PROJEKT "SCHLINGENSIEF 2020"
STERBEN IN OBERHAUSEN

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Beim Projekt STERBEN IN OBERHAUSEN von Kaufmann/Witt finden Trauerfeiern für Lebende statt. 

Wir alle müssen irgendwann sterben. Morgen, in zwei Monaten oder nächstes Jahr. Früher oder später stirbt jeder Mensch. 
Der Tod gehört zum Leben dazu. 
Oftmals setzen sich Menschen mit diesem für sie traurigen Thema nicht (rechtzeitig) auseinander:
Habe ich schon Vorbereitungen für meinen eigenen Tod getroffen? Wie soll die Trauerfeier aussehen? Habe ich ein Testament? Was möchte ich unbedingt vor meinem Tod noch machen und erleben?... 

In Oberhausen gibt es seit dem 23. Oktober Trauerfeiern für Lebende. Man kann auch sagen Trauerfeiern für zukünftig Verstorbene. 
Man kann sich entscheiden, ob man seine eigene Trauerfeier planen und erleben möchte oder an der Zeremonie eines anderen Menschen teilnehmen möchte. Für letzteres bekommt man Eintrittskarten über das Theater Oberhausen. Wenn man seine eigene Trauerfeier erleben möchte, muss man diese vorher im Trauerbüro auf dem Altmarkt (direkt an der Herz-Jesu Kirche) planen. 
Im Geiste Schlingensiefs sollen die Trauerfeiern Solidarität zwischen den Menschen stiften. 

Alle Aufführungen finden nach einem genau festgelegten Ablauf statt. 
Bis zu acht Trauergäste (Theaterbesucher) dürfen an diesem Ritual teilnehmen. 
In einem mit Palmen geschmückten Raum hören wir auf einem achteckigen Podest eine vorgetragene Rede, die an das Leben des zu Betrauernden erinnert und gleichzeitig dessen Tod feiert. 

Die Trauergäste tragen über ihrer Kleidung während der Zeremonie ein beigefarbenes Gewand. Die Performerin (oder nennen wir sie Trauerbegleiterin), die uns währenddessen begleitet, kommuniziert die Anweisungen an uns stumm und durch Zeichen.

Im Vorfeld haben wir verschiedene Dinge, Bewegungen und Aktionen geübt bzw. ausprobiert, die wir während der Zeremonie wiederholen. Wir atmen tief ein und aus. Mit unseren Händen formen wir eine Raute, die wir unter der Brust auf unseren Oberkörper legen. Wir rufen den zu Betrauernden beim Namen, schieben ihm mit unseren Händen Kraft zu und erschaffen einen Klangraum, indem wir erst ein "Mmmm" summen, was in ein "Moawa" übergeht. Am Schluss erzeugen wir Töne (Geräusche), die wir artikulieren, ja sogar schreien, aus unserem tiefsten Inneren raus in die Freiheit lassen. Zur Unterstützung dürfen wir unsere Arme nehmen und uns bewegen. 

Bei dieser Performance, diesem Bild von den anderen Teilnehmern in ihren Gewändern und den von uns erzeugten Tönen kommt mir die Assoziation mit einer Sekte in den Sinn. Irgendwie ist das eine komische, eine merkwürdige Situation. Das mag jetzt vielleicht auch nicht treffend sein, aber die Gedanken sind frei, und mir kam es in den Sinn. 

Durch die Trauerrede bekommt man einen kleinen persönlichen Einblick in das Leben der "sterbenden Person". Es ist wie ein kleiner Lebenslauf, der "nett verpackt" schönes, lustiges, aber auch tragisches aus dem Leben des Menschen erzählt. Am Ende der Zeremonie darf sich jeder Trauergast von dem zu Betrauernden verabschieden. Dieser sitzt auf einem Stuhl, in dessen Hintergrund so etwas wie ein Altar aufgebaut ist. Dieser erinnert mich ein wenig an eine Mischung aus einem gläsernen Regal und der Inneneinrichtung eines Science Fiction Raumschiffes. 
Oben drüber prangt eine Leuchtreklame "Wir trauern um (Name des zu Betrauernden)." 

Im Anschluss dieses "Sterbens" können sich Trauergäste, Performerinnen und natürlich auch die zu betrauernde Person noch zusammen setzen und über Fragen ins Gespräch kommen. 

Sterben in Oberhausen. Ich hatte während dieser Performance viele Adjektive im Kopf. Ich kann und möchte gar nicht sagen, ob ich es gut oder schlecht fand.
Für mich war das heute wirklich eine besondere Erfahrung, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Autor:

Nina Benninghoff aus Oberhausen

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