1. Essener-Rhein-Herne-Kanal Marathon
Immer am Kanal entlang

Ein Teil des Starterfeldes
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Da die großen Laufevents in diesem Jahr mit der Corona Pandemie alle abgesagt werden mussten, richtet sich der Blick der Läufer auf die kleinen Veranstaltungen, welche immer noch stattfinden dürfen. Unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregelungen gibt es noch einige Möglichkeiten die gewünschten Strecken zu laufen. Also behalte ich die diversen Ausschreibungen im Auge und stoße bald auf den 1. Essener Rhein-Herne-Kanal Marathon. Premieren interessieren mich immer und der Rhein-Herne-Kanal fließt auch durch meine Heimatstadt Oberhausen.
Michael Scheele hat auch aus der Not eine Tugend gemacht und einen eigenen Marathon ausgeschrieben. Hierfür hat er sich den Rhein-Herne-Kanal ausgesucht. Der Kanal ist eine 45,4 km Wasserstraße und verläuft vom Rhein zum Dortmund-Ems-Kanal bei Henrichenburg. Erbaut wurde er in den Jahren zwischen 1906 und 1914 und kostete damals rund 60 Mio. Mark.

3,5 km zwischen Dellwig und Osterfeld

Für unseren Lauf hat sich Michael das 3,5 km lange Stück zwischen Essen Dellwig und Oberhausen Osterfeld ausgesucht. So ergibt sich eine Runde von 7,1 km. Als Wettbewerbe sind die Strecken zwischen 7,1 und 50 km ausgeschrieben, also 1 bis 7 Runden. Die Startgebühr beträgt 0 Euro. Eine kleine Spende zur Deckung der Unkosten wird aber gerne entgegengenommen.
Ich habe mich für 6 Runden und somit die Marathonstrecke angemeldet. Das Teilnehmerfeld ist begrenzt und die Startzeit liegt zwischen 7 und 8 Uhr. Da die Verpflegung durch die Läufer selbst erfolgt ist die Einhaltung der Coronaregeln kein Problem.
Auf meine Anmeldung bekam ich sofort eine freundliche Bestätigung von Michael. Wir hatten uns bereits beim Ruhrufer Marathon im März kennengelernt. Das war noch vor der Corona Pandemie.
Am Freitag versendet Michael nochmals an alle Teilnehmer eine Infomail, aus der alle Einzelheiten zur Strecke und zum Ablauf hervorgehen. Eine Streckenkarte und eine GPX Datei sind auch noch beigefügt. Da dürfte ja nichts mehr schiefgehen.
Da ich ja nur eine kurze Anreise habe möchte ich gerne gleich um 7 Uhr starten. Nach 11 km und 25 Minuten bin ich auch schon an der Prosperstraße/Ecke Scheppmannskamp. Hier ist der Parkplatz für das nahegelegene Freibad. Um diese Zeit sind selbst die Frühschwimmer noch nicht da und es gibt genügend Parkplätze direkt an der Laufstrecke.

Mit 26 Teilnehmern ausgebucht

Insgesamt haben sich 26 Teilnehmer gemeldet, darunter sind 6 Frauen. Mein Vereinsfreund Danny Haesters ist mit seinen Kumpeln Manuel und Sascha bereits vor Ort. Das Trio will heute die Halbmarathonstrecke bewältigen. Auch Christian ist genauso dabei wie Ralf und Birgit. Wir haben uns doch erst vor zwei Wochen im Düsseldorfer Südpark getroffen. Sie wollen sich aber auch heute die Premiere nicht entgehen lassen. Michael hat seine Frau und Tochter mitgebracht. Sie wollen heute walkend dabei sein. Rob aus den Niederlanden gibt der Veranstaltung noch ein internationales Flair.
Schon bald gibt Michael den Start frei und wir laufen ganz entspannt in die erste Runde. Von der Brücke geht es gleich hinab zum Kanal. Über einen gut befestigten Weg laufen wir nun immer am Kanal lang. Das Wetter ist heute zum Laufen sehr günstig. Nachdem die Woche ziemlich verregnet war, ist es heute trocken und mit 11 Grad im Moment sogar etwas frisch. Für heute sind aber trockene 20 Grad angesagt.

