Erfahrungsbericht eines Wahlhelfers
Niedrige Wahlbeteiligung und große Langeweile

Wie sieht der Tag eines Wahlhelfers aus? Tristan Devigne  berichtet über seine Erfahrungen bei der Landtagswahl NRW.
  • Wie sieht der Tag eines Wahlhelfers aus? Tristan Devigne berichtet über seine Erfahrungen bei der Landtagswahl NRW.
  • Foto: Ehmi Devigne
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„Ist man einmal Wahlhelfer, ist man immer Wahlhelfer.“ Ich meldete mich vor zwei Jahren freiwillig als Wahlhelfer an, weil ich etwas Gutes für meine Heimatstadt Oberhausen tun wollte. Und wenn ich ehrlich bin: „Einfacher kann man Geld nicht verdienen.“ Und als Student habe ich davon nie zu viel.

Die Kommunalwahl 2020 war also mein Debüt. Was ich damals nicht wusste: Wer einmal das Amt des Wahlhelfers bekleidet hat, kann dies bei künftigen Wahlen laut Bundeswahlgesetz nur noch mit einem „wichtigen Grund“ ablehnen. Das kann beispielsweise ein Krankheitsfall sein – nicht aber fehlende Zeit oder Lust. Auch ein bereits gebuchter Urlaub zählt nicht zu den „wichtigen Gründen“.

Da ich keinen „wichtigen Grund“ hatte, stand ich also zur Landtagswahl wieder im Wahlhelfer-Register. Diesmal nicht als Beisteher, der nur Zettel verteilt oder gelegentlich die Kabine und Stifte desinfiziert, sondern als Reservist. Meine Aufgabe bestand also darin, die Helfer zu ersetzen, die am Wahltag aus einem „wichtigen Grund“ fehlen. Was bedeutet: Ich wusste bis zum Wahltag nicht, ob ich eingesetzt werde und falls ja, welche Aufgabe mir zufallen würde. Um auf alles vorbereitet zu sein, musste ich im Vorfeld in einer zweistündigen Online-Fortbildung die Aufgaben eines Wahlvorstehers, Schriftführers und Beistehers sowie die Verordnungen und Regeln aneignen.

Was verdient ein Wahlhelfer?

Gut vorbereitet und „ausgeschlafen“ wartete ich am Wahltag auf meinen Anruf. Dieser kam um 9 Uhr. Ich wurde als Schriftführer in der Spätschicht am Bertha-von-Suttner-Gymnasium eingeteilt. Meine Aufgabe war zu kontrollieren, ob die Wähler wahlberechtigt sind und ihre Namen in den vorliegenden Listen anzukreuzen, damit wir nachvollziehen können, welche Personen bei uns im Wahllokal bereits ihre Stimme abgegeben haben. Als Dank für meine Arbeit bekam ich insgesamt 60 Euro „Erfrischungsgeld“.

Ein nettes Team in Oberhausen

Die Spätschicht lief von 12:30 bis 18 Uhr. Ich war etwas früher da, um erstmal das Wählerhelferteam kennenzulernen und mich mit meinen Aufgaben vertraut zu machen. Eine der schönen Sachen als Wahlhelfer ist, dass man immer wieder neue Leute aus Oberhausen kennlernt, die interessante Geschichten mit sich bringen. So auch dieses Mal. Mein Team war äußerst nett und wir verstanden uns sehr schnell.

Geringe Wahlbeteiligung 

Da die Wahlbeteiligung am Sonntag so gering war, hatten wir nicht viel zu tun. Immer wieder kamen Wellen von Wählern, aber nie mehr als sieben auf einmal. Die restliche Zeit war die Langeweile unser Dauerbegleiter. Wir spielten „Hängelmännchen“ und redeten über die Volkshochschule. Nur vereinzelt wurden unsere Gespräche durch Wähler unterbrochen. Es gibt auch regelmäßig Wähler, die unsere demokratische Wahl in Frage stellen oder uns des Wahlbetrugs beschuldigen. 

Zum Schluss bleibt nur noch das Zählen

Um 18 Uhr schlossen wir unser Wahllokal, um die Stimmzettel zu zählen. Dazu kamen auch die Wahlhelfer aus der Frühschicht zurück. Eine Aufgabe, die ich gerne mache. Ich mag halt Mathe. Die letzten zwei Stunden gingen für mich schnell um. Wir sortierten, zählten zusammen, zählten gegen und trugen anschließend die Zahlen ein. Da die Wahlbeteiligung in unserem Wahlbezirk bei nur ungefähr 33 Prozent lag, war das Zählen von ungefähr 210 Stimmen schnell erledigt. Zum Schluss gab die Wahlvorsteherin die Zahlen nur noch durch und rief den Kurier, damit er die Stimmzettel abholt.

Wie wird man Wahlhelfer ?

Sich als Wahlhelfer zu melden ist heutzutage sehr einfach. Unter der Website wahlhelfende.oberhausen.de kann jeder Interessierte, der über 18 Jahre alt ist, ein Online- Formular ausfüllen und sich anmelden. Die Antwort von der Stadt kommt dann als Brief zugesendet. In dem Brief ist zu entnehmen, welche Funktion man am Wahltag ausführt und in welchem Wahllokal man seine ehrenamtliche Tätigkeit ausübt. Die in dem Brief enthaltende Annahmeerklärung nur noch unterschreiben und zurück schicken, schon ist man im Wahlhelferregister eingetragen.

Autor:

Tristan Devigne aus Oberhausen

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