Im Interview: Christoph Gerwers

Anstatt Büro - Christoph Gerwers (r.) verlegte das Interview an den Rhein auf die Fähre „Rääße Pöntje.
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Der Reeser Bürgermeister stand dem Stadtanzeiger Rede und Antwort

Für das Sommerinterview wählte der Bürgermeister einen besonderen Platz aus, die Reeser Rheinpromenade mit ihrer Reeser Rheinfähre. Bei strahlendem Sonnenschein nahm er zu aktuellen Themen Stellung.

Stadtanzeiger: Herr Gerwers, wie haben Sie Ihren Urlaub verbracht?
Christoph Gerwers: Wir waren in der Toskana, in der Nähe von Florenz. Es war sehr schön und ebenso heiß wie hier. Wir hatten vor, regelmäßig laufen zu gehen, aber bei den Temperaturen ist es dann bei zweimal geblieben. Und wir haben zweimal Tennis gespielt, aber das war fast schon gesundheitsgefährdend.

Rund 500 Freibäder wurden in Deutschland seit der Jahrtausendwende geschlossen. Besonders während der lang anhaltenden Hitzeperiode haben die Reeser ihr Freibad vermisst. Wie groß ist die Chance, dass Rees wieder ein Freibad erhält?
Ich bin davon überzeugt, nach wie vor gut. Wir haben zwar noch keine abschließende Entscheidung getroffen, ob das Freibad gebaut wird oder nicht. Das liegt daran, dass wir noch auf eine Entscheidung der Finanzbehörden in Sachen steuerlichen Querverbund warten. Wenn die Entscheidung dann aber vorliegt, werden wir zügig in die politische Beratung einsteigen. Jeder, der mit dem Thema zu tun hat, wünscht sich ein Freibad. Aber entscheidend ist die Frage, ob wir uns ein Freibad leisten können und dann am Ende auch leisten wollen. Über diese Frage wird dann der Rat der Stadt Rees entscheiden. Rat und Verwaltung haben aber in jedem Fall mitbekommen, dass der Wunsch in der Bevölkerung sehr groß ist, dass das Freibad gebaut wird. Bei der Entscheidung für oder gegen ein Freibad, wird dieser Wunsch sicher eine große Rolle spielen. Das Freibad haben wir ja auch nicht einfach so geschlossen, sondern weil wir die Auflage bekommen haben, in die Technik zu investieren. Um das alte Freibad notdürftig, für zwei oder drei Jahre, weiter betreiben zu dürfen, haben wir Kosten in Höhe von 150.000 Euro ermittelt. Von daher war es eigentlich die einzig richtige Entscheidung, das Bad erst einmal zu schließen, gleichzeitig aber in die Planung für ein neues Bad einzusteigen, um dann endgültig über den Neubau eines Freibads zu entscheiden. Es ist auch nicht richtig, dass uns durch den heißen Sommer, in diesem Jahr ein großer Gewinn entgangen wäre. Der Betrieb eines Freibades in Rees fährt ein sechsstelliges Defizit ein. Wenn mehr Leute kommen, haben wir zwar höhere Einnahmen, aber auch entsprechend höhere Ausgaben. Auch wenn man es vielleicht nicht gerne hören mag, aber im Grunde sparen wir im Moment dadurch, dass das Freibad nicht betrieben wird, erhebliche Mittel ein. Und dieses Geld legen wir auch wieder für den Bau eines neuen Freibades zurück.

In Rees haben sich Vereine und viele Privatpersonen gegen die Pläne der Kiesindustrie gestellt. Wie stehen Sie zum Thema Reeser Welle und wie sehen die Chancen der Kiesindustrie aus, die 95 Hektar große Ausgrabung umzusetzen?
Zunächst einmal sind wir gegen jede weitere Abgrabung. Da gibt es einen klaren Ratsbeschluss, der ist fraktionsübergreifend und den tragen alle Parteien mit. Wir haben in Rees bereits sehr viele Wasserflächen, die durch Abgrabungen entstanden sind. Wir sind der Meinung, dass diese Flächen ausreichend sind. Am Ende muss darüber jedoch die Genehmigungsbehörde, also der Kreis Kleve, entscheiden. Wir werden als Stadt dazu gehört und haben unsere Einwendungen auch schon vorgetragen. Parallel dazu müssen jetzt die Firmen Hülskens und Holemans ihre Planungen anpassen, weil wir die beiden Wegeflächen, die sich im städtischen Eigentum befinden, nicht zur Verfügung stellen. Die neuen Pläne werden nach meiner Einschätzung Anfang des nächsten Jahres erörtert werden. Wir werden in der Erörterung dann erneut unsere Position vortragen. Wenn die notwendigen Voraussetzungen erfüllt sind, dann muss der Kreis Kleve aber genehmigen. Kommt ein Planfeststellungsbeschluss, müssen wir prüfen, ob dieser Beschluss rechtmäßig ist.