Auf den Spuren der Neandertaler

Nach einem Kilometer finden wir an einer Sitzecke einen Gedenkstein. Hier hatten vor ca. 120.000 Jahren bereits die Neandertaler einen Rastplatz angelegt. Ihr Spuren und Hinterlassenschaften sind im Naturkundemuseum in Bottrop zu sehen. Sie wurden beim Bau des Kanals gefunden.
Im Ruhrgebiet liegen die Städte eng zusammen. Auf unserer kurzen Runde werden wir die Städte Essen, Bottrop und Oberhausen berühren. Kurz müssen wir den Kanal verlassen und können nun das Emscherbett sehen. Die Emscher wurde als Abwasserkanal lange Zeit benutzt. Heute ist man dabei sie aufwendig wieder zu renaturieren. Teilweise ist dies schon gelungen, aber hier verläuft sie noch etwas stinkend.
Wir laufen zwischen dem Kanal und der Emscher praktisch auf einer Insel. Bald haben wir wieder den Kanal erreicht, welcher uns einen schönen Anblick bietet. Immer wieder ziehen Lastschiffe an uns vorbei. Bald können wir mit dem Oberhausener Gasometer eines der Wahrzeichen des Ruhrgebietes sehen. Da er im Moment grundrenoviert wird, ist er mit einer weißen Kunststoffhülle verpackt. Das erinnert fast an ein Kunstwerk von Christo. Er hat übrigens im Gasometer mit „The Wall“ auch schon ein vergängliches Kunstwerk ausgestellt. Damals wurden von ihm 13.000 bunte Ölfässer im Inneren zu einer imponierenden Mauer aufgestellt.

Interessante Sehenswürdigkeiten

Nach 3,5 km laufen wir über die Osterfelder Brücke und erreichen so das Gegenufer. Hier liegt auch der Gehölzgarten Ripshorst. Ein zwei Kilometer langes und 60 Meter breites Gehölzband umschließt den circa 40 Hektar großen Park. Der Garten vereint rund 6.000 Gehölze. Wer das Band entlang geht, unternimmt eine Zeitreise, die vor 60 Millionen Jahren beginnt.
Kurz darauf sehen wir den Zauberlehrling Das ist ein 35 Meter hoher tanzender Strommast, welcher im Jahre 2013 im Rahmen der Emscherkunst entstanden ist. Über einen schmalen schattigen Weg geht es nun zurück nach Essen, wo wir dann die erste Runde geschafft haben.
Ich versorge mich am Auto und beginne die zweite Runde. Jutta Scheele fotografiert professionell aus der Hocke alle Läufer auf der Brücke.
Schon bald werde ich von Patrick überrundet. Er wird heute als Erster durchs Ziel laufen und als Einziger mit 2:54:38 die 3 Stunden unterbieten.
Ich freue mich, dass ein Großteil der Strecke im Schatten verläuft und beobachte die Lastkähne, welche vorbeiziehen. Auch einige Ruderer sind schon unterwegs.
In den nächsten Runden wird es immer voller. Klar die Sparziergänger und Radfahrer wollen auch am Kanal die Sonne genießen. Auch viele Jogger und Walker sind jetzt unterwegs. Unter ihnen ist auch mit Hans Angenendt ein Vereinsfreund. Er ist schon über 80 und dreht immer noch regelmäßig hier seine Runden. Er hat nicht gewusst, dass heute hier ein Marathon stattfindet und feuert uns an.
Wolfgang Bernath überholt mich. Da er eine weite Anreise hat, ist er erst um 8 Uhr gestartet und hat noch einen Vereinsfreund mitgebracht. Auch Arno gehört zu den Spätstartern. Er hat vor zwei Wochen seinen 200sten Marathon gefinisht. Das wird noch von Dietmar übertroffen, welcher vor kurzem seinen 750 Lauf geschafft hat. Ja es geht immer noch mehr.
Danny hat sich kurzfristig doch noch für die Marathonstrecke entschieden und zieht auch an mir vorbei.

Letzte Runde

So vergeht die Zeit wie im Flug und schon bald bin auch ich in der letzten Runde. Nun muss ich doch an den Brückensteigungen kämpfen, aber dann erreiche ich nach der letzten Steigung mit 5:56:42 das Ziel an der Prosperstraße. Wolfgang hält meinen Zieleinlauf fotografisch fest und gratuliert mir zum Finish. Nach einer kleinen Erholungspause mache ich mich auf den kurzen Heimweg und hoffe, dass es den Rhein-Herne-Kanal Marathon noch öfters geben wird.

Autor:

Werner Kerkenbusch aus Oberhausen

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