#Leere Stühle in Ratingen
Gebeutelte Gastronomen: "Unsere Herzen weinen"

Die Gastronomen Birger Thurmann (l.), Sula Georgosidi und Andreas Stoffels am Freitag bei der Demo auf dem Ratinger Marktplatz.
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  • Die Gastronomen Birger Thurmann (l.), Sula Georgosidi und Andreas Stoffels am Freitag bei der Demo auf dem Ratinger Marktplatz.
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Unter dem Motto "Leere Stühle" haben Gastronomen am Freitag bundesweit auf ihre angespannte wirtschaftliche Situation aufmerksam gemacht. Auch in Ratingen schlossen sich gut ein Dutzend Gastwirte mit einer Stuhl-Demonstration auf dem Marktplatz den Protesten an. Ihre Stimmung ist, man ahnt es, eher mittelprächtig. Zurecht, wie eine IHK-Umfrage belegt: Sollte der Lockdown noch länger anhalten, sind rund die Hälfte von ihnen  insolvenzgefährdet.

"Wir hatten von Kollegen in der Düsseldorfer Altstadt von der Aktion erfahren", erzählt Sula Georgosidi, Inhaberin der Ratinger Kult-Kneipe "Freie Tankstelle" (früher "Blechtrommel"). Mit befreundeten Gastronomen hat sie dann auf Facebook einen Aufruf gestartet. Die Resonanz? Passabel. Immerhin: Der gesamte Ratinger Marktplatz stand am Freitag zwischen 11 und 13 Uhr voller leerer Stühle.

Die Not ist groß: "Seit fünf Wochen läuft ja gar nichts mehr", erläutert Andreas Stoffels  vom "Schlüssel am Markt" den Hintergrund der Aktion. "Wenn wir wenigstens ein fixes Öffnungs-Datum hätten, auf das wir uns einstellen könnten", klagt er. "Aber wir stehen hier nur mit einem riesengroßen Fragezeichen."  

Mitarbeiter orientieren sich neu

Die ungewisse Situation schlägt nicht nur ihm aufs Gemüt, sondern sie wirkt sich auch schon sehr negativ auf die Beschäftigungsverhältnisse in der Branche aus. Weil nicht klar ist, "wohin die Reise geht", hätten sich einige Mitarbeiter bereits beruflich neu orientiert, so Stoffels. 

Dabei tun die Gastronomen, was sie können, um ihre Mitarbeiter bei der Stange zu halten: "Für unsere Angestellten stocken wir den Kurzarbeitslohn auf 80 Prozent auf", erzählt etwa Birger Thurmann vom "Extrablatt". "Aber das Trinkgeld können wir natürlich nicht ersetzen." Die Aushilfskräfte gehen außerdem ganz leer aus.

Doch es ist auch nicht so, dass gar nichts funktioniert: "Das mit der Soforthilfe hat zum Beispiel super geklappt, da waren wir echt überrascht", erklärt Stoffels. Trotzdem müsse jetzt bald was passieren: Allein hier rund um den Marktplatz seien rund 100 Arbeitsplätze durch die Schließungen bedroht, schätzt er.

Viele Arbeitsplätze sind bedroht

Dass höchste Eile geboten ist, belegt auch eine aktuelle IHK-Befragung bei knapp 300 Unternehmen aus Gastronomie, Hotellerie und Dienstleistern in Düsseldorf und im Kreis Mettmann. Im Kreis rechnet demnach jeder Zweite mit Umsatzrückgängen von über 50 Prozent in diesem Jahr.

Sollte der Stillstand weiter anhalten, so schätzen fast die Hälfte aller Gastronomiebetriebe, dass sie in acht Wochen insolvenzgefährdet sind. "Die Gastronomen brauchen dringend eine Perspektive", fordert deshalb auch IHK-Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen.

"Nur zusammen sind wir stark"

Dass die Gastwirte ihre Kunden ausgerechnet in dieser sonnigen Frühjahrssaison nicht verwöhnen dürfen, schmerzt sie natürlich ganz besonders. "Bei diesem schönen Wetter weint das Herz jedes Gastronomen", sagt Stoffels, der im T-Shirt zur Demo gekommen ist.

Das Hilfspaket, das die Stadt für die gebeutelten Gastronomen schnüren will, ist für die Gastwirte zumindest ein schwacher Silberstreif am Horizont. Ihr wichtigstes Resümee nach der gemeinsamen Protestaktion aber lautete: "#leerestühle war ein voller Erfolg! Vielen Dank an alle, die da waren und mitgeholfen haben! Nur zusammen sind wir stark."

Die Gastronomen Birger Thurmann (l.), Sula Georgosidi und Andreas Stoffels am Freitag bei der Demo auf dem Ratinger Marktplatz.
Seltener Anblick: Rund 50 Stühle standen während der angemeldeten Demonstration zwei Stunden lang unbesetzt auf dem Ratinger Marktplatz.
Autor:

Thomas Zimmermann aus Ratingen

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