17. Mai 1943 vor 70 Jahren - die Möhne wird bombardiert!

Zu Beginn der Führung zeigt uns Uwe Fuhrmann die Möhne. Auf dem Bild unten links erkennt man die Tarnbepflanzung und rechts ist ein Bild der Flakschützen zu sehen ...
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  • Zu Beginn der Führung zeigt uns Uwe Fuhrmann die Möhne. Auf dem Bild unten links erkennt man die Tarnbepflanzung und rechts ist ein Bild der Flakschützen zu sehen ...
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Es ist die Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1943, eine Viertelstunde nach Mitternacht. Vor einigen Stunden sind 19 Lancaster-Bomber in England gestartet (8 werden nicht wieder in die Heimat zurückkehren). Ihr Ziel, die Staudämme Eder, Möhne und Sorpe im Sauerland. An Bord der Maschinen: in jahrlanger Arbeit entwickelte Präzisionsbomben, die nach dem Prinzip eines Steines, der über die Wasseroberfläche hüpft, Torpedofangnetze überspringen können und (unterstützt durch die Wassermasse) die Staudämme zum Bersten bringen sollen.

Uwe Fuhrmann vom Heimatverein Schwerte hat ca. 50 aufmerksame Zuhörer bei seiner Themenstadtführung am 17. Mai 2013, dem 70. Jahrestag der Möhnekatastrophe. Alte Fotos in Plakatgröße zeigen an vielen Stellen die Verwüstungen dieser Katastrophe. Wie es heute an diesen Stellen aussieht, können wir direkt begutachten. Unter den Teilnehmern der Stadtführung sind mehrere Zeitzeugen. Immer wieder gibt es kleine Bemerkungen, Erzählungen und Erinnerungen zu hören.

Eine Frau erzählt z. B., dass sie als 4jähriges Kind mit ihren Eltern oberhalb des Baldeneysees gestanden hat. Dorthin hatte sich die Familie vor den Fluten gerettet, die bis Essen eine Spur der Verwüstung hinter sich zurück ließen. Sie erinnert sich noch heute an die toten Tiere, die die Fluten mitgerissen hatten. Auch die ehemalige Oberschichtmeisterin Diethild Dudeck berichtet, dass sie als 12jähriges Mädchen am Morgen des 17. Mai Zeugin wurde, wie eine Nachbarin, die sich am frühen Morgen vor den Fluten auf einem Apfelbaum auf dem Rohrmeistereigelände gerettet hatte, dort bis zum Mittag ausharren musste. Morgendliche Rettungsversuche mussten abgebrochen werden, weil die starke Strömung die Retter in Lebensgefahr brachte.

Uwe F. berichtet uns, dass erst im März 1943 umfangreiche Sicherungsmaßnahmen für die Möhnetalsperre aufgehoben wurden. Warum ist nicht bekannt; aber von zahlreichen Flakgeschützen, Torpedofangnetzen, Sperrballonen und Tarnbepflanzungen bleiben nur 2 kleine Flakgeschütze auf den beiden Staudammtürmen, die Torpedofangnetze und natürlich die Tarnbepflanzung. Laut Uwe F. wird bei den Soldaten der Wehrmacht die Stationierung an der Möhne als „Kuraufenthalt“ bezeichnet, schließlich passiert dort ja nichts ... In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai wird sich dies dramatisch ändern.

Eine der speziell entwickelten Bomben trifft den Möhnestaudamm, die Wassermassen der hochvollen Talsperre bringen ihn auf 75 m zum Einsturz. Die Wasserfluten rauschen durch das Ruhrtal bis weit ins Ruhrgebiet. Schwerte ist etwa 50 km vom Damm entfernt, Essen noch einmal so weit. Ca. 1.400 Tote sind zu beklagen, etwa die Hälfte sind Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Die Wassermassen der getroffenem Eder-Talsperre kamen aufgrund der anderen Topographie nur ca. 35 km bis Kassel. Der bombardierte Sorpe-Damm brach nicht, weil es keine Staumauer, sondern ein Erdwall ist.

Die zurückkehrenden englischen Soldaten werden von König Georg hoch geehrt und in der Öffentlichkeit hoch gelobt. Intern sieht es ein wenig anders aus, weil die Zerstörung der Talsperren nicht den gewünschten Erfolg (Störung der Industrie im Ruhrgebiet) brachte. In Deutschland setzt man alles daran, die Schäden möglichst schnell zu beseitigen. Die Bevölkerung soll beruhigt werden - ist ja alles halb so schlimm ... Nach nur 5 Monaten war der Möhne-Staudamm wieder wie neu und wurde mit einer Feier eingeweiht. Bis zum Kriegsende wieder besser gesichert.

Nach dem Krieg werden in der Schwerter Altstadt an vielen Häusern Hochwassermarken angebracht. Der Gründer des Ruhrtalmuseums, Josef Spiegel, erstellte eine umfangreiche und sehr gute Ausstellung über die Katastrophe. Viele Jahre zeigt und erklärt er sie Schwerter Schülern. Auch ich habe sie an „Wandertagen“, an denen wir üblicherweise das Museum besuchten, zu sehen bekommen. Es gab sogar ein Modell der zerstörten Staumauer. Josef Spiegel erhielt von der englischen Royal Air Force die Auszeichnung „Keeper for peace“ dafür. Ein Gefühl dafür, dass Krieg schlecht und Frieden gut ist, kann man vielleicht dadurch hervorrufen, indem man das Leid zeigt, das der Krieg verursacht.

Autor:

Sabine Totzauer aus Schwerte

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