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Gemeinsam viel erreichen - dieses Ziel ist die Grundlage der Vereinbarung der Stadt Recklinghausen mit den Migantenverbänden.
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Schattengesellschaft, türkischstämmige Frauen, die auch nach 20 Jahren in Recklinghausen kein Wort Deutsch sprechen. Zudem auf der anderen Seite oftmals immer noch Unverständnis gegenüber scheinbar fremden Sitten und Gebräuchen. Um diese Probleme endgültig erfolgreich anzugehen, wurde die Kooperationsvereinbarung zwischen der Stadt Recklinghausen und den Migrantenverbänden auf den Weg gebracht.

Um diese Thematik noch einmal mit Beteiligten aus der Praxis zu erörtern, initiierte der Stadtspiegel einen runden Tisch. Unter der Leitung des Beigeordneten Georg Möllers trafen sich Josef Sibilla vom Sportamt, Josef Kirwel (Abteilungsleiter Fußball der SG Suderwich), Muharem Gürbüz (Geschäftsführer von Genclikspor) und Elfie Ott (Stellvertretende Vorsitzende der PSV) und erörterten die Problematik.

Migration:
Georg Möllers: „Wir haben im Vorlauf zu dieser Vereinbarung über 70 Gespräche mit allen beteiligten Gruppen geführt, um möglichst alle Aspekte und Problemfelder zu berücksichtigen. Denn in verschiedenen Bereichen unserer Gesellschaft gibt es auch verschiedene Probleme bei der Migration. Daher war es uns besonders wichtig, die verschiedenen Migrantenverbände miteinzubeziehen, damit wir in bestimmten Fällen auch kompetente Ansprechpartner unter den Migranten haben, die einen ganz anderen Zugang zu ihren Landsleuten haben.“
Muharem Gürbüz: „Ich muss ehrlich sagen, wer sich ernsthaft integrieren will, der schafft es auch. Ein ganz wichtiger Punkt ist die Sprache. Ich musste damals als Elfjähriger ganz schnell deutsch lernen. Denn es gab nur deutsches Fernsehen, meine Klassenkameraden sprachen nur deutsch und auch im Sportverein gab es kaum türkische Jungs. Dagegen gibt es heute türkische Geschäfte, Friseure, Ärzte und türkische Zeitungen und Fernsehen. Da wird man bequem und fragt sich, warum man überhaupt deutsch lernen soll.“

gut läuft:
Josef Kirwel: „Ich denke, in Sportvereinen läuft es deutlich problemloser als in vielen anderen Bereichen der Gesellschaft. Klar gibt es unterschiedliche Ansichten. Wenn wir grillen, achten wir auch darauf, dass wir für unsere türkischen Kameraden noch andere Speisen im Angebot haben. Aber ein Paradebeispiel ist unsere dritte Mannschaft, die einen türkischen Trainer hat, aber zur Hälfte auch aus deutschen Spielern besteht. Und es funktioniert.“

schlecht läuft:
Elfie Ott: „Es gibt vor allem bei den Müttern viel zu viele, die kein deutsch sprechen. Und das ist nicht nur bei den Türken oder Libanesen so, sondern auch bei vielen Familien mit russischem oder slawischem Hintergrund. Für diese Frauen haben wir extra Angebote gemacht, doch spätestens nach dem zweiten Mal kommen sie oftmals nicht mehr und sagen dann, dass ihre Männer das nicht wollen.“
Josef Sibilla: „Für diesen Zweck haben wir vor einiger Zeit das Frauenschwimmen im Südbad eingerichtet, wo muslimische Frauen im Burkini schwimmen können und das Aufsichtspersonal nur aus Frauen besteht. Am Anfang sind die deutschen Frauen weggeblieben, doch jetzt kommen sie und es entwickelt sich eine gute Gruppe.“

Ausblick:
Georg Möllers: „Ich würde mir wünschen, dass beide Seiten noch stärker aufeinander zugehen und dass vor allem die Angebote, die wir machen, auch angenommen werden.“
Elfie Ott: „Ich würde mir wünschen, dass die Mütter deutsch lernen und auch zu Hause deutsch sprechen und dass Mädchen auch während und nach der Pubertät Sport treiben dürfen.“
Muharem Gürbüz: „Ich würde mir wünschen, dass wir Herrn Sarazin beweisen, dass er unrecht hat und dass wir zusammen eine funktionierende Gesellschaft schaffen.“

„Die Partizipation von Migranten als Ressource nachhaltiger Stadtentwicklung“ - hinter diesem Arbeitstitel verbirgt sich eine Vereinbarung zwischen den Migrantenverbänden und der Stadt Recklinghausen. Diese Vereinbarung soll als Grundlage eine verbesserte Integration von Bürgern mit Migrationshintergrund garantieren. Ziel ist es, für viele Alltagssituationen für beide Seiten akzeptable Lösungen zu finden.
Die Stadt Oer-Erkenschwick geht seit wenigen Tagen ähnliche Wege und hat die 1. Integrationskonferenz auf den Weg gebracht. An diese ist eine Studie angelehnt, die bis zum Ende des Jahres erste Erkenntnisse bringen soll.
Waltrop ist seit Januar im Rahmen eines Integrationsworkshops dabei, Konzepte für eine verbesserte Integration in den Bereichen Sprache, Beruf und Gesellschaft zu entwickeln.
In Datteln gibt es neben dem Integrationsrat Sprechstunden bei verschiedenen städtischen Einrichtungen und Behörden.
In Olfen gab es bis vor drei Jahren einen runden Tisch, der mangels Nachfrage wieder abgeschafft wurde.

Autor:

Sven Krause aus Mülheim an der Ruhr

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