Betteln - Auf eigene Rechnung?

Häufig sind es wahre Elendsgestalten, die uns mit vorgehaltenem Papp-Becher um eine Spende bitten. An manchen Tagen gleichen die Fußgänger-Zonen einem Panoptikum, in dem uns vor Augen geführt wird, zu welch grausamen Spiel Natur und Schicksal fähig sind. Verformte und zitternde Körper sowie zur Schau gestellte Amputationen rühren uns an und wenn dann noch eine bettelnde Mutter mit Kind vor einem Schaufenster lagert, erleichtern wir Portemonnaie und Gewissen, indem wir uns zu einer Geldspende hinreißen lassen.

Doch haben diese vom Schicksal weniger Begünstigten kaum noch etwas mit den Bettlern von einst gemein. Diese lungerten sozusagen auf eigene Rechnung in den Einkaufszonen herum und konnten den Verwendungszweck ihrer „Einnahmen“ selbst bestimmen. Völlig anders hingegen verhält es sich mit den vornehmlich aus osteuropäischen Ländern rekrutierten Bettler-Teams, die in letzter Zeit vermehrt in die Innenstädte einfallen. Hier besteht in vielen Fällen der Verdacht, dass hinter dem gezielt präsentierten Elend Organisationen mit mafiosen Strukturen Fäden und Drähte ziehen. Je mehr körperliche Gebrechen jemand aufweist, desto wertvoller ist er für die Hintermänner, bei denen die bettelnden Jammergestalten allabendlich die Einnahmen abliefern müssen.

Wie qualvoll muss es sein, wenn man stundenlang aufrecht kniend, mit vorgestreckter Hand in der Fußgängerzone ausharren muss, weil wohl sonst noch härteres Ungemach droht, wenn das vorgegebene Einnahme-Soll nicht erreicht wird. Ein trauriges und zugleich beschämendes Bild gab auch die um Almosen bittende Greisin in der Recklinghäuser Fußgängerzone ab, die ich – ihre Anonymität wahrend – im Vorbeigehen heimlich fotografierte.

Sicherlich werden Ihnen auch junge Frauen aufgefallen sein, denen man ein Akkordeon umgehängt hat, auf dem sie nahezu den ganzen Tag vier oder fünf sich ständig wiederholende Akkorde spielen müssen. Letztendlich handelt es sich bei dieser vorgetäuschten musikalischen Leistung um eine subtilere Form des Bettelns,

Irgendwie tun mir die mich devot anlächelnden Bittsteller leid – doch helfe ich ihnen wirklich, wenn ich eine Münze in die vorgehaltenen Becher einwerfe? Machen wir uns schuldig, wenn wir ständig in Spendierhosen herumlaufen und somit die wahren Nutznießer unserer Großzügigkeit ermuntern, das Heer der in sklavenähnlicher Abhängigkeit vegetierenden Bettler/Innen zu vergrößern??

Autor:

Klaus Ahlfänger aus Herten

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