Kriminalfall Kandaouroff aufgeklärt - Aktenzeichen XY brachte Hinweis

Sturmhaube. Foto: Polizei Recklinghausen
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Das „Tötungsdelikt zum Nachteil des 80-jährigen Geschäftsmannes Klaus Kandaouroff“ sei aufgeklärt, erklärten die Staatsanwaltschaft Bochum und das Polizeipräsidium Recklinghausen zum Wochenbeginn (KW 8) nüchtern. Für die Bürger im Vest eine wichtige Nachricht nach den schweren Verlust ihres "Hühner-Klaus".
„Gegen drei Männer wurde nun ein Haftbefehl erlassen“, erläutert Staatsanwalt Dieter Justinsky. Ihr Motiv? „Sie wollten einfach mal das schnelle Geld machen.“ Denn eigentlich hatten Mladen P., ein 41-jähriger Kroate, wohnhaft in Haltern am See, Michael M., 46 Jahre alt, Erzieher aus Wesel/Schermbeck, und der 47-jährige Volker H. aus Haltern am See, einen Raubüberfall auf das Anwesen des 80-jährigen Dattelners an der Ahsener Straße in Datteln-Ahsen geplant. Ihr Opfer war bekannter Geschäftsmann und Gastronom, Betreiber des Wild- und Geflügelgroßhandels in Datteln, Besitzer mehrerer Gaststätten, Inhaber des Wellness-Hotels Seehof, Mäzen und Sponsor (z.B. Frauenfußball in Haltern am See). Dass er stets viel Bargeld bei sich trug, war bekannt. Die drei Männer hatten am Tatabend vor dessen Haustür auf den Senior gewartet, wollten ihn überwältigen und fesseln, um Geld und Schmuck aus dem Haus zu entwenden. Einen Einbruch in seiner Abwesenheit hätte das Trio aufgrund der Alarmanlage des Hauses ausgeschlossen, so die Polizei. Kandaouroffs Frau fand ihn blutüberströmt am Hauseingang auf.
Der folgenschwere Kopfschuss mit einem Revolver Kaliber 357 Magnum am Samstag, 29. Mai 2010, gegen 22.30 Uhr sei „versehentlich gefallen“, habe der Schütze Mladen P. ausgesagt; Michael M. gab sogar an, nichts davon gewusst zu haben, dass die Waffe geladen gewesen sei. Panisch seien die beiden nach dem Unglück geflüchtet, während der Dritte noch im Auto nahe des Tatorts wartete. Unabhängig voneinander ging es für alle alle dann in Richtung ihrer Wohnstätten, unterwegs entsorgten sie dilletantisch Beweismittel. Somit dürften die Verdächtigten wegen versuchten schweren Raubes mit Todesfolge verurteilt werden. Bisher aufgefallen waren Sie der Polizei kaum, Mladen P. wurde 1993 wegen Einbruchs in einen Drogeriemarkt verurteilt, Volker H verstieß gegen das Betäubungsmittelgesetz, sonst liegt nichts vor.
Über mehrere Monate zogen sich die Ermittlungen im Fall; ein Hubschraubereinsatz noch in der Tatnacht, Auswertung von Sequenzen der Überwachungskamera (jene direkt am Hauseingang war zum Überfallszeitpunkt leider defekt), Fundstücke (Sturmhaube, Patronen), der Einsatz von auf menschliche Gerüche spezialisierte Spürhunde ("Man-Trailer") sowie die Verbindung zu einem Raubüberfall 2006 in Bochum durch DNA-Material - am 7. Januar 2006 wurde auf der Schillerstraße ein Einfamilienhaus einer alleinstehenden, älteren Dame aufgebrochen und Geld und Schmuck im Wiederbeschaffungswert von über 100.000 Euro entwendet - brachten zunächst keine Aufklärung.
"Es wurde in alle Richtungen ermitteln", berichtet die Ermittlungsbehörde. Geschäftsfreunde seien ebenso durchleuchtet worden - es gab unter Firmenangehörigen 400 Vernehmungen sowie 150 (freiwillige) Speichelproben - wie das engere Umfeld des Verstorbenen. Erst durch die Ausstrahlung bei „Aktenzeichen XY“ (ZDF) am 3. November erhielten die Ermittler den entscheidenden Hinweis. Welche Erkenntnisse dies genau waren, hält die Polizei geheim, dem Zeuge sei Personenschutz zugesichert.
Die Festnahmen erfolgten dann am Donnerstag, 17. Februar, am Wohnort in Haltern beziehungsweise im Falle Michael M. an seinem Arbeitsplatz in Gelsenkirchen. Keiner der drei Männer leistete Widerstand, verletzt wurde somit niemand. Vor allem Mladen P. habe sich eher erleichtert denn überrascht gezeigt. Er sei mit der Situation nicht mehr zurecht gekommen und habe bereits konkret geplant, allein in seine Heimat Kroatien zurück zu kehren. Mittlerweile haben zwei der drei mutmaßlichen Täter Geständnisse abgelegt, alle drei werden durch einen Anwalt vertreten.
Das Geständnis von Volker H. steht noch aus, hier könnten für die Ermittler vor allem Hinweise auf den Waffenlieferanten - auch die Tatwache selbst konnte noch nicht aufgefunden werden - von Interesse sein. Auch noch zu klären ist die Wegstrecke der eingesetzten Hunde, welche zunächst zuverlässig zum Wasser, dem Fundort der Patronen, führten, dann aber eine Spur über die Autobahn nach Bochum, in die Nähe des Geschehens von 2006, sowie bis nach Dortmund verfolgten. Desweiteren wird über Hintergründe, eventuelle Spielschulden des Mladen P. zu reden sein. Offene Ermittlungen laufen jetzt.

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