Kommentar
Betrachtung einer weltweiten Antirassismus-Welle, ausgelöst durch Chauvin gegen Floyd

Derek Chauvin und George Floyd, zwei Amerikaner, die ich niemals persönlich kennen gelernt habe. Derek Chauvin, langjähriger Polizist, oftmals zuvor bereits mit Vorwürfen der Gewalttätigkeit konfrontiert, und George Floyd, der in Verdacht steht, einen gefälschten 20-Dollar-Schein in Umlauf gebracht zu haben. Chauvin und drei seiner Kollegen stellen George Floyd auf offener Straße, behandeln in absolut unverhältnismäßig. Chauvin hält Floyd, der verlautbarungsgemäß bereits Handschellen angelegt bekommen hat, mit dem auf dessen Hals gestemmten Knie am Boden - acht Minuten und 46 Sekunden lang, bis er trotz flehender Worte und protestierender Worte von Passanten ohnmächtig wird und kurz darauf verstirbt.

Ein kaltblütiger Mord? Ich weiß nicht. Dennoch: Die gezeigte Unverhältnismäßigkeit, gepaart mit menschenverachtender Machtdemonstration, nahm den Tod Floyds in Kauf. Derek Chauvin muss zur Rechenschaft gezogen werden. So weit, so ungut.

In den USA und inzwischen in der ganzen Welt hat der Tod von George Floyd eine unvermittelte gewaltige Protestwelle ausgelöst. Warum? Chauvin ist Weißer, Floyd war Schwarzer. Der Vorfall hat in den USA ein Fass zum Überlaufen gebracht und eine klaffende Wunde der amerikanischen Gesellschaft und Geschichte offengelegt und mal wieder ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit gebracht, die mit der Sklavenhaltung geschlagen, zwischenzeitlich ein wenig behandelt wurde, aber bis heute immer noch nicht zum Blutstillstand gekommen ist: Rassismus. Und dann noch der unsägliche amerikanische Präsident, der mit seinem Handeln und Nichthandeln seinem Land einen Bärendienst erweist. Aber womöglich ist dieser Präsident mit seiner Polarisierung geschichtlich notwendig, die USA nachhaltig neu aufzustellen im Sinne einer Gesellschaft, in der Rassismus endlich allenfalls ein Nischendasein fristet.

Und in Deutschland, wo in diesen Tagen viele Menschen gegen Rassismus auf die Straße gehen, wo George Floyd das politische Leben wieder auf die Straße bringt, wenn man mal von den mehr als zweifelhaften Hygienedemos absieht, die sich aber in Luft aufzulösen scheinen - was wird da bezweckt? Solidarität mit den in den USA unter Rassismus leidenden Menschen? Prima! Das stärkt das Selbstbewusstsein der betroffenen Amerikaner. Martin Luther King dürfte sich posthum freuen, dass die Welt mit dafür einsteht, dass der amerikanische Schuldschein endlich eingelöst wird. Wenn zugleich gegen hiesigen Rassismus eingetreten wird, ist das ebenso gut zu heißen. Wenn aber der Protest in Deutschland dem Zwecke dient, unsere Polizei kollateral mit an den Pranger zu stellen oder unseren Staat anzugreifen, so hat das mehr als ein Geschmäckle. Wer allgemein gegen Polizeigewalt vorgeht, sollte sich fragen, wem ansonsten die dem Recht entsprechende Gewalt denn zugesprochen werden soll. Dabei muss die Polizeiarbeit selbstverständlich stets auf den Prüfstand gestellt werden, insbesondere, was Racial Profiling angeht.

Autor:

Helmut Feldhaus aus Rheinberg

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