröffnung des neuen, festlich beleuchteten und fahnengeschmückten Kaufhofes eingeladenen Ehrengäste aus allen Sparten unserer Gemeinde, an ihrer Spitze Oberstadtdirektor Dr. Petersen , mit ihm Stadtdirektor Kuhnert und Stadtbaurat Paulat. Frau Oberbürgermeisterin Albertz war durch die gestrige Eröffnung des Bundestages verhindert. Auch 4 Vorstandsmitglieder der Kaufhof AG waren nach Oberhausen gekommen.
Herr Palm führte die Gäste durch das neue Kaufhof und danach wurde natürlich noch ein Umtrunk gehalten.

Die inoffizielle Eröffnung mit Ehrengäste. 17. Oktober 1961. Bild Ruhrwacht 1961

  • Kurze Beschreibung was vorher hier mal stand. (Siehe Collage und Luftbilder)

An der Ecke Markt- Paul-Reusch-Straße war das Uhren- und Goldwarengeschäft Lenard. Es wurde April 1943 nach einem Bombenangriff zerstört. 1953 errichtete an dieser Stelle die Firma Stephani & Gutschow einen einstöckigen Neubau, den später Kaiser & Ganz übernommen hat. Einige Zeit später interessierte sich die Kaufhof AG für ein größeres Areal, es reichte von der Markt / Paul-Reusch bis zur Helmholtz-Straße. Hier entstand später der Kaufhof. Auf diesem Gebiet standen viele Häuser, auch ein gerade errichtetes Haus, das Rütersche das auf der Marktstraße stand. All die Häuser mussten erst mal abgerissen werden damit der Kaufhof entstehen konnte. Auch die damalige Volksbank wurde den Erdboden gleich gemacht und entstand an anderer Stelle, schöner und größer. Das alles ging natürlich nicht einfach so vonstatten. Leichte und schweren Verhandlungen wurden geführt mit dem Besitzer der jeweiligen Geschäfte und Häuser, Mietsverträge mussten eingehalten werden usw. das dauerte Jahre bis alles unter Dach und Fach war.

Die Luftbilder zeigen das Areal Kaufhof 1926-2006.

  • Das Aus des Kaufhof auf der Marktstraße 2012

Am 16. Juni 2012 schloss der Kaufhof an der Marktstraße seine Pforten zum Bedauern vieler, vieler Kunden. Das ist und war ja nicht das Aus für Oberhausen. Mit der Galeria Kaufhof im Centro ist das Traditions-Unternehmen auch weiterhin in Oberhausen vertreten.

  • Kurze Geschichte zu dem ersten Kaufhof und den Gründer Herrn Tietz.

Der alte Kaufhof wurde am 3. Oktober 1928 eröffnet. An diesem Tage öffnete der erste Oberhausener Kaufhof im Ruhrwachthaus heute Bert-Brecht-Haus zwischen Langemarck Straße (damals Breite Straße) und Paul- Reusch-Straße (damals Industrie Straße) seine Windfangtüren, dem ebenso wie damals in Scharren heranströmenden Publikum. Auch architektonisch war der Bau damals eine Attraktion ersten Ranges. Über den scharfkantigen Rücken seiner zur Helmholtz-Straße (damals Königstraße) gerichteten Nase trug er in doppelter Ausfertigung den Namen Tietz. Sein Erbauer war der jüdische Kaufmann Leonhard Tietz, der im Jahre 1879 in Stralsund mit der Errichtung seines ersten großen Geschäftshauses eine sich immer weiter ausdehnende Kaufhaus-Dynastie etabliert hatte. Im Zuge der Arisierung wurde 1933 aus Tietz die Westdeutsche Kaufhof AG. Bis 1961 war dort der Kaufhof ansässig.

Quellangaben.
Autor: Historisches Oberhausen. Martin Grundmann

Ich danke dem Team des Stadtarchivs Oberhausen für die große Unterstützung
Einen besonderen Dank an Herrn Uecker Mitarbeiter des Stadtarchivs Oberhausen.

Dankeschön an Walli Wölk für die Bilder.
WAZ aus den Jahren 1959-60
NRZ aus den Jahren 1959-60
Ruhrwacht aus den Jahren 1959-60
General-Anzeiger aus den Jahren 1959-60
General-Anzeiger 1928

Geschichte:
https://unternehmen.galeria-kaufhof.de/ueber-uns/historie/
https://de.wikipedia.org/wiki/Galeria_Kaufhof
Das Aus für den Standort Markt-Straße in Oberhausen
https://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/kaufhof-aus-in-oberhausen-wie-ist-die-innenstadt-zu-retten-id4764604.html
http://www.oberhausencity.de/index.php?id=news_detail&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=2013&cHash=74d4aac3e1

Autor:

Martin Grundmann aus Oberhausen

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