Betriebe aus NRW schildern ihren Umgang mit der Coronakrise
Sehnsucht nach Normalität

Sarah und Linda Terhorst vom Klumpen Moritz liefern von Montag bis Samstag in der Zeit von11.30 bis 15 Uhr die Speisen aus. Von 17.30 bis 20.30 Uhr gibt es zudem einen Abholservice.
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  • Sarah und Linda Terhorst vom Klumpen Moritz liefern von Montag bis Samstag in der Zeit von11.30 bis 15 Uhr die Speisen aus. Von 17.30 bis 20.30 Uhr gibt es zudem einen Abholservice.
  • Foto: Klumpen Moritz
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Während Friseure und Gastronomen weiterhin nicht öffnen dürfen, läuft der Betrieb in einer Praxis für Physiotherapie weiter. Von Normalität kann aber auch da keine Rede sein. Die Einbußen steigen und Tag x ist derzeit nicht absehbar. Wir hörten uns bei drei Unternehmen in der Region um, wie sie die Coronakrise meistern.

Sarah und Linda Terhorst vom Klumpen Moritz liefern von Montag bis Samstag in der Zeit von11.30 bis 15 Uhr die Speisen aus. Von 17.30 bis 20.30 Uhr gibt es zudem einen Abholservice.
  • Sarah und Linda Terhorst vom Klumpen Moritz liefern von Montag bis Samstag in der Zeit von11.30 bis 15 Uhr die Speisen aus. Von 17.30 bis 20.30 Uhr gibt es zudem einen Abholservice.
  • Foto: Klumpen Moritz
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"Wir haben 70 Prozent Einbußen bei den Einnahmen", beklagt Heike Terhorst, Senior-Cefin der Traditionsgaststätte Klumpen-Moritz in Oberhausen. Das Lokal in der Sterkrader Innenstadt ist wie viele andere Betriebe geschlossen. Um nicht ganz ohne Einnahmen dazustehen, bieten die Terhorsts einen Lieferservice an. Dabei geht es allerdings auch um Kundenpflege. "Obwohl es sich für uns finanziell nicht rechnet, ein Gericht für sieben Euro bis an die Dinslakener Stadtgrenze zu liefern, machen wir das. Das ist für uns Dienst am Kunden", so Terhorst.

Terhorst geht nicht von kurzfristiger Ladenöffnung aus

Die 58 Jährige geht derweil nicht davon aus, dass das Lokal in Kürze wieder öffnen darf - obwohl Sicherheitsvorkehrungen wohl eingehalten werden könnten. "Schon zu Beginn der Coronakrise hatten wir die Abstände zwischen den Tischen deutlich vergrößert und Zettel ausgelegt. Jeder musste dort eintragen, wo er wohnt. Zudem haben wir die Hocker an der Theke weggeräumt." Um wirtschaftlich zu überleben hat der Betrieb die Soforthilfe der nordrhein-westfälischen Landesregierung beantragt. "Das sind 15.000 Euro, da wir 6,1 Mitarbeiter beschäftigen."
Das Geld lässt allerdings auf sich warten, da auch der Klumpen-Moritz vom Hackerangriff auf das Soforthilfepaket der Regierung betroffen ist.

Angst vor drohender Absage der Sterkrader Fronleichnamskirmes

Angst hat der kleine Familienbetrieb auch vor der drohenden Absage der landesweit bekannten Sterkrader Fronleichnamskirmes. Da sich das Lokal inmitten des Kirmesrundgangs befindet, ist diese Einnahmequelle fest im Jahresetat eingeplant. "Wir gehen nicht davon aus, dass die Kirmes in diesem Jahr stattfindet. Das ist für die Schausteller existenzgefährdend, aber auch für uns bitter", so Heike Terhorst.
Um die Ausgaben so gering wie möglich zu halten, hat auch der "Klumpen" alle Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Lediglich Koch Dieter Knoblauch steht noch in der Küche und bruzzelt die Gerichte zum ausliefern.

Friseurin sehnt Arbeit herbei

Steffie Spielberg hat den Empfangsbereich ihres Friseursalons mit Plexiglasscheiben abgeschirmt.
  • Steffie Spielberg hat den Empfangsbereich ihres Friseursalons mit Plexiglasscheiben abgeschirmt.
  • Foto: Stefan Pollmanns
  • hochgeladen von Christian Schaffeld

Ähnlich ergeht es auch Steffie Spielberg. Die Friseurin aus Monheim darf ihren Haarsalon ebenfalls nicht öffnen. Das Bittere bei ihr: Im Gegensatz zu den Terhorsts hat sie berufsbedingt keinerlei Einnahmen. Die Kosten laufen jedoch weiter. "Das schlägt bei mir aufs Gemüt, denn wir machen unseren Job wirklich gerne", so die Friseurin. Daher fiel es ihr auch besonders schwer, ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Ein kleiner Lichtblick ist in dieser schweren Zeit die Soforthilfe der Landesregierung. Hier hatte Spielberg mehr Glück als die Terhorsts. Das Geld ist bereits auf dem Konto. "Ich habe die Soforthilfe beantragt und umgehend bekommen. Das war super unkompliziert", freut sich die Monheimerin. Ein weiterer Aspekt, der die Friseurmeisterin positiv stimmt: "Ich habe jahrelang gut gewirtschaftet. Das kommt mir jetzt zugute." Jedoch weiß auch sie ganz genau: "Je mehr Zeit vergeht, desto schwieriger wird es."

