Abschied von der Straßenbahn vor 50 Jahren

Am Abschiedstag die Straßenbahnen der Linie 1 sind die Fahrgäste kostenlos gefahren. Sie brauchten lediglich einen Obolus in Sammelbüchsen für das Friedensdorf zu stecken. Da alle Bahnen voll besetzt waren, wird eine ansehnliche Summe zusammengekommen sein, deren Höhe aber nicht überliefert ist. Der Konvoi der letzten Fahrt bestand aus sechs Straßenbahnen verschiedenster Jahrgänge und wurde von einem Wagen aus dem Jahr 1900 angeführt. Foto: STOAG
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  • Am Abschiedstag die Straßenbahnen der Linie 1 sind die Fahrgäste kostenlos gefahren. Sie brauchten lediglich einen Obolus in Sammelbüchsen für das Friedensdorf zu stecken. Da alle Bahnen voll besetzt waren, wird eine ansehnliche Summe zusammengekommen sein, deren Höhe aber nicht überliefert ist. Der Konvoi der letzten Fahrt bestand aus sechs Straßenbahnen verschiedenster Jahrgänge und wurde von einem Wagen aus dem Jahr 1900 angeführt. Foto: STOAG
  • hochgeladen von Jörg Vorholt

Am 13. Oktober jährt sich zum 50. Mal der Tag, an dem die letzte Oberhausener Straßenbahn „auf Linie“ gegangen ist. Im Konvoi ging am 13. Oktober 1968 um 14.45 Uhr die Fahrt von der Endhaltestelle Holten Bahnhof zum Betriebshof auf der Danziger Straße. Mit an Bord: Oberbürgermeisterin Luise Albertz.

Tausende säumten die Straßen, um sich von der Straßenbahn zu verabschieden. Die Presse machte dieses für Oberhausen wichtige Ereignis über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Gegen 17.30 Uhr endete am Betriebshof die letzte Fahrt einer Oberhausener Straßenbahn. Mit Bockwurst und Bier, so ist es überliefert, wurde in der Hauptwerkstatt bis zum späten Abend gefeiert. Damit endete vorerst die Ära der Oberhausener Straßenbahn.
Der Rat der Stadt hatte am 5. Juli 1965 auf Empfehlung des Aufsichtsrats der Stadtwerke das Aus der Straßenbahn beschlossen. Die Streckenführung war unflexibel, der Fuhrpark alt und die Straßenverhältnisse beengt.

Für die Stadt war die Modernisierung der Straßenbahn mit durchgehendem zweigleisigen Ausbau und eigenem Bahnkörper weder finanzierbar noch durchsetzbar. Schritt für Schritt wurden daraufhin die Linien stillgelegt.
Die Stilllegung der Oberhausener Straßenbahn in Etappen:

1. Januar 1964, Linie 4, Lirich-Dümpten
1. August 1964, Linie 6 Lipperheidebaum - Wehrstraße
1. Januar 1965, Linie 2 Buschhausen – Sterkrade Bahnhof
1. Oktober 1965, Linie 2, Sterkrade – Buschhausen – Oberhausen
23. Oktober 1965, Linie 3, Alstaden – Lipperheidebaum
8. Oktober 1966, Gemeinschaftsverkehr Linie 1 Mülheim – Saarn – Broermann Realschule
8. Oktober 1967, Gemeinschaftsverkehr Linie 5 Essen – Broermann Realschule
3. März 1968, Linie 1E Sterkrade – Hagelkreuz – Broermann Realschule
13. Oktober 1968, Linie 1 Holten – Sterkrade – Broermann Realschule

Nach der Einstellung der Oberhausener Straßenbahn wurde der Abschnitt Landwehr – Oberhausen Hauptbahnhof noch von der Mülheimer Straßenbahnlinie 15 befahren. Umfangreiche Straßenbauarbeiten ließen aber auch sie im April 1971 zum letzten Mal durch Oberhausen fahren. Danach verblieb als allerletzte Straßenbahnlinie nur noch ein 800 Meter langer Streckenabschnitt der Linie 17 der Vestischen Straßenbahnen von der Stadtgrenze Bottrop nach Klosterhardt. Im Oktober 1974 wurde auch dieser Abschnitt stillgelegt und Oberhausen war damit endgültig ohne Straßenbahn.

Ausbau des Omnibusbetriebes

In den folgenden Jahren wurde das Liniennetz sowohl durch Einrichtung neuer Linien als auch durch Linienverlängerungen wesentlich vergrößert. Der Fuhrpark, der vor der Umstellung am Stichtag 31. Dezember 1963 aus 47 Omnibussen (44 Einmannfahrzeuge, drei Gelenkfahrzeuge) und 66 Straßenbahnwagen (38 Triebwagen, acht Gelenkwagen, 20 Beiwagen) bestand, umfasste am 1. April 1969 110 Omnibusse, davon 100 Einmannomnibusse und zehn Gelenk-Omnibusse. „Die Stilllegung des Straßenbahnbetriebes und die Umstellung auf Omnibusbetrieb hat sich“, so resümierte 1969 der damalige Betriebsdirektor Löhr, „sowohl in wirtschaftlicher als auch in betriebs- und verkehrstechnischer Beziehung als richtig erwiesen.“

Die Straßenbahn kehrt zurück

28 Jahre dauerte es, bis wieder Straßenbahnen zum Fuhrpark der STOAG gehörten. Am 2. Juni 1996 wurden die sechs neuen STOAG-Straßenbahnen in Betrieb genommen und damit ein völlig neues Verkehrskonzept umgesetzt, in dessen Mittelpunkt die vom Individualverkehr unabhängige, kombinierte Straßenbahn/Bus-Trasse steht.
Ziel der Verkehrsplanung war es, das prognostizierte hohe Besucheraufkommen in der Neuen Mitte durch ein leistungsfähiges ÖPNV-System zu bewältigen und gleichzeitig den Umweltverbund zu stärken.

Nach wie vor ist die Nahverkehrs-Trasse das Kernstück des ÖPNV in Oberhausen und ermöglicht die schnellste Verbindung vom Hauptbahnhof nach Sterkrade.
Der 25. Geburtstag der ÖPNV-Trasse und der Wiedereinführung der Straßenbahn, soviel verrät die STOAG bereits jetzt, wird natürlich gefeiert.  

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