Warum es besser sein könnte, nicht vor September den Shutdown zu lockern...
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Es ist einen Monat her, da konnte man einen Armin Laschet hören und sehen, wie er im Fernsehen von Leben und Tod gesprochen hat. Es sei so ernst, dass die Menschen nun unbedingt zuhause bleiben müssen, Schlimmeres abzuwenden. Die Versorgung stehe auf dem Spiel - bezogen auf die Anzahl von Krankenhäusern und -Betten, Ärzten und Medikamenten. Daher wirkte der kleine Aachener sehr besorgt, eindringlich und überzeugend. Ich bin mit meiner Familie nicht nur deshalb in den letzten Wochen gerne daheim geblieben...

Nun besinnt sich der Kanzlerkandidat der Union, der aus einer Gegend stammt, aus der etwa auch der letzte Möchtegern-Kanzler der SPD gekommen ist, in den letzten Tagen wohl völlig anders.

Möglicherweise um Profil gegenüber der Noch-Kanzlerin zu gewinnen und sich deutlich abzugrenzen gegenüber seinem etwaigen Wettbewerber aus Bayern, soll die quasi Vollbremsung der wirtschaftlich-gesellschaftlichen Aktivitäten in der Öffentlichkeit anscheinend wieder aufgehoben werden. Zurück in die Normalität, lautet die Devise. Dabei kursieren Videos im Netz, mit einer Schulministerin Gebauer, die - wenn das Video echt sein sollte - Todesfälle unter Lehrkräften und Schulleitern, sowie erwachsenen Angehörigen von Schulkindern, zumindest im Kalkül haben soll. In diesen Tagen hört man kaum noch, dass die Entscheidungen der letzten Wochen richtig gewesen wären - wenn man nur den Politikern zuhört. Das sorgt für viel Verwirrung und Unmut in der Bevölkerung, fürchte ich.

Massenhaft teilen Menschen in den sogenannten sozialen Netzwerken denselben Text, der damit beginnt, "den Vögeln in Berlin" - die ich noch gerne lieber beim Namen nennen mag, auch wenn ich dann und wann andere Ansichten habe - ordentlich Bescheid zu sagen. Der Text, der von schlechter Rechtschreibung nur so strotzt, als wenn gerade die AfDler, die dahinter stecken, ihre eigene Muttersprache nur am Megaphon einigermaßen parat haben; offenbart auch nur den Drang wieder in die Zeit vor dem Shutdown zu kommen. Meines Erachtens nur aus Angst. 

Angst macht Nazis. Angst vor dem Fremden. Angst macht Wolfshass. Angst vor der Natur im Wald, die man nicht kennt. Angst schiebt Teller weg. Was der sprichwörtliche Bauer nicht kennt, das isst er nicht. Nun wollen die ängstlichen Lemminge wieder zurück in den Februar 2020 - weil, den kennen sie. Denken sie zumindest. Und Angst und Wut ist ein gutes Geschäft für die AfD. Da kennen sie sich aus. So gewinnen sie ihre Wähler... die zum großen Teil nicht aus Nazis bestehen, sondern aus verunsicherten, schlecht informierten, ängstlichen Menschen. 

Wenngleich auch Texte mit mehr als 200 Wörter besser in den Suchmaschinen zu finden sind, schreibt Lokalkompass in der Bedienungsanleitung seinen Bürgerreportern - wäre es deshalb dennoch besser, ich könnte mich kürzer fassen. Kann ich aber nicht. Ich brauche noch einige Tausend Zeichen mehr, denn das Fremde und die Natur haben wir Menschen selber in die Enge getrieben. Wie wir Menschen beim Wolf und Tieren unserer Gegenden den Lebensraum genommen haben, tun wir es als Touristen und Kunden von Tropenprodukten möglicherweise auch global. 

Es wäre schön, wenn die Corona-Krise
uns drei Dinge lehren könnte

- ich meine, massenhaft. Nicht nur wenige. In Sachen Erkenntnis wäre auch so etwas wie eine Herden-Immunität eine schöne Sache.

Erstens kommen die vom Krieg vertriebenen Menschen nicht zu uns, weil sie böse sind.Die allermeisten Menschen, die zu uns kommen, sind in existenzieller Not. Zweitens steht Deutschland momentan in der Welt mit einer recht ordentlichen Quote in Sachen Heilung und Sterblichkeitsrate bei Corona deshalb so gut da, weil wir uns alle über Ostern zusammengerissen haben. Und drittens könnten wir Menschen - außerhalb der Kriegsgebiete zu 1 und der Herkunftsgebiete sogenannter Zoonosen zu 2 - lebend in der Wohlstandswelt, etwas mit beiden "Bewegungen" zu tun haben.

