Reeser Wirtschaftsforum präsentiert
Technik-Tag der Realschule 2019

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In der letzten Woche veranstaltete das Reeser Wirtschaftsforum zum zweiten Mal einen Technik-Tag an der Realschule. Die WiFo lud die 19 Schüler des 9. Schuljahres mit dem Wahlpflichtfach Technik ein, eben diese Technik vor Ort im realen Einsatz kennenzulernen.

VON DIRK KLEINWEGEN

REES. Nachdem sich der Technikkurs von Hans Grohn in der 7. Klasse mit Holzverarbeitung und in der 8. Klasse mit der Verarbeitung von Metall beschäftigt hatte, steht seit Anfang des aktuellen Schuljahres Bautechnik und die Hausversorgung auf dem Lehrplan. Die Schüler hatten nun einen Tag Gelegenheit ihre Kenntnisse in den Bereichen Wasser, Abwasser und Heizung in der Praxis zu vertiefen.
       Ulrich Biermann, Inhaber eines Unternehmens für Wärmepumpen und Erdwärme und Sprecher des Arbeitskreises Bauen & Energie beim Wirtschaftsforum Rees, hatte für die 14- bis 15-jährigen Schüler einen Techniktag an verschiedenen Standorten vorbereitet.
       Die Tour begann vor Ort im Reeser Schulzentrum. In der frisch renovierten Dreifachturnhalle wurde die Gruppe von Sven Koblitz erwartet. Der ist seit 2003 bei der Stadt Rees beschäftigt und seit drei Jahren für das Gebäudemanagement zuständig. Er erklärte den Schülern die Wasseraufbereitungsanlage, die Be- und Entlüftung sowie die Heizungsanlage, die die Deckenstrahlheizplatten in den Hallen erhitzt und für heißes Wasser sorgt. Die Heizung ist jedoch nur in den Sommermonaten im Einsatz. Ansonsten bezieht die Dreifachturnhalle die Wärme aus der Hauptkesselanlage im Keller der Rheinschule.
       Diese war der zweite Anlaufpunkt für die Schüler. Ein großer und ein kleiner Heizkessel bringen es auf auf 850 KW Leistung und versorgen von dort aus das gesamte Schulzentrum, also Gymnasium, Realschule, Hauptschule und die Dreifachturnhalle mit Wärme. Sven Koblitz zeigte den Technikinteressierten auch den Gasanschlusskeller und den Verteilerraum. Die Heizungsanlage ist in die Leittechnik der Schule eingebunden. Sämtliche Einstellungen können von den Hausmeistern per Computer vorgenommen werden. Dort können sie sehen, ob eine Heizung eingeschaltet ist, ob ein Fenster geöffnet wurde oder ob vergessen wurde, das Licht auszuschalten.
       Vor rund vier Jahren wurde das neue Reeser Hallenbad in Betrieb genommen. Während die meisten Schüler dort schon schwimmen waren, traf man sich diesmal eine Etage tiefer im Technikbereich des Hallenbades. Rund um das Edelstahlbecken ist die gesamte notwendige Technik für das Stadtbad angeordnet. Schwimmmeisterin Carla Driessen versuchte der Schülergruppe die komplizierte Technik näher zu bringen.
       Mehrere Filter - wie Vorfilter, Ionen-Austauscher, Trommelfilter und weitere - reinigen das Wasser. Die Qualität des Wassers wird ständig mehrfach kontrolliert und bei Bedarf wird der Chlor- und der PH-Wert des Wassers durch Zugabe von Chlor oder Schwefelsäure angepasst. Zudem muss das Wasser noch auf die gewünschte Temperatur von meist 38, 5 Grad erhitzt werden. Normalerweise ist Freitag und Samstag Warmbadetag. Aufgrund eines Defektes in der Heizungsanlage funktionierte an diesem Vormittag die Erhöhung auf 30 Grad aber nicht. Der Schaden konnte zwar noch während der Besichtigung behoben werden, da das Aufheizen der 800.000 Liter Wasser im Becken, um 1,5 Grad, aber 18 Stunden Zeit in Anspruch nimmt, musste der Warmbadetag ausfallen. Es wird dem Kreislauf ständig frisches Wasser zugefügt, 30 Liter pro Badegast. Einmal im Jahr wird das Becken komplett entleert.
