Linke Politik in der Weimarer Zeit und heute

Ein sehr wichtiges kulturpolitisches Zeugnis der Weimarer Zeit ist die WELTBÜHNE, die von 1926 bis Mai 1927 von Kurt Tucholsky, dann von Carl von Ossietzky geleitet wurde. Die Zeitschrift hat auch heute nichts von ihrer Faszination verloren, den Ungeist des Militarismus, Nationalkonservatismus und -sozialismus hat sie nicht vertreiben können. Heute haben wir ähnliche Zeiterscheinungen. Rechts versucht man, die völkisch-autoritäre Vergangenheit wieder „einzuholen“, links gibt es Bestrebungen, historische Modelle auf die Gegenwart zu übertragen. Auf beiden Seiten mit den gleichen aggressiven Methoden. Damit wird die gegenseitige Feindschaft nur weiter verschärft.

Wir stehen heute vor ganz anderen Problemen als in der Weimarer Zeit und im 20. Jahrhundert. Die Digitalisierung mit „künstlicher Intelligenz“, von diesen gesteuerten Robotern, unkontrollierbarem globalen Datentransfer und 3D-Druckern ist dabei, unsere Arbeits- und Lebenswelt und uns selber so zu verändern, wie es in der Geschichte der Menschheit noch nie geschehen ist.*

Wir erleben eine transnationale technologisch-technische Revolution, die alles bisherige in den Schatten stellt. Wie sich das weltgesellschaftlich auswirkt, wissen wir nicht. Es kann sein, dass durch die rund um den Globus mögliche Kommunikation aller Menschen, die Zugang zum Internet haben, eine globale Demokratisierung in Gang kommt und die Frage Kapitalismus oder Sozialismus gegenstandslos macht.** Es kann aber auch passieren, dass der Psychopath im Weißen Haus völlig durchdreht und ihn niemand daran hindert, per Knopfdruck einen alles vernichtenden Weltkrieg auszulösen. Oder dass die verheerende Waffen steuernde „künstliche Intelligenz“ sich selbständig macht. Denn auch die militärische Digitalisierung ist in vollem Gange.

Auf jeden Fall sind höchste Wachsamkeit und ein völlig neues, praxisbezogenes Denken nötig: eine andere Politik.

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* Nach einer Umfrage des IT-Verbands Bitkom unter 500 deutschen Unternehmen werden in Deutschland rund 3,4 Millionen Stellen allein in den kommenden fünf Jahren weg fallen, weil Roboter oder Algorithmen die Arbeit übernehmen. (FAZ, 02.02.2018) Viele Aufgaben können heute leicht zerlegt und über Internetplattformen verteilt werden – ohne feste Arbeitsverträge.

Ein Manager der Plattform Crowdflower: „Bevor es das Internet gab, wäre es sehr schwierig gewesen, jemanden zu finden, der zehn Minuten für einen arbeitet und den man, nachdem er diese zehn Minuten gearbeitet hat, wieder entlassen kann.“ (ZEIT ONLINE, 21.1.2016)

Heimarbeit auf Abruf – wo sie am billigsten ist, in Asien zum Beispiel.

Unter der Digitalisierung am meisten leiden werden jedoch Menschen, die dort heute noch unsere Schuhe und Kleidung, Smartphones, Spielzeug etc. anfertigen. Die Automatisierung wird sie massenhaft arbeitslos machen.

Gravierend sind auch die sozialpsychologischen Folgen: Immer mehr Berufstätige werden an Burn-out, Erschöpfungssyndromen, stressbedingten Erkrankungen, an sozialer Entfremdung und Isolation leiden.

** Die Digitalisierung macht es möglich, in kürzester Zeit Menschen in aller Welt zur Teilnahme an gemeinsamen politischen Aktionen zu motivieren. Die Massenproteste US-amerikanischer Schüler*innen und vieler anderer gegen die Waffenlobby (NRA) und den Präsidenten, der mit Spendengeldern bestochen worden sein soll, haben gezeigt, wie das geht.

Autor:

Dietrich Stahlbaum aus Recklinghausen

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