Rüstungskontrolle bei der SPD-Oer-Erkenschwick

Nun wird es persönlich. Es begab sich eines Morgens. Der Rechner wird hochgefahren und ich erhielt schon eine persönliche Nachricht einer Facebook-Freundin. Freundlicherweise bereitete sie mich darauf vor, was ich denn auf der Facebookseite der SPD-Oer-Erkenschwick finden würde.

Beim Durchlesen musste ich herzlich lachen. Vorangegangen ist meine Zusammenfassung beim Lokalkompass zur Stellungnahme der Petition „Rettet den Stadtpark“.  Dort vermutete ich bei einem 100% Schweigen der SPD, dass es sie eigentlich gar nicht gibt. So ungefähr wie Bielefeld. Aber siehe da, es regte sich was. Die SPD-Oer-Erkenschwick schrieb (Originalfassung):

„Es ist schon sehr interessant was man über verschiedentlich abgegebenen Kommentaren der Stadtparkretter so herauslesen kann. Wie hängt denn der oben beschriebenen Artikel mit der Stadtpark Online Petition zusammen? Da meinen wohl #SandraStoffers und #SebastianSchroer Zusammenhänge zu sehen. Wer mit Armbinde oder Ritterrüstung auftritt dem traue ich ehrlich gesagt auch zu solche zusammenhänge zu sehen. Im Rat sind die Meinungen und Einwände zum Planentwurf eines Investors öffentlich besprochen worden und auf der SPD Oer-Erkenschwick Facebookseite noch einmal verständlich und ausführlich beschrieben. Auch hier wurde Themenbezogen und sachlich argumentiert und die überwiegende SPD Fraktionsmeinung zu diesem Thema wiedergegeben. Ich sage mal hier wurde seitens der SPD nicht nach Aktenlage argumentiert, vielmehr kennen wir den Stadtpark, wissen von deren Bedeutung und wissen vor allem auch vorüber und wie wir diskutiert haben. An die immer besser wissenden, nehmt Helm und Armbinde ab und sprecht uns einfach gerne zum Thema persönlich an.“

Die SPD-Oer-Erkenschwick widmet mir ein Hashtag. Das ist gar eine Adelung, der meiner Ritterrüstung gar nicht mehr gerecht zu werden scheint. Durch mein recht verschlossenes Facebook Profil konnte die SPD-OE wohl nicht mehr Informationen über mich erlangen und wählte als Ihre Waffe das Diskreditieren meines Profilbildes. Ob sie gesehen haben, dass ich ein Schwert in der Hand trage? Wer mag im Duell besser ausgerRÜSTET sein?

Zum besseren Verständnis: Der ebenfalls mit einem Hashtag geadelte Sebastian Schroer gehört zu DIE PARTEI und ist in der Bürgerinitiative „Rettet den Stadtpark“ aktiv.

Diese Reaktion wirft dann doch einige Fragen auf.

Geht es der SPD-OE so schlecht, dass sie nur noch ein Mitglied vorzuweisen hat? Wer ist dieses „Ich“ das meint, für die ganze Partei im Ort zu schreiben? Es scheint ganz einsam zu sein, wenn es kein „Wir“ mehr kennt. Oder ist dieses „Ich“ der gesuchte Bürgermeisterkandidat, der sich nur noch nicht zu erkennen geben mag? In einem Ort wie Oer-Erkenschwick wird sich das sicherlich noch aufklären. 

Was will uns dieses SPD-OE-Ich mitteilen? Es bleibt der Eindruck, dass man BürgerInnen durch Diskreditierung einzuschüchtern vermag. Nun bin ich schon recht lang im „Geschäft“, dass mir derartige Reaktionen nicht unbekannt sind. Jedoch so witzig war es bisher noch nie.

Aber stellen wir uns vor, Menschen, die sich noch nie bei demokratischen Prozessen engagiert haben, werden so behandelt. Was macht das mit ihnen? Sie könnten verhuscht sein und sich wieder zurückziehen. Ist das von der SPD-OE gewünscht? BürgerInnen einzuschüchtern? Man kann sich fast vorstellen, wie es innerhalb der Partei zugehen mag, wenn jemand anderer Meinung ist. Diese Reaktion auf Facebook lässt doch tief blicken und ist doch sehr überzogen.

Mein Schwert der Gerechtigkeit blitzt gerade neben mir auf.

