Die Footballer der Recklinghausen Chargers im Lockdown - Interessen trotzdem willkommen
"Es sollte wirklich bald wieder losgehen!"

Teamfoto der Recklinghausen Chargers von 2020.
  • Teamfoto der Recklinghausen Chargers von 2020.
  • Foto: RE Chargers
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Touchdowns und Field Goals sind eigentlich die Welt der Recklinghausen Chargers – seit dem Corona-Lockdown beschränken sich ihre Erfolge aber nur noch auf Liegestütze, Kniebeugen oder Burpees. Frühestens zum Sommer sehen sich die Footballer wieder in voller Montur auf dem Feld, wenn überhaupt. Zwar hat der Kreisverein ein gutes Hygienekonzept vorzuweisen, aber kontaktlos und in Kleinstgruppen zu spielen ist in dieser actiongeladenen Mannschaftssportart schlichtweg unmöglich.

Lange war es nur die Halbzeitshow im Super Bowl, die deutsches Publikum nachts vor den Fernseher lockte. Spätestens aber seitdem sich ein Privatsender den Playoffs angenommen hat, ist ein echter Hype um den US-Sport entstanden. Gefühlt ist jetzt jeder Regelwerk-Profi und kennt Spielzüge wie die „Interceptions“ (abgefangene Bälle) und „Fumbles“ (Ballverluste). „Das gesteigerte Interesse merken wir vor allem im Jugendbereich“, bestätigt Philip Laake, Headcoach der U19 und Jugendvorsitzender. „Früher mussten wir viel mehr Eigenwerbung betreiben, heute haben wir einen aktiven Zulauf.“

Dennoch sind sich alle Vereinssprecher darüber klar: American Football bleibt hierzulande eine Randsportart. Das wurde ihnen vergangenen Herbst erst wieder schmerzlich bewusst, als NRW nach dem ersten Lockdown Kontakt-Sportarten mit bis zu 15 Personen pro Team vorläufig freigab.
„Fußballer können 11 gegen 11 spielen, im Football sind die Kader aber viel größer“, erklärt Ebi Conrad, ehemaliger Headcoach der Herren (bis Oktober 2020), kopfschüttelnd. Während in den Profiliegen GFL (German Football League) und GFL 2, in denen verhältnismäßig hohe Geldsummen im Spiel sind, sogar noch um die Fortsetzung des Saisonbetriebs gerungen wurde, hatte sich der Verbandsligist aus Recklinghausen längst notdürftig mit der langen Spielpause abgefunden. Das galt auch für Freundschaftsspiele. „Der Wille war ganz sicher bei allen vorhanden, aber mit einer halben Mannschaft zu spielen kam nicht in Frage. Wegen des Trainingsrückstands war auch das Risiko für Verletzungen einfach zu hoch.“

Amateursport liegt weiter lahm

Auch die neue Football-Saison 2021 ist schon wieder so gut wie abgeschrieben. Üblicherweise starten die Planungen dafür bereits im Februar/März. „Zum ersten Lockdown vor einem Jahr steckten wir schon voll in der Vorbereitung“, erinnert sich 49er-Fan Ebi Conrad. Davon jetzt keine Spur. Derzeit ist bis auf die U13 nicht einmal an Trainingsbetrieb zu denken – trotz bestehender Hygienekonzepte liegt der Amateursport weiter lahm. „Insbesondere das Hin und Her bei den Regelungen macht es uns sehr schwer“, so Philip Laake (US-Lieblingsteam: Green-Bay-Packers), der wie seine Kollegen auch mit kreativen Konzepten versucht, die Situation zu meistern. So gibt es Theorieeinheiten im Online-Format, es werden Pläne fürs Home-Training geschrieben und Aktionen fürs Teamgefühl gestartet. „Wir hatten dieses Jahr schon zwei Challenges, eine intern und eine gegen die Münster Mammuts“, erzählt Markus „Corner“ Kiepol. „Dabei sind unendlich viele Videos entstanden, wie die Jungs Liegestütze beim Zähneputzen oder in der Mittagspause machen“, lacht der aktuelle Headcoach der Herren. „Die haben sich richtig reingehängt, das war ein geiles Feeling.“ Aber eben nur kurze Momente der "Normalität". Es fehlt ihnen einfach die Gemeinschaft und das sich miteinander richtig auspowern.

Vor dem Sommer rechnet mit einer Änderung der Situation ernsthaft niemand in Recklinghausen. Und selbst dann braucht es Zeit, um in die alte Routine zurückzukommen. Gerade im Jugendbereich müssen die Teams wegen der Altersstruktur erst wieder ganz neu zueinander finden. Und wie steht es um die Fitness der Herren? „Sagen wir mal so: Es sollte wirklich bald wieder losgehen“, grinst Coach "Corner", dessen Herz neben den Chargers fürs Washington Football Team schlägt, mit Blick auf die fehlende Praxis. „Aber am Ende machen nicht wir die Regeln." Von der Regierung wünscht man sich, dass Sportarten wie der American Football in der nächsten Öffnungsstrategie zumindest Berücksichtigung finden.

Die Recklinghausen Chargers:

- Der 1. AFC Recklinghausen Chargers wurde am 30. Juni 1983 gegründet.
- Es gibt eine Seniorenmannschaft (Herren) und drei Jugendteams (U19, U16, U13), außerdem wird in Recklinghausen auch Flagfootball gespielt.
- U13 und U10 (in Planung) sind gemischte Mannschaften. Derzeit spielt ein Mädchen in der U13, weitere Interessentinnen sind willkommen.
- Die 1. Mannschaft spielt aktuell in der Verbandsliga (fünfte Liga). Die Rückkehr in die Oberliga (zuletzt 2018) haben die Chargers fest im Blick.
- Kontakt über Facebook oder www.recklinghausen-chargers.com

Autor:

Sara Drees aus Dortmund

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