Vereins-Jubiliäum
Am Welthospiztag sind Lebenswünsche gefragt

 Die Installation der Künstlerin Candy Chang.
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  • Die Installation der Künstlerin Candy Chang.
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"Wie wollen wir sterben?" So hat die Hospizbewegung Ratingen e.V. ihr Jubiläumsprogramm überschrieben. Ein Jahr lang feiert der Verein ab kommenden Samstag sein 25-jähriges Bestehen. Der Titel wurde bewusst gewählt, denn die Frage soll eine Einladung sein: Zum Nachdenken und zum Gespräch. Aber keineswegs nur über das Sterben, sondern auch darüber, was im Leben wirklich zählt. Wie bei der Auftakt-Aktion am Samstag, 12. Oktober.

Auf dem Kirchplatz von St. Peter und Paul können die Ratinger am Welthospiztag von 10 bis 14 Uhr aufschreiben, was sie in ihrem Leben noch erledigen oder erleben möchten. Drei dreieinhalb Meter große Tafelwände werden die ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter der Hospizbewegung aufbauen, damit sie dort ihre Wünsche und Träume mit Kreide festhalten können. "Bevor ich sterbe, möchte ich..." ("Before I die, I want to...") heißt dieses international bekannte Projekt der Künstlerin Candy Chang.

2011 hat sie es in New Orleans erstmals realisiert. Seitdem ist die Idee über 400 Mal in 60 Ländern und 25 Sprachen aufgegriffen und umgesetzt worden. Der Ursprung der Installation war ein persönlicher Verlust der Künstlerin, die damit Menschen daran erinnern möchte, was wirklich zählt.

"Hospizarbeit ist vielfältig und bunt"

Judith Kohlstruck hat die Aktion schon in Kaiserslautern erlebt. Und sie war begeistert davon, wie unterschiedlich der Satz dort vervollständigt wurde. „Einige schreiben sehr Persönliches und Berührendes auf, andere Überraschendes oder sogar Lustiges“, erzählt die Leitende Koordinatorin der Ratinger Hospizbewegung. Ein wichtiges Ziel des Jubiläumsjahres wird ihr Verein daher wahrscheinlich schon am Samstag erreichen. „Wir wollen zeigen, wie vielfältig und bunt unsere Arbeit ist“, sagt die Leitende Koordinatorin. Und, dass sie sich wünscht, dass "Hospizarbeit als ganz normaler Teil gesellschaftlichen Engagements wahrgenommen wird: Unspektakulär und selbstverständlich."

Denn noch immer würden viele Menschen mit Ehrfurcht oder großer Scheu die Begleitung am Ende des Lebens betrachten, so Kohlstruck. Gleichzeitig habe sich einiges verändert im Umgang mit den Themen Sterben und Tod: „Vor zehn, 15 Jahren haben die meisten Menschen einen großen Bogen um einen Stand von uns gemacht“, erinnert sie sich.

Doch inzwischen gebe es weit weniger Berührungsängste. Zum Beispiel bei einer Straßenaktion im Frühjahr. Eine Mitarbeiterin der Hospizbewegung hatte dafür ein ‚letztes Hemd‘ angezogen. "Wir waren sehr positiv überrascht, mit wie viel Offenheit die Menschen darauf reagierten“, erzählt Kohlstruck. "Die eigene Endlichkeit ist für viele nicht mehr so tabu, wie wir dachten."

Über 200 Menschen wurden Sterbebegleiter

Die Arbeit der Hospizbewegung hat daran sicher ihren Anteil. 62 Mitarbeiter sind in dem Verein heute tätig, über 200 Menschen wurden im zurückliegenden Vierteljahrhundert zu Sterbebegleitern ausgebildet, mehreren tausend wurde in schwieriger Zeit beiseite gestanden. Neben der Beratungs- und Aufklärungsarbeit gehören Kurse zur Unterstützung von Laien zum Angebot. In jüngster Zeit seien etwa „Letzte-Hilfe-Kurse“ sehr gefragt, erzählt Judith Kohlstruck. Dabei lernt man, was man für Nahestehende am Ende des Lebens tun kann.

Wie weit gespannt das Tätigkeitsfeld der Hospizbewegung ist, und wie unterschiedlich der Zugang zu ihrem zentralen Thema, zeigt ein Blick auf das Jubiläumsprogramm: Es reicht von einer Gedenkfeier für Menschen aller Kulturen am Mittwoch, 30. Oktober, 18 Uhr, in der Trauerhalle Halskestraße über eine Lesung im Kino Ratingen am Montag, 4. November, 20 Uhr, mit dem Autor des Buches "So sterben wir" (Eintritt zwölf Euro) bis zu einem Schreibworkshop für Trauernde im Mai 2020, einem Benefizkonzert in der Friedenskirche am 28. Juni und der Entdeckung der "Kraftquelle Wald" zwei Wochen später.

Jubiläumsfeier mit Poetry-Slam-Meister

Das Jahr gipfelt in einer Jubiläumsfeier am 19. September 2020 ab 11 Uhr in der Stadthalle, für die Franz Müntefering schon sein Kommen zugesagt hat. Und Jean-Philippe Kindler kommt auch. Das ist der Sieger der Deutschen Poetry Slam Meisterschaft 2018. Mit anderen jungen Versartisten wird er am Abend Gedichte zum Jubiläumsthema "Wie wollen wir sterben?" vortragen. Besser kann die Ratinger Hospizbewegung kaum zeigen, wie jung sie sich fühlt, und dass sie mitten im Leben steht.

 Die Installation der Künstlerin Candy Chang.
Judith Kohlstruck, Leitende Koordinatorin der Ratinger Hospizbewegung
Autor:

Thomas Zimmermann aus Ratingen

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