Gedenkstunde zu den Novemberpogromen
"Antisemitismus von Anfang an entgegentreten"

Nach dem Rundgang zu den Innenstadt-„Stolpersteinen“ legten Bürgermeister Klaus Pesch und Herbert Rubinstein, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, am Ehrenfriedhof an der Werdener Straße Kränze zu Ehren der im Dritten Reich ermordeten Ratinger Juden nieder. Foto: Egon Schuster
  • Nach dem Rundgang zu den Innenstadt-„Stolpersteinen“ legten Bürgermeister Klaus Pesch und Herbert Rubinstein, Vorsitzender der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, am Ehrenfriedhof an der Werdener Straße Kränze zu Ehren der im Dritten Reich ermordeten Ratinger Juden nieder. Foto: Egon Schuster
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Die Ratinger Gedenkfeier zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome gegen Juden in Deutschland wurde diesmal mit einem Rundgang zu den „Stolpersteinen“ in der Innenstadt begangen. Schüler der Martin-Luther-King-Gesamtschule und des Berufsorientierungsprojekts BOJE schilderten an vier Stationen das Schicksal der Ratinger Bürger, die einst dort gewohnt haben, dann über Nacht ihrer Existenz beraubt und später in Konzentrationslagern ermordet wurden – einfach nur, weil sie jüdischen Glaubens waren. An der Hans-Böckler-Straße 1 waren es Hieronimus, Dina und Edith Kellermann, an der Bechemer Straße 2 Norbert, Erna und Ursel Levison, an der Oberstraße 6 Samuel, Selma und Helene Levy, an der Oberstraße 23 Ferdinand und Bernhard Waller.
Diese Schilderungen waren umso beklemmender, als wenige Tage zuvor in Lintorf eine Schaufensterschmiererei aufgetaucht war, die mit den Bluttaten der Nazis offensichtlich sympathisierte. Herbert Rubinstein, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, sagte nun in seiner Ansprache: „Am 4. November war die Geschichte zum Greifen nah.“ Aber es war natürlich auch ganz anders als vor 80 Jahren. Damals stellte sich dem Nazi-Mob kaum jemand entgegen. In Lintorf bildeten mehr als 2000 Menschen eine Kette, um ein starkes Zeichen zu setzen.
Bürgermeister Klaus Pesch bedankte sich dafür noch einmal und arbeitete heraus, warum es so wichtig ist, früh und klar Stellung zu beziehen. Der wahnhafte Antisemitismus der Nazis sei auch nicht überraschend gekommen, das konnte man schon im NSDAP-Gründungsjahr 1920 in Verlautbarungen lesen. Damals war das noch eine Kleinstpartei, die von der Machtübernahme sehr weit entfernt war. Man müsse stets wachsam sein und menschenverachtenden Positionen von Anfang an energisch entgegen treten, bevor sie eine gefährliche Verbreitung erfahren, so Pesch – „und zwar nicht nur auf einer Demo, sondern auch in der Bahn, am Tresen oder im privaten Kreis“.
Weitere Ansprachen hielten Vertreter der Kirchen sowie Vlad Ilstein vom jüdischen Kulturverein „Schalom“ Ratingen. An allen Stationen spielte der großartige Klarinettist Vitalii Nekhoroshev bewegende Klezmer-Motive.

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