"Wir wären gern überflüssig" - Internationales Friedensdorf besteht in diesen Tagen seit 50 Jahren

Pfarrer und Initiator Fritz Berghaus bei Baubeginn des Friedensdorfes, das offiziell am 6. Juli gegründet wurde. | Foto: Friedensdorf
  • Pfarrer und Initiator Fritz Berghaus bei Baubeginn des Friedensdorfes, das offiziell am 6. Juli gegründet wurde.
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Reportagen über Reportagen sind geschrieben, gedreht und aufgenommen worden. Kaum etwas, das man nicht schon einmal über das Internationale Friedensdorf gelesen, gesehen oder gehört hätte. Thomas Jacobs wäre es wohl am liebsten, wenn es keine einzige gegeben hätte.

Nicht, weil er den Auftritt in den Medien scheut. Sondern weil das bedeutet hätte, dass es die Hilfseinrichtung an der Stadtgrenze zwischen Dinslaken und Oberhausen womöglich gar nicht geben würde. So sehr sich der Leiter auch wünschte, sie wäre "überflüssig": Am Samstag besteht das Dorf seit nunmehr 50 Jahren. Und wird, da reicht ein Blick auf die Nachrichten, wohl auch noch eine ganze (lange) Weile ein zeitlich begrenztes Zuhause für hilfsbedürftige Kinder aus Krisengebieten auf der ganzen Welt.
Und so sieht Jacobs auch keinen Grund, das 50-jährige Bestehen zu feiern. Vielmehr möchte er gemeinsam mit geladenen Rednern und Gästen zurückblicken auf 50 Jahre Internationales Friedensdorf und Rückschlüsse ziehen für die Zukunft. "Es ist traurig, dass es diese Einrichtung gibt. Aber es ist gut, dass es sie gibt", sagt er. Denn nur so könne man helfen. Nicht nur vor Ort, in Ländern, die von Krieg und Hunger gebeutelt sind, sondern auch hier, in Deutschland, wo die medizinische Versorgung so viel besser ist und wo Kinder, allesamt Opfer und medizinische Individualfälle, auf bestmögliche Hilfe hoffen können.

Die Tränen steigen einem in die Augen

Ein Blick über den Hof des Dorfes reicht, um einem die Tränen in die Augen steigen zu lassen. Überall Kinder - in Rollstühlen, mit Krücken, bandagiert -, die sich zurzeit in medizinischer Behandlung befinden, die sie zuhause nicht bekommen hätten. Und die ihnen das Leben leichter macht. Womöglich sogar rettet. Bei den Kleinen - die Jüngsten sind gerade ein paar Wochen alt und monatelang getrennt von der Familie - ist von Traurigkeit jedoch keine Spur. Überall glückliche Gesichter. Kein Wunder, sind sie nicht nur anders sozialisiert und passen sich schnell an. Hier wird ihnen geholfen. Und wenn sie wieder gesund sind, kehren sie wieder zurück. Aber nicht in Kriegsgebiete. "So sehen die Kinder das nicht", sagt Mitarbeiterin Claudia Peppmüller. "Sie sind dann einfach nur wieder bei ihrer Familie." Dass die Rückführung der Kinder garantiert ist, lassen sich Jacobs und sein Team schriftlich geben. Eine Lehre, die ihre Vorgänger aus der Vergangenheit schon ziehen mussten. "Aber allein diese Geschichte würde Seiten füllen", sagt der Leiter.
Das gilt für viele weitere Geschichten - angefangen von der Gründung des Internationalen Friedensdorfes im Jahr 1967 durch Initiative der damaligen Oberhausener Oberbürgermeisterin Luise Albertz und Pfarrer Fritz Berghaus, ausgelöst durch den Sechstagekrieg zwischen Israel und den arabischen Staaten Ägypten, Jordanien und Syrien. Sie wollten nicht nur Kinder aus der Kriegsregion holen und hier versorgen, sondern auch ein friedenspolitisches Zeichen setzen. Ein Ziel, das sich das Friedensdorf auch heute noch zur Aufgabe macht. Aber auch darüber könnte Thomas Jacobs ganze Geschichten erzählen. Einige von ihnen werden mit Sicherheit auch bei der Zentralveranstaltung am 8. Juli erzählt ...

Autor:

Lisa Peltzer aus Oberhausen

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