Das Bauvorhaben der alten Grundschule ist in der letzten Zeit kontrovers diskutiert worden. Wie geht es dort weiter?
Wir führen zurzeit Gespräche mit der Initiative Waldorfschule, die überlegt, den Bereich, der nach unseren Vorstellungen abgerissen werden soll, anzumieten. Die Waldorf-Initiative prüft zurzeit, ob das Areal wirklich für sie so geeignet ist. Es sollte auf jeden Fall nur eine Zwischenlösung sein, da die Waldorf-Initiative nach ihren Vorstellungen wesentlich mehr Außenfläche benötigt und als Standort auch eine Lage außerhalb der Stadt bevorzugt. Ist die Entscheidung der Initiative getroffen, werden wir unser Konzept im Rat diskutieren. Dazu müssen wir aber auch nochmal mit den Stadtwerken, der VHS und den Haldern Strings sprechen, ob die jetzt angedachte Lösung den Bedarfen entspricht. Davon losgelöst ist das Thema Turnhalle zu sehen. Dort ist derzeit eine eingeschränkte sportliche Nutzung möglich. Es ist eine sehr schöne Halle mit Flair und Atmosphäre, aber sie genügt den heutigen Voraussetzungen nicht mehr. Aber wenn es eine sinnvolle Nutzung gibt und auch jemand die Finanzierung dafür übernimmt, muss man sich darüber unterhalten, was möglich ist. Vielleicht möchte aber auch die Waldorf-Initiative die Turnhalle für die geplanten drei Jahre nutzen. Wie sich das Areal an der alten Grundschule entwickelt, ist also von mehreren Entscheidungen abhängig, die in nächster Zeit getroffen werden.

Wie sieht die Entwicklung am NIAG- und Postgelände aus?
Wir sind dabei, mit den beiden Akteuren, einmal mit dem Eigentümer des Postgeländes und auf der anderen Seite mit der Firma Hüls, das Projekt weiter zu entwickeln. Auf dem Gelände werden derzeit Bodenuntersuchungen durchgeführt, um einerseits Altlasten ausfindig zu machen und andererseits die Frage zu beantworten, wie die die neuen Gebäude statisch aufgebaut werden müssen. Erst im Anschluss können wir mit unserem Planverfahren weitermachen und Bebauungs- und Flächennutzungsplan entsprechend ändern. Wir hoffen, dass es im nächsten Jahr dann auch mit Abriss und Neubau losgeht.

Wie ist der aktuelle Stand beim Krematorium?
Da gibt es eigentlich keine Neuigkeiten. Außer, dass wir jetzt, aufgrund eines weiteren Bewerbers, europaweit ausgeschrieben haben. Jetzt warten wir auf entsprechende Bewerbungen. Nach der Auswertung werden wir eine Entscheidung treffen, wer den Zuschlag erhält und dann hoffe ich, dass es auch dort vorangeht.

Das Krematorium soll neben dem Freibad errichtet werden. Passt das denn überhaupt zusammen?
Warum nicht? Das Krematorium wird mit moderner Filtertechnik ausgestattet sein. Die Besucher des Krematoriums verabschieden sich im Inneren des Gebäudes von ihren Verstorbenen und können dort ungestört Anteil nehmen. Bäume sowie Hecken und Sträucher werden dafür sorgen, dass es keine Sichtbeziehung zwischen Freibad und Krematorium geben wird. Wenn man dann noch bedenkt, dass der Tod zum Leben gehört und sich auch unsere Friedhöfe in zentralen Ortslagen befinden, schließt sich die unmittelbare Nachbarschaft von Freibad und Krematorium doch überhaupt nicht aus.

Autor:

Dirk Kleinwegen aus Rees

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