Es ging hoch her in Rees

Mit Hilfe von Schilder verliehen die Mitglieder der Bürgerinitiativen ihrer Meinung Ausdruck.
(Foto: Dirk Kleinwegen)
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  • Mit Hilfe von Schilder verliehen die Mitglieder der Bürgerinitiativen ihrer Meinung Ausdruck.
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WDR 5 berichtete live aus dem Reeser Bürgerhaus über die "Reeser Welle"

WDR 5 diskutierte live im Reeser Bürgerhaus zu dem Thema „Bauboom braucht Kies: Wie viele Baggerseen kommen noch?“ Die Moderatoren Thomas Koch und Ludger Kazmierczak sprachen, während der 55-minütigen Livesendung, mit vier Fachleute und zahlreichen Reeser Bürgern über die „Reeser Welle“.

Rund 320 Reeser und Interessierte aus den Nachbarstädten waren ins Reeser Bürgerhaus gekommen um sich anzuhören, was die Experten Dr. Manfred Dümmer (Bürgerinitiative "Zukunft Esserden"), Hans Hugo Papen (CDU/Regionalrat Düsseldorf, Christian Strunk (Hülskens Holding) und Josef Tumbrink (BUND) über die Auskiesungspläne zu sagen haben. Einige von ihnen nutzten die Gelegenheit ihre Meinung in die Diskussion einzubringen.

Ludger Kazmierczak, Leiter des WDR-Regionalbüros stellte fest, dass sich im Publikum wohl zwei Lager gebildet hätten, auf der einen Seite die Mitglieder der Bürgerinitiativen „Zukunft Esserden“ und „Eden“, die alle mit großen Schildern „Keine weiteren Baggerlöcher“ ihrer Meinung Nachdruck verliehen und auf der anderen Seite Mitarbeiter der Kiesindustrie, die mit Bussen angereist waren.

Direkt zu Beginn kam ein Esserdener Ehepaar zu Wort. Die beiden befürchteten, dass bei Hochwasser Wasser in den Keller eindringt. Die Deichsicherheit wäre nicht gegeben, das Grundwasser könne nicht mehr abfließen und bei einem Deichbruch hätte man Angst ums eigene Überleben.

Auf der Seite der Befürworter kam Wolfgang Spittka, Prokurist bei der Firma Hülskens zu Wort. Er hielt die Pläne für verantwortbar und möchte sachlich und fair über Einwendungen oder Ängste mit den betroffenen Bürgern sprechen. Per Einspieler wurde auf den großen Wirtschaftsfaktor der Kiesindustrie hingewiesen. Zehn Millionen Tonnen Kies und Sand werden im Kreis Kleve und Wesel im Jahr gefördert, der Jahresumsatz beträgt in diesem Bereich 75 Millionen Euro. 5.000 Menschen sind hier direkt oder nachgelagert von der Sand- und Kieswirtschaft abhängig.

Dr. Leo Rehm hielt dem entgegen, dass pro ausgekiestem Hektar 24 direkte und indirekte Arbeitsplätze in der Landwirtschaft für immer vernichtet werden. Seinen Wortbetrag beendete der Zahnarzt mit der Aussage, dass die Baggerseen als Landschaftsabfall am Niederrhein verbleiben.

Da war Christian Strunk komplett anderer Meinung. Für ihn gehört gerade das Wasser zum Niederrhein. Mit den Wasserflächen könnten beliebte Gebiete für erholungssuchende Gäste bzw. Einheimische geschaffen werden. Als früherer Bürgermeister von Xanten verwies er auf die dortigen Nord- und Südsee. Auch die Schaffung der Naturschutz- und Vogelschutzgebiete wollte Strunk gerne der Schaffung von Wasserflächen zuschreiben.

Josef Tumbrink vom Naturschutzbund NRW sah das natürlich anders: „Die Wildgänse brauchen Wiesen um sich zu ernähren und nicht die Baggerseen.“

Es wurden zwei Ansätze diskutiert um den Bedarf an Kies und Sand zu reduzieren. Zu einem sollte beim Bau wesentlich mehr Recycling-Material verwendet werden. Hier machte Hans Hugo Papen deutlich, dass die Verwendung von wiederverwendeten Materialien noch mit viel zu vielen Genehmigungen und Nachweisen verbunden ist. Aber das Recycling würde berücksichtigt und Flächen dadurch reduziert. Laut Christian Strunk läge die Recycling-Quote bereits bei 90 %, da wäre wenig Reserve.

Auch beim zweiten Ansatz war Strunks Aussage gefragt, nämlich wie viel Kies und Sand ins Ausland exportiert wird. Doch hier konnte oder wollte er sich nicht äußern. Im Vorfeld hatte Rüdiger Hellmich aus Emmerich von 7.000 LKW pro Tag, die in die Niederlande und nach Belgien exportiert werden, gesprochen. Ute Sickelmann von den Grünen, verwies auf ein zehn Jahre altes Gutachten, nachdem ein Drittel, der in den Kreisen Kleve und Wesel geförderten Mengen, in den Export geht. Um die Gefährdungslage durch die Auskiesung vernünftig beurteilen zu können ist laut Hydro-Geologe Manfred Dümmer ein zusammenhängendes kombiniertes Grundwasser-Oberflächenwasser-Niederschlags-Abflussmodell erforderlich. Nur dann können Eingriffe in das System letztlich beurteilt werden.

Mit dem - laut Moderator Thomas Koch - blöden Kalauer „Die Positionen sind zementiert!“ wurde die Sendung im Reeser Bürgerhaus beendet. Die Diskussion in Rees endet damit bestimmt nicht, das Thema wird uns noch eine lange Zeit begleiten.

Autor:

Dirk Kleinwegen aus Rees

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