Erfahrungen in der Pflege
Gegenseitige Wertschätzung

Hermann Görtz wurde das linke Bein amputiert, seit 2014 ist er auf Hilfe angewiesen. 
Foto: Jörg Vorholt
  • Hermann Görtz wurde das linke Bein amputiert, seit 2014 ist er auf Hilfe angewiesen.
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172 Bewohner zählt das Haus Abendfrieden an der Dieckerstraße in Oberhausen. Jeder dieser Menschen hat seine ganz eigene Lebensgeschichte, seine Erinnerungen, seine Erlebnisse. Einer davon ist Hermann Görtz. Er bejaht auch mit 90 Jahren noch immer das Leben, obwohl er regelmäßige Pflegeleistungen benötigt. Wie er damit klar kommt, welche Erfahrungen hat er dabei gesammelt?

Hermann Görtz wird am 21. April 1929 geboren, an einem Sonntag um 14 Uhr. Das „Sonntagskind“, man merkt es ihm irgendwie bis heute an. Er ist eines von vier Geschwistern, später wird er dreifacher Vater. Er lebt beruflich ein abwechslungsreiches Leben, teils muss er auch körperlich richtig anpacken. „Das hat mir aber nix ausgemacht, ich war ja kräftig.“
Aber es hinterlässt Spuren. Nach vielen schönen Reisen als Rentner machte sich die Schlepperei früherer Jahre bemerkbar, alleine im Jahr 2000 wurde Hermann Görtz fünf Mal am Knie operiert. An dieser Stelle erleidet er 2014 vermutlich eine Infektion, die zur Amputation des linken Beines führt. „Danach habe ich ein Jahr in unserer Wohnung auf der Dieckerstraße 117 festgehockt, wie eingesperrt. Aufgrund der früheren Operationen kann ich keine Prothese tragen und bin überhaupt nicht mehr vor die Tür gekommen“, schildert Görtz seine damaligen Gefühle und seine Lage. Seine Ehefrau Marlene und er beschließen schließlich gemeinsam, dass für ihn ein Umzug ins Haus Abendfrieden besser sei.
Hermann Görtz nennt diese Entscheidung einen Glücksfall. Seit April 2016 lebt er hier. Mit seinem modernen Rollstuhl ist er im barrierefreien Haus Abendfrieden wieder mobil. Dennoch ist er seit der Amputation auf pflegerische Hilfe angewiesen.

Persönlicher Kontakt

Im Gespräch rund um die Pflege bringt der 90-jährige Hermann Görtz seine positive Lebenshaltung zum Ausdruck, die, da ist er sich sicher, sich auch entsprechend auf die Pflegetätigkeit auswirkt. Er geht die Sache positiv an, noch heute grüßt er die Pfleger sehr herzlich, die ihn damals – noch in den eigenen vier Wänden – versorgt haben. „Je persönlicher der Kontakt ist, desto leichter lässt sich auch über Schmerzen oder andere Probleme sprechen. Da fallen dann die Hemmnisse, das Kind beim Namen zu nennen.“
Zeitdruck bei den Pflegekräften spüre er nicht, da hat er keine negativen Erfahrungen gesammelt. Natürlich können die auch nicht immer auf die Minute pünktlich sein. „Dann warte ich eben mal zehn Minuten, als ob davon die Welt unterginge.“ Und: „Natürlich hat man auch nicht immer die Zeit, um ein wenig zu quatschen.“
Die Pflege eines Menschen, betont Hermann Görtz, das hat auch viel mit gegenseitiger Wertschätzung zu tun. Viel zu selten würde er das Wort „Danke“ für die Fürsorge und Warmherzigkeit durch die Pflegekräfte hören.
Nicht wenige, die einem Alten- und Pflegeheim länger leben, sehen das hier entstandene Umfeld wie ihre neue Familie an, Vertrauensverhältnisse bauen sich mit der Zeit auf. Man spüre es schon, ob jemand morgens eher pro forma fragt, ob man gut geschlafen habe oder es echtes Interesse an der Antwort vorliegt, so Hermann Görtz. „Ein bis zwei Scherze am Morgen, dann ist der Tag schon ganz anders!“ 

Die anderen Teile der verlagsweiten Serie finden Sie online unter www.lokalkompass.de/tag/pflege-2019 Patient Pflege?

Autor:

Jörg Vorholt aus Oberhausen

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