Stellen wir uns einmal vor, wir würden die aktuelle Zeit nutzen, um weiterhin daheim zu bleiben. Dann würden wir, wenn Angela Merkel vor laufender Kamera vorgestern richtig gerechnet hat, mindestens bis Ende September 2020 unserem Gesundheitssystem einen Zeitvorsprung verschaffen, sich weiter um die Infizierten zu kümmern und gleichzeitig auf Weiteres vorbereitet zu sein. Die Reproduktionszahlen beim aktuellen Virus könnten auf deutlich unter 1 gesenkt werden. Wir würden lernen, mit solchen Viren zu leben - und die 19er-Variante ist in meiner Vorstellungskraft sicher nicht die letzte ihrer Art. Soviel habe ich bei der Recherche zu meinen Texten schon gelernt.

Stellen wir uns weiter vor, wir würden die aktuelle Zeit nutzen, um zuhause auch über den Weltfrieden zu denken, den ja alle angeblich wünschen, wenn sie sonst schon alles haben. Dann könnten wir, wenn Angela Merkel immer noch Kanzlerin ist - also in absehbarer Zeit inzwischen - die Entscheidung fällen, als Gesellschaft zukünftige Rüstungsexporte nicht mehr zu erlauben. Wir könnten dadurch die Reproduktionszahlen bei sich gegenseitig tötenden Soldaten auf der ganzen Welt deutlich reduzieren. Viele Männer, Söhne oder Väter, würden überleben - viele Kinder nicht ohne Eltern aufwachsen, dafür aber nicht traumatisiert.  

Wenn wir schon dabei sind, stellen wir uns dann noch vor, dass es keine tolle Agenten- und Verschwörungstheorie sein muss, die den Ursprung für Covid-19 zu verantworten hat - sondern wir alle selbst. Mit unserem Massentourismus in die letzte Ritze unserer Erde. Früher gab es nämlich auch schon derartige Zoonosen - also Krankheiten, die von Tier zu Mensch übergegangen sind. Aber die kannten wir nur aus Nachrichtenmagazinen, die aus aller Welt berichtet haben. Das berührte uns nur, wenn wir in Sonstwo Urlaub machen wollten - oder arbeiten sollten, "wo der Pfeffer wächst".

Nicht zuletzt sind es vom Menschen verursachte Umweltveränderungen, die global zur vermehrten Ausbreitung von Krankheiten führen: industrielle Entwaldung und industrielle Landwirtschaft erhöhen das Risiko der Übertragung von Infektionskrankheiten und deren Auswirkungen. Davon bin ich überzeugt. Je mehr wir also unsere Umwelt verändern, desto mehr geraten auch Krankheitserreger ins Ungleichgewicht und in "unsere Gegend". Menschliche Aktivitäten führen zu neuen Dynamiken von Infektionskrankheiten und neuen Ausbreitungsmustern, beispielsweise durch Massentourismus in vormals unberührten "Paradiesen". Durch erhöhte menschliche Aktivität entsteht eine immer größere Schnittstelle zwischen Mensch, Tier und Umwelt, an der sich Krankheiten übertragen können. Diese Krankheiten wollen auch nur leben. Wenn wir bisherige Wirtstiere ausgerottet hätten, böten wir selbst uns als Alternative. Und dann passen sich diese Krankheitserreger einfach ständig an. Viren verändern sich deshalb rasend schnell, aus Sicht von uns Menschen. Das macht ihre Ausbreitung unvorhersehbar und die Entwicklung eines Impfstoffes eher unmöglich, im vorliegenden Fall. Es ermöglicht Forschern aber nachzuvollziehen, wie sich der Erreger entwickelt. 

Eine Herdenimmunisierung macht dann wenig Sinn, finde ich. Und ich bin völlig nüchtern - habe mir das gut überlegt. Ich liebe meine Kinder, will sie nicht dafür verantwortlich wissen, wenn ein vorschneller Schulbesuch in den nächsten Wochen, Auslöser sein sollte, für das Ableben von älteren Menschen in unserer Familie, im Umfeld oder bei den geschätzten Kollegen an deren Schule. Ich kann nicht verstehen, warum die Statistik diverser Klassenarbeiten wichtiger sein soll, als für das Leben zu lernen.

Seneca meinte dereinst, dass wir für die Schule und nicht für das Leben lernen.

Dieser Spruch wird gerne umgedreht dargestellt, um zu erklären, dass das in der Schulzeit erworbene Wissen für das Leben gut und wichtig wäre. Genau deshalb hoffe ich, dass die Schulen erst im September 2020 wieder auf eine neue Art von Normalbetrieb zurückgebracht werden - und wir alle bis dahin zuhause und in den Ministerien lernen, wie das Leben weitergeht. Die aktuelle Diskussion in Funk und Fernsehen empfinde ich als hysterisch, unangemessen und dumm. Wir sollten Ruhe bewahren, nicht den Kopf verlieren - und Zeit gewinnen. Für uns alle.

Mir würde der Gedanke gefallen, eher die Kontakte zwischen Kindern, Eltern und Großeltern zu fördern, bis die Schule im September wieder losgeht. Ebenso digital - wie auch die Bildung. Wir leben immerhin im Jahre 2020. Denn der aktuell von der herrschenden Politik angestrebte Weg in NRW wird womöglich eine große Katastrophe für die Zwischenmenschlichkeit der Generationen.
So oder so gesehen...

Autor:

Stephan Leifeld aus Schermbeck

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