Fünf weitere Stolpersteine an der Bochumer Straße 111 in Recklinghausen verlegt
Gegen das Vergessen

Vor dem Haus Bochumer Straße 111 erinnern Stolpersteine an die Familie Markus. Bei der Gedenkfeier gegen das Vergessen (v.l.): Bürgermeister Christoph Tesche, Manfred de Vries, der Sohn von Martha de Vries (geb. Markus), ihre Tochter Inge Steindler und ihr Ehemann Georg Steindler sowie Georg Möllers vom Verein für Orts- und Heimatkunde.
  • Vor dem Haus Bochumer Straße 111 erinnern Stolpersteine an die Familie Markus. Bei der Gedenkfeier gegen das Vergessen (v.l.): Bürgermeister Christoph Tesche, Manfred de Vries, der Sohn von Martha de Vries (geb. Markus), ihre Tochter Inge Steindler und ihr Ehemann Georg Steindler sowie Georg Möllers vom Verein für Orts- und Heimatkunde.
  • Foto: Stadt RE
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An der Bochumer Straße 111 in Recklinghausen sind fünf weitere Stolpersteine verlegt worden.
"Man stolpert mit dem Kopf und dem Herzen." So wurde Gunter Demnigs Gedenk-Projekt Stolpersteine schon beschrieben. Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing in den Bürgersteig verlegt. In 1265 Kommunen Deutschlands und in 21 Ländern Europas bilden Stolpersteine einen Gedenkort. Als Teil der Recklinghäuser Gedenkkultur wurden und werden auch in Recklinghausen Stolpersteine verlegt, die ein Zeichen gegen das Vergessen der Opfer der NS-Diktatur setzen.
Nun sind fünf weitere Stolpersteine an der Bochumer Straße 111 in Recklinghausen verlegt worden.

Erinnerung an die Familie Markus

Sie erinnern an die Familie Markus und erzählen in knappen Daten die Lebensgeschichte der jüdischen Familie. Von Felix Markus und seiner Ehefrau Julie Markus, von deren Töchtern Dina und Martha Markus und von Heinrich Hanau, dem Bruder von Julie Markus.
„Stolpersteine“, sagte Bürgermeister Christoph Tesche in seiner Rede, „sind Mahnmale zur Erinnerung an die Opfer. Sie sind eine Warnung vor den Tätern. Sie sind ein Zeichen von Trauer und Respekt vor den Opfern. Sie dienen als Mahnung, dass sich diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit niemals wiederholen dürfen. Wir stehen hier mit dem unbedingten Willen, nicht zu vergessen.“
Er erinnerte daran, dass die Familie zu den alteingesessenen Poahlbürgern der Stadt gehörte. Die Brüder Alex, Felix und Robert Markus betrieben mit ihren Ehefrauen Obst- und Gemüsegeschäfte in der Innenstadt, in Süd und auf dem Wochenmarkt.
An ihre Biographien erinnerte Georg Möllers vom Verein für Orts- und Heimatkunde und ehrenamtlicher Bearbeiter des städtischen Online-Gedenkbuches. 2014 hatte der Rat der Stadt in einem Beschluss zur Gedenkkultur die Erarbeitung der Biographien der Opfer der NS-Diktatur in einem Online-Gedenkbuch und die anschließende Verlegung von Stolpersteinen zum Gedenken beschlossen.

1941 Einzug in eines der "Judenhäuser"

1941 mussten die Eheleute Felix und Julie Markus mit ihrer Tochter Martha ihr Haus an der Bochumer Straße 111 verlassen und wie alle Juden in eines der fünf von den Nazis so bezeichneten „Judenhäuser“ der Stadt ziehen. Heinrich Hanau war auch dabei. Am 24. Januar 1942 erfolgten die Deportationen von insgesamt 95 Erwachsenen und zehn Kindern aus den Häusern. Im Transport, der Dortmund am 27. Januar 1942 verließ, befanden sich auch die Familie Julie und Felix Markus mit Tochter Martha und Heinrich Hanau.
Der Zeitpunkt des Todes von Heinrich Hanau im Ghetto kann nicht mehr bestimmt werden. Dies gilt ebenso für Julie und Felix Markus. Dina Markus wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und dort getötet.
Einzige Überlebende war die damals 22-jährige Martha Markus. Nach ihrer Rückkehr nach Recklinghausen musste sie den Tod von 24 Familienmitgliedern beklagen, davon stammten drei aus der unmittelbaren Verwandtschaft von Ludwig de Vries aus dem Emsland, den sie in Recklinghausen heiratete.
Ludwig und Martha de Vries gehörten zu den wenigen überlebenden Gemeindemitgliedern, die jüdisches Leben nach der Shoah in Recklinghausen wieder aufbauten.

Mahnmal der Holocaust-Opfer

1948 stiftete das Ehepaar das Mahnmal der Holocaust-Opfer auf dem Jüdischen Friedhof. Ludwig de Vries (1904-1958) leitete bis zu seinem Tod die Gemeinde. Martha de Vries wurde nach ihrem Tod am 30. Dezember 1988 neben ihrem Mann auf dem Jüdischen Friedhof beigesetzt.
Zur Enthüllung der Stolpersteine waren eigens die Kinder von Martha und Ludwig de Vries, Manfred de Vries sowie Inge Steindler, angereist. „Es ist schwer, diese Steine zu setzen, und heute war es schwer, für die eigenen Eltern diese Steine zu setzen", sagte Manfred de Vries. „Leider hat der Antisemitismus wieder zugenommen. Wir müssen alles tun, dass Menschen verstehen, dass das falsch ist. Doch die meisten Menschen trauern wegen dem, was geschehen ist. Das ist der richtige Weg.“
Aufgrund der Corona-Krise fand die Verlegung der Stolpersteine in einem kleinen Kreis statt.

Dr. Mark Gutkin und Isaac Tourgmann

Anwesend waren neben anderen Dr. Mark Gutkin und Isaac Tourgmann von der Jüdischen Kultusgemeinde.
Isaac Tourgmann, Kantor der Jüdischen Kultusgemeinde, sprach ein Gebet für die Seelen der Familie Markus und die Seelen der Millionen ermordeten Juden, die in den Vernichtungslagern von Auschwitz und in vielen anderen Konzentrationslagern gequält und ermordet wurden.
Anwesend waren auch Vertreter der Ratsfraktionen und Schuldezernent Dr. Sebastian Sanders. Johannes Ruddek vom Theodor-Heuss-Gymnasium spielte während der Verlegung Gitarre.

Beteiligung Recklinghäuser Schulen

Die Gedenkkultur ist wichtiger Baustein für die Gegenwart mit großer Beteiligung der Recklinghäuser Schulen. Sie konnten aufgrund der Corona-Pandemie nicht teilnehmen. Eine größere Veranstaltung mit Schülern und Manfred de Vries soll zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.

Autor:

Lokalkompass Recklinghausen aus Recklinghausen

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