Sprache ist ein ganz gemeiner Verräter ...
JEDES LEBEN ZÄHLT

Kommentar von Stephan Leifeld
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Sprache kann manchmal ganz schön "verräterisch" sein. So bin ich immer sehr hellhörig, wenn jemand einen Satz beginnt: "Eigentlich geht mich das zwar nichts an ...". Oder: "Ich will ja nichts sagen...". ... Dann folgt nicht selten eine Aussage, die von der betreffenden Person tatsächlich nicht gesagt hätte werden müssen. ...Wobei "müssen" auch so ein Wort ist, welches uns eben so oft begegnet wie "eigentlich". Vor allem, wenn die Menschen sagen, "man müsste da etwas tun", bedeutet das nicht selten ein paar warme Worte, denen keine Handlung folgt. So zum Beispiel in einem Bereich unser aller Lebens, den wir mit dem Wort "Rassismus" beschreiben, hätte man "eigentlich" seit Jahrzehnten etwas tun "müssen". Haben viele Menschen auch so gesagt... wobei genau hier das Problem auch schon seine Wurzeln haben könnte.

Das Wort RASSISMUS setzt nämlich voraus, dass wir unterschiedliche Menschenrassen hätten. Das stimmt aber nicht. Das ist nur etwas, was uns ideologisch Verblendete vorgaukeln. Tatsächlich sind wir alle eine einzige Art - mit unterschiedlich pigmentierter Haut. ...Ich möchte deshalb ab sofort das Wort auch nicht mehr benutzen, um sprachlich diesen "Rassismus" nicht weiter zu fördern. Ebenso halte ich es mit den "Flüchtlingen", die ich seit Monaten nicht mehr sprachlich verniedliche, weshalb sie für mich nun Kriegsflüchtende sind. Auch die "3. Welt" ist für mich der Teil der Erde, der von den Industrienationen seit Generationen ausgebeutet wird. Die Entwicklungshilfe sehe ich da auch eher als eine Art Gewissensberuhigung, statt als wirkliche Strukturhilfe. 

Aktuell regen sich einige Menschen über die heutige Schlagzeile in der BILD auf. Die Zeitung mit den vier Buchstaben schreibt auf ihrer Titelseite: "George Floyd hatte Corona". In den sozialen Medien wird jetzt lautstark und aggressiv von "Rassismus" in der sogenannten Angst-Hass-Titten-Zeitung gesprochen. ABER: die Schlagzeile der BILD finde ich persönlich garnicht so "blöd" oder irgendwie sensationell. Denn die farbigen Amerikaner sind hauptsächlich von Corona betroffen. DAS hat Gründe - wenngleich das keine Erklärung für den Mord an George Floyd sein kann. Schlimm genug, wenn der ermordete Familienvater auch noch krank gewesen sein soll. Die Zeitung mit den großen Buchstaben ist einfach zu oberflächlich - und womöglich passt sie damit zu ihrer Zielgruppe - um die Hintergründe ordentlich zu berichten. Das war sie aber schon vorher und wird es bleiben, solange sie dafür ihre Zielgruppe findet. 

Tatsächlich sind von der Corona-Pandemie in den USA überproportional mehr schwarze Amerikaner betroffen, als Weiße. Sowohl bei den Ansteckungen, den Todesraten - aber auch bei den "nur" wirtschaftlich betroffenen US-Bürgern. Und genau hier kann die Presse gemeinsam mit sozialen Medien und Politik ernsthaft ansetzen: Beispielsweise in der Frage der Krankenversicherung - besonders für die unteren Einkommensschichten. Die USA zeigt mit den derzeitigen Werten in sämtlichen Bereichen, dass diese Gesellschaft mehr als eine Corona-Krise hat. DIE US-amerikanische Gesellschaft gibt es (eigentlich) nicht mehr. Es ist ein Staatsgebiet - oder ein Gebiet mehrerer Bundesstaaten, um genau zu sein - in dem mehrere Parallel-Gesellschaften existieren. Wie eine Schwalbe keinen Sommer macht, genügt eine Titelseite der New York Times auch nicht, wenn dort Namen von 100.000 Corona-Toten abgedruckt werden. Das Nennen der Namen ist jedoch ein kleiner Trost - wie auch im Falle der durch übertriebene Staatsgewalt verstorbenen Farbigen wirkungsvoll wäre, die Namen zu nennen. Es bleibt aber eine humanitäre Geste, mehr nicht - inmitten von Sprachlosigkeit und Floskeln. 

