Glauben wir alle an den gleichen Gott?

Leserbrief an die RZ

Glauben wir alle an den gleichen Gott?

von: Dr. Dr. Joachim Seeger, RE-Nord

Bezug: Leserbrief von Heinz-Jürgen Radtke, Hochlarmark, RZ vom 14.02.2018

Wer keinen interreligiösen Dialog sucht, wird auch keinen zustande bringen. Andererseits ist dieser Dialog aber für das geregelte Miteinander in unserer Gesellschaft unverzichtbar! Eine Antwort auf die Frage: „Glauben wir alle an den gleichen Gott?“ ist ebenso simpel wie logisch. Natürlich glauben wir an den gleichen Gott, da es nur einen gibt. Gott ist der universale Gott für alle Völker, der Schöpfer und Herr der ganzen Welt. Im Islam wird Gott auch als Schöpfer, Barmherziger, Allmächtiger und Richter gesehen. „Allah“ ist kein Eigenname, sondern bedeutet „der Gott“. Arabisch sprechende Christen benutzen diesen Begriff ebenfalls für Gott. Muslime bestreiten nicht, dass sie an den gleichen Gott glauben. In Sure 29,46 heißt es bezüglich der Christen: „Wir glauben an das, was (als Offenbarung) zu uns herabgesandt worden ist und zu euch herabgesandt worden ist; unser Gott und euer Gott ist Einer, und wir sind Ihm ergeben.“ Das Zweite Vatikanische Konzil hat sich auch im Hinblick auf die Muslime geäußert. In der Konstitution über die Kirche ist zu lesen: „Der Heilswille umfasst aber auch die, welche den Schöpfer anerkennen, unter ihnen besonders die Muslime, die … mit uns den einen Gott anbeten ...“ (Lumen Gentium 16). Papst Johannes Paul II. hat sich wiederholt auf diese Konzilsaussagen berufen und brachte 1985 während eines katholisch-muslimischen Symposiums in Rom zum Ausdruck: „Euer und unser Gott ist ein und dasselbe.“ Im Jahr 2007 haben 138 islamische Gelehrte in einem Brief „A Common Word“ an die Christenheit folgende Worte formuliert: „Liebe zu dem Einen Gott und die Liebe zu dem Nächsten- diese beiden Prinzipien finden sich immer wieder in den heiligen Schriften des Islams und des Christentums.“ Wir glauben jedoch in unterschiedlicher Weise an Gott. Christen betonen durchaus „das Mitleiden Gottes“, während Muslime mehr die Allmacht Gottes in den Mittelpunkt stellen. Letztlich ist Gott der stets Andere und Größere, dessen Geheimnis mit unserer menschlichen Erkenntnis nur schwer zu erfassen ist. Jedes Gottesbild bleibt daher unvollständig. Wichtig ist, dass Vertreter der verschiedenen Religionen auf je ihre Weise zu dem einen Gott beten. Die Friedensgebete der Weltreligionen in Assisi sind ein wichtiger Beitrag in diesem Zusammenhang. Christen und Muslime sollten ihr Vertrauen zueinander vertiefen, verehrter Herr Radtke!

Autor:

Dr. Dr. Joachim Seeger aus Recklinghausen

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