LWL-Volkskundler berichten zum Welttag der Bienen aus der Kulturgeschichte der Bienenhaltung
Starb der Imker, wurden die Bienen geweckt

Ein Bienenhaus schützte die Bienenstöcke vor der Witterung. Bild eines Bienenhauses (um 1940) in Rheine (Kreis Steinfurt).
  • Ein Bienenhaus schützte die Bienenstöcke vor der Witterung. Bild eines Bienenhauses (um 1940) in Rheine (Kreis Steinfurt).
  • Foto: LWL-Volkskundearchiv
  • hochgeladen von Helmut Eckert

"Rettet die Bienen!" hieß es zu Beginn des Jahres im Zusammenhang mit einem Volksbegehren in Bayern, das nun nahezu unverändert als Gesetz übernommen wurde, denn er Bestand der Bienen ist durch Pflanzenschutzmittel und Monokultur stark zurückgegangen. Zum Welttag der Bienen am Montag (20.5.) berichten die Volkskundler des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) aus der Kulturgeschichte der Bienenhaltung. "Im Umgang mit Bienen zeigt sich, dass sie keine Nutztiere wie jedes andere sind, sondern früher wie heute eine Sonderstellung haben", sagt Kathrin Schulte von der Volkskundlichen Kommission des LWL.

Im Rahmen der bäuerlichen Wirtschaft hat die Bienenhaltung in Westfalen eine lange Tradition. Das zeigen viele Berichte zur Bienenhaltung im LWL-Volkskundearchiv. "Die Imkerei scheint lange Zeit eine Männerdomäne gewesen zu sein. In unseren Berichten heißt es stets, der Imker habe bei seinem Vater, Großvater oder dem Nachbarn gelernt", erklärt Schulte. Bienenhaltung war bis ins 20. Jahrhundert hinein ein beliebter Nebenerwerb der Landwirte. Auf vielen Bauernhöfen gab es Bienenhäuser, die die Bienenkörbe aus Stroh vor der Witterung schützten. Wenn auch aus ganz anderen Gründen als heute, so wurde bereits in den 1950er Jahren ein Rückgang der Bienenvölker beobachtet: "Die Anzahl der Bienenhäuser und somit auch der Bienenkörbe und -völker nahm in dieser Zeit offenbar deutlich ab. Gründe für diese Abnahme werden in keinem der Berichte genannt, sind aber vermutlich im Aufkommen der Magazinbeuten genannten, witterungsbeständigeren Bienenbehausungen aus Holz oder Kunststoff sowie zunehmendem Zeitmangel der Landwirte zu suchen", so Schulte.

Für die Volkskundlerin ist besonders bemerkenswert, dass viele Berichterstatter von einer Kommunikation mit den Insekten berichten. So sei den Bienen der Tod des Imkers mitzuteilen, heißt es in einem Bericht aus dem Märkischen Kreis: "Starb der Imker wurden die Bienen geweckt." Dieses Wecken war, je nachdem unter welchen Umständen es geschah, eine gruselige Angelegenheit. Man klopfte an die Körbe und sagte nach dem Aufbrausen: 'Immen inke Här es dout!' [Bienen, euer Herr ist tot] Man konnte auch etwas Anderes sagen. Es mußte aber geschehen, weil der Glaube bestand, daß im anderen Falle die Bienen mit dem Imker stürben."

"Ähnliche Berichte liegen uns aus ganz Westfalen-Lippe vor. Vereinzelt wurden die Bienen auch über Hochzeiten informiert", sagt Schulte. Den Bienen wurden offenbar menschliche Gefühle nachgesagt, angeblich trauerten sie im Falle des Todes um ihren Imker. Ein pensionierter Lehrer aus Ladbergen (Kreis Steinfurt) klärt diesen Mythos auf: "Aus der Tatsache, daß beim Tode eines Imkers oft kein gleichwertiger Nachfolger den Stand übernahm und infolgedessen die Leistung sehr zurückging, entstand hier die Meinung, daß die Bienen dem besonders guten Pfleger bei seinem Tode lange nachtrauerten und ihm auch wohl ganze Völker nachstarben."

Nicht nur über den Tod oder die Hochzeit des Imkers seien die Bienen zu informieren, sondern auch über dessen längere Abwesenheit: "Wenn man längere Zeit verreisen muß, so soll man sich von seinen Bienen verabschieden", schreibt ein Lehrer aus Minden-Lübbecke. Er berichtet vom Tod seiner Bienen, da er sich nicht von ihnen verabschiedete, als er in den Ersten Weltkrieg zog und seine Bienenvölker in die Obhut des Nachbarn übergab. "Ein solcher Umgang mit den Bienen deutet auf eine besondere Wertschätzung der Insekten hin, die man mit ihrem Imker in einer sehr engen Verbindung glaubte", erklärt Schulte. Für die besondere Hochachtung gegenüber den Insekten spricht auch, dass die Tötung von Bienen verpönt war. Angeblich ging sie mit Unglück und Verlusten einher, die gute Behandlung von Bienen bringe hingegen Schutz und Erfolg.

Die Bienen waren nicht nur im Hinblick auf die Bestäubung von Blüten und die Gewinnung von Honig, den die Imker meist auf privater Ebene verkauften, nützliche Tiere. Aus ihrem Verhalten leitete man ebenfalls Erkenntnisse über das Wetter und das Klima ab. "In unserem Manuskriptarchiv sind zahlreiche Wetterregeln überliefert, die sich auf das Verhalten der Bienen beziehen. So soll der Zeitpunkt, zu dem sich die Bienenvölker winterfest machten, auf die Dauer und Härte des Winters hinweisen", sagt Schulte. "Bienenschwärme im Mai bringen uns viel Heu" und "St. Josephus klar gibt ein gutes Honigjahr" sind weitere Wetterregeln, die sich auf Bienen beziehen.

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