Niemand aus der SPD-OE brachte die Energie auf, in der Petition zur „Rettung des Stadtparks“ eine Stellungnahme abzugeben. Lieber hinterlässt ein „Ich“ anonym einen Sermon gegen Menschen, die sich im wahrsten Sinne des Wortes mit offenem Visier für ein Thema stark machen. Wieso bleibt der Verfasser anonym. Hat er Angst, mit seinem Namen in der Öffentlichkeit zu stehen, während er sich äußert? Könnte es einen anderen Grund geben, wieso man lieber anonym bleibt, außer man hat Angst? Oder ist es Feigheit? Aber auch die resultiert aus der Angst. Wovor also muss man in der SPD-OE Angst haben?

Das anonyme ICH möchte gerne persönlich angesprochen werden. Ja aber wie soll das denn gehen?

Wenn es in Oer-Erkenschwick mal quietscht und klappert, könnte ich gerade mit meiner Rüstung unterwegs sein, um dieses „Ich“ zu suchen.

Wir leben im digitalen Zeitalter. Also ich nicht und dieses „ICH“ scheinbar auch nicht. Aber die Meisten. Also, im digitalen Zeitalter geht es gerade eben auch darum, neue Medien zu nutzen. Das Thema sollte der SPD besonders in Bezug zur veränderten Arbeitswelt auf den Füßen brennen. Und gerade beim Thema Arbeit glaubt die SPD die Kernkompetenz zu besitzen. Niemand von der SPD-OE schafft es, dieses digitale Mittel der Online-Datenbank der Petition zu nutzen, um alle BürgerInnen gleichermaßen zu informieren? Da müssen Sebastian und ich erst wieder in irgendwelchen Hinterzimmern persönlich mit ICH reden, damit die Öffentlichkeit Fragen beantwortet bekommt? Das ist mir zu kompliziert. Geht einfacher. Einfach eine Stellungnahme online abgeben und alles wäre gut.

Ich müsste erst wieder mit der 20 Kilo schweren Rüstung in die Stadt, mir einen neuen Federkiel besorgen und den ganzen Kram auf Papier niederschreiben.

Wenn ich mir so überlege, wie die SPD-OE gefallen an meinem Bild findet, auf dem ich eine Rüstung trage, was hätte sie bei anderen Bildern geschrieben? Auf dem Bild hätte ich ein Kopftuch tragen können oder in der Hand gar ein Glas Met. Die Vorstellung entsprechender Reaktion bietet mir Raum für weitere Diskreditierungsphantasien. Hat das ICH eigentlich auch gesehen, dass mein Rüstungs-Profilbild folgenden Satz innehat? „Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren“. Nur so nebenbei.

Leider ließ Das ICH der SPD-OE mein Titelbild zum Bedingungslosen Grundeinkommen unerwähnt. Das ist sehr schade. Wahrscheinlich ist der SPD-OE dieses Thema zu politisch.

Im Übrigen: Nicht in jedem Blechschaden bin ich involviert.

Wie auch immer sich diese ganze Kuriosität entwickeln mag, möchte ich Folgendes festhalten:

Mein persönliches Interesse ist es, dass Bürgerinteressen in politischen Prozessen gewahrt bleiben. Wenn Menschen der Ansicht sind, dass ein Stadtpark nicht bebaut werden darf und sie sich dafür stark machen, ist es auch die Pflicht des Bürgers, sich zu engagieren.

Ebenso ist es auch die Pflicht der Politik, diese BürgerInnen ernst zu nehmen. Sich jedoch zwei erkennbare Engagierte, die sich für ein Thema, das ihnen wichtig ist, herauszupflücken und sie an den Pranger zu stellen, hat ebenso mittelalterliche Züge, wie die Mode auf meinem Profilbild. Es ist einfach ein erbärmliches Verhalten den Versuch zu starten, Menschen einschüchtern zu wollen und das noch anonym.

Wir können gerne eine Comedy-Veranstaltung daraus machen, aber ein sachlicher Umgang mit vernünftigen Argumenten wären mir persönlich lieber. Glaubt das ICH der Oer-Erkenschwicker SPD wirklich, dass man so Wähler gewinnen kann? Indem Sebastian und ich in den Fokus gerückt wurden, wurde jeder einzelne Bürger in den Fokus gerückt, der sich zur Erhaltung des Stadtparks einsetzt. Das ist ein Schlag ins Gesicht von mittlerweile 1.052 Oer-Erkenschwicker, die diese Petition unterschrieben haben.

Wenn dies das Niveau ist, welches die Lokalpolitik zu bieten hat, dann wird das Niveau der Wähler auf keinen Fall repräsentiert.

Jetzt rolle ich dieses Schreiben noch zusammen und bitte meinen Knappen, diesen Inhalt auf dem Marktplatz auszurufen.

Autor:

Sandra Stoffers aus Recklinghausen

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