Manche Vergleiche hinken ...
Wenn Donald Duck und Darth Vader zusammen mit Sheldon Cooper einen Kaffee trinken ...

Auf den ersten Blick mag es dem Einen oder Anderen lustig erscheinen: Da steht auf dem Zettel im Café, Donald Duck als Person 1, natürlich aus Entenhausen, ist heute Nachmittag zum Kaffeetrinken vor Ort gewesen. Die Bedienung erinnert sich gar nicht an die große schnatternde Ente. Auch nicht an einen großen, schwarzgewandeten Hünen, der seltsame Atemgeräusche dauernd gemacht hätte. Denn als Person 2 steht doch tatsächlich auf dem Zettel, wäre Darth Vader vom Todesstern, am selben Tisch gesessen. Sheldon Cooper hätte das sicher bemerkt, als er angeblich zwei Tische weiter gesessen hat. Der kennt sich mit Science Fiction und Comic unbedingt aus. Aber auch den Big Bang hat es in dem Eis-Café im Dorf nicht gegeben - denn auch dieser Eintrag ist falsch. Seine Telefonnummer 47 11 scheint auch auf einmal wenig glaubwürdig. 

Dabei ist es nicht wirklich witzig. Einen Knall - also Big-Bang - könnte so ein Verhalten von Café-Besuchern tatsächlich zur Folge haben. Aktuell sind etwa 70% der auszufüllenden Zettel in der Gastronomie in Deutschland falsch ausgefüllt, höre ich in einer Talkshow von Markus Lanz in diesen Tagen. Telefonnummern wie 123456 kommen dabei ebenso häufig zum Einsatz, wie die o.a. Namen aus Kino und Sagenwelt. Nur etwa 30% der Menschen, denen die Freiheit für den Café-Besuch so wichtig ist, dass sie sich an alle Auflagen halten - einschließlich der wahrheitsgemäßen Angabe ihrer Personendaten, füllen die Zettel korrekt aus. Auch ich schreibe nicht "Shaun - das Schlafschaf" auf solch ein Blatt, sondern meinen richtigen Namen. Sonst besteht ja keine Chance für die Gesundheitsämter mich zu kontaktieren, falls ich bei so einem "Hofgang" in Zeiten der durch Corona reduzierten Freiheit, mit dem Covid19-Erreger in Kontakt gekommen bin. 

Aber daran denken diese Leute nicht. Sie denken nur an sich. An ihre eigene Freiheit, die doch aus purem Egoismus nicht aufhören kann, wo die Freiheit von Mitmenschen durch Krankheit und Tod eingeschränkt werden kann. Solche Menschen schreiben heute einen falschen Namen im Café auf den Zettel, denken nicht an Tempolimit auf der Autobahn, bedienen sich in der Firma bei privat benötigten Büroartikeln, gehen nicht zum Elternabend in der Schule ihrer Kinder, und machen sich auch sonst weniger Gedanken um Menschen, denen sie nicht im Spiegelbild zuzwinkern können. 

Diese Menschen, denen der eigene Bauchnabel der Mittelpunkt des Universums scheint, sind dann noch wütend, wenn man sie erwischt. Anders kann ich mir nicht erklären, wenn die aktuellen Regeln zu den Verstößen gegen die Schutzmaßnahmen so sehr als persönlichen Affront gewertet werden. Da schreiben ernsthaft in den sogenannten sozialen Medien AfD-Funktionäre, und -Nahestehende teilen es begeistert, dass "das" doch nur die Quittung wäre, für "die ganzen Asylanten", die mit falschen Personendaten Existenzen in Deutschland erschleichen würden...

Ich persönlich kenne keinen einzigen Menschen, der vor dem Krieg und Elend seiner Heimat geflüchtet ist, dass das aus Spaß und Egoismus geschehen wäre. Die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die ich als Lehrer kennengelernt habe, haben wirklich Elend erlebt, welches ich gleichaltrigen Kindern in Deutschland nicht wünsche. Die Erwachsenen, die aus Kriegsgebieten geflohen sind, die mir persönlich bekannt sind, vermissen ihre Heimat schmerzlich - haben oft auch Angehörige im Bomben- und Kugelhagel sterben sehen. Dagegen scheinen mir die Corona-Einschränkungen wie eine Kur auf Borkum. Deshalb habe ich auch kein Verständnis dafür, wenn derartige Vergleiche herangezogen werden. Ich verachte gleichermaßen Menschen, die für den Krieg überall auf der Welt verantwortlich sind - womöglich gleichzeitig dafür kaum Steuern zahlen, aber auch die Menschen, die es für einen Kavaliersdelikt halten, ohne Maske herumzustolzieren oder einen zweiten Lockdown verursachen könnten, durch absichtliche Falschangaben in den Gastronomiebetrieben in Deutschland. Damit gefährden sie wirtschaftlich gerade die Geschäftsleute, die deshalb auf die Wahrheit angewiesen sind, weil ein zweiter Lockdown manchem die Existenz rauben könnte. 

Wenn ich mir das Missverhältnis anschaue, 70% Falschangaben zu 30% Ehrlichkeit, zeigt das einmal mehr, dass nicht das Virus, sondern die Gesellschaft selbst die Krise ist.

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Autor:

Stephan Leifeld aus Schermbeck

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