2. Essener Rhein-Herne- Kanal Marathon
 Kanal anstatt See

Startfoto mit Abstand
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Immer am zweiten Sonntag im Oktober findet normalerweise der Baldeneysee Marathon in Essen statt. Er ist mit 57 Auflagen der älteste kontinuierlich ausgetragene Marathon in Deutschland und viele Läufer haben diesen Termin fest in ihrem Kalender vermerkt. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Wie so viele Veranstaltungen musste auch dieser Lauf Mitte Juli aufgrund der Corona Pandemie abgesagt werden. Um die Serie aufrechtzuerhalten haben sich dann kurzfristig doch eine Handvoll Läufer zu einer sogenannten Extrarunde verabredet und werden heute auf der Strecke sein. Hierfür kann man sich aber nicht anmelden. Es können nur Mitglieder des TUSEM Essen oder der Sponsoren starten.

Plan B

Gut, dass Michael Scheele bereits seit Wochen mit dem 2. Essener Rhein-Herne-Kanal Marathon einen Plan B hatte. Nach der erfolgreichen ersten Auflage war schon klar, wenn wir nicht am Baldeneysee laufen können werden wir halt am gleichen Termin am Kanal starten.
Coronaconform können hier maximal 50 Läufer teilnehmen und ich habe mich sofort nach Bekanntgabe für die Marathonstrecke angemeldet.
Auf einer vermessenen 7,1 km Strecke wird in 6 Runden die Marathondistanz erreicht. Wer möchte kann sich aber auch nach jeder beliebigen Runde werten lassen. Wer noch Kraft hat läuft 7 Runden und somit die Ultradistanz. Andreas und Karl werden dieses Angebot annehmen.
Die Startgebühr beträgt 0 Euro und für die Verpflegung sorgt jeder Teilnehmer selbst. Die Startzeit liegt zwischen 9 und 11 Uhr, sodass es auch bei 50 Teilnehmern kein Gedränge gibt und alle nötigen Abstände eingehalten werden können.
Am Freitag versendet Michael nochmals an alle Teilnehmer eine Infomail, aus der alle Einzelheiten zur Strecke und zum Ablauf hervorgehen.

Start in Essen Dellwig

Also mache ich mich am Sonntag auf den Weg nach Essen. Zum Start in Essen Dellwig ist es für mich sogar näher als zum Baldeneysee. Auf dem Parkplatz am Freibad sind noch genügend Plätze frei, denn die Schwimmer sind bereits in der Winterpause. Ich treffe sofort auf etliche Bekannte. Christian Mai begleitet heute wieder eine Marathonnovizin und wird sie sicher ins Ziel bringen.
Ralf Schuster und Birgit Jahn haben eine große Gruppe vom TC Kray dabei und auch der 100 MC ist gut vertreten. Mit Gerd, Dietmar und Klaus-Peter kommt eine Menge Marathonerfahrung zusammen. Natürlich waren sie auch gestern schon auf der Marathonstrecke. Nach und nach werden es immer mehr. Auch Michael ist mit seiner Familie hier und begrüßt mit Abstand alle Teilnehmer.
Insgesamt starten heute hier 37 Läufer/innen, davon 22 auf der Marathondistanz. Der Frauenanteil ist mit 12 gesamt bzw. 6 beim Marathon beachtlich. Ina Radix vom LGO Bochum holt sich auf der Marathonstrecke in guten 2:58:19 sogar den Gesamtsieg. Das nenne ich Frauenpower
Für ein kleines Startfoto ist noch Zeit, dann gibt Michael das Startsignal und wir laufen los.
Ganz entspannt geht es über die Brücke, um dann direkt zum Kanal abzubiegen. Über einen gut befestigten Weg führt der Kurs nun immer am Kanal lang.

Wetter ist optimal

Das Wetter ist heute zum Laufen sehr günstig. Nachdem die Woche ziemlich verregnet war, ist es heute herbstlich und mit 7 Grad im Moment noch etwas frisch aber die Sonne kommt schon hervor. Es sind maximal 12 Grad angesagt. Auf der 7,1 km Strecke werden wir mit Essen, Bottrop und Oberhausen gleich drei Städte berühren. Das gibt es nur im Ruhrgebiet. Mein Vereinsfreund Reinhard begleitet mich ein Stück. Mit ihm bin ich etliche Marathonläufe gelaufen. Zur Zeit hat er Rückenprobleme, aber er lässt es sich nicht nehmen mich ein Stück zu begleiten.

