Offener Brief mehrerer Recklinghäuser Abiturienten
Neun Tage als Ausgleich für ein Jahr

Die Abiturienten fordern in ihrem offenen Brief mehr Zeit, um sich auf die Abiturprüfungen vorzubereiten.
  • Die Abiturienten fordern in ihrem offenen Brief mehr Zeit, um sich auf die Abiturprüfungen vorzubereiten.
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Zum Thema "Abitur 2021 unter den Umständen der Pandemie" wenden sich mehrere Schüler Recklinghäuser Gymnasien mit folgendem offenen Brief an die Politiker und Bürger des Landes Nordrhein-Westfalen:
Sehr geehrte Frau Gebauer,
Sehr geehrte Politiker und Politikerinnen des Landes NRW,
Sehr geehrte Bürger und Bürgerinnen,
mit diesem offenen Brief wenden wir uns an Sie, da das folgende Thema bei jedem Mitglied
unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert haben sollte. Es geht um unsere Bildung, oder
genauer gesagt das für viele Abiturienten und Abiturientinnen in Nordrhein-Westfalen anstehende Abitur, dessen momentane Umstände für Schüler und Schülerinnen einfach unzumutbar sind.
Am 16. März 2020 erfolgte die erste pandemiebedingte Schulschließung in Deutschland. Seit
diesem Tag konnte den Schülern und Schülerinnen und vor allem den Abiturienten und Abiturientinnen kein angemessener Unterricht mehr gewährleistet werden.

Über die Hälfte der Zeit im Distanzunterricht.

Über die Hälfte dieser Zeit befand sich die Schülerschaft im Distanzunterricht. Das bedeutete für uns riesige Summen an schriftlichen Aufgaben anstatt interaktivem Unterricht, der persönliche Rückfragen ermöglicht, und selbstständiges Beibringen neuer Unterrichtsinhalte, die sonst von ausgebildeten Lehrkräften vermittelt und erklärt werden.
Die Lehrer und Lehrerinnen waren immer offen für Fragen in Foren oder per E-Mail und versuchten so gut zu helfen wie es ging, doch trotzdem hatten sie nicht die Möglichkeit uns angemessen zu unterrichten, da auch Online-Unterricht die gemeinsame Erarbeitung von Unterrichtsinhalten im Präsenzunterricht nicht ersetzen kann.
Der gesamte Unterrichtsstoff, der in dieser Zeit auf dem Lehrplan stand, konnte uns nicht wie bei den vorherigen Abiturjahrgängen in der Schule in einer gezielten Abiturvorbereitung von den
Lehrkräften vermittelt werden, sondern musste vielmehr in großen Teilen von uns zu Hause selbst erlernt und erarbeitet werden.
Zudem fiel noch mehr Unterrichtszeit weg, dadurch dass sich die Schulen und Lehrkräfte verständlicherweise erst einmal an die neuen Umstände anpassen und entsprechend organisieren mussten. Videokonferenzen, die den Unterricht ersetzen sollten, konnten daher an den meisten Schulen erst sehr spät bereitgestellt werden. Zudem ermöglichten auch diese meist keinen angemessenen Unterricht, sondern stellten eher eine Übergangslösung dar, um das Unterrichtsgespräch zwischen Lehrenden und Lernenden wieder ansatzweise gewährleisten zu können.
Dabei trifft die Schuld auf keinen Fall die Schulen oder Lehrkräfte. Auch der Politik wollen wir hiermit keinen Vorwurf machen, da die Pandemie für uns alle eine neue und herausfordernde Situation ist, in der es nicht einfach ist, funktionierende Lösungswege zu finden.

Keine angemessene Abiturvorbereitung

Wir wollen vielmehr klarmachen wie herausfordernd die Umstände für die Abiturienten und Abiturientinnen in der Zeit dieses gesamten Jahres waren und dass eine angemessene Abiturvorbereitung schulisch einfach nicht erfolgen konnte.
Des Weiteren schaffen diese Umstände bei den Schülern und Schülerinnen einen enormen psychischen Druck. Dabei sprechen wir von Schlafstörungen, Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung. Der Leistungsdruck für Abiturienten und Abiturientinnen ist ohnehin schon enorm und wird durch die aktuellen Gegebenheiten maximiert.
Deshalb ist es erforderlich und einfach unumgänglich die Termine für das Abitur noch weiter
zu verschieben und uns Abiturienten und Abiturientinnen mehr Zeit zu geben um das Verpasste weiterhin nachzuholen und uns angemessen auf das Abitur vorzubereiten.
Aktuell wurden uns neun Tage mehr zugesprochen, dabei erhielt der letzte Jahrgang, der bloß
eine zweiwöchige Distanzlernphase in Kauf nehmen musste, rund drei Wochen.
Franziska Marlene Schürken fasste dies in ihrer Petition „Gerechtigkeit für die NRW-Abiturient und
-Abiturientinnen 2021“ wunderbar zusammen;

"Neun Tage für sechs Monate Pandemie"

„Neun Tage für sechs Monate Pandemie. Neun Tage für Frühjahrsunterricht ohne Standards oder Leistungskontrollen. Neun Tage für finanzielle Schwierigkeiten im Elternhaus, für vollständigen Entzug des Sozialgefüges, für weitere Quarantänemaßnahmen in den kommenden Wintermonaten. Neun Tage für den Abiturjahrgang 2021, der diese Pandemie im vollen Ausmaß miterlebt und mehrere Wochen für den Abiturjahrgang 2020, der gerade einmal unter ihren Anfängen leiden musste.“

Sprecht mit uns, bevor ihr für uns sprecht.

Wir wünschen uns mehr Aufmerksamkeit von der Politik und dass Politiker und Politikerinnen mit uns ins Gespräch treten, um zu erfassen wie fatal die Lage ist und dass diese neun Tage einfach nicht genug sind. Wir bitten die Politik: Sprecht mit uns, bevor ihr für uns sprecht.
Wir fordern konkret mehr Zeit, um für das Abitur zu lernen. Die Prüfungen müssen mindestens
wie beim letzten Jahrgang um 3 Wochen verschoben werden, wenn nicht sogar noch weiter.

Hinter diesem Brief stehen:

46 Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Freiherr-vom-Stein;
Sena Kaya
Jan Schael
Dennis Sarazin
Yasmine Douallal
Janis Hoellger
Victoria Jendrny
Jonas Schöster
Valerie
Jasmin Omeirat
Kim Kulot
Umut Hanik
Joel Pfeifer
Talha Korkmaz
Lea Niemann
Joana Johanns
Fabienne Engelken
Marius Homann
Christin Mausolf
Sara Baumann
Emily Kandziora
Fabian Siering
Alissa Vielhaber
Lisa Boening
Erlhoff
Michelle Unland
Jana Schneider
Ilayda Savas
Til Chochollek
Fynnja Nebel
Joel Reiners
Floriane
Annika Linkemann
Talha Özdemir
Nils Gritzan
Helin Cetin
Ella Vietor
Furkan Demir
Milagros Sievers
Arda Karatopak
Tobias
Okan Demirdögen
Beyza Aydin
Julia Winkler
Naomi Karpinska
Nicole Weigandt
Timmy Lu
Johanna Bülhoff
Leonie Lütke Bordewick
Alicia Kleemann

5 Schüler und Schülerinnen des Gymnasiums Petrinum;
Marie Hagemann
Eva Liesenklas
Giulia Heisterkamp
Linus Krüsemann
Christopher Schürk

Die Jahrgangsstufe Q2 des Gymnasiums Hittorf

Autor:

Lokalkompass Recklinghausen aus Recklinghausen

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