Mensch und Technik
Ich bin im Netz, also bin ich - der Mensch, auf dem Weg zum digitalen Wesen?

Menschen bestehen bekanntlich aus Fleisch und Blut. Sie sind Individuen und zugleich soziale Wesen. Menschen ringen miteinander, Menschen sprechen miteinander, Menschen berühren sich, Menschen umarmen sich, Menschen stoßen sich ab. Menschsein und menschliches Aufeinandertreffen haben wesentlich etwas Körperliches. Seit Ardi und Lucy war das so über viele Jahrtausende bis ins 20.Jahrhundert hinein.

Doch jetzt deutet sich, nicht zuletzt befördert durch Corona, eine Virtualität der menschlichen Existenz und Begegnung an, eine Kommunikation auf digitaler Ebene, auch wenn auf physische Begegnungen oftmals nicht ganz verzichtet werden kann. Menschen werden fast nur noch auf dem Display, als Fernsehbild, als niedergeschriebenes Wort im Internet wahrgenommen. Frei nach Rene Descartes: Ich bin im Netz, also bin ich. Dabei sagte er damals noch: Cogito, ergo sum - ich denke, also bin ich.

Die Tendenz dürfte aber klar sein: Nicht soziale Distanz, ohnehin trotz Propagierung in letzter Zeit ein Märchen, sondern physische Distanz, wie es besser heißen sollte, ist die Devise - und als Ersatz die digital-soziale Nähe. Das scheint das Motto der Zeit. Das Körperliche, insbesondere dessen Anwesenheit, verliert an Bedeutung. Und was berufliche bzw. geschäftliche Kontakte betrifft, ist das wohl auch vernünftig. Wenn es aber um Menschen geht, die uns wichtig sind oder sein könnten, wobei sie uns noch nicht einmal am Herzen liegen müssen, so brauchen wir doch die körperliche Annäherung. Evolutionsmäßig haben wir doch nicht innerhalb weniger Jahrzehnte einen Quantensprung zum digitalen Menschen gemacht, der nur noch im engsten Umfeld unvermeidlicherweise physisch in Erscheinung tritt. 

Und auch, wenn uns die Digitalisierung eingeimpft werden könnte und wir bereit wären, weitgehend in einer digitalen Existenz zu leben, so frage ich mich, was von uns übrig bliebe, wenn jemand den Stecker zöge. Wie hilflos blieben wir zurück.

Der Mensch steht an einem Scheideweg: Hält er die Fahne seines Menschseins hoch oder ergibt er sich in ein digitales Dasein?

Autor:

Helmut Feldhaus aus Rheinberg

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