Ratinger Traditionshof
Gut Diepensiepen feiert 275-jähriges Bestehen

Vater und Sohn Benninghoven.

Ratingen. Diese Tradition sucht weit und breit ihresgleichen: Seit 1744 führen die Benninghovens das Gut Diepensiepen im Schwarzbachtal. Mit geladenen Gästen wird dieses seltene Jubiläum am Wochenende in der Festscheune des Hofes gefeiert. Dabei wird Seniorchef Harald Benninghoven an die spannende Geschichte des Hofes erinnern, während Sohn Christian Gegenwart und Zukunft des landwirtschaftlichen Betriebes skizziert. Wir haben mit den beiden leidenschaftlichen Landwirten vorab über ihren Hof im Wandel der Zeit gesprochen.

„Den ersten der Tod, den zweiten die Not, den dritten das Brot“ - so sei es auch den ersten drei Generationen der Benninghovens ergangen, erzählt Harald Benninghoven. Solange habe es nämlich gedauert bis der Kaufpreis für das Gut abgegolten war. Die Zeiten waren nicht leicht. Im Siebenjährigen Krieg (1756-63) quartierten sich Franzosen ein und ließen sich verpflegen. Außerdem mussten die Bauern Steuern in Naturalien an Gerresheim und Kaiserswerth abführen.

Das weiß Harald Benninghoven aus historischen Urkunden und Dokumenten, die er in einer Kiste auf dem Speicher des Gutshauses fand. Zum 250-jährigen Jubiläum hat er daraus eine Festschrift gemacht. Tatsächlich, fand er damals heraus, wurde das Gehöft sogar schon um 1336 erstmals erwähnt. Doch erst 400 Jahre später heiratete der erste Benninghoven, ein Johann Gottfried aus Haan, in die Familie des Pächters Dietrich zu Diepensiepen ein. Dessen Name lässt sich übrigens mit der tiefen Lage (diep) des Hofes im Tal (siepen) erklären.

Ein klassischer Mischbetrieb mit Ackerbau und Viehzucht war der Hof schon damals. Die meisten Erträge brachte den hart arbeitenden Bauern gleichwohl häufig ihre Wassermühle. Wie er in der Nachkriegszeit als Zehnjähriger schwere Säcke geschrotener Gerste (für die Schweine) und gequetschten Hafers (für die Pferde) von der Mühle wegtrug, daran kann sich der der 79-jährige Seniorchef noch gut erinnern. Genauso wie an die Geldmünze, die er von seiner Großmutter erhielt, wenn er ihr erzählte, was der Pfarrer am Sonntag in Homberg gepredigt hatte. Eine Stunde brauchte man zur Kirche zu Fuß. Wegen des weiten Weges wurde deshalb für kurze Andachten ein Betraum neben der Scheune eingerichtet.

33 Jahre leitete der Landwirtmeister ab 1967 gemeinsam mit seiner Frau Anna den Betrieb. Während sich der altgediente Liberale stark politisch engagierte, 35 Jahre für die FDP im Kreistag saß, 2004 stellvertretender Landrat wurde und auch Vorsitzender der Arbeitgebervereinigung in der Berufsgenossenschaft war, konzentriert sich Sohn Christian ab der Jahrtausendwende ganz auf die Führung des Gutes.

Den ursprünglich 45 Hektar großen Hof hat er verdoppelt, mit zugepachteten Äckern bewirtschaftet er 180 Hektar. Ein computergesteuerter Traktor hilft ihm und seinen sechs fest angestellten Mitarbeitern und 20 Aushilfen inzwischen dabei. "Die Geschwindigkeit der Entwicklung ist extrem", sagt der Landwirt, der bedauert, dass er die Viehzucht 2010 aufgeben musste.

"Absolute Spezialisierung ganz nah am Verbraucher", das ist die Strategie mit der er das Gut in die Zukunft führt. "Wir haben uns auf leckere Äpfel, große Kartoffeln und Tannenbäume spezialisiert", sagt er. Die Abnehmer der Ernten reichen vom Altenheim bis zum Breitenbacher Hof. Das Tagesgeschäft hat unterdessen sein jüngerer Bruder Jürgen mit dem Bauerngarten übernommen, die Tannenäume werden im Rahmen von geschlossenen Gesellschaften verkauft.

Festliche Veranstaltungen in der denkmalgeschützten Wassermühle oder in der Scheune sind ohnehin seit über 30 Jahren das zweite Standbein des Betriebes. Und auch für die "Brückenmonate" hat Christian Benninghoven neue Geschäftsfelder erschlossen: Die Aufstellung des Weihnachtsbaums auf der Schadowstraße vor Karstadt mit 40000 Kerzen ist eines der öffentlichkeitswirksamsten.

Obwohl er auch solche Nischen gerne bedient, ist der 50-Jährige nach wie vor ein Bauer mit Leib und Seele. Und das trotz aller bürokratischen Auflagen und Kontrollen. "Wenn wir Bauern uns treffen, reden wir stundenlang über Themen, die sonst niemand interessieren", sagt er. "Wann hat Du ausgesät? Wie lange geerntet?" Trotz aller Technik sei das eine Frage von Fingerspitzengefühl geblieben. Und eine Frage des Wetters. Denn, wenn die Witterung es erfordert, müsse man auch schon mal 40 Stunden am Stück Getreide oder Kartoffeln ernten. "Dass alle dann rund um die Uhr mit anpacken, das macht einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb aus", sagt Christian Benninghoven. Und im Fall des Gut Diepensiepen tut es das seit acht Generationen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen