Lehrreich und ein wenig Humor

Eila Braam (l.) mit Ausstellungsplakat und Tina Oostendorp (r.) mit Original-Fahne zur Brückeneinweihung.
(Foto: Dirk Kleinwegen)
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  • Eila Braam (l.) mit Ausstellungsplakat und Tina Oostendorp (r.) mit Original-Fahne zur Brückeneinweihung.
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50 Jahre Reeser Rheinbrücke ist der Stadt eine Ausstellung wert



  • aus dem Stadtanzeiger Emmerich-Rees-Isselburg vom 25.11.2017
  • von Dirk Kleinwegen (Text + Fotos)

Am 20. Dezember 1967 wurde die Reeser Rheinbrücke offiziell dem Verkehr übergeben. Aufgrund des 50. Jubiläums bereiten Tina Oostendorp und Eila Braam von der Stadt Rees die Ausstellung „50 Jahre Rheinbrücke Rees/Kalkar und die Geschichte der Rheinquerungen bei Rees/Kalkar“ vor.

Vom 26.11.2017 bis zum 04.02.2018 wird diese Ausstellung im Reeser Koenraad-Bosmann-Museum zu sehen sein. 42 Ausstellungstafeln wurden mittlerweile entworfen und werden nun von der Reeser Werbeagentur und Druckerei Blume gedruckt.

Auf den einzelnen Tafeln finden sich Informationen zur Rheinbrücke, von der Planungs- und Bauphase bis zur heutigen Zeit: Zeitungsartikel, Zeichnungen, Informationstexte dazu Fotos von allen Seiten und Luftaufnahmen.

Zusätzlich zu den Tafeln werden viele Exponate zu sehen sein. Menschen, die beim Bau der Brücke beschäftigt waren, haben Eisenpallets, ein Stück vom Stahlseil oder Nieten über 50 Jahre aufgehoben und jetzt für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Andere Ausstellungsstücke erinnern an bisherige Brückenjubiläen bzw. an die Brückenillumination vor wenigen Wochen.

Auch der große Tag der Eröffnung schlägt sich in der Ausstellung nieder: Kugelschreiber, zwei Fähnchen, Münzen und Briefmarken mit Sonderpoststempel. Auch ein Exemplar der Schallplatte, die das Isselburger Blasorchester Bundespräsident Heinrich Lübke überreichte, wird ausgestellt.

Genauso wird auch der Einsturz der Rheinbrücke in der Bauphase am 24.11.1966 auf zwei großen Blättern thematisiert. Schließlich verzögerte der Einsturz, bei dem glücklicherweise keine Personen zu Schaden kamen, den Bau um ein halbes Jahr und erhöhte die Baukosten um drei Millionen Euro.

Auf einem Bildschirm werden Filme über den Architekten Helmut Homberg, ein 50 Jahre alter 16mm-Film aus dem Kreisarchiv, mit Scherenschnitt durch Bundespräsident Heinrich Lübke, sowie ein Ausschnitt aus einem Kinofilm gezeigt.

Die beiden letzten Tafeln der Ausstellung liegen Braam besonders am Herzen. Hier geht es darum, in welchem Zusammenhang man Brücken noch kennt: auf Geldscheinen, Sport, Wappen, Zitate, Lieder, Zahnbrücke, Kommandobrücke auf einem Schiff. Aber auch der Papst als größter Brückenbauer oder Fotos von Graffiti oder Wildpinklern sollen den Besuchern zum Schmunzeln anregen. „Die Besucher sollen die Ausstellung mit einem Lächeln verlassen“, so Eila Braam, „Wir wollen hier nicht nur belehren, sondern auch unterhalten!“

Zur Vorbereitung waren die Kuratoren auf vielfältige Informationen von am Bau beteiligten Personen oder Firmen, sowie auf verschiede offizielle Stellen angewiesen. Beispielsweise die Mitarbeiter von Straßen.NRW, die auch Bauakten und Bautagebücher zur Verfügung stellten, waren eine große Hilfe. Zur Vorbereitung hat sich Braam sogar mit den technischen Hintergründen der Rheinbrücke beschäftigen müssen.

Eigene Erinnerung an die Einweihung waren den beiden bei den Vorbereitungen keine große Hilfe. Bei der Brückenübergabe war Tina Oostendorp zwei Jahre alt und kann sich daher nicht mehr an das Ereignis erinnern. Eila Braam, damals zehn Jahre, weiß aber noch: „Es war sehr kalt und man durfte umsonst mit der Fähre über den Rhein fahren. Mit dem Bus ging es dann über die neue Rheinbrücke zum Marktplatz und dann wieder von vorne. Das haben wir unermüdlich den ganzen Tag gemacht.“

Durch Zufall tauchte ein weiteres Zeitzeugnis auf, ein Foto von Schwester Maria Susanna und dem Modell der Reeser Rheinbrücke. Recherchen ergaben, das Schwester Maria Susanna und fünf weitere Kolleginnen und Kollegen aus dem Rathaus für das damalige Ereignis an der Rheinbrücke kein dienstfrei bekamen und daraufhin am Modell mit Band, Schere, Blumen, Kerzen, sowie Pinnekes zur Anstoßen, ihre eigene Brückenübergabe feierten.

Bisher haben Oostendorp und Braam über 400 Stunden zur Vorbereitung der Ausstellung benötigt. Die Informationstafeln werden komplett am PC gestaltet und später auf die Platten gedruckt. Mit Hilfe moderner Technik hat man hier viele Möglichkeiten. Beispielweise wird auf jeder Tafel im Hintergrund eine Skizze der Rheinbrücke zu erkennen sein. Dieses Motiv setzt sich dann auf Einladungskarten und Infoplakaten fort.

Tina Oostendorp lobt besonders die Zusammenarbeit mit ihrer Kollegin: „Ich bin sehr minimalistisch. Eila dagegen ist ausschweifend und kann sich so richtig in einem Thema verbeißen“. Dabei verfolgen die beiden Damen verschiedene Ansätze. Für die Leiterin des Stadtarchivs sind die stadtgeschichtlichen Aspekte am Wichtigsten. Eila Braam hingegen möchte mit der Ausstellung die Besucher unterhalten und führt aus: „Es kommt nicht zum Streit, aber zu einigen Diskussionen.“

Das wird bestimmt nicht die letzte Ausstellung der beiden gewesen sein. Jetzt freuen sie sich erst einmal, dass der Geschichtsverein RESSA die Durchführung der nächsten Ausstellung, Ende 2018 übernimmt.

Nach der Ausstellung im Reeser Museum geht die Tafeln und Exponate weiter nach Kalkar. Bis auf wenige Fotos und Karten sind dort keinerlei Unterlagen zur Reeser/Kalkarer Rheinbrücke vorhanden. Die Unterlagen sind vermutlich im Rahmen der kommunalen Neugliederung verloren gegangen.

Eila Braam (l.) mit Ausstellungsplakat und Tina Oostendorp (r.) mit Original-Fahne zur Brückeneinweihung.
(Foto: Dirk Kleinwegen)
Auch das Gemälde der Reeser Künstlerin Kathrin Ising-Osterkamp wird im Rahmen der Ausstellung gezeigt.
(Foto: Dirk Kleinwegen)

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