       Die Wärme zum Erhitzen des Beckenwassers, aber auch für die Duschen wird dem Blockheizkraftwerk entnommen. Neben rund 60 KW Wärme werden dort auch 30 KW Strom gewonnen, die im gesamten Schwimmbad verwendet werden. Unter anderem für die Hubbodenanlage, die den Boden von null bis zwei Meter absenken können. Die Funktion des Hubbodens oder der Luftaufbereitung wurde von den Schülern ebenso hinterfragt, wie Details zum Beruf des Bademeister, DLRG oder ob man auch in den Reeser Seen schwimmen gehen kann.
       Weitere Stationen für die Technikgruppe waren die Abwasserpumpstation am Grüttweg und die Firmenräume der Firma Biermann. An der Pumpstation erläuterten Heinz Arntz, der Geschäftsführer des Abwasserverbandes Kalkar-Rees, sowie Frank Thielkes, die Funktion der Regenrückhaltebecken und der großen Pumpen, die die Abwässer, unter den Rhein durch, zur Kalkarer Kläranlage pumpen.
       Ulrich Biermann hingegen zeigte der Gruppe einen Ausschnitt aus dem Film „Die vierte Revolution“, dem Umstieg auf erneuerbare Energien. Dem hat sich das Unternehmen Biermann durch den Verkauf und die Installation von Anlagen zur Nutzung von Erdwärme verschrieben. Neben allgemeinen Grundlagen zu regenerativen Energien erklärte der Firmeninhaber auch die Funktionsweise von Wärmepumpen – eben wie Kühlschränke, nur umgekehrt.
       Die letzte Station des „Technik-Wandertages“ war der Real-Supermarkt. Der Markt war zwar jedem bekannt, es standen aber Kühlung, Heizung, Lüftung und Wärmerückgewinnung auf dem Programm. Der Geschäftsführer Ulrich Schuchardt führte die Gruppe gerne durch die Technikräume und erklärte die Bemühungen Energie und damit auch Geld einzusparen. Schon vor längerem hatte man in dem Verbrauchermarkt auf einheitliche LED-Beleuchtung umgestellt. Die Lüftungsanlage wurde mit einem CO2-Sensor ausgestattet.        Früher lief diese Anlage 12 Stunden am Tag und verursachte im Jahr Stromkosten von über 36.000 Euro, jetzt ist die Lüftung nur noch, bei Bedarf, durchschnittlich drei bis vier Stunden pro Woche im Einsatz. Im Herbst soll die gesamte Gewerbekälte erneuert werden. Mit einer Investition von rund zwei Millionen Euro sollen dadurch die Energiekosten halbiert werden. Schon heute versucht man mit den Wärmeverlusten der Kühlanlagen Teile des Marktes und die Büros zu heizen.
        Neben der Technik erfuhren die Schüler allerhand Wissenswertes rund um den größten Reeser Supermarkt. 130 Mitarbeiter, umgerechnet sind das 90 Vollzeitkräfte, erwirtschaften täglich einen Umsatz zwischen 60.000 und 280.000 Euro. Das Gehalt eines Verkäufers im letzten Berufsjahr bezifferte Schuchardt auf 2.600 Euro brutto, ein Teamleiter erhält für seine anspruchsvollere Tätigkeit 3.800 € im Monat. Der Warenbestand liegt bei rund 3,5 Millionen Euro. Und jeden Monat werden vier bis zwölf Ladendiebe erwischt, die den Warenbestand - ohne zu zahlen - verringern wollen. Egal ob Schüler, Staatsanwälte oder Polizisten, bei Ladendiebstahl kennt der Geschäftsleiter kein Pardon. Im nächsten Jahr geht Schuchardt in den Ruhestand. Ein Projekt möchte er bis dahin aber noch abschließen. Auf dem Nachbargrundstück soll eine große Wildblumenwiese entstehen.
       Während die Schüler von Ulrich Schuchardt noch an die „Heiße Theke“ zu einem Imbiss eingeladen wurden, zog der Lehrer Hans Grohn ein Resümee zu dem zweiten Techniktag des Wirtschaftsforums: „Ich finde es ganz wichtig, dass die Schüler heute einen Einblick hinter die Kulissen erhalten haben, gerade auch in Richtung Berufswahl. Die Jugendlichen sollten dadurch sensibilisiert werden auch mal einen Handwerksberuf zu ergreifen.“ Grohn aber auch Schuchardt lobten den Einsatz von Ulrich Biermann, der die gesamte Veranstaltung ins Leben gerufen und geplant hatte und den ganzen Tag für ausführliche Erklärungen zur Verfügung stand.

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