Nun kann ein Toni Chrupalla von der AfD selbstverständlich - oberflächlich die Situation betrachtend - zu dem Ergebnis kommen, dass die Einwanderungspolitik der USA an diesen parallelen Gesellschaften schuld ist. Solche Aussagen kann man tatsächlich von ihm bei Twitter nachlesen. Es ist auch deutlich, in welche Richtung sein Vortrag zielt, um die Zuwanderung von Asyl-Bewerbern einzudämmen. Der AfD-Politiker (mit dem nicht sehr deutschen Namen) verkennt dabei aber, dass die Indianer zur Zeit der großen Einwanderungswellen nicht über eine gesellschaftliche Struktur verfügten, die eine kontrollierte Einwanderung der späteren Euro-Amerikaner ermöglicht hätte. Deshalb konnten sich die Verhältnisse in Amerika bis heute so entwickeln. Die damaligen bildungsfernen Einwanderer (auch aus Deutschland), mit ihren kinderreichen Familien (auch aus Irland), nahmen sich alles in Besitz (auch die Spanier taten dies). Ungelernt sind diese Menschen über Generationen bis heute noch, wenn man genau hinschaut. Dort (im Land der 1000 Möglichkeiten) gibt es keine Handwerkskammer oder Lehrberufe, die mit Deutschland vergleichbar sind. Gartenhütten und Baumhäuser am Niederrhein werden stabiler gebaut, als z.B. Bungalows in Florida. Polizist werden, kann man dort binnen weniger Wochen. Hier dauert ein Führerschein länger - oder der Yoga-Kurs...

Heute ging ein Video durch das Netz, mit einem englischen Polizisten. Der läuft in diesem Clip an einer Gruppe farbiger Demonstranten vorbei, die "Black lives matter" skandieren. Es handelt sich anscheinend um eine George-Floyd-Solidaritätsveranstaltung irgendwo in Großbritannien. Auf seine freundlich vorgetragene Antwort "all lives matter" brüllt man ihm hysterisch hinterher, "only black lives matter". Der Polizist geht weiter, um die Situation nicht zu eskalieren. Ich teile aber seine Auffassung, dass es AUF JEDES LEBEN ANKOMMT. 

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Als ich geboren wurde, war die Zeit von Martin Luther King und Malcolm X in den USA. Ich bin nicht ganz ein Jahr alt gewesen, als der Traum von Martin Luther King durch ein Attentat jäh zerstört worden ist. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, ob die Black-Power-Bewegung erfolgreicher gewesen wäre, als der friedliche Marsch seinerzeit. Ich habe im Laufe der Jahre aber gelesen, dass Malcolm X als Drogendealer und Kleinkrimineller angefangen hat, bevor der gebürtige Malcolm Little zu "Red" wurde, und später (nach einer Pilgerfahrt nach Mekka) "Hadschi Malik el-Shabazz" - ein Streiter für die schwarze muslimische Minderheit in den USA. Malcolm X wurde ebenfalls ermordet. Möglicherweise aber durch andere Muslime, weil er außereheliche Affären seines Ziehvaters öffentlich gemacht hatte.

Die amerikanische Gesellschaft spaltete sich bis heute immer weiter auf...

Der amerikanische Traum hat damit kein Problem, wie es scheint. Da gibt es die Sportler, die auch schwarz sein dürfen, wenn sie gut sind. Da gab es die sogenannten "Buffalo Soldier". Schwarze Soldaten, die erst gegen Indianer eingesetzt wurden, dann im Krieg gegen die konföderierten Staaten des Südens kämpften, und schließlich auch in Vietnam oder anderswo. Barack Obama ist auch von vielen Amerikanern eher als der Politiker-Kaste zugehörig empfunden worden, denn als Farbiger. Dieses Phänomen kennen wir leider auch in Deutschland. 

Der Traum von Martin Luther King hat aber deutlich anders ausgesehen. Er hatte einen Traum von Gleichheit, Brüderlichkeit und Solidarität, zwischen Menschen aller Hautfarben. Der Begriff der Rasse war ihm innerlich fremd. Allen Menschen hat er die Hand gereicht, ähnlich, wie Jahre zuvor in Indien noch Gandhi hatte vermitteln wollen, zwischen Hindi und Muslimen. King "träumte" von Freiheit für alle Menschen, dass sie nach ihrem Wesen zu beurteilen sind - nicht nach ihrer Hautfarbe oder Religion. Das sollte für uns alle ein Traum sein, der endlich in die Tat umzusetzen ist. Nicht gestern, nicht morgen, sondern HEUTE.

Der brutale Mord an George Floyd ist durch nichts zu entschuldigen. Allerdings rechtfertigt das wohl nicht zu Plünderungen und kriminellen Handlungen selbsternannter Bürgerrechtler, die eigenen Profit aus dieser Situation schlagen wollen.

Ich habe den Traum, dass Donald Trump nicht wieder gewählt wird - stattdessen ein Joe Biden mit Amerikanern aller Herkunft und Hautfarben zumindest den Versuch unternimmt, die amerikanische Gesellschaft endlich zu einen. Dafür hat es beinahe 50 Präsidenten gebraucht. Darüber hinaus wünsche ich mir aber auch für Europa EINE Gesellschaft. Die Vereinigten Staaten von Europa würden mir gefallen. Egal - also sprachlich: GLEICH - wo die Menschen herkommen, was sie beten oder denken.

Es gibt auch zum sozialen Frieden keinen anderen Weg, als den sozialen Frieden. 

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Kommentar von Stephan Leifeld
Autor:

Stephan Leifeld aus Schermbeck

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