Vorbereitung auf Tag X

Steffie Spielberg bereitet sich daher akribisch auf den Tag X vor. So will sie bei möglichen Lockerungen der Maßnahmen auf jeden Fall ihre Öffnungszeiten verlängern. Zudem soll in Schichtbetrieb gearbeitet werden. Doch auch am Aussehen des Salons ändert sich in diesen Tagen Einiges. "Ich habe einige Plätze herausgenommen und mit Plexiglasscheiben den Empfang abgeschirmt." Spielbergs Mutter näht zudem Schutzmasken auf Hochtouren. "Da wir unsere Kunden ja automatisch von hinten anatmen, ist mir das wichtig". Getränke wird es vorübergehend nur aus Einwegbechern geben. Auch Kinder müssen sich auf Einschränkungen einstellen. "Leider musste ich auch den Mini-Nintendo in der Kinderecke meines Salons abbauen", sagt Spielberg traurig. Doch reichen die Maßnahmen aus? Darüber entscheidet die Landesregierung. "Ich hoffe, dass ich bald wieder öffnen darf." In der Konferenz der Ministerpräsidenten wurde entscheiden, dass das nicht vor dem 4. Mai geschieht.

Physiotherapie entdeckt neue Wege

Auch Philip Douleh, leitender Physiotherapeut im Gesundheitszentrum am Auesee, muss sseine Arbeit derzeit umstellen.
  • Auch Philip Douleh, leitender Physiotherapeut im Gesundheitszentrum am Auesee, muss sseine Arbeit derzeit umstellen.
  • Foto: Gesundheitszentrum am Auesee
  • hochgeladen von Christian Schaffeld

Anders sieht es im Gesundheitszentrum am Auesee in Wesel aus. Der Betrieb läuft weiter, doch an Normalität ist auch hier nicht zu denken. "Die Physiotherapie findet zwar weiterhin statt, aber der Trainingsbereich liegt brach", sagt Geschäftsführer Dirk Rupprecht. Viele Patienten würden sich einfach nicht mehr trauen, vor die Tür zu gehen. "Die Zahlen der Termine sind um 50 Prozent zurückgegangen", so der Sportwissenschaftler. Den Hauptgrund dafür sieht er in mangelnder Informationspolitik. "Viele haben uns in einen Topf mit Massageeinrichtungen geworfen. Diese dürfen nicht öffnen, wir dagegen schon." Um die strengen Hygienevorschriften einzuhalten arbeiten alle Physiotherapeuten im Gesundheitszentrum am Auesee mit Mundschutz. "Dazu haben wir auch an der Anmeldung einen Spuckschutz aufgestellt", so Rupprecht. Doch trotzdem ist die Praxis deutlich leerer als gewöhnlich. Daher hat der einfallsreiche Sportwissenschaftler 40 Patienten Telemedizin angeboten. Dabei sehen sich Therapeut und Patient über einen Videoanruf. Doch das Angebot wurde von der Kundschaft nicht angenommen. "Wir führen nicht eine telemedizinische Beratung durch, da die Bereitschaft bei den Patienten einfach nicht da war", zeigt sich der Geschäftsführer des Gesundheitszentrums enttäuscht.#

Online-Einheiten bei Mitgliedern beliebt

Anders sieht das bei den Mitgliedern aus, die für Einheiten im Trainingsbreich jeden Monat einen Beitrag aus eigener Tasche bezahlen. "Hier wollen die Menschen auch etwas von zuhause aus machen. Deshalb bieten zwei Trainerinnen von uns zwei Mal in der Woche einen Live-Kurs an." Das Gute daran: Die Mitglieder bekommen zuhause die Übungen erklärt und sehen direkt die Umsetzung.

Weseler Praxis hat Mitarbeiter bislang nicht in Kurzarbeit geschickt

So hat das Unternehmen noch Einiges zu tun und schickt seine Mitarbeiter nicht in Kurzarbeit. "Da wir in der Physiotherapie aktuell die Kosten von vor sechs bis acht Wochen abrechnen, bemerken wir das derzeit sowieso noch nicht", so Rupprecht. Doch auch er weiß nicht, wie sich die Coronakrise noch entwickelt und hat deshalb vorgesorgt. "Ich habe mir von allen Mitarbeitern das Okay für eine mögliche Kurzarbeit eingeholt. Ich hoffe nicht, dass ich diese Karte spielen muss." Auch weiß er noch nicht, ob er Anspruch auf die Soforthilfe hat. "Ich habe das Geld erstmal beantragt und hatte es schon wenige Tage später auf dem Konto. Das gibt mir jetzt Sicherheit. Wenn ich das Geld brauchen sollte, dann habe ich es. Brauche ich es nicht, zahle ich es eben zurück", zeigt sich der Weseler entspannt.

Autor:

Christian Schaffeld aus Oberhausen

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