Gedanken über die Rolle der Religionen
Religionen im Fadenkreuz der Menschheitsentwicklung

Wirst du in einem umfangreichen homogen christlichen Umfeld erzogen, wird die christliche Religion im Mittelpunkt deines Lebens stehen. Das Gleiche gilt für den Islam, das Judentum, den Buddhismus, den Hinduismus und kleinere Religionen. Unser Glaube hängt anscheinend von unserer Erziehung, unserer Sozialisierung und dem Druck unserer religiösen Gruppe ab, nicht von Erkenntnissen. Wir folgen der religiösen Gruppe, solange sie stark genug nach außen und nach innen ist und keine Alternativen zulässt. Die Religion wird zu einem Teil unsereins.

Das Christentum, obgleich quantitativ immer noch stark, bekommt im Bewusstsein der Menschen immer mehr Risse. Die anderen Religionen sind in vielen Gebieten der Erde noch geschlossener als das Christentum. Der Islam wird oftmals zur wehrhaften Staatsreligion erhoben, so wie es in früheren Jahrhunderten fürs Christentum Normalität war. Die Globalisierung und die Migrationsbewegungen könnten zur Bedrohung für den Islam werden. Die jüdische Religion gibt sich trotz der Zerstreuung der Juden über die ganze Welt (Diaspora) durch ein Gefühl der Volkszugehörigkeit überlebensfähig. Die ungläubige Bevölkerung wird unterdessen immer größer. Es handelt sich dabei zum großen Teil nicht um Heiden, die zum rechten Glauben bekehrt werden müssen, sondern um Menschen, die sich vom Glauben abgewandt haben, weil er ihnen nicht mehr schlüssig ist.

Seit Beginn der Neuzeit vor einem halben Jahrtausend, seitdem die wissenschaftliche Revolution ins Rollen gekommen ist, wurden keine relevanten neuen Religionen mehr gestiftet oder gegründet. Wir Menschen mussten erkennen, dass vieles bis dahin Unerklärliche erklärbar wurde, dass die Welt sich auch nicht um uns dreht, sondern wir, nicht nur wir Menschen, sondern mit uns die ganze Erde ein Staubkorn im Universum ist. Der Mond ist etwas mehr als eine Lichtsekunde von uns entfernt, die Sonne acht Lichtminuten. Unsere spiralnebelförmige Galaxis, die Milchstraße mit ihren ungezählten Sonnen und ungezählten Planeten, besitzt einen Durchmesser von 100.000 Lichtjahren. Und Galaxien gibt es ungezählte. Mittelpunkt der Welt? Das glaubte man mal. Dieser Glaube wurde durch Wissenschaft widerlegt. Wir Menschen scheinen ein Zufallsprodukt unseres Universums zu sein.

Als vor dieser Neuzeit die relevanten und immer noch virulenten Religionen entstanden, befanden sich die Menschen im verzweifelten Zustand der Unkenntnis. Die Menschen erschufen sich ihre Gottheiten, Autoritäten, in deren Hände sie ihre Hilflosigkeit legen konnten. Unerklärliches wurde ihnen vertrauensvoll anheimgegeben, darüber hinaus wurden aus diesen Gottheiten moralische Instanzen gemeißelt, die den Menschen zur Richtschnur ihres Handelns wurden.

Religionen haben seit ihrem Bestehen zwei Gesichter gezeigt, besonders das Christentum und der Islam. Sie leiteten die Menschen an, wie sie zu handeln hatten und haben damit viel Gutes bewirkt, sie zeigten sich aber auch aggressiv allen gegenüber, die anderer Religion oder gar völlig ungläubig waren. Im Islam findet sich dieses aggressive Gesicht immer noch (IS-Gedankengut), wenn auch alles andere als mehrheitlich, im Christentum hat es sich überlebt. Von den drei Buchreligionen war die jüdische Religion als einzige stets friedlich. Niemand braucht etwas von Juden befürchten. Umso absurder der immer noch bestehende Antisemitismus.

Hätten wir beim aktuellen Stand des Wissens und Könnens keine Kenntnis von der Geschichte der Menschheit, würden sich dann überhaupt Religionen entwickeln, wäre die menschliche Vernunft stark genug, die Menschen zu einem friedlichen Zusammenleben anzuhalten? Das ist natürlich ein Gedankenexperiment. 

Ich gebe hier kein Plädoyer gegen Religionen ab, denn Religionen bewirken, wie ich schon erwähnte, viel Gutes, ich versuche nur, nachdenklich zu machen. In unserer modernen Welt wirken Religionen mitunter anachronistisch, aber wenn sie nur ihr menschenfreundliches Antlitz zeigen, sind sie eine Bereicherung, völlig unabhängig davon, ob es eine Gottheit gibt, mag sie nun Gott, Allah oder Jahwe genannt werden.

Autor:

Helmut Feldhaus aus Rheinberg

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