Großer Ärger über den Stau

Ärgernis für jeden Autofahrer: Stau (Symbolbild)
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Emeldin sitzt jeden Tag vier Stunden im Bus

Größtes Ärgernis zurzeit ist die Baumaßnahme an der B67 in Rees. Kaum einer, der nicht über die verstopften Straßen und dem Stau auf der Rheinbrücke schimpft. Einer, der besonders unter den langen Staus zu leiden hat, ist Emeldin Berisha.

Der Junge aus Rees-Empel ist Autist und besucht die Schule „Haus Freudenberg“ in Kleve. Durch die Baustellen auf der B67 ist er seit Wochen jeden Tag vier Stunden im Bus unterwegs. Obwohl für ihn als Autist geordnete Tagesabläufe unverzichtbar sind, kommt er jeden Tag verspätet zur Schule. „Täglich fallen wichtige Therapie- und Unterrichtseinheiten aus. Emeldin wurde in den letzten Tagen im aggressiver, wenn er aus dem Bus kam“, erklärte Pflegemutter Daniela Schlutz.
     Daniela und Oliver Schlutz hatten mehrfach versucht - über die Schule, über das Busunternehmen und über den Kreis Kleve - für Abhilfe zu sorgen. Da der Bus von und nach Kleve zusätzlich auch Kinder in Haffen befördert, könnte ein zweiter Bus Fahrtstrecke und somit Fahrtzeit einsparen. Vor längerer Zeit wurde der zweite Bus eingestellt, aus Kostengründen vermutet Daniela Schlutz. Ein weiterer Vorschlag der Pflegeeltern war, die Kinder eine halbe Stunde früher in Rees abzuholen zu lassen. Das wurde bisher genauso wenig umgesetzt wie der zweite Bus. Die Eheleute Schlutz erhielten vom Kreis Kleve nur die Mitteilung, dass keine alternative Route möglich wären.
     Auf Anfrage teilte Ruth Keuken, Presssprecherin des Kreises Kleve, jedoch mit: „Die Angelegenheit wurde von hier geprüft und nach entsprechenden Lösungen gesucht (z.B. Einsatz eines zweiten Busses zur Fahrstrecken- und damit Fahrzeitverkürzung). Zwischenzeitlich hat sich jedoch die Verkehrssituation an der Reeser Rheinbrücke beruhigt, somit sind die von hier zur Verbesserung der Situation angedachten Maßnahmen nicht mehr erforderlich.“
     Dietmar Giesen, Projektleiter bei Straßen NRW bestätigte, dass sich die Situation mittlerweile entspannt hat: „Das Schlimmste ist geschafft, es wurde Vollgas gegeben und wir hatten Glück mit dem Wetter. Der Bauabschnitt direkt an der Rheinbrücke wurde zwei bis drei Tage vor dem Zeitplan fertig.“ Die Verkehrsführung wurde im Vorfeld mit Feuerwehr, Polizei, Ordnungsämtern, dem Kreis Kleve und der Bezirksregierung abgestimmt. Daher war den Beteiligten schnell klar, dass die 4,2 Millionen teure Baumaßnahme für erhebliche Verkehrsprobleme sorgen wird. Doch Giesen warb für Verständnis, denn auf der anderen Seite sorgt die Erneuerung der Verschleißschichten der B67 zukünftig für einen guten Zustand der Straße.
     In den letzten Wochen wurde viel über die angebliche falsche Ampelschaltung diskutiert. Die Autos in Richtung Bocholt mussten teilweise über eine Stunde warten, während in der Gegenrichtung nur fünf Minuten im Stau verbracht werden musste. Doch es war erforderlich die Richtung Kalkar zu bevorzugen, sonst hätte der Stau den Kreisverkehr und damit die komplette Stadt lahmgelegt. Auch die Vorrangschaltung für Einsatzfahrzeuge und das Fehlverhalten von einigen Verkehrsteilnehmern sorgte oft für erhebliche Wartezeiten.
     In den sozialen Medien beschwerten sich auch viele, dass zu wenig Arbeiter an den Baustellen im Einsatz waren. Doch laut Dietmar Giesen kommt es heutzutage im Straßenbau nicht mehr auf Manpower – Arbeiter mit Schüppe, sondern auf Großgeräteeinsatz an. Genauso wenig ist es möglich die Baumaßnahme alleine in den Sommerferien abzuwickeln. Abgesehen vom Zeitfaktor wollen auch die Beschäftigten der Bauunternehmen in den Sommerferien in Urlaub fahren. Dort wird in dieser Zeit nur mit halber Belegschaft gearbeitet. Eine Durchführung nur innerhalb der Sommerferien würde dadurch die Kosten der Baumaßnahme verdreifachen.
     Da ein Großteil der Arbeiten bis nach den Herbstferien abgeschlossen sein sollen, kommt Emeldin dann hoffentlich wieder pünktlich in seine Schule.
     Für seine Pflegeeltern ist das jedoch nur ein schwacher Trost. Da weiterhin nur ein Bus die Kinder überall in Rees einsammelt, wird spätestens bei schlechterer Witterung im Winter, wieder mit erheblich längeren Busfahrtzeiten zu rechnen sein. Um das zu ändern, haben die Eheleute Schlutz mittlerweile einen Rechtsanwalt eingeschaltet.
     Zurzeit werden wieder zwei Bauabschnitte begonnen. Zu einem wird die B67 zwischen Grüttweg und L7 (Emmericher Straße) saniert. Dort wird die Fahrbahn in Richtung Rheinbrücke zur Einbahnstraße. Richtung Bocholt wird der Verkehr über die innerörtlichen Straße Grüttweg, Emmericher Straße, L7 und B67 umgeleitet. Die Arbeiten dauern bis zum 29. Oktober. Parallel dazu beginnt ein weiterer Bauabschnitt zwischen Kreisverkehr L7/Emmericher Straße und Schwarzer Weg. Die B67 wird dazu einseitig in Richtung Autobahn gesperrt. Der Verkehr zur A3 in Richtung Oberhausen oder Arnheim wird über die L7 (frühere B8) in beide Richtungen umgeleitet.

Dirk Kleinwegen / Stadtanzeiger Emmerich-Rees-Isselburg

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