Ein Gespräch mit Kai-Uwe über die Corona-Strategie
Kai-Uwe setzt auf gesteuerte Herdenimmunisierung

Diese Tage besuchte mich mal wieder mein Freund Kai-Uwe, das ist der, der bekanntlich zuweilen ziemlich schräge Gedanken im Gepäck hat. Bei mehreren Tassen Kaffee - er schwarz, ich mit Milch und Zucker - kamen wir, wie kann es auch anders sein in der heutigen seltsamen Zeit, ins Gespräch über die Coronakrise, besser gesagt über die Strategie im Umgang mit dem Virus. Das gesamte Gespräch hier wiederzugeben, würde zu weit führen. Deshalb hier ein Zusammenfassung Kai-Uwes Gedanken.

Zunächst einmal vermisst Kai-Uwe eine Strategie, die auf ein langfristiges Ziel hin orientiert ist. Nach seiner Meinung wird zu sehr auf Sicht gefahren, ohne sich klar darüber zu werden, wohin man will. Abflachen der Infektionskurve, keine Überbelastung des Gesundheitswesens seien untergeordnete Ziele, bei deren Erreichung das Coronavirus doch nicht besiegt sei.

Kai Uwes Zielvorstellung: 
Es darf nur noch im Einzelfall vorkommen, dass Menschen unter maßgeblicher Mitwirkung von Covid-19 sterben. Dafür brauchen wir wirksame Medikamente gegen schwere Covid-19-Krankheitsverläufe. Haben wir aber noch nicht. Deshalb muss auf eine weitgehende Herdenimmunität hingearbeitet werden. Die kann auf zweierlei Wegen erreicht werden:

1. Wir haben wirksame Impfstoffe, die zur Immunabwehr führen. Haben wir aber auch noch nicht.

2. Die Herdenimmunität muss über den Weg von Infektion und Genesung, über den Weg der so genannten Durchseuchung erreicht werden.

Würde man die Infektionswege grundsätzlich nicht verstellen, käme es allerdings zu Todeszahlen ungeahnten Ausmaßes. Das geht nicht.

Bei welchen Menschen ist die Gefahr hoch, bei welchen niedrig, an Covid-19 zu versterben? Statistiken besagen, dass die bisherigen Toten hauptsächlich aus der Gruppe der älteren Menschen und/oder aus der Gruppe der Menschen mit erheblichen Vorerkrankungen stammen. Die meisten stammen anscheinend aus der Schnittmenge dieser beiden Gruppen. Gesunde und jüngere infizierte Menschen genesen zumeist ohne große Probleme und sind nach bisherigem Erkenntnisstand immun gegen SARS-CoV-2 und somit auch Covid-19.

Zurzeit versucht man, sämtliche Infektionswege weitgehend zu unterbrechen und die Infektionskurve einzudämmen, was natürlich die Risikogruppen schützt, jedoch überhaupt nicht zur Herdenimmunität führt. Möglichst schnell den Reproduktionsfaktor dauerhaft unter 1 drücken und zugleich Herdenimmunität erreichen, das ist in sich widersprüchlich. Wer hofft, durch Minimierung der Ansteckungsquote das Virus ganz auszurotten, der dürfte völlig unrealistisch denken. Eine Rückkehr in die Normalität könnte schnell zu Deja-vu-Erlebnissen führen. Jedenfalls ist zu befürchten, dass uns die Coronakrise bei der jetzigen Vorgehensweise noch Jahre erhalten bleiben und ein sukzessive angehäuftes Leichenfeld und einen wirtschaftlichen Trümmerhaufen zurücklassen wird.

Deshalb muss die Strategie geändert werden: Rasche Immunisierung aller jungen und vorerkrankungsfreien Menschen, die währenddessen ein Leben und Arbeiten wie vor Corona führen, und rigoroser Infektionsschutz für die Risikogruppen mit allen Unterstützungskapazitäten, die dem Staat und der Gesellschaft zur Verfügung stehen. So könnte es in einem überschaubaren Zeitraum zur Herdenimmunität kommen, die wiederum dem Schutz der Risikogruppen zugute kommt, die nach diesem Zeitraum wieder ins normale Leben zurückkehren können.
Diese Strategie mit zwei verschiedenen Ansätzen birgt natürlich harte Einschränkungen in sich.
Aber sind die Alternativen weniger hart, fragt Kai-Uwe.

Am besten wäre es natürlich, so stellt Kai-Uwe abschließend fest, wenn möglichst schnell Impfstoffe und Medikamente zur Verfügung ständen. Dadurch könnte das Schreckgespenst Corona schnell vertrieben werden. Deshalb müsse gerade jetzt viel Geld und Expertise in die medizinische Forschung gesteckt werden.    

Ja, soweit die Gedankengänge meines Freundes Kai-Uwe. Mal wieder schräg wie meistens. Nachdenklich machen sie mich allemal. Ich jedenfalls bin hin- und hergerissen. Als ich ihn bei unserer Verabschiedung fragte, ob er seinen Strategieansatz auch vertreten würde, wenn er in politischer Verantwortung stände, sagte er nur: "Ich bin heilfroh, dass ich da keine Entscheidungen zu treffen habe." So ist er, mein Freund Kai-Uwe.

Autor:

Helmut Feldhaus aus Rheinberg

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