Viel Abwechslung

Wer jetzt glaubt immer am Kanal lang zu laufen wäre langweilig, wird eines Besseren belehrt.
Bald kommt mit dem Oberhausener Gasometer eines der Wahrzeichen des Ruhrgebietes in Sicht. Mit einer Höhe von 118 m ist es die höchste Ausstellungs- und Veranstaltungshalle Europas. Zurzeit wird er gründlich saniert und ist nun mit einer weißen Folie verkleidet. Für das nächste Jahr ist aber schon eine neue Ausstellung „Das zerbrechliche Paradies“ eingeplant.
Nach 3,5 km laufen wir über die Osterfelder Brücke und erreichen das Gegenufer. Hier liegt der Gehölzgarten Ripshorst. Ein zwei Kilometer langes und 60 Meter breites Gehölzband umschließt den circa 40 Hektar großen Park.
Anschließend gelangen wir auf den Emscherkunstweg. Der Emscherkunstweg ist eine ständige Sammlung von Kunst im öffentlichen Raum und bietet 18 Kunstwerke, die jederzeit und kostenlos für alle zugänglich sind. Das bekannteste Kunstwerk ist der „Zauberlehrling“, auch „Tanzender Strommast“ genannt. Es ist ein 35 m hohes dauerhaft installiertes Kunstwerk, das anlässlich der Ausstellung Emscherkunst 2013 entstand.
Über einen schmalen Weg geht es nun zurück nach Essen, wo wir dann die erste Runde geschafft haben.

Versorgung aus dem PKW

Ich versorge mich am Auto mit warmen Tee und beginne die zweite Runde.
Auf dem Kanal sind einige Schiffe unterwegs und auch die Ruderer genießen das gute Wetter. Spaziergänger und Radfahrer sind ebenfalls auf der Strecke, aber es ist für alle genügend Platz. Ich lasse meine Gedanken schweifen. Seit 1994 war ich in jedem Jahr am Baldeneysee dabei und bin dort sogar mit 3:12 meine Bestzeit gelaufen. Nun dies ist für mich schon lange nicht mehr machbar, aber ich bin froh und dankbar, dass ich immer noch die Marathonstrecke bewältigen kann. Dies ist heute meine Nummer 175 und damit habe ich mein Jahresziel trotz Corona bereits erreicht.
Ich werde überholt und weiß nicht genau, ob es eine Überrundung oder ein späterer Starter ist.
Bald kommt mir auch Hans Angenendt entgegen. Der 83jährige Vereinsfreund dreht noch immer sonntags hier seine Runden und will mich heute ein Stück begleiten. Er nimmt auch immer noch an Wettkämpfen teil und landet dann oft auf dem Siegerpodest. Leider hat ihm in diesem Jahr auch Corona einen Strich durch seine Laufplanung gemacht.
So abgelenkt kann ich meine Runden abspulen und mich am Auto immer versorgen. Es läuft gut für mich, auch wenn mir am Kanalufer schon mal ein kalter Wind entgegenbläst. Roland und Sigrid sind später gestartet und laufen die Runde mal entgegengesetzt. Auch Pater Tobias ist jetzt auf der Strecke.

Letzte Runde

Dann wird für mich die letzte Runde eingeläutet noch einmal muss ich die Brückenanstiege bewältigen und dann bin ich nach 5:32:58 im Ziel.
Hans ist nochmals gekommen, um meinen Zieleinlauf fotografisch festzuhalten.
Wieder einmal habe ich die Marathondistanz geschafft. Wie schön, dass dies heute möglich war. Ein dickes Lob an Michael Scheele der mit diesem Lauf mehr als ein Trostpflaster für den Baldeneysee geboten hat. Er hat versprochen, dass es im nächsten Jahr die dritte Auflage geben wird. Hoffen wir, dass die Pandemie zumindest solche Läufe weiterhin zulässt.

Autor:

Werner Kerkenbusch aus Oberhausen

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